Thema: Der Urlaub

  1. #1
    ReinART Guest

    Der Urlaub

    Urlaub korrigierte 2te Version

    Grad noch habe ich mich umgeschaut
    und sah ein tiefes schwarzes Loch -
    da hab ich mich hineingetraut,
    obwohl es sehr nach Pech und Schwefel roch.

    Ich stieg hinab bis auf den Grund,
    Geschmeiß und andre Ungeheuer
    belebten diesen dunklen Schlund;
    verweste Leichen hingen am Gemäuer.

    Es flammten Feuerwände vor mir auf
    und Qualm versperrte meine Sicht
    Geschundne Leiber sah ich hier zu Hauf -
    doch Schmerz und Mitleid fühlt ich nicht.

    Im Feuer sah ich Menschen brennen,
    andre traktiert von glühend heißen Zangen.
    Die Zahl der Qualen kann ich nicht benennen -
    ich wollte tiefer in das Schreckensreich gelangen

    Ein lauter Schrei, ließ mich vor Angst erstarren;
    ein Teufelsweib kam auf mich zugerannt.
    Ich musste mit den Hufen scharren-
    mir war, als hätt sie mich schon lang gekannt.

    Als sie sich keifend vor mich stellte
    und schrie, wo ich mich rumgetrieben hätte,
    wars so, als wenn sich mir der Kopf aufhellte
    und wusste gleich: ich war an mir vertrauter Stätte.

    Hier war mein Reich und sie mein liebes Weib -
    das hatt ich oben auf der Erde ganz vergessen
    und gelobte, dass ich nun für immer bei ihr bleib-
    doch sie schrie weiter wie besessen...

    „Mon Dieu“, ließ ich ganz kleinlaut nun verlauten,
    „ich war doch nur für kurze Zeit mal eben fort,
    tat das, was andre vor mir niemals sich getrauten:
    wollt Urlaub machen mal an einem andren Ort“.

    „Schon immer wollte ich den Himmel schauen,
    und nebenbei des Schöpfers Gnade mir erflehen.
    Wollt einmal nur an schönen Dingen mich erbauen,
    doch sei dies nicht in seinem Weltenplane vorgesehen.
    So sprach er, wies mir gleich das Himmelstor,
    auf dass ich nun für ewig in der Hölle schmor!

    2008
    Geändert von ReinART (10.01.2009 um 10:31 Uhr)

  2. #2
    Sigmar Erics Guest
    Grüß Dich, ReinART!

    Um den Humor voll zu entfalten, müßte die Pointe m.E. um mindestens 4-6 Verse gekürzt werden. Die letzte Strophe zum Beispiel könntest Du komplett streichen.

    Wolltest Du ansonsten vielleicht versuchen, die Strophen zumindest in einem konsequent eingehaltenen Schema bezüglich der Hebungen pro Vers zu halten? Die ersten beiden fand ich gar nicht schlecht, die stehen im Schema 4-4-4-5, was dem letzten Vers eine Schlußwirkung verleiht. Speziell mit diesem Inhalt kann ich das zwar nicht in Verbindung bringen - halt: Die Summe der Betonungen ist 17. Nach der alten Tradition der Zahlensymbolik sind solche Zahlen oft aus mehreren Symbolzahlen zusammengesetzt, und 17 ist 13+4 - die Zahl des Unheils und die Zahl des Menschen. Naja, ich denke halt gern über solche Sachen nach, muß ja niemand nachmachen.

    Aber Regelmäßigkeit in den Strophen wünsche ich mir. Magst Du?


    Herzliche Grüße,
    Sigmar

  3. #3
    ReinART Guest
    Lieber Sigmar
    schön, dass Du Dich einiger meiner Gedicht annimmst. Wie Du siehst, lasse ich mich vom Bauch leiten und dass gerade in diesem Gedicht die Zahl 17 die Summe der Betonungen bestimmt: es muss vom Teufel selbst geschrieben worden sein
    Aber Spaß beiseite: ich werde Deinem Rat in den nächsten, mir frei zur Verfügung stehenden Stunden, folgen.
    Damit wäre mein "Urlaub" schon wieder ausgesetzt. Danke
    Melde mich bei Dir, wenn ich so weit bin.
    Teuflische Weihnachtsgrüße
    reinhard

    Allerdings kann ich nicht verstehen, wieso gerade die letzte Strophe gestrichen werden könnte. Sie ist doch die Pointe.
    Der arme Teufel gönnt sich einmal Urlaub und schon wird er von seiner Alten zurechtgestutzt. Daraufhin ringt er sich das Versprechen an sie ab, sie niemals mehr zu verlassen, obwohl er doch offensichtlich Gefallen an dem gefunden hatte, was er dort oben erleben durfte. Aber das ist ja nicht Zunftgemäß.
    Bitte erläutere es mir noch mal, warum Du diese Strophe streichen würdest
    Geändert von ReinART (26.12.2008 um 10:17 Uhr)

  4. #4
    Sigmar Erics Guest
    Die eigentliche Pointe sehe ich bereits in der vorletzten Strophe. Erst da enthüllt sich der Umstand, daß hier nicht die Höllenfahrt eines Menschen, sondern die Heimfahrt eines Teufels ist. Die letzte Strophe enthält keine weitere Pointe, sie ist nicht witzig; sie klappert vielmehr nach, rechtfertigt, moralisiert. Das schwächt die Schlußwirkung erheblich.

