Silvester

Einmal im Jahr verbidnen wir die zwei losen Enden. Einmal im Jahr knüpfen wir einen Kreis aus den einzelnen Kunstwerken, die wir geschaffen haben, aus den Geschichten machen wir ein Resümée. Aber wir sind damit nicht zufrieden. Wir wollen mehr, wollen schon um den Fortgang mancherlei Rätsel wissen und hängen uns an die brüchigen Ecken von längst überholten Bräuchen, die uns doch in unserem tiefsten Innern Genugtuung und Frieden schenken.
In einem einzigen Moment im Jahr wachsen unendlich lange und unendlich viele Adern in unsere Gesellschaft hinein. Sie verkrusten unser Denken an manchen Stellen und reißen an anderen alte Wunden auf. Sie geben uns Ideen und gleichzeitig Energie diese zu verwirklichen, eingeschlossen in einen vor Farbe glühenden Rahmen, der wie ein Rasender seine spritzige Form, seine bunte Gestalt und seine schmetternde Eleganz immerfort ändert ohne jeh sein Maximum zu erreichen. So durchstößt uns dieser Moment, gibt in einem einzigen Augenblick die Kraft ab, die Generationen zum rebellieren und Kriege zum Enden brachte. Wie eine kleine Kugel, welche Felsen zum brechen bringt kracht etwas in unsere Gemüter um uns noch einmal aufzuwallen. Wie ein einziger Stromschlag, der wie ein riesenhafter Polyp durch die ganze Erde fährt, der die ganze Zeit verdichtet, bis alle Feiern sich noch einmal feiern und alle Tränen sich wiederholen, ohne den anderen ihre Wucht zu stehlen, kommt der Höhepunkt im Höhepunkt, steigert sich ins Unermessliche und fällt schneller als jedes andere Material wieder herunter auf den Boden der Normalität, seine Restkraft verpulvernd um sein Auftreten unkenntlich und unsichtbar zu machen.
Doch die Tradition gibt der Menschheit das schlagende Herz, dass stets ein Jahr überdauert, um dann nach einer ewig wirkenden Ruhepause wieder mit eben diesem Stromschlag ins Leben zurückgerufen zu werden, wie es schon abertausende Male passiert ist.

Würde mich über Kommentare freuen!