1. #1
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    Ich mags nicht

    Ich mags nicht

    Ich mag es nicht, wenn du mich ignorierst,
    nicht zuhörst und an mir vorüberstierst,
    als sei ich nur Wind in den Weiden -
    das mag ich nicht leiden.

    Ich mag es, wenn ich dein Mittelpunkt bin,
    wenn ich in dir wehe als einziger Sinn,
    dann fühle ich mich für dich wichtig
    und irgendwie richtig.

    Ich will, dass du dich völlig aufgibst für mich
    und alles was du denkst bin ich, bin ich,
    so lernst du mich Stück um Stück hassen
    und wirst mich verlassen.

    So laufe ich blindlings unwissenden Blicks,
    bin mir völlig sicher, ich kann dafür nix,
    ins spitze, offene Messer,
    ich weiß es nicht besser.
    Geändert von Woitek (22.03.2009 um 15:57 Uhr)

  2. #2
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    Ich mags nicht

    Hallo Woitek,

    ein phsychologisches Thema, bei dem die Handlung intensiv dargestellt wird. Die kürzeren Zeilen an den Versenden betonen das von ihnen ausgesagte Ergebnis der jeweiligen Vershandlung. Ein leicht verständliches Gedicht in der die Handlung gut mit den Reimen im Einklang ist.

    Es grüsst herzlich und wünscht ein gutes neues Jahr Hans

  3. #3
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    hallo woitek,
    nein, einfach scheint mir dieses gedicht nicht zu sein. die erste strophe und die beiden ersten zeilen von S2 sind „schön“, das „vorüberstierst“ vielleicht ein bisschen daneben, um den reim und rhythmus hinzukriegen, vorbei wäre schwerlich unterzukriegen...

    da ist eine freundin, deren freund nicht aufmerksam ist. schön die steigerung ihres (ich lasse es jetzt mal die freundin sein) wunsches nach mehr aufmerksamkeit: der wind in S1 korrespondiert zum wehen in S2. die freundin wird schon in S2 ganz schnell unverschämt! der einzige sinn will sie sein – aber das ist doch normal bei einer verliebten? ER ist ja idR auch der einzige in ihrem sinn?! aber ihre besitzergreifende liebe hat – das weiß sie offensichtlich selbst - zerstörerisches potential.

    (ich denke an den bitterbösen film „im reich der sinne“, wo eine frau einen mann auch erst gewinnt (dort ganz auf die körperliche liebe reduziert), dann (aus den armen seiner frau) an sich zieht, mehr und mehr nur noch eifersüchtig beherrscht und an (oder in) sich reißt – letztlich tötet, um ihn auf ewig und ganz zu besitzen.)

    SIE weiß und nimmt es dennoch in kauf, dass ER sie für ihre liebe hasst. SIE kennt sich bestens in der psychologie aus. nicht einmal seltsam, wie sie auch schon weiß, dass sein wachsender hass sie selbst treffen wird. sie wird die verletzte und die verlassene sein. sie wird sich – im gegensatz zur frau im film – selbst „umbringen“, um die liebe bringen...

    sie lügt, wenn sie sagt: blindlings... ja, ich glaube es ist eine verdrängtes wissen, sie könnte etwas dagegen tun, ist aber zu schwach.

    das kleine wörtchen nix irritiert mich - oder korrigiert meine deutung: da gibt sich nämlich jemand eine kleine blöse. die freundin? ganz klar! aber auch der schreiber? wie bewusst? sucht er provozierend das offene messer – und die freundin und der freund sind ganz andere rollen – zu finden im forum? könnte sein - du woitek, weißt es besser ...

    und auch oder gerade dann (oder in der doppeldeutigkeit) ist dein gedicht nicht schlecht, will sagen: gut!, reizt, darüber nachzudenken. das ist mein anspruch (und deiner wohl auch).

    ciao! rekar

    ps – bitte korrigiere noch denkts -> denkst
    ps2 - nach weiden einen gedankenstrich? nach sinn und bin ich ein ausrufezeichen?

