1. #1
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    Question Kurt Tucholsky

    Hallo,
    ich habe mal eine Frage zu Kurt Tucholsky. Vielleicht kennt sich hier jemand mit ihm aus.
    Ich hab zwei Fragen: Was ist die Thematik seiner Werke? Und sind seine Werke heute noch aktuell?
    Vielen Dank im voraus
    LG Hessenschnecke

  2. #2
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    Hallo Hessenschnecke,

    1. Politik und da natürlich in erster Linie die Gesellschafts(kritik)
    2. Ja - Gesellschaftskritik ist immer en vogue, da es immer Menschen gibt die sich zurückgesetzt fühlen.

    Eine nette Episode ist, dass es in der jetzigen Wirtschaftskrise ein Werk gab, welches die Umstände nahezu perfekt beschreibt und fälschlicherweise in einigen Boards ihm zugeschrieben wurde - trotz deutlicher Unterschiede im Stil, aber Tucholsky steht eben für die linke Gesellschaftskritik (speziell der Zeit der WR) wie kaum ein anderer.

    Büdde, Jamzee

  3. #3
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    Hallo Hessenschnecke, hallo Jamzee,

    @Hessenschnecke: Zu Tucholskys literarischem Werk kann ich dir kaum was sagen. "Augen der Großstadt" - ein Gedicht, dies habe ich gelesen. Zum Thema hat es die Verlorenheit des Einzelnen in dem urbanen Rhytmus.
    Ansonsten kann ich dir sagen das T. sich umgebracht hat.

    @Jamzee: Die Antwort auf Frage zwei finde ich gerade zu zynisch in Anbetracht der momentanen Kriege und Krisen auf der Welt. Du hälst es für nötiger Gesellschaftskritik als Symptom psychologischer Disposition zu erwähnen und damit ihre Bedeutung auf eine rein subjektive Gefühlsebene abgleiten zu lassen, denn sie als notwendigen (künstlerischen) Weg schätzen zu wissen (so jedenfalls die Richtung deiner Polemik). Diese psychologisch-ästhetische Weltsicht begreift sich irrtümlich nicht als potenzielles Opfer der Ursache der Kritik und scheint daher albern und weltfremd.

    Gruß
    ks442

  4. #4
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    Hallo ks442,

    sie ist sowohl notwendig als auch ein künstlerisch wertvoller Weg. Etwas mehr Mühe und Du hättest sehen können, dass mich das Thema Gesellschaft selbst umtreibt. Nichtsdestoweniger halte ich nicht viel vom dem allgemeinen Ausspruch: 'Das ist eben so in dieser Gesellschaft'. Wo Menschen Vorteile haben, müssen andere zurückstehen - und dieses Dilemma ist so alt wie die Menschheit (und bitte antworte nicht mit der angeblich Rousseau'schen Tugend der Urgellschaft, leider lehrt uns die Anthropologie, dass diese Utopie fast so wahrscheinlich ist wie die von Hanna Barbera). Damit ist dieses Thema in meinen Augen immer aktuell, genau wie etwa das Thema Liebe. Es ist das was menschliches Leben im Wesentlichen ausmacht. Gesellschaft wird immernoch von Individuen bestimmt und geformt und oben ist es nun einmal am schönsten. Deswegen schließe ich mit den Worten von K. Tucholsky:

    Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden...
    und man sollte auch nicht alles der Gesellschaft in die Schuhe schieben, denn
    Die menschliche Dummheit ist international
    Gruß, Jamzee

  5. #5
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    Hallo Jamzee,

    wenn du vollkommen unangemessen davon schreibst, dass Menschen sich fühlen, als würden sie zurückgesetzt und deswegen gesellschaftskritisch sind ist das eine Verharmlosung aller Gesellschaftskritik überhaupt, die zweifellos auch nicht akzeptabler wird, wenn ich weiß, dass du dich mit Gesellschaft beschäftigst, im Gegenteil.

    Gerade die Anthropologie als Wissenschaft ist eine Triebfeder der Verharmlosung von Gesellschaftskritik, sie übernimmt einen guten Teil religiösen Dogmatismus', der jetzt nicht mehr von "der besten aller Welten" sondern von der "best-möglichen aller Welten" spricht, in der Krieg und Herrschaft und was-weiß-ich-nicht niemals zu vermeiden sein werden, was für ein Quatsch. Sie lehrt uns nämlich folgendes: "Mund halten". Deswegen ist die anthropologische Ansicht auch eine bei der es sich lohnt zu fragen wem sie nützt. Übrigens wiedersprechen deine Tucholsky-Zitate meiner Intention auch nicht insofern sie beide im Präsens stehen.

