1. #1
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    Der Fischer und seine Frau

    Der Fischer und seine Frau

    (Ballade nach dem Märchen der Gebrüder Grimm)

    Ein Fischer sitzt am großen Meer,
    er wirft die Angel aus,
    da zieht es an der Sehne sehr,
    der Fang, ein Augenschmaus.
    Der Fisch, er wiegt fast 50 Pfund,
    fängt laut zu sprechen an.
    Er sagt: "Ich bin zwar fett und rund,
    doch hör nur was ich kann.:
    Ich bin ein alter Zauberfisch
    und bringe dir viel Glück,
    drum stell mich nicht auf deinen Tisch,
    wirf mich ins Meer zurück!"
    Der Fischer kratzt sich leicht am Kopf:
    "So sei es wie es sei,
    du landest nicht in meinem Topf."
    Er lässt den Burschen frei.

    Am Abend geht der Mann nach Haus,
    dort wartet schon die Frau,
    sie lebt mit ihm, arm wie die Maus,
    in einem morschen Bau.
    Der Mann erzählt vom Zauberfang,
    von seiner guten Tat,
    da fackelt seine Frau nicht lang
    und spricht kokett und smart:
    "Geh nun zurück und sag dem Fisch
    wir hätten gern ein Haus,
    sonst landet er auf unsrem Tisch
    und wird uns Magenschmaus.

    Der Mann, er geht zurück ans Meer,
    das blau und ruhig liegt,
    ihm fällt es zwar ein bisschen schwer,
    doch seine Neugier siegt.
    Er ruft genannten Zauberspruch
    mit Manntje, Timpe Te,
    von Ilsebill und dem Gesuch,
    zum Buttje in der See.
    Der Fisch erscheint und fragt genau,
    was sie denn haben will,
    die Ilsebill, die gute Frau,
    der Mann ist erstmal still.
    Dann sagt er leis: "Es ist ein Haus,
    dass sie als Lohn verlangt.",
    der Butt meint: "Kein Problem, durchaus.",
    der Mann ist froh und dankt.
    Ein stolzes Haus bewohnt er nun,
    mit Garten, Stall und Zaun,
    und alles ohne was zu tun
    und ohne was zu baun.

    Ne Weile geht das Ganze gut,
    dann will das Weibchen mehr,
    der Mann nimmt traurig seinen Hut,
    geht wieder an das Meer.
    Er schreit die Zauberformel laut,
    vom Buttje in der See,
    das Meer ist dunkelblau und rauht,
    der Fisch schwimmt im Karree.
    "Jetzt will die Frau ein großes Gut
    mit vielen Länderein."
    Der Butt nickt kurz und sagt: "Nur Mut,
    so soll es eben sein!"
    Und wie gesagt, so auch getan,
    ein Gutshaus steht am Platz,
    wo vorher noch das Häuslein war,
    viel mehr, als ein Ersatz.
    Und Knechte schichten Heu im Stall
    und Mägde füttern Vieh
    und Ilsebill kriegt einen Knall
    und sagt: "Das reicht mir nie!"

    Der Mann muss wieder raus ans Meer,
    die schäumt, ein Sturm zieht auf:
    "Oh Manntje, Manntje, Bittesehr,
    nun setze einen drauf!
    Die Frau will jetzt ein großes Schloss
    und König sein im Land,
    vom Kaiserreich der große Boss,
    ach, hätt sie bloß Verstand."
    Da grunzt der Fisch: "Sie hat es schon.",
    und tobend peitscht die Gischt,
    die Frau sitzt oben auf dem Thron
    und keift: "Das reicht mir nicht!"

    Ein Wetter ist's, als wenn die Flut
    dem Noah zeigen will,
    der Archenbau war wirklich gut,
    die Winde kreischen schrill.
    Am Ufer steht der arme Mann,
    er bittet in den Sturm:
    "Oh, Buttje, Buttje, mein Tyrann,
    die Ilsbill, schickt mich Wurm,
    um dir zu sagen, weltlich Gut
    ist wenig gut für sie,
    bei Gott, sie hat jetzt gar den Mut,
    ich wags nicht, irgendwie,
    zu sagen was sie wirklich will...,
    sie will allmächtig sein.",
    da wird es plötzlich totenstill,
    der Mann er ist allein.
    Zuhaus sitzt seine dumme Frau,
    die viel zu viel gewollt,
    nun wieder in dem dunklen Bau
    und jammert laut und grollt.
    Da legt der Mann sie übers Knie
    und schlägt ihr auf den Po
    und zeigt ihr mit viel Energie
    ihr göttliches Niveau.

  2. #2
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    Hallo Woitek,

    das hat mir gefallen. So ungezwungen geschrieben, es klingt als wäre es dir ohne Probleme aus der Feder geflossen.

    Toll, wie du die Moral in das Gedicht eingebaut hast.
    Das hat wirklich Lehrcharakter; schön

    Das Pendant der Gebrüder kenne ich nicht, aber wo ich nun deines kenne, ist das sicher nicht mehr nötig^^


    Gern gelesen,
    LG Sturmherz
    Sturmherz ist jetzt Anti Chris.

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    Eigenes: Meine Werke | Meine Favoriten (aktualisiert: 16.01.13)
    © Christian Glade

  3. #3
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    Hallo Sturmherz,

    naja, ganz so einfach war es dann doch nicht, lag sehr lange unvollendet im Schrnak, doch wurde heute wieder hervorgeholt, um beendet zu werden. Ich freue mich, dass es dir gefällt. Die Geschichte ist eigentlich ziemlich bekannt.

    Ciao
    Woiwoi

  4. #4
    R.Haselberger Guest
    Hallo Woitek,
    deine Werke können sich sehen lassen, das wollte ich immerschon mal sagen!

    Ja, die Geschichte ist bekannt..
    "Meine Frau die Ilsebill, will nicht so wie ich es will!" und so weiter und jedesmal wenn der Fischer kam, wurde das Meer dunkler. Am Ende saßen sie wieder arm in der kleinen Fischerhütte.

    Hast die Geschichte gut im Woitekstil dargelegt.

    Eine Stelle, wo ich des Klangs wegen überlege!
    "das blau und ruhig liegt"

    Event:
    das ruhend blau da liegt ?

    Ach was solls, gern gelesen.

    Gruß R.H.

  5. #5
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    Hallo R.H.

    und danke für das Lob, dagegen wird man nie resistent. Bei deinem Änderungsvorschlag kann ih keine Verbesserung sehen, da "das blau und ruhig liegt für mich Qualitativ besser ist, weil ich da ohne Fülsel auskomme, im Gegensatz zu deinem "das ruhend blau da liegt".

    Gruß
    Woitek

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