1. #1
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    Der beste Kunde

    Du weidetest früh deine Opfer aus
    mit schlachterischer Geduld,
    begrubst ihre Reste hinter dem Haus
    und alle waren sie schuld.

    Ein Doktor hatte dich angesehn
    als wärst du ein fettes Tier.
    Gehäutet hängt seine Hälfte schön
    am Haken in Halle Vier.

    Ein Säufer schlug dir die Nase rot,
    weil's ihm das Bier befahl.
    Du schickst eine Lieferung Wurst und Brot
    mehr in sein Stammlokal.

    Ein fahrender Händler an der Tür
    schliff deine Messer scharf.
    Du wolltest es prüfen - und er bleibt hier,
    weil er nun ruhen darf.

    Ein Staatlicher schloss dir den Laden zu
    wegen der Reinlichkeit.
    Im Keller feiern nun er und du
    Wiedereröffnungszeit.

    Du weidest noch immer die Opfer aus
    mit schlachterischer Geduld
    und hast, wie die Katze am Tod der Maus,
    ebensowenig schuld.

    Dein Fleisch ist in feineren Kreisen beliebt
    mit einem kräftigen Wein.
    Und wenn es mal eine Ermittlung gibt,
    stellt ein Gourmet sie ein.

    Und falls du dich nicht einmal selber frisst,
    hört deine Jagd nicht auf.
    Der Gaumen ist gierig, der Geist vergisst.
    Wir sehen uns dann - beim Kauf.

    So manch einer betet, dass Gott dich erschlägt,
    und flüstert zum Himmel hinauf...
    Er hört es - und lächelt. Er schneidet und wiegt
    und legt noch ein Scheiblein darauf.

    Die ewigen Schlächter, die Brüder sind -
    so ähnlich, im Fleisch und im Blut.
    Der Eine ermordet uns, gierig, blind,
    der Andere weiß, was er tut.
    Geändert von Wegesanfang (06.10.2010 um 02:11 Uhr)

  2. #2
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    Der beste Kunde

    Hallo Wegesanfang,

    der Beruf des Schlächters schonungslos dargestellt. Die Handlung ist realistisch und eher noch beschönigt gegenüber der Wirklichkeit. Der Schlächter ist ohne Mitgefühl für seine Opfer. Ist er deshalb schuldlos ?? Auch der Mensch ist ein Tier mit manchmal nur wenig mehr Inteligenz als ein Schwein. Es ist gut auch daran zu erinnern, dass auch der Mensch ein Schlachtopfer sein könnte. Im Mittelalter oder auch in den Kriegen war dies oft so, nur wurde da das Fleisch nicht gegessen. In Tibet wird das Fleisch der Toten an die Geier verfüttert.
    Abgesehen von der Metrik ist es wegen der Handlung ein gutes Gedicht.

    Herzliche Grüsse Hans

  3. #3
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    Grüß dich, Hans.

    Vielen Dank für deine ausführliche und nachdenkliche Anmerkung. Die Schuldfrage wirfst du sehr gut und treffend auf.

    Mir ging es dazu in Strophe 6 um den Eindruck, dass der Mörder ebenso wie das Raubtier so stark von der Blutlust getrieben sein kann, dass die Linie zwischen Trieb und bewusster, abwägender Entscheidung verwischt.

    Dass dies auch dann der Fall sein kann, wenn die Person nach außen (und paradoxerweise trotz des Rausches des Tötens vielleicht sogar auch nach innen vor sich selbst) vollkommen ruhig und angepasst handelt, verschärft und konzentriert die Abgrenzung noch.

    Was unterscheidet den zwar ruhig, planend und beherrscht, aber auch aus dem Antrieb des Moments, einer Kränkung, Laune oder nur aus einem Spiel mit dem Opfer heraus Vorgehenden von einem Tier?
    Sind solche Personen eher ein perverses Uhrwerk, das mechanisch und ohne Steuerungsmöglichkeit "nach seiner eigenen Zeit" lebt?
    Gibt es keine "Schuldunfähigkeit" bei kontrolliert und angepasst handelnden Tätern, haben das Bewusste und die mit ihm einhergehnde Verantwortung vor sich selbst auch im Abnormalen und Grausamsten uneingeschränkte Geltung?

    Wenn diese Verse in Strophe 6 den Leser zu solchen Überlegungen (mit offenem Ausgang) anregen könnten, hätten sie ihre Berechtigung im Gedicht für mich bestätigt.

    Vielen Dank für Deine sehr interessanten weiteren Anmerkungen zu Tibet und dem Verhalten im Mittelalter und in vielen Kriegen.

    Grüße
    Geändert von Wegesanfang (10.01.2009 um 23:54 Uhr)

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