1. #1
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    Monolog eines Unglücklichen

    Hallo zusammen, ich bin neu hier im Forum, und wollte Euch mal was von mir lesen lassen. Bin gespannt auf die Rückmeldungen.

    Monolog eines Unglücklichen


    Frierend im Novemberwind
    Steh ich am Bahnsteig und ich warte
    An Gepäck hab ich nur mich dabei
    Ich fahre ohne Rückfahrkarte

    Ich will ganz einfach weg von hier
    Wohin, das ist mir einerlei
    Nichts hält mich hier, kein Grund zu bleiben
    Mit unsrer Liebe ist's vorbei

    Ich hab's gewusst, ich hab es kommen sehn'
    Wir liebten heftig, doch nicht lange
    Es schmerzt, wie immer wenn die Liebe stirbt
    Zum Abschied küsstest Du mich auf die Wange

    Der Zug fährt an, ich steh noch da
    Es ist doch sinnlos weg zu laufen
    Ich bleibe hier, und nehme Abschied
    Und werde mich heut Nacht besaufen

  2. #2
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    Vor allem die letzten Zeile finde ich super, übertreibe es aber nicht

  3. #3
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    Hallo Uncle Joe!

    Dein Gedicht gefällt mir schon ganz gut, holpert aber für meinen Geschmack noch zu sehr. Hab mich grob an deinen düsteren Versen orientiert und nochmal selbst gereimt. Irgendwie hat's ja jeder schon mal erleben müssen...


    Monolog eines Unglücklichen

    Frierend im Novemberwind
    steh am Bahnsteig ich und warte,
    fahre ohne Rückfahrkarte
    Bin mir Last. Wie war ich blind!

    Was wir hatten ist genommen,
    weggewischt, als seis egal.
    Ach, mein Leben wird zur Qual.
    Ich muß weg, will mir entkommen.

    Habs geahnt, habs werden sehen.
    Heftig lieben währt nicht lange.
    Letzter Kuss auf blasse Wange,
    und Du lässt mich einfach stehen.

    Bin gelämt. Der Zug fährt weiter.
    Brings nicht fertig, wegzulaufen.
    Geh stattdessen mich besaufen.
    Wär ich tot, das währ gescheiter.

    Muss mich wohl zusammenraufen.
    Es geht weiter (leider).


    Alles Gute wünscht
    Geändert von 0-. (17.12.2008 um 12:29 Uhr)
    Nullpunkt

    "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können." - Friedrich Nietzsche

  4. #4
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    sei gegrüßt und wilkommen uncle joe ,
    auch mir gefällt dein gedicht sehr gut, es liest sich in meinen augen fast flüssig und erklärt klar und deutlich was du denkst/fühlst. ich kann mir auch gut vorstellen dass alle das schonmal durchhaben, aber leider gibt es einige die so kurz davor immernoch nicht einsehen dass weglaufen - oder fahren wie du es hier beschreibst- absolut nichts bringt. naja, zurück zu deinem werk, ich habe nur ein paar kleinere vorschläge, welche es noch flüssiger lesen lassen könnten:

    Frierend im Novemberwind
    steh ich am Bahnsteig und ich warte
    An Gepäck hab ich nur mich dabei
    Ich fahre ohne Rückfahrkarte
    ...
    Ich hab's gewusst, ich hab es kommen sehn'
    Wir liebten heftig, doch nicht lange
    Es schmerzt, wie immer wenn die Liebe stirbt
    Zum Abschied küsstest Du mich auf die Wange

