1. #1
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    tandem (temporär)

    .

    bittermandelküche wimmern leise
    wir wintern aus einander zornig
    splittertage helle

    zitterschalenbrüche stimmen reisen
    wir puzzeln zu sammeln ein lachen
    splittertage hallen

    im zögerlicht

    verzögerte sich

    mein abschied

    .
    Now, for the Poet, he nothing affirmeth, and therefore never lieth:
    for as I take it, to lie, is to affirm that to be true, which is false.

    An Apology for Poetry - Sir Philip Sidney


  2. #2
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    Hallo!

    Also ich hab so meine Probleme mit diesen Text. Mit ein bisschen oder etwas mehr als ein bisschen Übung kriegt man diesen assoziativen Stil rein äußerlich so schön hin wie du hier, aber die Schwierigkeit dabei ist ja es so schaffen, dass der Leser ausnahmsweise dabei inhaltlich etwas mehr mit dem Text anfangen kann, als nur Mutmaßungen anzustellen. Und viel mehr kann man hier kaum machen. Dank der zweiten Zeile, den letzten drei Zeilen und dem Titel denke ich, dass es um eine brüchige Beziehung geht, so eine Art Hass-Liebe. Da gehts um eher geringe Höhen (wir puzzeln zu sammeln ein lachen) und eher extreme Tiefen (wir wintern aus einander zornig) in den beiden Strophen und darum wie das LI schließlich doch bleibt, wenn auch zögernd, in den letzten drei Zeilen. Das zögerlicht ist mMn übrigens die gelungenste Wortkonstruktion. Die Worte, mit denen die beiden Strophen jeweils beginnen, finde ich zu überladen.

    So, vielleicht liege ich mit diesen Vermutungen sogar (teilweise) richtig, vielleicht auch nicht... ich sehe in diesem Text aber ehrlich gesagt mehr eine Übung, mal assoziativ die Sau raus zu lassen, als ein (mehr oder weniger) ausgereiftes Gedicht. Für letzteres fehlt mir sowas wie Konsequenz, denn so manche Formulierungen kann man nicht oder nur teilweise einordnen, ohne die Kirche ums Dorf tragen zu müssen, wodurch sie recht willkürlich erscheinen. - Warum denn z.B. "splittertage helle" und dann "splittertage hallen"? Klanglich enthalten die Strophen Parallelen, schon klar, aber ansonsten kann ich dafür keinen sinnvollen Grund ausmachen...

    Naja, aber wie ich schon sagte, hast du diesen (Schreib)Stil hier klanglich und so schon ziemlich schön hingekriegt. Und das ist nicht meine persönliche Meinung, sondern ich behaupte einfach mal, dass es so ist. Denn nach meiner persönlichen Meinung ist es nicht schön, weil ich diesem Stil einfach nichts abgewinnen kann/möchte.

    liebe Grüße, flamme
    PS: Warum eigentlich "verzögerte", wo kommt die Vergangenheit auf einmal her? "im zögerlicht / verzögert sich" würde außerdem besser klingen, finde ich.


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  3. #3
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    Auch hallo!

    Könnte es eventuell sein, dass dieser Sachverhalt
    Also ich hab so meine Probleme mit diesen Text.
    in engem Zusammenhang mit diesem Umstand
    Denn nach meiner persönlichen Meinung ist es nicht schön, weil ich diesem Stil einfach nichts abgewinnen kann/möchte.
    steht?

