1. #1
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    Das Zeitgefühl

    Die Zeit läuft ab für dies und das.
    Das was vor Kurzem erst begonnen,
    war und ist noch irgendwas.
    Das War wurde im Ist versponnen.

    Das Ist, das ist die Ewigkeit,
    denn ewig gibt's die Gegenwart.
    Lebend sein ist stets ein Streit,
    von Erhaltungswunsch und Wechselfahrt.

    Gut, wenn man mit dem Jetzt zufrieden,
    denn dieses Jetzt ist uns're Wahrheit.
    Nur dem ist auch das Glück beschieden,
    der gerne lebt mit seiner Zeit.

    Zeit kann man lieben oder hassen,
    doch man kann sie nicht vermeiden.
    So manchem wird die Zeit nicht passen,
    aber dafür muss er sicher leiden.

  2. #2
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Lieber Hans,

    "war Ward im Ist versponnen", fällt mir doch spontan zu Deiner ersten Strophe ein. Vor kurzem erst, habe ich Deine Gedichte schon als Unterhaltungsphilosophie beschrieben. Hast Du wieder ein Ding ausgekoppelt?

    ``Zeitgefühl`` vergleicht die Subjektivität des Empfindens vergehender Zeit mit der ständigen Gegenwart, der wir ohne Rücksicht ständig ausgesetzt sind.

    Es ist spät und es ist kalt und ich kann nichts dagegen machen - doch, ich trinke einen schönen, warmen Chinatee!

    Viel Wärme und jederzeit gute Ideen wünscht Dir ganz herzlich Ingo

  3. #3
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    hallo Hans,

    Ich bin nicht der Meinung von IngoR das Du Unterhaltungsphilosphie betreibst(was ohnehin wie ein Schimipfwort wirkt), sondern Du beschäftigst mit gesellschaftlichen Themen auf philosophische art. Ich habe schon eine menge von Dir gelesen, wie auch dieses schöne Werk und bin ein Freund von deinen Gedichten geworden. Eine Anmerkung möchte ich doch machen.
    Es hat eine weile gedauert bis dahinter kam, was mich an deinen Gedichten immer gestört hat, aber jetzt weiß ich es. Alles was Du schreibst in sich logisch und schlüssig ist. Aber ist die Welt denn wirklich so: logisch, schlüssig und nachvollziehbar, vielleicht sogar berechenbar?

    Gruß Hanno
    Geändert von Hanno Urban (10.01.2009 um 02:29 Uhr)

  4. #4
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    Das Zeitgefühl

    Hallo IngoR,

    Philosophen beschäftigen (denken nach) über die elementaren Fragen von Dasein (Geschehen). In diesem Sinne bin ich Philosoph, auf der Suche nach Antworten (Erkenntnissen), doch jedes Wissen ist relativ und es verändert sich in den Dimensionen (Betrachtungsstandpunkten). Man kann nur zeitliche Erkenntnisse gewinnen. Die Bereitschaft, diese wieder aufzugeben sollte bleiben. Man kann viel Erkenntnisse gewinnen, in dem man Mögliches akzeptiert und in diesem nach Wahrscheinlichkeiten sucht. Man kann aber auch von der Annahme eines Ergebnisses ausgehen (Du kennst es sicher aus der Mathematik) und nach dem Weg suchen um das Ergebnis zu beweisen.

    Herzliche Grüsse Hans


    Hallo Urban,

    die Welt ist nicht schlüssig (endlich). Die nicht Schlüssigkeit ergibt sich aus der Unendlichkeit. Es gibt keinen Schluss, es kreist und schwingt und dies auch unendlich verschieden. Ich schreibe oft, es ist so, doch dies deshalb, weil es aufwendig wäre jedesmal dazu zu schreiben, dies ist meine momentane Erkenntnis, sie kann sich auch verändern. Vielleicht hilft es, oder hat zumindest Einfluss auf andere Erkenntnissuchende.

    Herzliche Grüsse Hans


    Ich danke für das Interesse

  5. #5
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    Lieber Hans,

    wenn Philosophen nur über die elementaren Dinge nachdenken würde, dann wäre es ein flottes Geschäft. Und ob man echte Erkenntnisse erlangen kann, ist sicher zweifelhaft - im Hinblick auf die elementaren Fragen ohnehin.

    Ob die Welt schlüssig ist, kann man nicht sagen - weil Schlüssigkeit gar kein Kriterium ist - bestenfalls für unsere persönliche Wirklichkeit - aber die ist ja auch unsere ganze mögliche Welt. So schließt sich der Kreis.

    Das Gedicht gefällt mir sehr. Ich hätte vielleicht stärker mit ein einbezogen, dass der Mensch nur im Werden wirklich Mensch ist.
    Es geht nicht darum, nur den Lauf der Zeit zu akzeptieren, oder mit ihrem Fluss zu schwimmen, sondern in ihr seine Möglichkeiten zu ergreifen und beständig zu werden, sich zu entwickeln, zu wachsen.

    Der platte Spruch, dass Stagnation Rückschritt heißt, stimmt tatsächlich.
    Das ist wie beim Marathon. Wenn Du stehen bleibst, hältst nicht nur du an, sondern die anderen laufen an dir vorbei.
    Im Sinne der Relativitätstheorie fällst Du zurück, so als würdest Du rückwärts laufen, während die anderen stehen...

    Die große unbeantwortete Frage ist, ob die Dinge in der Zeit, oder ob die Zeit in den Dingen ist - oder nur eine Kategorie des Verstandes. (das ist jetzt arg verkürzt...)

    Was ich gut finde, ist der Anklang, dass man die "Zeichen der Zeit" erkennen und annehmen soll. Ein bisschen mehr Augenmerk auf das Gestalterische in uns - und es wäre perfekt...

    Danke für den schönen und besinnlichen Moment -
    Liebe Grüße - Thomas

  6. #6
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    Das Zeitgefühl

    Hallo Gegenwind,

    in Deinen ersten beiden Absätzen, sehe ich bei aufmerksamem Lesen eine Bestätigung meiner vorhergehenden Ausführungen.
    Der Mensch ist wie alles unvollendet und es ist richtig und gut, wenn man in der Entwicklung des Sinn des Daseins, auch des menschlichen Daseins sieht.
    Alle Dinge sind geschehend. Zeit ist subjektiv subjektives Geschehen. So ist die Zeit auch Dinge die subjektiv geschehen (Zeit ist das Geschehen). Subjekte sind Betrachtungsstandpunkte zu welchen alles in Abhängigkeit steht (relativ = in Bezug zum Standpunkt der Betrachtung), sie sind selbst auch relativ, deshalb ist auch Zeit relativ und auch geschehende relative Dinge und Subjekte.
    Ich hoffe, dass ich jetzt mit meiner Erkenntnis zumindest vorläufig die unbeantwortete Frage in ein momentane Erkenntnis verwandelt habe.
    Vielleicht bringe ich auch irgendwann Aufsätze von mir das wäre dann etwas Ausführlicher.

    Herzliche Grüsse von Hans

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