Thema: Ein Traum III

  1. #1
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    Ein Traum III

    Drückend heiße Sonn verbrennt
    mir im Laufen den Verstand,
    endlos lange Mörtelmauern,
    an den Füßen glüht der Sand,
    Frauen, die am Wege kauern,
    doch nicht eine, die mich kennt.

    In der Mauer keine Fenster,
    keine Türen und kein Spalt.
    und soweit ich seh´, kein Ende.
    Nur mein Stock verspricht mir Halt,
    krampfhaft klammern meine Hände.
    Hinter mir die Schreckgespenster.

    Man versprach mir schöne Kleider,
    und ein Leben voller Wonne,
    Ich kann fast schon nicht mehr gehen,
    jedes Bein wiegt eine Tonne.
    lauf, renn weiter, bleib nicht stehen!
    Hinter mir des Sultans Reiter.

    Plötzlich sind es viele Frauen,
    schwarz in Schleiern fest vermummt.
    Dann, die Endloswand geht auf,
    als das Hetzgeschrei verstummt
    und mein Los nimmt seinen Lauf,
    es beginnt das nackte Grauen...

    Tausend dürre Arme zerren
    mich in jenen Mauerspalt.
    Und dahinter tausend Leiber,
    furchtbar hässlich, krank und alt,
    abgeschlachtet durch die Weiber,
    noch im Sterben schallt ihr Plärren.

    Ich bin hilflos, kann nichts tun,
    als mich eins der Weiber packt,
    reißt vom Leib mir alle Sachen
    und ich stürze, völlig nackt,
    mitten in die Blutschlammlachen,
    wo die Leichenteile ruh´n.

    Ungezählte Unglücksraben,
    stürzten in den Todesrachen.
    Draußen hör ich Pferde traben
    und den Sultan irre lachen.

  2. #2
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    Hallo Galapapa,

    ich lese dein Werk jetzt schon viele, viele Male, nicht zuletzt deshalb weil ich die Aussage suche.. ich hab schon viele Interpretationsmöglichkeiten für mich rausfiltern können, aber ob die stimmen, eher bezweifle ich meine Sichtweise mit der der deinen.

    Was mir aber nicht aus dem Kopf gehen mag ist 1000 und eine Nacht, kennst du ja sicher.. nicht zuletzt wegen des Sultans und der vermumten Damen.

    Ich denke dahinter steckt aber viel, viel mehr..
    Einen Gedankengang lasse ich aber da, weil er mir der erklärbarste ist.

    Aber ich tue mir so wahnsinnig schwer meine Gedanken dazu in Worte zu fassen, nicht zuletzt deswegen weil ich sicher mehr als daneben liege, aber ich versuch es.. mehr als auch ausgelacht zu werden .. geht eh nicht..

    Erstmal komme ich zurück zu meinem Gedanken - Tausend und einer Nacht, zumal ich dies eher als Vergleich viele Erlebt, aber keine hat so berührt wie die eine..
    Die Mauer sehe ich schon als Schutzmauer die sich das LyI im Laufe der Zeit aufgebaut hat. Darin sind keine Fenster, keine Türen weil das LyI sich mit dieser Mauer um sich recht wohl gefühlt hat.
    Was mich jetzt stutzig macht warum die Fraune vermummt sind.. da find ich keine Bezug zu, ode möchtest du schlicht ein Desinteresse damit hervorheben.. oder das " ihr könnt mir viel erzählen wenn der Tag lang ist, mit mir nicht mehr"..

    Und dann kommt die eine, die alles anders werden läßt, die das LyI bis aufs letzte auszieht, und die dem LyI zeigt das es anders auch geht.. aber ..
    Aus, kein Weiter .... denn sie zeigt ihm auch die Realität auf... das Ende..

    So inetwa.. hab ich dein Werk verstanden.. wenns total falsch ist.. bitte ich um Gnade..

    Dein Werk hat mich fasziniert, nicht zuletzt deswegen weil man es lesen kann und die Spannung die du aufbaust ist schon gewaltig, das Tiefe das sich dahinter verborgen hält kennst wohl nur du.

    Behutsame und liebe Grüße,
    Line

    edit:

    Noch eine Interpretationsmöglichkeit...
    Ich bleibe zwar bei Tausend und eine Nacht.. keine Ahnung warum, ist so.. ich komm davon nicht weg..
    Es gab im Leben des LyI tausend und viele Nächte
    aber die eine
    hat die Realität aufgezeigt und das es nicht mehr aufwerts sondern allmählich bergab geht.. mit allem.. in allem.. und dass im Hintergrund schon eher das Altersheim wartet als irgendetwas anderes... sorry.. wenn ich so direkt werde.. aber...
    mano.. so schön dein Werk auch ist.. und für andere wahrscheinlich erklärbar geschrieben so verworren ist es für mich ...
    Geändert von Behutsalem (16.01.2009 um 19:16 Uhr)
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  3. #3
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    Hallo Behutsalem,
    da hab ich Dich ja mal so richtig ins Grübeln gebracht!
    Vielen Dank für Dein Lob! Ich will versuchen, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen:
    Erstmal, es handelt sich tatsächlich um einen Traum, also stehe ich bezüglich der Interpretation genauso vor einem Problem, wie Du, liebe Behutsalem.
    Irgendein reicher, fürstlicher Araber hatte versucht, mich für seine abartigen Ideen zu gewinnen und versprach, mir jeden Wunsch zu erfüllen. Ich versuchte zu fliehen, behindert durch das traumübliche Blei in den Füßen und diese Mauer (sie war also kein Schutz, im Gegenteil), die mich zwang, in eine Richtung zu rennen, von der ich nicht wußte, ob sie die richtige ist...
    Dazu kamen die Frauen, die mich hinter ihren Schleiern beobachteten. Sie waren Bedrohung, was sich ja später auch bestätigte.
    So, und jetzt, Bühne frei für Phantasie, Traumdeutung u.Ä. Oder einfach nur voyeuristisch zurücklehnen und wirken lassen...
    Nochmals lieben Dank und herzlichen Gruß!
    Galapapa

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