    Der Zug fährt an, ich steh noch da
    Es ist doch sinnlos weg zu laufen
    Ich bleibe hier, und nehme Abschied
    Und werde mich heut Nacht besaufen

    das rote würde ich hier weglassen, und das in lime würd ich halt bloß klein schreiben, ansonsten wie gesagt absolut keine einwände.
    mach weiter so und hab noch viel "erfolg" und spaß in unseren runden
    ___________________________________________________________
    auch dich grüße ich 0-. ,
    auch deine version gefällt mir ganz gut, nur find ich das vom original zu stark abgewandelt, so ensteht eine völlig andere form ("reimschema"). was mich an deiner version aber am meisten stört ist dass jede strophe 4 zeilen hat bis auf die letzte mit 6, das stört den lesefluss in meinen augen ungemein. wenn du ein werk hast was ähnlich ist, würd ichs gern von dir erfahren und lesen.
    auch dir noch viel spaß und "erfolg"

    mfg an euch beide
    Archangelus

  5. #5
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    Hallo 0-. und Archangelus,

    vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Die Resonanz freut mich.
    ->0-. Deine Versiongefällt mir gut, ist halt nur nicht meine Und gibt dem Ganzen in der Tat einen ganz anderen Sinn.
    --> Archangelus, auch DIr Danke für die Rückmeldungen. Klar, man kann die rot markierten Worte auch weglassen. Ich hab einen bestimmten Rhytmus im Hirn, wie ich das vorlesen würde. Und dann holpert's auch nicht.
    Einen schönen Tag noch.

  6. #6
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    Hallo Uncle Joe, hallo Archangelus!

    Ihr habt recht, es ist ein anderes Gedicht geworden. Das finde ich eigentlich nicht weiter schlimm. Ich versuche dennoch ein zweites Mal mit Minimalkorrektur um dem Versmaß gerecht zu werden:


    Monolog eines Unglücklichen


    Frierend im Novemberwind
    Steh am Bahnsteig ich und warte
    An Gepäck hab ich nur mich dabei
    Ich fahre ohne Rückfahrkarte

    Will ganz einfach weg von hier
    Wohin, das ist einerlei
    Nichts hält mich, kein Grund zu bleiben
    Unsre Liebe ist vorbei

    Hab's gewusst, ich hab's kommen sehen
    Heftig war es, doch nicht lange
    Schmerzhaft ist's, wenn Liebe stirbt
    Und zum Abschied küsst Du meine Wange

    Steh noch da, der Zug fährt an
    Es ist sinnlos weg zu laufen
    Ich bleib hier, und nehme Abschied
    Und werde mich heut Nacht besaufen

    An manchen Stellen komme ich nicht um eine Verknappung der Bilder. Immerhin ists jetzt durchgehend trochäisch (XxXxXxX usw).

    Was den 6-Zeiler betrifft, den hab ich nochmal zu einem 4- und 2-Zeiler-Anhängsel umgestaltet. Für Anschauungsmaterial, Archangelos, empfehle ich das "Sag"-Gedicht von Monalisa in der Philosophierubrik. Gruß,
    Geändert von 0-. (17.12.2008 um 12:39 Uhr)
    Nullpunkt

    "Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können." - Friedrich Nietzsche

  7. #7
    Sneaky Guest
    Hallo Uncle Joe,

    ein altbekanntes Thema und du hast es nicht übel umgesetzt. Du hast selbst gesagt, du hast deinen eigenen Rhythmus im Kopf. Das hat wohl jeder. Da es dich nicht stört, wenn an deinem Gedicht gearbeitet wird, hab ich auch ne Version anzubieten:

    Am Bahnsteig im Novemberwind
    tickt die Uhr, ich warte
    hab statt Koffern mich dabei
    ohne Rückfahrkarte

    Will ganz einfach weg von hier
    aus dem Einerlei
    was mich hier gehalten halt
    Liebe - ist vorbei

    Irgendwie wars abzuseh`n
    wir brannten, doch nicht lange
    hat wehgetan, dein letzter Kuss
    so fremd auf meiner Wange.

    Der Zug ruckt an, ich bin noch da
    kann allem hier entlaufen
    doch niemals mir und geh trotzdem
    heut Nacht mal einen saufen.

    Gern gelesen

    Sneaky
    Geändert von Sneaky (17.12.2008 um 13:24 Uhr)

  8. #8
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    Hallo 0.-,
    Deine neueste Variante gefällt mir besser als die erste. Was ist denn trochäisch, ist das ansteckend ? Ich kenn mich da nicht aus, schreib halt so vor mich hin.
    Hallo Sneaky,
    besten Dank auch für Deinen Beitrag, gefällt mir gut und passt auch in "meinen" Rhytmus. Interessant, was aus einer Idee so alles wird.

