1. #1
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    Sie ist ein Träumer

    Wie sie da sitzt,
    ihr Haar schläft auf dem roten Mantel,
    ihr Blick; nicht wirklich.

    Was mag sie verbergen?
    Ihre Lippen erzählen von anderen Tagen,
    ihr Antlitz weint und

    schreit mir ins Gesicht.
    Nicht zuhören,

    sie zelebriert ihr Leben
    mit solch einer Gleichgültigkeit, dass
    ihr zartes Lächeln
    tief in uns schmerzt.

    Das Leben träumt von ihr.

  2. #2
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    Heo,

    ich kann noch gar nicht recht sagen, warum, aber dein Werk hat mich tief berührt. Ich bin fast sprachlos und kann deshalb zunächst nur dieses etwas plump anmutende Lob hinterlassen. Ich verspreche dir aber, in den nächsten Tagen auf jeden Fall näher darauf einzugehen.
    Bewegende Zeilen, auch wenn sie sich nicht reimen in wunderbarem Fluss. Ich fühle mich an Dichtungen von Zoran Drvenkar erinnert.

    Näheres wie gesagt später.
    mondenkind

  3. #3
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    hallo mondkind,

    ich habe mich sehr über deine antwort gefreut. und ich freue mich noch mehr auf eine, wie du meintest, ausführlichere antwort .)

    bis bald

    mike

  4. #4
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    So, nun aber, heo.
    Ich habe mir dein Gedicht durch den Kopf gehen lassen und es noch mehrmals gelesen. Seine Wirkung auf mich bleibt, und das ist selten, ungetrübt. Ich bin tief beeindruckt von dem Bild dieses Mädchens (merkwürdiger Weise stelle ich sie mir recht jung vor). Es strahlt für mich eine Wehmut aus, eine über die Maßen zarte Verwundbarkeit.

    Strophe 1 gefällt mir sehr. Besonders das "schlafende Haar". Hier wird für mich ein Rückzug deutlich, eine Flucht in eine andere Welt. Sie ist nicht mehr hier, ist abwesend, ist verflogen.
    Auch in Strophe 2 wird dieser Fassaden-Gedanke gefestigt. Nach außen hin leer, unantastbar, unberührbar, weil nur noch die Haltung gewahrt wird. Ein Körper, der, scheinbar gleichgültig und fast unfreiwillig wirkend, seine Geschichte erzählt.
    Nicht in dieses Bild passen tun die zweil Zeilen, die dann folgen. Einmal der aktive Part des Schreiens und die Abwendung des lyrI. Hier habe ich nur eine recht vage Vermutung, was das zu bedeuten hat. Ist es ein Selbstschutz des lyrI?
    In der dritten Strophe wird Mitleid und Schmerz des lyrI deutlich, das es nicht ertragen kann, dass diese Frau sich aufgibt, von sich selbst behauptet und annimmt, nicht mehr wichtig zu sein und deshalb die Freude am Leben und den Sinn des Lebens verliert. Fortlebt als funktionierende Hülle, die nur den schmerzt, der sie einmal in voller Lebensblüte gekannt hat und den sie deshalb nicht täuschen kann.
    Der letzte Satz ist für mich wunderbar, da er unendlich viel Raum für Interpretionen lässt. Ich persönlich habe es so gelesen, dass das Leben sich an die vergangene Frau erinnert und von ihr träumt. Sich ihren Lebensmut und ihre Kraft zurück sehnt, um wieder "gelebt" zu werden.

    Es ist schlimm, wenn Menschen sich in sich selbst verlieren und dabei vergessen, wie sehr sie ihr eigenes Leben doch beeinflussen können. Den "Übriggebliebenen" bleibt meist nicht viel Hoffnung, diese geliebte Person wiederzufinden. Wirklich, sehr gelungen, weil es so zart, so mysteriös, so leise daherkommt.

    Was du mir allerdings dringend erklären musst: Was sucht so ein Werk unter Hoffnung und Fröhliches?

