Thema: Die Stimme

  1. #1
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    Beiträge
    242

    Die Stimme

    Ich folge Dir bei Tag und Nacht
    bin sanfter Hauch und Schatten
    ich labe mich an Deiner Pracht
    Dein Schein soll nie ermatten.
    Du gehst mir nicht mehr aus dem Sinn
    verzaubert schmelze ich dahin –
    Du wirst es mir gestatten.

    Ich sehe alles was Du machst
    ich höre alle Worte
    und wenn Du in der Ferne lachst
    so öffne ich die Pforte.
    Ich halte mich für Dich bereit
    denn von der holden Weiblichkeit
    bist Du die feinste Sorte.

    Ich schütze Dich vor Ungemach
    und vielen schlimmen Dingen
    ich lege alle Übel brach
    Du musst sie nicht bezwingen.
    Kein Unheil darf an Deine Haut
    mein Drängen sich schon lange staut –
    welch unbarmherzig Ringen!

    Ich liebe Dich mit aller Kraft
    kann nicht auf Dich verzichten
    doch rät die Stimme geisterhaft
    Dich baldigst zu vernichten.
    Du schadest mir in gleicher Art
    wie Du mir nützt – Du bist so zart –
    ich muss die Tat verrichten!

    Ich will Dich ganz für mich allein
    Dein Fleisch soll mir gehören
    ich sehne mich in Dich hinein
    und niemand soll uns stören.
    Wenn ich Dich mit geballter Macht
    gefangen nehme in der Nacht
    musst Du mir Treue schwören.

    Erst fein gehegt – doch nun verzeih
    ich soll Dich jetzt entführen
    gleich schneide ich Dich rasch entzwei
    und werde uns berühren.
    Der Tod kommt schnell – ich komme auch
    beflecke Deinen schönen Bauch –
    Du kannst es nicht verspüren.

    Ich habe es doch nicht gewollt
    und knirsche mit den Zähnen
    die Schwäche hat mich überrollt
    jetzt fließen meine Tränen.
    Erledigt ist die schwere Pflicht
    ich streiche Dir aus dem Gesicht
    die blutverschmierten Strähnen.

    Und wieder wurde ich erwählt
    ein Wunder zu empfinden
    die Stimme mich seit Jahren quält
    sie wird wohl nie verschwinden.
    Du bist noch gar nicht richtig kalt
    da weiß ich schon, ich werde bald
    das nächste Opfer finden.

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2008
    Ort
    Calw, Nordschwarzwald
    Beiträge
    757
    Hallo Philophobos,
    Hut ab, ein echt starkes Gedicht!
    Fängt mit den ersten 3 Strophen an, wie ein schönes Liebesgedicht, und dann der Schlag ins Gesicht.
    Ich fand das Werk sehr flüssig gereimt und angenehm zu lesen.
    Und gelesen hab ich´s sehr gern.
    Herzlichen Gruß!
    Galapapa

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