    Die Worte, mit denen die beiden Strophen jeweils beginnen, finde ich zu überladen.
    Diesen Eindruck kann ich gut nachvollziehen. Was folgerst Du daraus? Was bedeutet das auf der semantischen Ebene? (Alleine den formalen Ersteindruck festzuhalten, reicht für ein ganzheitliches Textverständnis in meinen Augen nicht.)
    [...] denke ich, dass es um eine brüchige Beziehung geht, so eine Art Hass-Liebe. Da gehts um eher geringe Höhen (wir puzzeln zu sammeln ein lachen) und eher extreme Tiefen (wir wintern aus einander zornig) in den beiden Strophen und darum wie das LI schließlich doch bleibt, wenn auch zögernd, in den letzten drei Zeilen.
    Dein im Post Scriptum angeführter Kritikpunkt respektive die dazugehörige Frage und das diesem Satz vorangestellte Zitat stehen in engem Zusammenhang zueinander. Es hat durchaus seine Bewandnis, weshalb im Text "verzögerte" steht und nicht "verzögert".
    Warum denn z.B. "splittertage helle" und dann "splittertage hallen"? Klanglich enthalten die Strophen Parallelen, schon klar, aber ansonsten kann ich dafür keinen sinnvollen Grund ausmachen..
    Und auch dieser Frage hättest Du auf den Grund gehen können, indem Du Dich von der formalen auf die inhaltliche Ebene geschwungen hättest. Worin besteht beispielsweise der semantische Unterschied zwischen "splittertage" in S1 zu "splittertage" in S2 oder handelt es sich dabei um eine Wiederholung und deren Konnotationen sind gleich beschaffen?

    Wenn Du insgesamt nichts mit diesem Text anfangen kannst/willst, dann kann ich damit gut leben.

    Ich danke Dir dennoch für die Zeit und Aufmerksamkeit, die Du dem Text zuteil werden ließest.

    Liebe Grüße
    Wolle

    P.S.: Ach, das schöne W-Wort. Endlich auch mal wieder bei mir.
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  4. #4
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    Hallo wolle77,

    Das ist ja ein interessantes Werk, auf das ich hier gestoßen bin. Ich habe es heute schon ein wenig umkreist und beschnuppert , doch ich fürchte, dass ich es womöglich nicht ganz so verstanden habe, wie von dir beabsichtigt. Also dann, wollen wir mal

    1. Der erste Eindruck
    Dein Werk ist in "Diverse" und wirklich: es finden sich mehrere mögliche Züge in deinem Werk. Einerseits erkenne ich einen düsteren Teil (wimmern, wintern, zornig), aber auch einen lieblichen Zug ( einander, zu samme(l)n), doch auch ein spiritueller Zug lässt sich erkennen. Wie man an den von mir beispielhaften Worten schon sieht, spielst du geschickt mit Gleichklängen. Mitunter entstehen durch den Verzicht auf Satzzeichen auch mehrere Möglichkeiten, den Text zu lesen.
    Eines noch: Beim ersten Lesen wird man ziemlich ratlos zurückgelassen - doch genau das ist interessant: Man will den Inhalt kennen; man muss sich mit deinem Werk auseinander setzten.

    2. Inhalt

    tandem

    • Lateinisch heißt tandem "endlich" oder "schließlich", was ich weiß.
    • Dann gibt es noch das Tandemrad, etc. Hier steuert einer das Rad, doch alle fahren mit.
    • Außerdem gibt es die Tandemreaktion, die (ich nicht ganz verstanden habe und) Wikipedia so erklärt:

    Zitat Zitat von wikipedia
    Damit sind Gesamtreaktionen gemeint, die eigentlich aus mehreren unabhängigen Reaktionsstufen (nicht mechanistischen Schritten) bestehen, die spontan unmittelbar nacheinander ablaufen.
    Diese Begriffe passen zum weiteren Inhalt:

