Thema: Gaga

  1. #1
    Rabenmädchen Guest

    Gaga

    „Gaga“

    Die Flugbahn der Rakete, war zur Hälfte konstruiert. Ihr Einschlag aber kalkuliert. Das gute an Raketen ist, dass sie willenlos und Jedermann zu Diensten sind. Es ist nur eine Frage der Lackierung wie der Stationierung.

    Schnell verliere ich den Überblick über die Ballistik ihrer Bahnen, dreh mich selbst um meine Achse und halte kaum das Gleichgewicht, während unter meinen Füßen Zeit und Globus, um die Sonne laufen. Schnell vertauschen sich die Pole und der Strudel reißt mich falsch rum mit und spuckt mich aus ins Niemandsland.

    Als würfe ich Kiesel übern Teich, breiten sich die Explosionen der Raketen konzentrisch vor mir aus. In der Mitte dieser Kreise, ist dann Schweigen. Der Lärm dringt nur nach außen. In der Mitte ist dann Schweigen und wer die Mitte hält, ist tot.

  2. #2
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    801
    Lieber Mohammed,

    seit gestern Abend verfolgen mich die konzentrischen Kreise dieser Rakete und lassen mich nicht entkommen. Du legst hier ein lyrisches Prosagedicht vor, welches sehr eindringlich sowohl den Wahnsinn (Gaga) des Krieges an sich, als auch die häufig anzutreffende Ununterscheidbarkeit der Gegner beschreibt. Im Besonderen zielt es ganz sicher auch auf die Situation in Gaza ab, bei der es dann auch noch schwer fällt, den eigenen Standpunkt zu bestimmen. Und wer ihn hat, ist tot, könnte man sinnbildlich auch denken, denn jede Position ist hier wohl angreifbar.

    Allerdings lese ich diese Mitte als die der Mehrheit, ob nun Israeli oder Palästinenser, die Mehrheit, die nichts anderes möchte, als in Frieden ihre Ziegen zu hüten und ihre Kinder aufzuziehen. Die sitzen mitten drin in diesem Krieg der Fanatisierten, von dem keiner mehr weiß, worum genau der geführt wird, wie er begann und vor allem, wie er endlich beendet werden kann. Die sitzen mitten drin und sind tot, selbst wenn sie noch lebten.

    Auch wenn man mir Ästhetisierung des Grauens vorwerfen mag und ich auch nicht recht weiß, wie ich dem begegnen sollte, habe ich mir eine kleine Cover-Version geschnitzt, bei der nur Winzigkeiten verändert wurden, die aber unterstreicht, wie lyrisch in Sprache und Bild du hier beschrieben hast. Ich jedenfalls bin schwer beeindruckt.

    Gruß
    Oliver




    Gaza
    (Cover-Version von „Gaga“)

    Die Flugbahn der Rakete,
    war zur Hälfte konstruiert.
    Ihr Einschlag aber kalkuliert.

    Das Gute an Raketen ist,
    dass sowohl willenlos,
    als Jedermann zu Diensten sind.

    Es ist nur eine Frage der Lackierung,
    Stationierung.

    Schnell verliere ich den Überblick
    über die Ballistik ihrer Bahnen,
    dreh mich selbst um meine Achse.

    Halte kaum das Gleichgewicht.
    während unter meinen Füßen
    Zeit und Globus um die Sonne laufen.

    Schnell vertauschen sich die Pole
    und der Strudel reißt mich mit,
    spuckt mich aus ins Niemandsland.

    Als würf’ ich Kiesel übern Teich,
    breiten sich die Explosionen
    der Raketen vor mir aus.

    In der Mitte dieser Kreise
    ist dann Schweigen,
    Lärm dringt nur nach außen vor.

    In der Mitte ist dann Schweigen,
    wer die Mitte hält,
    ist tot.

  3. #3
    Rabenmädchen Guest
    Hallo Oliver64,

    danke für Deine Kritik. Die Coverversion ist sicherlich runder als das Original. Schön, wenn es Dich animieren konnte. Inhaltlich gibt es auch nicht mehr zu sagen, was Du nicht schon geschrieben hast. Es waren zwei, drei Assoziationen, Worte, Bilder, die mir gefielen und mir stimmig erschienen bzw ausdrückten, was mir durch den Kopf bei der Gaza Problematik ging.

    Ich denke eine Ästhetisierung des Schreckens findet sich bei 9/11 und Enya. Bei Deiner Version würde ich nicht davon sprechen. Allein die Abschlusszeile ist tot wirkt auf mich, so herausgestellt, zu schwer. Wobei ich auch mit der Wiederholung des Schweigens nicht mehr so glücklich bin, Wirkt heute irgendwie zu pathetisch auf mich.Aber unglücklich bin ich nicht mit diesem Versuch.

    Danke für Deine Beschäftigung mit meinen Zeilen.

    Gruß

    Mohammed

  4. #4
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    @ Hallo Mohammed
    Ja dieses Thema was du beschreibst ist schon sehr minderwertig vom Geschehen her, also jener Krieg. Der Sinn der in den Zeilen steckt ist gut beschrieben. Für mein Dafürhalten etwas zu viel. Dafür ist der Unsinn (des Krieges), leicht verbaut in Olivers letzter Strophe. (Olivers Version gefällt mit optisch besser) zu wenig eingebracht. Die Frage, oder Antwort, warum dort die Raketen sprechen. Warum sich Menschen an den Hals springen. Am Ende sterben wohl nur Unschuldige, hier oder dort. Aber keiner wird ihn sagen ihr seid unschuldig gestorben. Alle kämpfen den gerechten Krieg.
    Möglich das das Universum zu langsam ist in der zeitlichen Abfolge, um mit uns einen gerechten Krieg führen zu können. Sorry war eben ein Abdrifter von mir. ZURÜCK:
    Also, Inhalt ist gut, die Umsetzung weniger, da gefällt mir der Vorschlag von Oliver übersichtlicher. Der Sinn des Krieges ist weniger reflektiert worden. (Kann muss aber nicht sein) So, bis später.

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