1. #1
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    Macht der Rhetorik

    Du siehst ihn sprechen,
    du hörst seine Worte,
    du spürst ihre Wirkung,
    du, dein Herz.

    Du schreist,
    du jubelst,
    du applaudierst,
    du stehst kurz vor den Tränen!

    Du gehst in der Masse auf
    ihr seit eins, eine Gemeinschaft
    Der richtige Mann für eurer Land
    zeigt euch die Worte:
    "WE CAN DO IT!"

    Ich sitzte
    Ich spühre die Todesklinge
    meiner Ahnen in meiner Brust.
    Merkt ihr nicht, ihr denkt nicht,
    ihr werdet verFÜHRT!

  2. #2
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    Liebes Herzkind,

    ich finde dein Gedicht nicht sonderlich ansprechend und das hat mehrere Gründe.

    Zum Einen ist es sehr bedauerlich, wenn ein Gedicht so viele Rechtschreibfehler hat: seit, eurer, sitzte, spühre. Das geht nicht. Ich als Leser denke dann, die Autorin/der Autor hat sich gar keine Mühe gegeben, wirbt nicht um mich, sondern spuckt mir etwas vor die Füße. Warum sollte ich es lesen, gar darüber nachdenken wollen?

    Dann sind inhaltliche Merkwürdigkeiten vorhanden, die entweder nur schlecht ausgedrückt oder aber vollkommen unverständlich sind: "du, dein Herz." Was soll das Herz dort? Man mag erahnen, was du meinst, aber widerspräche das nicht der Aussage? Wenn man nach Saint-Exupery nur mit dem Herzen gut sieht, dann kann doch hier nichts passieren, oder? Und was soll die Umdrehung in der letzten Strophe, die als Frage beginnt und als Aussage endet: „Merkt ihr nicht, ihr denkt nicht“?

    Und schließlich die Aussage: In Strophe 3 wird aus dem lyrDu eine Masse, aber das lyrEs (Obama) wird nun auch vom lyrI als "der richtige Mann" bezeichnet. Und die Worte "We can do it" sind für sich genommen relativ wertneutral, oder nicht? Und dann die Botschaft: Seltsam ausgedrückt zwar, wenn das lyrI die Todesklinge der Ahnen in seiner Brust verspürt (was soll das eigentlich heißen?), aber bitte: Obama ist ein Verführer und das FÜHREN ist groß geschrieben und soll ihn damit also in die Nähe Hitlers bringen.

    Nein, Herzkind, es gibt da einen sehr großen Unterschied und damit meine ich jetzt gar nicht einmal die Ungeheuerlichkeit dieser Gleichstellung. Denn wenn du dir Hitlers Reden anschaust, gibt es darin immer einen Feind, immer etwas oder besser jemanden, der bekämpft werden muss. Es gibt immer eine Polarisierung, eine Trennung in „wir“ und in „die Anderen“. Zeig mir das Spaltende in Obamas Reden und ich werde über dein Gedicht erneut nachdenken.

    Aber nicht falsch verstehen: Nur, weil ich hinsichtlich Obama ganz anderer Meinung bin, ist das Gedicht nicht schlecht. Es macht aber für meine Begriffe den Fehler, sich a) an Obama inhaltlich aufzuhängen (We can do it) und b) diesen mit Hitler gleichzusetzen. Es verschenkt die Möglichkeit, auf die grundsätzliche Gefahr von Heilsversprechen einzugehen, die Gefahr dieser so offensichtlich bestehenden Sehnsucht nach Heilsbringern aufzuzeigen. Vielleicht ist ja sogar Obama gefährlich. Hättest du das raffinierter angebracht und nicht so plump beendet, wäre das eine Überlegung wert gewesen. So aber stellst du Obama auf eine Stufe mit Hitler und dann kann man sich nur achselzuckend dem nächsten Gedicht zuwenden.