    Zitat Zitat von wolle77
    bittermandelküche wimmern leise
    wir wintern aus einander zornig
    splittertage helle
    Im ersten Vers denkt man an KCN, an Kaliumcyanid. Die Blausäure, die äußerst toxisch ist, hat einen charakteristischen bitteren Mandelgeruch. Auch bei einer Vergiftung riecht der Atem bittermandelartig. Die Küche deutet auf Essen hin, womöglich hat das LI eine Zyankalikapsel geschluckt. Das LI hat sich vergiftet, es wimmert leise (die Symptome setzten ein, es hat sich bereits vergiftet).
    Winter wird mit Kälte in Verbindung gebracht. Man kennt das "Überwintern". "Aus wintern" erinnert an "auswandern". Das LI ist von Kälte geprägt und möchte weg (oder möchte dieser Kälte fliehen). Es könnte aber auch "wir wintern auseinander" heißen, dh. das LI möchte vom LD weg. Entweder sind die aufeinander zornig oder wütend über die allgemeine Situtation.
    Ein Splitter unter der Haut ist unangenehm. Die unangenehme Situation ist für das LI so stark erkennbar, dass es alles andere überragt.
    Hier wirken die Splittertage also negativ behaftet.

    Zitat Zitat von wolle77
    zitterschalenbrüche stimmen reisen
    wir puzzeln zu sammeln ein lachen
    splittertage hallen
    Das "zitter" könnte schon auf Krämpfe hindeuten, genauso kann mit zitterschalenbrüche der Zustand knapp vor der Ohnmacht gemeint sein. Zitter, sozusagen, als Wechsel zwischen zwei Zustanden. Die Schalen könnten sich auf die Atommodelle beziehen und haben vielleicht mit einem Überlagerungszustand (in Richtung Quantenmodell?) zu tun. Bruch kann den Übergang zum Tod beschreiben. Ebenso kann Schalenbruch auch meinen, dass man eine neue Welt kennen lernt (Das Huhn zerbricht die Schale, um zu schlüpfen), vielleicht ein Hinweis auf den Tod. Auch die Reise würde zum Tod passen, quasi als Reise in die Unterwelt.
    Das "zu sammeln" wirkt wie "zusammen". Das LI und das LD fügen fehlende Teile zusammen, die sie erst sammeln müssen: nämlich die Freude. Sie schaffen und sammeln ein Lachen (vielleicht in der Erinnerung?). Aus dem Zorn in der ersten Strophe wurde ein Lachen.
    Die Wahrnehmung erfolgt splitterhaft. Es erinnert sich an Aussschnitte von Tagen. Splittertage könnte Splitter von Tagen heißen, also Stunden. Manche Stunden sind angenehm. Das "hallen" beziehe ich auf die Wahrnehmung des LIs. Zu den Symptomen einer Vergiftung zählt Schwindel und Ohnmacht. Die Realität verhallt.
    Hier wirken die Splittertage neutral bis positv behaftet (duch das lachen zuvor).

    Zitat Zitat von wolle77
    im zögerlicht

    verzögerte sich

    mein abschied
    Das beschreibt jetzt eine Situation vor den anderen beiden Strophen. Es beschreibt die Vergiftung.
    Ein Licht, das "zögert", leutet nicht wirklich, aber es erlischt auch nicht ganz. Es flackert. Das könnte sich auf die nachfolgende Vergiftung beziehen: Zwischen Leben und Tod.
    Auch die Stimmung, die bei flackerndem Licht aufkommt, ist eher düster.
    Zögerlicht hört sich an wie zögerlich. Durch ein Zögern dauert der Abschied länger.


    Sehe ich den Inhalt richtig?

    3. Form und Klang

    bittermandelküche wimmern leise
    XxXxXxXxXx
    wir wintern aus einander zornig
    xXxXxXxXx
    splittertage helle
    XxXxXx

    Trochäus/Jambus/Trochäus
    Die w-Alliteration wirkt melancholisch. Auch eine Assonanz liegt vor und behaftet das "wintern" duch das "wimmern" negativ.


    zitterschalenbrüche stimmen reisen
    XxXxXxXxXx
    wir puzzeln zu sammeln ein lachen
    xXxxXxxXx
    splittertage hallen
    XxXxXx

    Trochäus/Daktylus mit Auftakt/Trochäus
    Der erste Vers ist bezüglich der Vokale mit dem der ersten Strophe ident. Auch hier eine Assonanz.


    im zögerlicht
    xXxX

    verzögerte sich
    xXxxX

    mein abschied
    xXx

    Jambus/Daktylus mit Auftakt/Jambus
    Das licht-sich wikt wie ein Reim.


