Thema: Mein Grab

  1. #1
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    Mein Grab

    Die Hölle ist der wahre Himmel.
    So steht´s auf meinem Grab geschrieben.
    Es ist noch nicht erichtet
    es ist noch nicht real.
    Doch in meinem Kopf
    existiert es schon lange
    und ist bereits verscharrt.
    Ich werde es bewohnen.
    Die Zeit wird schneller kommen.
    Als ch denken kann

    (1999. Keine schöne zeit in meinem Leben)

  2. #2
    Sydney ist offline Nachteulen- & Koalaparadies
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    Hey,

    Mir persönlich gefällt dieses Gedicht unglaublich gut.
    Ich hatte gerade auch eine ziemlich depressive Phase, aber um zu kompensieren habe ich mich bei Gedichte.com angemeldet.
    Es hat auch ziemlich gut geklappt.

    "Doch in meinem Kopf
    existiert es schon lange
    und ist bereits verscharrt."

    Diese Zeilen gefallen mir am besten...

    (Vielleicht willst du auch mal eines meiner deprimierenden Gedichte lesen?
    -> Andenken )


    xd syd

    Quare suo iure noster ille Ennius sanctos appellat poetas, quod quasi deorum aliquo dono videantur.
    Cicero

    .___.
    {o,o}
    /)__) <3 Be good, I'm watching you.
    -"-"-

  3. #3
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    Hallo Black Cat,

    Dein Gedicht ist sehr persönlich geschrieben. Diese Tatsache erschwert das kommentieren, da Kritik am Gedicht als Kritik am Autor verstanden werden kann.

    1. Allgemein

    Zitat Zitat von Black Cat
    Die Hölle ist der wahre Himmel. --> Antithese
    So steht´s auf meinem Grab geschrieben.
    Es ist noch nicht erichtet --> errichtet
    es ist noch nicht real. --> Anapher
    Doch in meinem Kopf
    existiert es schon lange
    und ist bereits verscharrt.
    Ich werde es bewohnen.
    Die Zeit wird schneller kommen. --> Beistrich statt Punkt, da ein Gliedsatz (hier: Temporalsatz) folgt; nächster Vers klein weiter
    Als ch denken kann --> 1. ich; 2. Punkt fehlt

    (1999. Keine schöne zeit in meinem Leben)--> Zeit
    Du verwendest Stilmittel, was ich prinzipiell gut finde. Vor allem die Antithese ist hier hervorzuheben, da sie den Inhalt in höchstem Grade unterstützt. Der Anapher (gleiches Wort am Anfang), die du hier verwendest, kann mich hier zwar weniger überzeugen, doch sie stört mich nicht weiter, da sie deine Aussage unterstreicht.
    Woran du noch arbeiten solltest, ist die Tatsache, dass dir hier einige Rechtschreibfehler unterlaufen sind. Ich empfehle dir, diese zu korrigieren.


    2. Metrik

    Ein X steht für eine betonte Silbe, ein x für eine unbetonte.


    Die Hölle ist der wahre Himmel.
    xXxXxXxXx
    So steht´s auf meinem Grab geschrieben.
    xXxXxXxXx
    Es ist noch nicht erichtet
    xXxXxXx
    es ist noch nicht real.
    xXxXxX
    Doch in meinem Kopf
    XxXxX
    existiert es schon lange
    XxXxxXx (existiert es schon so lange --> XxXxXxXx --> so würde es passen)
    und ist bereits verscharrt.
    xXxXxX
    Ich werde es bewohnen.
    xXxXxXx
    Die Zeit wird schneller kommen.
    xXxXxXx
    Als ch denken kann
    XxXxX

    Im Wesentlichen passt es schon recht gut. Versuche vielleicht, einen einheitlicheren Rhythmus zu finden (orientiere dich dabei an meinem Ver-x-e)! Der Wechsel zwischen Jambus (Xx) und Trochäus (xX) passt m.E. ins Bild, doch in einem Vers (fett makiert) folgen zwei unbetonte Silben aufeinander. Vielleicht magst du ja meinem Rat folgen oder du findest selbst etwas.

    3. Inhalt

    Die Hölle ist der wahre Himmel.
    So steht´s auf meinem Grab geschrieben.
    Es ist noch nicht erichtet
    es ist noch nicht real.

    Das LI stellt sich sein Grab vor, auf welches es zukommt. Es fürchtet dabei, die Hölle zu erwarten.


    Doch in meinem Kopf
    existiert es schon lange
    und ist bereits verscharrt.

    Hier wird klar, dass das Grab nur im Kopf des LI (= lyrisches Ich) besteht - und zwar schon seit langer Zeit. Bei "verscharrt" bin ich mir unsicher. Einerseits könnte dies ausdrücken, dass das Grab im Gedächtnis verscharrt ist - also dass die Erinnerung fehlt. Oder aber bedeutet es, dass das LI in seiner eigenen Phantasie schon begraben wurde? Möchtest du mir vielleicht ein wenig helfen, wie es zu verstehen ist?


    Ich werde es bewohnen.
    Die Zeit wird schneller kommen.
    Als ch denken kann

    Wohnen drückt etwas Gemütliches aus. Vielleicht hat sich das LI schon mit seinem Schicksal abgefunden. Dazu widersprüchlich erscheint die Aussage, dass es früher sterben wird als es denken kann.


    Ich grüble noch darüber, ob das Grab nicht eher für eine Vorstellung des LIs steht.


    Dass es dir einmal so ergangen ist, bedauere ich.



    All dies berücksichtigt, ist Folgendes zu sagen: Dein Werk ist ein sehr persönliches. Es ist daher so, wie es ist, für dich richtig und das ist gut so. Schreiben ist eine gute Art, um mit Persönlichem umzugehen. Vielleicht möchtest du dennoch die eine oder andere Änderung vornehmen.

    lg, maXces

  4. #4
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    Ich danke Dir für die tollen Tips,ich werde mich bemühen!

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