    Was meinst Du zu der Idee mit dem regelmäßigen Strophenschema?

    Detail: Nach "Ungeheuer" steht kein Komma.


    HG,
    S.

  5. #5
    ReinART Guest
    Lieber Sigmar

    werde vorerst bei der zweiten Version bleiben. D.h. inclusive der letzten Strophe.
    Vielleicht habe ich das Gedicht an der falschen Stelle gepostet und man erwartet so ein Gedicht, bei dem einem die Bauchmuskeln vor Lachen wehtun. Nein- solche Gedichte können andere besser schreiben als ich. Ist nicht mein Metier.
    Es ist zwar lustig aber auch tiefgründig und das wollte ich bewahren.
    Gerade der Schluss ist meine Pointe: Der Teufel, der in sich das Begehren verspürt auch mal auf der Sonnenseite einen Platz zu finden und eventuell dort zu bleiben, falls es ihm gefallen sollte.
    Es ist keine Rechtfertigung seines Tuns, sondern Ausdruck seiner, ihn kurzfristig befallenen lebensbejahenden Gefühle. Aber da der Schöpfergott über allem thront und somit auch die Existenz eines Teufels erst möglich gemacht hat, wird dieser, da er eine Funktion zu erfüllen hat, wieder auf seinen Platz verwiesen.
    Ich habe Dich sicherlich auf die falsche Fährte gesetzt, indem ich die Erwartung auf ein Lustiges Gedicht befördert hatte.
    Dank Dir für Deine Mühe
    Reinhard

  6. #6
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    Wie köstlich sind die Kommentare.
    Wie herrlich ist´s, das Werk zu lesen.
    Ich denke schon, im Lauf der Jahre,
    wird auch der Teufel noch genesen.
    Mein 2. bis 22. Buch MENSCH MEIER könnt ihr kostenlos, auch als e-book, über meine eigene Homepage (siehe mein PROFIL) laden.

  7. #7
    ReinART Guest
    Lieber Gun
    denke mir dass Dir das Gedicht gefällt! Du bringst den nötigen Humor, Sarkasmus und Verständnis mit .
    Schade, dass ich Deinen Kommentar nicht in das Gedicht einbauen kann.
    Lieben Gruß
    Reinhard

  8. #8
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    Ort
    unter dem Wind
    Beiträge
    967
    Ich würde das Gedicht ein klein wenig umformulieren, weil es auch mir etwas zu lang vorkommt. Idee und Technik der Vorlage finde ich gut -

    Ich hoffe, man kann hier so etwas wagen :

    Der Teufel

    Der Teufel sitzt auf einem Stein
    und schaut hinauf zum Himmel,
    dann kratzt er sich das Ziegenbein,
    und seinen großen Pimmel.

    Ich würde gern da oben sein,
    und schön, so wie ein Engel,
    doch hätt' ich dann ein Storchenbein
    und einen Hamsterstengel.

    Und statt den Hörnern auf der Glatz,
    hätt ich am Rücken Flügel,
    doch die sind sicher kein Ersatz,
    für meinen schönen Prügel.

    Herr Beelzebub seufzt herzbeschwert
    da muss er nun verzichten,
    Adlerflügel, Schwanz vom Pferd,
    das kann selbst er nicht richten.

    So trollt er sich zu seiner Frau,
    mit seinem feinen Pimmel,
    und poppt sich mit ihr, teuflisch schlau,
    in einen siebten Himmel.

  9. #9
    ReinART Guest
    Hallo Gegenwind

    nun verstehe ich Deinen Nick
    Das ist, als wenn Du der Mona Lisa Brüste aufmalen würdest.
    Glaube J.M.Basquiat hat das gemacht und ist auch große Kunst geworden, hat aber das Original sehr verändert...
    Ich kann das Gedicht nicht kürzen ohne Gefahr zu laufen, die von mir als wichtig erachteten Aussagen, über Bord gehen zu lassen.
    Ich schlage vor: Du stellst Deine Version, als eigenes Gedicht, ein.
    Alles Gute
    reinhard
    (will nat. mein Gedicht mit der Bedeutung der Mona Lisa gleichsetzen )

  10. #10
    Registriert seit
    Dec 2008
    Ort
    unter dem Wind
    Beiträge
    967
    Ich schlage vor: Du stellst Deine Version, als eigenes Gedicht, ein.
    Der Gedanke kam mir dann, als ich es fertig hatte - ich habe es gestern in knapp 10 Min. geschrieben, nachdem ich die gereimte Replik von Gun gelesen hatte. Natürlich möchte ich dich damit nicht übertrumpfen - dein Gedicht hat seinen eigenen Wert - ich wollte letztlich nur augenzinkernd etwas "mitspielen".
    Manchmal geht einfach der Gaul mit mir durch... Nix für ungut...

    Beste Grüße - Thomas

  11. #11
    ReinART Guest
    Hallo Thomas
    Ich finde Dein Gedicht wirklich gut und würde es begrüßen, wenn Du es einstellen würdest. Es ist aber kein Verbesserungsvorschlag zu meinem, sondern ein eigenständiges Werk, mit seinem eigenen Reiz!
    Freue mich, wenn mein Gedicht Dich zu solchen Höhenflügen inspirieren konnte
    Alles Gute
    reinhard

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