    Schon so etwas zu lesen, hält einen wach und lebendig.
    mondenkind

  5. #5
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    Hallo heo,

    auch mich beeindruckt dein Werk nicht minder wie mondenkind.


    für mich lesen sich deine Zeilen wunderschön weich, wenn auch unsagbar traurig.
    Ich mag mir gar nicht vorstellen was das mädchen hat, welche Störung vorherrscht das sie im Grunde ihr eigenes Leben lebt.. aber ich denke es lebt es doch glücklich in ihrer Welt.. und die Eltern.. so hab ich die Zeilen verstanden.. träumen genauso.. wie es denn gewesen wäre wenn nicht diese Erkrankung ( wenn es denn eine ist )eingetreten wäre...
    Ich find es klasse dass du die Zeilen in Hoffnung eingestellt hast, denn ich denke man darf nie aufgeben an ein Wunder zu glauben.
    Ganz sicher bin ich mir mit meiner Interpretation nicht.. aber wie gesagt, eine wunderschön trauriges Werk mit wundervollen Metaphern.

    Behutsame und liebe Grüße,
    Behutsalem
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  6. #6
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    heo,
    auch ich schaue auf dein gedicht und auf diese frau. sie ist alt, der gesellschaft abhanden gekommen, ein billiger schreiender roter mantel lässt sie von weitem auffallen. sie war einmal schön. jetzt hat sie noch ein zartes lächeln - naiv, weltfremd, ohne ansprache an andere. lächelt für sich. was hat sie erlebt? was hat sie auf die parkbank gebracht? die lebenden wollen es wissen. sie wird es ihnen aber nicht mehr preisgeben können. sie lebt autistisch in ihrer eigenen welt.
    so lese ich es - und finde es gut.
    ciao!rekar
    Geändert von rekar (17.12.2008 um 05:47 Uhr)

  7. #7
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    hallo leute,

    wow, ich bin echt überrascht und es freut mich riesig dass ich soviele antworten bekommen habe. ich habe ja eine ziemlich lange dicht-pause gemacht und mich mehr meinen anderen hobbies gewidmet. aber gestern hat es mich einfach wieder gepackt. eine art kreativ-flow.
    mir gefallen alle interpretationen und vieles stimmt auch mit meiner eigenen überein. toll finde ich die zuordnung zu hoffnung von behutsalem. genau meine intention! das dürfte dir mondenkind wohl die antwort geben .)

    danke euch für die positiven worte, das bestärkt mich weiterzuschreiben .)

    schönen abend noch.

    heo

  8. #8
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    Lieber heo
    Dein Gedicht spricht mich sehr an.Ich hatte tatsächlich
    mal so eine Begegnung.Eine Frau an einer Bushaltestelle.
    Erst sehr fern,dann sehr nah.Voller Gedanken sprach sie vor sich hin.Sah mich an,sagte aber nichts.Aber leider verloren sich unsere Wege.Ein wunderschönes Gedicht .
    Viele Grüße ReMo

  9. #9
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    Hallo Heo,

    ich kann mich nun nicht gerade als Lyrik-Expertin bezeichnen, aber ich hoffe über ein Lob von mir kannst du dich trotzdem freuen.
    Mir gefällt insbesondere die erste und die letzte Strophe und ich finde es wiklich toll, dass das Gedicht zwar eine sehr schöne und besondere Struktur hat, das Gedicht aber trotzdem nicht gekünstelt wirkt. Das hat mich wirklich beeindruckt. Außerdem gefällt mir, wie Du mit wenigen Worten soviel ausdrücken kannst, dass man meint selbst diese Frau vor sich zu sehen.

    Lieben Gruß, Sonnenregen

  10. #10
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    hallo remo und hallo sonnenregen,

    es freut mich sehr, dass euch mein Gedicht anspricht und auch gefällt.

    wünsche euch noch einen schönen Tag,

    heo

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