    Gruß
    Oliver

  3. #3
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    Lieber Oliver

    Lieber Oliver64,
    danke für deine orthographisch und grammatikalisch perfekte Kritik, jedoch ist das auch das einzige was ich deiner Kritik gutheißen kann, denn deine Kritik ist schon beinahe erbärmlich und das hat folgende Gründe:
    Gedichte zu schreiben hat mehrere Gründe, Sprachrichtigkeit ist keine lieber Oliver64. In meinem Fall sind es Fehler die nicht das Verständnis des Textes erschweren oder stören, von daher sehe ich deine übertriebene Reaktion nicht ein. Jemand der was das angeht nach Perfektion in Gedichten sucht, hat es nicht verdien, dass man um ihn wirbt. Außerdem, wenn es dir doch vor die Füße spuckt, warum nimmst dann dazu Stellung, denn nachgedacht hast du ja tatsächlich nicht!
    Vielleicht solltest du dir bei nächsten Mal mehr Zeit für das Verständnis des Gedichtes nehmen, anstatt sie in so eine übereilte und dumme Kritik zu investieren. Was du lieber Oliver64 aufgrund von fehlendem Verständnis als „inhaltliche Merkwürdigkeit“ bezeichnest, ist eine Beschreibung der Situation eines euphorischen Zuhörers, der sich mit dem Vorschreiten der Rede immer tiefer in die Begeisterung versinken lässt, sodass es bei ihm die Ratio durch die Emotion ersetzt wird. Deswegen das Herz an dieser Stelle. Für diese Feststellung nicht Saint-Exepury nötig, von daher lasse für diesen Text völlig irrelevanten Personen aus dem Spiel. Falls du unbedingt das unnötige Bestreben hast dein fabelhaftes Wissen dem Leser zu demonstrieren, kannst du das ja auch in deinen eigenen Texten machen.
    Wenn du genauer erklären würdest, was dir an „Merkt ihr nicht, ihr denkt nicht“ nicht passt, könnte ich auch genauer drauf eingehen. So kann ich dir nur sagen, dass es sich um eine rhetorisch Frage (kannst du bei Wikipedia nachschlagen was das ist) und um ihre Beantwortung. Über die Bedeutung sollte dann eigentlich der Leser nachdenken, aber tut mir Leid, diese Fähigkeit ist dir ja nicht vergönnt.
    Bei dem lyrischen Ich handelt es sich um eine Person, welche in der Masse verschmilzt? Wo liegt das Problem lieber Oliver64? Das lyrische Ich ist der Beobachter dieser Situation und beschreibt die Stimmung mit „Der richtige Mann für euer Land“ indirekt. Wo liegt denn hier dein Problem? Nehme ich das „WE CAN DO IT!“ aus dem Text, würde wohl auch so ein schlauer Fuchs wie du es einer bist lieber Oliver64 nicht wissen können worauf sich das Gedicht bezieht, oder?! Natürlich ist der Spruch wertneutral, jedoch ist er auch eindeutig das Erkennungszeichen von Obama.
    Falls du es wusstest, redet man in diesem Kontext auch öfter von Kollektivschuld und wenn ich Aufzeichnungen von der jubelnden Masse sehe, weißt du vielleicht was das lyrische ich mit der „Todesklinge“ meint. So hast du die Intention des Textes völlig falsch verstanden lieber Oliver64, denn nur weil beide indirekt genannt werden, ist es noch kein Vergleich zwischen Obama und Hitler. So war dein Versuch die Unterschiede zwischen Obamas und Hitlers Reden halbwegs intelligent zu präsentieren auch nicht nötig. Aber das du ja anscheinend einen großen Drang zur Selbstpräsentation zeigst, kann man es dir ja nicht übel nehmen lieber Oliver64.
    Die Angeschuldigten in dem Gedicht sind das DU, das IHR, da Publikum, die sich der Redekunst hingeben und ihren eigenen Verstand abschalten, da ihre Emotionen erregt werden. Wenn du die Überschrift gelesen hättest, dann sollte auch dir eigentlich der Fehler der Fehlinterpretation, falls man das überhaupt so nenne darf, nicht passieren dürfen. Diese lenkt deutlich auf den Weg den Text richtig zu verstehen. Da du jedoch eingenommen von deinem eigenen ersten Eindruck verfasst hast, kann ich nur sagen: Oh nein lieber Oliver64, da gibt es einen großen Unterschied zwischen dem was du schreibst und was im Gedicht steht.
    Aber nicht falsch verstehen: Das Problem an öffentlichen Foren ist halt das jeder Zugang hat der meint seine Meinung sei wichtig.
    Das ist das Land der Dichter und Denker? Da bleibe ich lieber Ingenieur der Seele.
    Gruß Herzkind

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