    4. Fazit
    Beim Inhalt bin ich mir nicht sicher. Klanglich ist dein Werk ein absolutes Highlight. Du kannst mich überzeugen, ich bin begeistert.

    Gern gelesen, gerne kommentiert!
    lg, maXces

    PS: Was bezeichnet das temporär im Titel?
    Geändert von MisterNightFury (09.05.2009 um 19:56 Uhr)

  5. #5
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    Aloha maXces!

    Du weißt gar nicht, wie dankbar ich Dir bin. Du hast Dich getraut und hast diesen Text wirklich gelesen. Nicht nur einfach überflogen. Lyrik ist in meinen Augen kein Fastfood, nichts für "mal eben schnell zwischendurch". Du bist zwar nicht in jeder, doch in vielerlei Hinsicht so auf diesen Text zugegangen, wie ich mir das nur wünschen kann.
    Offen und gewillt eigene Assoziationen gelten zu lassen. Es mag Texte geben, die nur eine Lesart zulassen, diese Texte haben ihre begeisterten Anhänger. Und das auch zu Recht. Aber es gibt auch Texte, die mehr als eine Verständnisebene anbieten. Es gibt durchaus Menschen, die solchen Texten etwas abgewinnen können. In mir wohnt ein bisschen was von beiden.

    So, wie ich Deine Interpretation lese, beschreibt der Text die Momente vor dem Tod selbst, aber inspiriert durch Deine Gedankengänge wäre auch die Beschreibung einer Nahtoderfahrung denkbar. Da gibt es für mich kein richtig oder falsch, sondern nur ein schlüssig oder nicht schlüssig. Da Du zum Schluss fragst, ob Du mit dem Inhalt richtig liegst, möchte ich Dir antworten, dass in meinen Augen, eine schlüssige Interpretation in diese Richtung möglich ist, eben so wie Du sie hier zeigst. Ich persönlich hätte, was den letzten Abschnitt anbelangt, anders argumentiert, was jedoch nicht heißt, dass ich Deine Sichtweise nicht nachvollziehen könnte.

    Zögern impliziert für mich wenn nicht Zweifel, dann doch irgendeine Empfindung, die gegen die eigentlich angefangene Handlung spricht. Wenn ich diesen Gedanken jetzt mit der Vergiftung, Tod oder Nahtod in Verbindung bringe, so ist es kein überzeugter Abschied, kein sicherer Tod, keine Kompromisslosigkeit eines einzig vorherrschenden Gefühls, die den Abschied leicht macht. Das Zögern kann auch zu einer ganz anderen Art von Abschied führen. Man verabschiedet sich quasi in die andere Richtung. Man kann sich auch vom Todeswunsch verabschieden, vom Abschied selbst...

    Ich habe beim Schreiben nicht an den Tod gedacht, jedoch liegt jetzt mit einigem Abstand der Gedanke alles Andere als fern. Du bist behutsam vorgegangen, hast viele mögliche Lesarten gesehen (was die unterschiedlichen Wortkombinationen und Klangähnlichkeiten (zu dort nicht niedergeschriebenen, aber dadurch mitschwingenden Worten) anbelangt) und Dich zum Schluss sogar noch so mit der Form befasst, dass ich allen Grund zur Freude habe. Schließlich geht nicht jeden Tag jemand hin und nimmt auch eben die Aspekte im Text wahr, die mir wichtig sind, bei denen ich mir auch etwas gedacht habe.

    Noch zu Deinem Post Skriptum:
    Wenn ich die Nahtoderfahrung nehme, wird das temporär eigentlich eindeutig, nehme ich es im Bezug auf den tatsächlichen Tod aufs Korn, dann bezeichnet es in meinen Augen den Zeitpunkt, kurz vor dem Tod, an dem das Leben aus dem Körper weicht. Alles (für diesen Menschen) nicht nur irgendwann einmal enden wird, sondern gerade merklich endlich ist, der Mensch das Ende sieht. Dieser Zustand selbst aber ist auch vorübergehend, auch er ist zeitlich begrenzt.