  9. #9
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    Hi Uncle Jo, (Nullpunkt, Sneaky),

    so, ich hab mal wie ein Weltmeister geixt – X = betonte, x = unbetonte Silbe.

    Uncle Joe
    XxXxXxX
    xXxXxXxXx
    XxXxXxXxX
    xXxXxXxXx

    xXxXxXxX
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX

    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXx

    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXx


    Nullpunkts zweite Version:
    XxXxXxX
    XxXxXxXx
    XxXxXxXxX
    xXxXxXxXx

    XxXxXxX
    XxXxXxX
    XxXxXxXx
    XxXxXxX

    XxX XxXxXx (besser: Hab’ gewusst, ich hab es kommen sehen = XxXxXxXxXx)
    XxXxXxXx
    XxXxXxX
    XxXxXxXxXx

    XxXxXxX
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx
    XxXxXxXx

    Sneaky
    xXxXxXxX
    XxXxXx
    XxXxXxX
    XxXxXx

    XxXxXxX
    XxXxX
    XxXxXxX
    XxXxX

    XxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXx

    xXxXxXxX
    xXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXx


    Trochäus heißt, dass im Versmaß beginnend mit einer betonten Silbe sich die betonten und unbetonten Silben abwechseln, wie Nullpunkt also schon malte und auch dann schrieb: XxXx.
    Das ist in Deiner Version derzeit nicht der Fall, Du tendierst vielmehr zu jambischen Zeilen, die genau umgekehrt laufen, also unbetont, betont usw. (xXxX).
    Die rhythmische Struktur kann durchaus den inhaltlichen Grundton eines Gedichtes beeinflussen. Dem Trochäus wird vielfach ein trauriger Charakter zugeschrieben, wobei er auch durchaus trotzig klingen kann – und ein wenig traurig/trotzig ist das Gedicht ja, so dass er passend wäre. Dem Jambus sagt man eher einen fröhlichen, tänzerischen Charakter nach, wobei ich persönlich ihn auch in melancholischen Gedichten absolut tragend finde. Eindeutig ist eine solche Zuordnung also leider nicht.
    Was Deine erste Strophe nun in meinen Augen absolut gut lesbar macht, ist folgendes: Lässt man die Zeilenumbrüche weg, entsteht folgendes Schema: XxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXx. Es wird zu einem durchgängigen Trochäus und darum kommt man lesend auch nicht in’s straucheln, obwohl die Zeilen mal betont, mal unbetont beginnen. Die Lösung gefällt mir persönlich momentan ehrlich gesagt am besten – sowohl rhythmisch, aber vor allem bezüglich der Wortwahl.

    Insgesamt kann mich Dein Gedicht überzeugen – hier wird mit einfachen Bildern nicht nur die vergangene Liebe bedacht, sondern weitergehend die Fluchtmöglichkeit in’s Auge gefasst und glücklicherweise verworfen. Wie heißt es doch so schön: „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ und ich denke, sich den Kummer aus dem Kopf zu trinken ist manchmal sogar ganz hilfreich (klar, weder Ewiglösung noch echter Ausweg etc. ich geb’ ja allen Moralaposteln recht, lächel.) Nee, ich mag dies Dableiben zum Ende jedenfalls. Der Text ist kein künstlerisches Hochgebilde, aber absolut alltagstauglich und das ist manchmal sehr viel mehr wert.

    Lieben Gruß
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  10. #10
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    Hi Nina,

    vielen Dank für die viele Arbeit. Staun ! Wie bereits erwähnt, ich schreib halt so vor mich hin, nach einem einem Rhythmus den in ich im Ohr habe. Mein Anspruch an meine Gedichte und Texte ist, das sich viele in einer beschriebenen Situation wiederfinden. Insofern geht's mir tatsächlich um die Alltagstauglichkeit, und nicht um den künstlerischen Anspruch. Ich schreib so wie ichrede, nur dass es sich reimt. Besten Dank für Dein Urteil.

  11. #11
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    ich finds riddich toll

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