Thema: Verneigung

  1. #1
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    Verneigung




    Ich las mich gerne staunend ein in seine Worte,
    ließ mich umfangen von dem stillen Lichterregen.
    Gedankenpfade führten mich an fremde Orte,
    wo Sinnesströme flossen über längst verdorrte,
    längst verlorne Lebenspracht, um sich zu legen
    dann um diese halb opake Denkerseele –
    ein Großteil wird verebben, bald nichts mehr bewegen.

    Doch blicke ich noch dankerfüllt zurück aufs Licht,
    das wir uns flüchtig teilten im gedachten Raum.
    Genügen kann mein Denkeln diesem andren kaum.

    So ist es nicht, doch klar: Gefühle sind der Flaum,
    der auf Gedanken wächst; er steuert ihr Gewicht.


    Geändert von Honigblume (25.01.2009 um 21:59 Uhr)

  2. #2
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    Verneigung

    Hallo Honigblume,

    Dichter sind meist empfindsame Menschen. Sie malen Gefühle mit Wörtern in ihre Gedichte. Viel davon erreicht die Leser nicht, doch ein geringer Teil nimmt Einfluss und dies gibt den Gedichten einen besonderen Sinn und Wert. Davor verneige ich mich auch.
    Ein schönes Gedicht. Es gefällt mir gut.

    Herzliche Grüsse Hans

  3. #3
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    so ziemlich das beste, was ich hier bisher gelesen habe.


    es grüßt schön
    eiche

  4. #4
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    Hallo Honigblume,

    das was den Gedicht beschreibt kenne ich nur zu gut. Und ich frage mich auch ob ich das was ich lese, denn auch wirklich so verstehe wie es der Dichter/ Denker gemeint hat, Gedanken wie ich sie selber niemals hätte. (Zur Zeit kämpfe ich mit Sloterdijk). Und das wichtigste: ob nach der Lecktüre auch etwas Bleibendes bleibt, aber ich denke schon.
    Du hast die Hochachtung für diese Menschen sehr ansprechend in Worte fassen können, gefiel mir wirklich sehr gut.

    Liebe Grüße Hanno

  5. #5
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    Hallo Hans, hallo Eiche, hallo Hanno,

    es freut mich über alle Maßen, dass ihr bei diesem Gedicht vorbeigeschaut habt! Ich habe ziemlich lange daran gesessen - oder besser gesagt in diesem Fall: Das Gedicht saß sehr heftig an mir. Eure Kommentare geben mir das Gefühl, dass die Mühe nicht umsonst war. Ich war mir wirklich nicht sicher, wie dieses Gedicht am Ende bei anderen ankommen würde, vor allem weil ich mich so intensiv damit beschäftigt hatte. Da verliert man irgendwann das Gespür. Und manchmal gibt man dann Gedichte zum falschen Zeitpunkt der Öffentlichkeit preis. Sie sind dann entweder immer noch unreif oder schon überreif.

    @ Hans
    Es freut mich, dass dir diese Zeilen gefallen! Zumal du dich selbst sehr oft auf philosophischen Pfaden bewegst in deinen Gedichten. Dichter „malen Gefühle mit Wörtern“. Schön gesagt. Ja, so ist es oft – und ich glaube, wenigstens diese Aussage muss man nicht infrage stellen.

    @ Eiche
    Ein sehr kurzer, aber so lobender Kommentar, dass es mir geradezu peinlich ist! Du bist, glaube ich, noch nicht so lange hier im Forum unterwegs. Du wirst ganz bestimmt noch einige andere wirklich hervorragende Zeilen entdecken.

    @ Hanno
    Du hast die Intention meines Gedichts sehr treffend beschrieben! Dass du derzeit mit Sloterdijk „kämpfst“ (immerhin ohne Gefahr, sich dabei blaue Flecken zu holen), verdient meine Anerkennung. Ich verrate besser nicht, was ich gerade lese.

    Ganz lieben Dank für euren Besuch und eure Zeit!

    Ich habe mich entschlossen, an zwei Stellen noch kleine Änderungen vorzunehmen:

    drittletzte Zeile: "Denkeln" statt "Denken"
    letzte Zeile: "ihr" statt "das", damit der Bezug auf die Gedanken deutlicher wird.

    Falls ihr denkt, dass es anders besser war, freue ich mich über eine Meldung.

    Herzlich
    Honigblume

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