    Ganz herzlich Dank fürs Lesen, Sehen und Verstehen. Ja und nicht zuletzt die Mühe, die das Antworten macht.
    Dass ich Dich überzeugen konnte, freut mich natürlich sehr.

    Ganz liebe Grüße
    Wolle
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  6. #6
    Sneaky Guest
    Hallo wolle77,

    ich mag lieber fastfood. Eine eindeutige Aussage finde ich schöner, als dem Poeten hinterherzupirschen um herauszupfriemeln, was er wohl bei seinen Kaninchenhopsern durchs Dickicht der Sprache gewollt hat und ob ich nicht zu spät zum Tee des Hutmachers komme.ICh hoffe, das klang nun nicht zu garstig.

    Warum ich dann trotzdem hier kommentiere? Der Text hat was, er ist sprachlich und klanglich sauber gearbeitet, und er einnert mich an ein Lied (Baby wenn du kommst/brennt in der Minibar ein Licht/da steht ein Bittermandelshake).

    Ich sehe darin ein Beziehungsgedicht, keine Todeserfahrung (@maxces womit ich nicht deine Interpretation in Frage stellen will)

    bittermandelküche wimmern leise
    wir wintern aus einander zornig
    splittertage helle

    Liebe ist nicht mehr süß, Bittermandeln werden als Aroma verwendet, je mehr umso kritischer wirds. Hier hat das Süße zuviel Zyankali abbekommen, die Liebe tut mehr weh als gut. Der Winter steht metaphorisch für eine Zeit der Spannung, ich lese es als wir wintern aus, bedeutet im Straßenbau Frostaufbrüche, Wasser sickert ein, gefriert und sprengt die glatte Obefläche. Daher: Zwei Liebende zoffen sich gehörig, es kommt unter der Oberfläche verborgenens explosiv zum Vorschein. ich sehe den BEzug also so wir winter aus / einander zornig

    zitterschalenbrüche stimmen reisen
    sind für mich Umschreibungen des Streits. Ein Ei eine Beziehung bekommt Spannungsrisse siehe oben. stimmen reisen kann da Satzzeichen völlig fehlen auch eine Frage sein stimmen reisen ? sind reisen richtig,
    wir puzzeln zu sammeln ein lachen
    beide bemühen sich ein lachen zu sammeln, bemühen sich die Stücke so zusammenzusetzen, dass ein Lachen der Lohn der Mühe ist.
    Sprich: Lyrich und LyrDu sind trotz des Streites bemüht noch etwas zu sammenln
    Splittertage hallen
    im Sinne von hallen nach, bedeutet der Streit ist noch nciht ausgestanden, ob er ausstehbar ist, ist die Frage

    Aber der Streit ist mit "im zögerlicht" beendet. Die Beziehung ist zu Ende, der Abschied hat sich im "Schwanengesang" sozusagen nur verzögert.

    Das ist meine Lesart. Ich fand den Text anregend, aber ich bleibe lieber bei meinem Fastfood. Und das meine ich nicht abwertend. DAs ist halt nicht meine Welt.

    Gruß

    Sneaky
    Geändert von Sneaky (13.05.2009 um 12:33 Uhr)

  7. #7
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    Hey Sneaky!