    Ja, und wenn Individuen die Geselsschaft bestimmen - ich glaube aber erst in zweiter Linie, in erster Linie bestimmt die Gesellschaft die Individuen - dann müssen sie schlussendlich zur Einsicht kommen, dass das beste für sie als Einzelpersonen die Gleichheit aller ist, das Einfache, denn das sie oben oder unten stehen ist eben nicht eine Frage des Geschicks, als vielmehr eine Frage des Zufalls, wie ich zuerst schon andeutete.

    Gruß
    ks442

  6. #6
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    Hallo ks442,

    huch - intellektuelle Diskussionen.

    dass das beste für sie als Einzelpersonen die Gleichheit aller ist
    Das ist eine theoretische Utopie und gegen jedwede Natur. Wir sind nur deswegen soweit gekommen, weil wir verschieden sind und, je nach Umwelten, verschieden erfolgreich. Die völlige Gleichheit aller Menschen bezeichne ich als Sozialromantik die auf unserem Planeten bei keiner uns bekannten Spezies mit Sozialverhalten anzutreffen ist. Wäre Erfolg zufällig, dann hätten wir bis heute gar nicht überleben können. Ein Gesellschaftskonzept welches tatsächliche Gleichheit postuliert, unterschreibt ihr eigenes Todesurteil. Warum sollte dann jemand überhaupt etwas 'sinnvolles' tun? Und wie lösen wir die Ungleichheit bei der Partnerwahl - die einen sehen ja besser aus als die anderen. Und am Ende wird noch jemand neidisch, obwohl doch alle gleich sind?! Wenn Du Realismus als Quatsch bezeichnest - bitte! Aber Träumerei ist, und da sei Gott vor (Du erkannst die Nachwirkungen des religiösen Dogmatismus), deswegen noch kein adäquates Substitut für Wissenschaft.

    Ich muss noch hinzufügen, dass ich deine Herangehensweise sogar für überaus gefährlich halte. Der Glaube, dass die Gesellschaft eine Person aktiv benachteiligt hilft ihr nämlich keineswegs weiter das beste aus der Situation zu machen. Es ist immer einfach der Gesellschaft die Schuld zu geben. Für die Dummheit der neuen Generation, für das Dschungelcamp und für die Ungleichheit der Einkommen. Diese Kathedersoziologie streut nur Nebel und klopft sich selbst auf die Schulter.

    Gruß, Jamzee
    Geändert von Jamzee (11.01.2009 um 21:29 Uhr)

  7. #7
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    Hallo Jamzee,

    offensichtlich drehen wir uns im Kreis - du wirfst mir Träumerei vor und ich sage dir es ist Träumerei alles beim Alten belassen zu wollen, beim Natürlichen wie du dich ausdrücktest, und zu glauben es würde dabei bleiben.
    Was ich eben nicht glaube ist, dass es eine Natur des Menschen, des einzig wahren Menschen gibt. Es ist spekulativ von so einem Modell des Menschen auszugehen und verspeert die Sicht auf mögliche Änderungen.
    Die Gleichheit von der ich spreche bezog sich nicht auf irgendwas sondern auf das Auftreten einer Hierarchie die sich aus den aktuellen Produktionsverhältnissen ergibt, ein antagonistischer Widerspruch zwischen Proletariat und Bourgeois. Hierarchie als Ordnung ist ein Mangelzustand dem Abhilfe geschafft werden kann unter der Bedingung der Bedürfnisbefriedigung. Zusätzlich sei angemerkt, dass es durchaus afrikanische Stämme gibt die bei der Partnerwahl das Aussehen des Partners in ihrer Bewertung vernachlässigen, sogar soweit das sie keine ästhetisch bewertenden Worte für das Aussehen möglicher Partner haben. Soweit her ist es also mit der Natur des Menschen.
    Ich erzähle nichts neues wenn ich sage das es Kinder aus armen Familien wesentlich schwerer haben eine gute Ausbildung zu bekommen und sie darum gesellschaftlich unten stehen müssen; sie sind für ihr Geschick genauso viel oder wenig verantwortlich zu machen wie ihre erfolgreichen reichen Pendantes. Angestellte übernehmen Verantwortung für ihre Firma - glauben sich damit zu helfen und stecken zurück, arbeiten mehr für weniger Geld nur damit sie nicht alles auf einmal verlieren. Es gibt den Angestellten des Monats - er wird genauso entlassen wie alle anderen wenn das Werk schließt. Alles Beispiele bei denen der Erfolg nicht durch das Geschick bestimmt wird und es wird eben nicht eine Person aktiv benachteiligt sondern es wird eine Klasse benachteiligt umso mehr desto geringer der Widerstand ist. Das die Verantwortung einer Person komplett bei sich liegt ist Teil der herrschenden Ideologie die Profit und Ausbeutung maximieren soll. Der Arbeitslose ist selber Schuld arbeitslos zu sein obwohl er notwendiger Teil des Druckes (um den Lohn niedrig zu halten) ist usw. usw..

    Gruß
    ks442
    Geändert von ks442 (11.01.2009 um 22:42 Uhr)

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