  4. #4
    n.eurofighter Guest
    Hallo Woitek,
    Ich lese hier den möglichen Versuch etwas zu textieren, was ganz klassisch zu einem Ende einer Bindung führt.
    Wenn bei zweien, sich einer verbiegen lässt, bis nichts mehr übrig bleibt von dem was ihn ursprünglich für den anderen interessant machte,
    Das ist wie wenn eine Frau den jungen Hippie kennenlernte mit Blumen im Haar und ihn soweit bringt, bis er Anzugträger ist- und ihn dann verlässt weil er zu langweilig geworden ist,
    sowas gilt natürlich auch umgekehrt,- wenn der Mann sich in ein Pippi Langstrumpf-Modell verliebte, sie aber dennoch versucht zu disziplinieren, obwohl es genau das war, was seine Aufmerksamkeit einst erregte...
    ein menschliches Phänomen, bei dem ich hoffe es in deinem Werk richtig vom Ansatz her herausgelesen zu haben....





    lieben Gruß und guten Rutsch
    n.eurofighter

  5. #5
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    Hallo ihr Drei,

    vielen Dank für eure Beschäftigung mit dem Text und eure Kommentare und Interpretationen, die ihr mir zurückgelassen habt. Im großen und Ganzen habt ihr hier auch das erfasst, um dass es mir ging und nein, rekar, ich spiele auf nichts hier im Forum an. Die Verbesserungen habe ich zu großen Teilen umgesetzt auch dafür gilt euch mein Dank.

    Gruß
    Woiwoi

  6. #6
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    Hallo Woitek,
    Auf den Punkt gebracht, dieses: "Unbedingte, alles fordernde", das in sich schon zugleich auch um dessen Unmöglichkeit weiß... Sich auch nicht dafür entschuldigt und dennoch leise lakonisch konstatiert, dass sich dieses "unbedingte Fordern" letztendlich gegen einen selber richten kann -und doch sich der Unvermeidlichkeit dieser Dynamik bewußt ist... Wow, ein kleines, soziologisch-philosophisches Kunstwerk, wie ich finde...

  7. #7
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    Hallo Zersteut,

    vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren, auch für dein Lob und die Besprechung dieses Textes.

    Gruß
    Woiwoi

  8. #8
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    Hallo Woitek,

    self fulfilling prophecy würde man dies wohl nennen, wenn dem LI denn tatsächlich bewusst wäre, warum es vom - wievielten wohl ?- LD verlassen werden wird, wie Deine Zeilen auf den ersten Blick nahelegen. Ich denke, die vierte Strophe trifft's (und ich vermute, so hast Du's auch gemeint): Oft bleibt dem Verlassenen der eigene Anteil am Verlassenwerden ja verborgen und er fragt sich - sogar, wenn es ihm schon mehrfach passierte - wieso er nie Glück hat mit seinen Beziehungen. Gefällt mir sehr, wie Du dies zum Ausdruck bringst. Das egozentrische "ich...ich...ich" am Strophenanfang, das fast kindlich-trotzige "ich mag/ich mag nicht/ich will" und das jede-Schuld-von-sich-Weisen am Schluss passen hervorragend. Auch die kurzen Schlusszeilen der Strophen unterstreichen diesen Duktus mit ihrer "und basta-Wirkung" gut.

    Etwas problematisch zu lesen sind für mich S3, Z1/2. In Z1 würde ich für die Betonung des "völlig" sogar eine schwache Inversion in Kauf nehmen: "Ich will, dass du völlig dich aufgibst für mich" (Erst suchte ich nach einer Konjunktivversion, aber die passte wohl nicht zum Sprachgebrauch des LI). In Z2 meine ich, dass das "denkst" betont sein sollte, dazu fällt mir aber keine Lösung ein. Auf jeden Fall müsste hier wohl vor das "was" und hinter das "denkst" ein Komma, dann gäbe es allerdings in dieser Zeile verdammt viele.

    Auch in S4Z1 stimmt die Betonung nicht: "unwissend" betone ich zumindest auf der ersten Silbe. Vorschlag: "...blindlings und arglosen Blicks," Ich finde das "nix" passend. Evtl. in Z3 "ins spitze, ins offene Messer"?

    Sehr gern gelesen. Schöne Ostertage wünscht Dir die

    witch
    .........................................
    Kindlein, liebt euch, und wenn das nicht gehen will, lasst wenigstens einander gelten. (J.W.Goethe)

  9. #9
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    Hallo the witch,

    vielen Dank für die Besprechung dieses Textes. Habe lange über deine Vorschläge nachgedacht, das Metrum in den letzten Strophen zu glätten. Doch irgendwie mag ich nicht, sorry, es gefällt mir so wie es jetzt ist, das Stück.

    Trotz alledem herzlichen Dank für deine Anmerkungen.

    Gruß
    Woiwoi

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