    Eine eindeutige Aussage finde ich schöner, als dem Poeten hinterherzupirschen um herauszupfriemeln, was er wohl bei seinen Kaninchenhopsern durchs Dickicht der Sprache gewollt hat und ob ich nicht zu spät zum Tee des Hutmachers komme.
    Das klingt nicht garstig, zeigt aber recht schön, wie weit wir beide, was die Rezeption anbelangt, auseinander liegen können. Es geht ja nicht unbedingt darum, was der Autor sich dabei gedacht haben mag. Das kann Dir und mir und allen völlig hintenrum vorbeigehen. Die Frage ist eher, was sehe ich darin, was lese ich heraus? Hat dieser Text etwas, das mich aufhorchen oder nachdenken lässt, reizt er mich und wenn ja wodurch? Wenn ich mich daran orientiere, kann es passieren, dass ich mich zufällig auf den gedanklichen Pfaden des Urhebers wiederfinde, es kann jedoch genausogut passieren, dass ich einen ganz anderen Weg einschlage. Es geht dabei um gegenseitigen Gedankenanstöße und ich bin zumindest so flexibel, dass ich meine Gedanken und Intentionen, die ich beim Schreiben hatte, außen vor lassen kann, wenn ich mich mit Dir über den Text austausche.

    Bei Deiner Interpretation hast Du das Auswintern sehr schön Deiner These angepasst. Ich finde es nicht weiter schlimm, wenn man sich, um sich argumentativ durch einen Text zu hangeln, anderen Annahmen gegenüber erstmal abgrenzt (das heißt ja nicht, dass man sie nicht sieht) - so wie Du das dann mit "auseinander" gemacht hast. "zitterschalenbrüche stimmen reisen" als Frage zu lesen, ist ein interessanter Ansatz, denn nicht nur das Gesagte, sondern auch die Intonation reist hier. Ist die Art und Weise wie gestritten wird richtig? Mein Eindruck beim ersten Lesen Deiner Gedanken war, dass sich die "brüche" und das "reisen" zu einem Reißen verbunden haben. Das Ei als Sinnbild für eine Beziehung erinnert mich an etwas ganz Anderes (falls Dir der Begriff termite art etwas sagt, könnte ich darauf näher eingehen), aber er passt hier ebenso gut. Denn die Spannungsrisse zeigen ja, dass auch bei einem positiven Vorgang (ein Küken schlüpft aus einem Ei) erstmal etwas in die Brüche geht (die Schale/die Schutzatmosphäre). Das "sammeln" hast auch Du hier mit positiver Konnotation gelesen, aber präsentisch gedeutet, es werden also keine Erinnerungen, sondern es wird Gegenwärtiges gesammelt. Diesen Gedanken hast Du dann schlüssig mit den letzten vier Zeilen verknüpft, da ist dann auch das ganze Gerudere und Gepuzzle für die Katz, denn das LyrIch geht, trotz aller Bemühungen beiderseits nimmt es Abschied.

    Da es nicht Deine Welt ist und Du Dich dennoch darauf einlassen konntest, danke ich Dir umso herzlicher für Deine Auseinandersetzung mit meinem Text.

    Liebe Grüße
    Wolle
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  8. #8
    Sneaky Guest
    Hallo wolle,

    wenn der Text völlig hermetisch wäre, hätte ich auch nicht versucht zu kommentieren.

    Das Problem, wenn mans denn so nennen will, ist dass ich Gedichte als Erzählung sehe. Und ich bin nicht derjenige der erzählt, das ist der Autor. Wenn der das so anlegt, dass seine Intention verkryptet ist, frage ich mich immer, wieso wozu? Und die Frage ist auch nicht provozierend gemeint, sondern dann eher im Sinne von hilflos.

    Wozu eine Geschichte erzählen, die 100 verschiedenen Interpretationen Raum bietet? Vermutlich eben deswegen

    Gruß

    Sneaky
    P.S. nein termite art sagt mir nix, aber ich geh mal googeln

  9. #9
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    @ Der_Prediger: Vermutungen an sich über einen User anzustellen, ist schon ein Verstoss gegen unsere Grundregeln. Dies auf einen nicht mehr aktiven User zu beziehen, der sich dagegen nicht mehr wehren kann, ist einfach erbärmlich. Solltest Du Dir noch einmal so einen Aussetzer leisten, musst Du mit einer Verwarnung rechnen.

    gott
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