Thema: Gift

  1. #1
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    2

    Gift

    Trink!
    hast du gesagt.
    ich hab getrunken

    Gift
    hast du darein gemischt.
    ich habs gewusst
    - und doch getrunken.

    Stirb!
    hast du gedacht.
    ich bin gestorben.

  2. #2
    Registriert seit
    May 2008
    Beiträge
    4.281
    Salve!

    Erstmal ein "Herzlich Willkommen" von mir - ich muss sagen, dass mir dein Nickname gut gefällt.

    Na dann, zum Gedicht

    1. Form
    Dein Werk besteht aus drei Strophen. Die mittlere besteht aus vier Versen, die erste und dritte aus drei. Die Strophensind "ähnlich" aufgebaut, was zu einer Struktur führt. Auffällig ist, dass du "Trink", "Gift" und "Stirb" groß schreibst, doch nach Punkten klein weiter schreibst. Warum? Prinzipiell fände ich es besser, wenn du entweder alles klein schreibst oder die Groß-/Kleinschreibung beachtest. Du schreibst in ganzen Sätzen und verwendest viele Partizipien (Partizip II). Die Elisionen (hab, habs) wirken natürlich und auch wenn sie wegen des Rhythmus entstanden sind, nicht gezwungen. Du verwendest in diesem (kurzen) Text zweimal das Wort "getrunken". Vielleicht könnte da jemand meinen, dies sei übertrieben, doch mich stört es nicht. In der zweiten Strophe fällt mir dann noch das "darein" auf. Obwohl es logisch ist, dass es sich auf das Getränkt bezieht, ist es nicht eindeutig, da du am Anfang nur das Trinken, nicht aber ein Getränk erwähnst. Auch "" fehlen bei den Gedanken des LD. Angesichts dieses interessanten Gedichtes will ich aber darüber hinwegsehen.

    2. Rhythmus

    Trink!
    X
    hast du gesagt.
    xXxX
    ich hab getrunken
    XxxXx (oder xXxXx)

    Gift
    X
    hast du darein gemischt.
    xXxXxX
    ich habs gewusst
    XxxX (oder xXxX)
    - und doch getrunken.
    xXxXx

    Stirb!
    X
    hast du gedacht.
    xXxX
    ich bin gestorben.
    XxxXx (oder xXxXx)

    Der Rhythmus ist (relativ) einheitlich. Da dein Werk freier erscheint, würde Unregelmäßigkeiten - sofern sie den Inhalt unterstützen - als Disharmonie einschätzen. Sehe ich dies richtig? Die Versenden sind (bis auf wenige Ausnahmen) abwechselnd männlich und weiblich. Dies unterstützt - so wie ich es sehe - den Inhalt: die weiblichen Versenden sorgen für Harmonie und Ruhe, die männlichen erzeugen Spannung.

    3. Inhalt

    Dein Werk zeigt eine starke Abhängigkeit des LIs vom LD. Ohne Rückücksicht auf sich selbst folgt es den Wünschen des LDs. Ob in diesem Fall von Liebe zu sprechen ist, wage ich zu bezweifeln, doch die Macht und Kraft die das LD über das LI hat, ist nicht zu leugnen. Der Stil ist durchaus "trocken" und nüchtern - ohne viel Ausschmückung oder Worte, die den Leser emotional erschüttern sollen (dies schafft dein Gedicht durch den Inhalt). Dieser Stil unterstützt den Inhalt, da es die "Gefühllosigkeit" (wenn ich es so nennen darf) des LI verdeutlicht. Die erste und dritte Strophe weisen viele Ähnlichkeiten auf. In der ersten befiehlt das LD dem LI, zu trinken. Das LI folgt dieser Anweisung. In der dritten denkt das LD, dass das LI sterben soll. Das LI befindet sich bereits in so starker Abhängigkeit, dass es die Gedanken des LDs erkennt und auch diese befolgt. Die zweite Strophe unterscheidet sich nicht nur durch die Versanzahl, sondern auch durch die Sicht des Gedichtes. Hier weiß das LI, dass es sich um Gift handelt - und trinkt dennoch. Trotz des Verstandes (wissen würde ich als Hinweis auf Denken und Verstand deuten) scheint dem LI, dass es dem Wunsch des LDs, nämlich zu sterben, gerecht werden muss. Der Verstand und der Mangel an Gefühlsregung könnten andeuten, dass dem LI der Tod als gute Alternative erscheint oder aber, dass es sich in einer Situation befindet, wo der Tod selbst wünschenswert ist (wenn es eine solche überhaupt gibt).
    Interessant ist, dass das LI stirbt. Es erzählt das Gedicht aber im Perfekt, was bedeutet, dass das LI als Toter dies denkt/empfindet.

    Dein Gedicht hat drei Strophen, die erste und dritte hat drei Verse:
    die Zahl drei wird oft mit Gott (vgl. Dreifaltigkeit) in Verbindung gebracht.

    die mittlere Strophe hat vier Verse:
    die Zahl vier wird oft mit der Erde in Verbindung gebracht (vgl.: die vier Himmelsrichtungen)

    Fazit
    Mir selbst gefällt dein Gedicht gut. Vielleicht fallen dir hier oder dort noch kleinere Verbesserungsmöglichkeiten ein (z.B.: die Vermeidung von Wiederholungen, doch ich glaube, diese sind beabsichtigt), doch auch so muss ich sagen, dass es sich um eine gute Leistung handelt. Der Inhalt ist interessant - und traurig und düster.

    Gern gelesen und kommentier!

    Vale!
    lg, maXces

  3. #3
    Registriert seit
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    Wow. ich danke dir für die lange, ausführlich und objektive Kritik.
    Und, ich muss es ehrlich zugeben, obwohl ich in Gedichten nie auf sowas wie Metrik und das ganze achte, bin ich beeindruckt was in den Gedicht alles drin steckt Ich schreibe nach Gefühl und nicht nach Regeln.Aber schön es auch mal von dieser Seite kennen zu lernen.

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