1. #1
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    Der Räuberbräutigam

    Der Räuberbräutigam

    (Ballade nach dem Märchen der Gebrüder Grimm)

    Ein Müller hat ein Töchterlein,
    ganz wunderwunderschön,
    und als sie in das Alter kommt,
    soll es zur Hochzeit gehn.
    Ein Freier steht und hält um sie,
    er wirkt sehr reich und fein
    und weil er sich auch gütlich gibt,
    soll er der Bräutgam sein.
    Der Tochter ist es gruselig,
    sie fühlt sich nicht sehr wohl
    beim Anblick des Versprochenen.
    Er wirkt so kalt und hohl,
    als wenn er böse Schatten trüg,
    wie wenn ein dunkler Fluch ihn treibt,
    doch ist der Vater schon entschieden,
    die Tochter leider längst gefreit.

    Und eines Tags sagt jener Mann:
    "Du kommst zu mir hinaus!
    An diesem Sonntag warte ich
    im Wald in meinem Haus.
    Ich lud schon feine Gäste ein,
    die deiner sich schon freuen,
    dort zeig ich dir mein Hab und Gut,
    es wird dich schon nicht reuen."
    "Ich weiß nicht wo dein Häuslein steht.",
    gibt sie zur Antwort ihm.
    "Ich streue Asche auf den Weg
    und diese führt dich hin."

    So ist es Sonntag und sie geht
    tief in den Wald hinein
    und streut auf ihren Wanderweg
    viel hundert Erbselein.
    Dann kommt sie zu dem alten Haus
    und öffnet seine Tür
    und tritt hinein, im Inneren
    wird ängstlich ihr Gespür.
    Da hört sie auch ein Stimmchen schon:
    "Kehr um, du junge Braut!
    Du bist in einem Mörderhaus.
    Los, rette deine Haut!"
    Von einem Vogel kommt der Spruch,
    er sitzt an einer Wand
    in einem holznen Bäuerchen
    und wirkt sehr angespannt.
    Und wieder geht der Schnabel auf:
    "Kehr um, du junge Braut!
    Du bist in einem Mörderhaus.
    Los, rette deine Haut!"
    Da geht sie nun von Stub zu Stub,
    doch nirgends ein Verbleib,
    sie schleicht zum Kellerraum hinab,
    da hockt ein altes Weib
    und wackelt ständig mit dem Kopf.
    Das Mädchen spricht sie an:
    "Sag mir, wo ist der Herr des Hauses,
    wo ist mein Bräutigam?"
    "Ach, armes Kind", spricht da die Frau,
    "dein Bräutgam ist der Tod.
    Sie töten und sie kochen dich
    noch vor dem Abendrot.
    Denn jener, der dich hat gefreit,
    ist Menschenfresserbrut
    und Mördersmann in Wirklichkeit
    und böse bis aufs Blut.
    Du armes Kind, du jammerst mich,
    drum komm zu jenem Fass,
    verstecke dich, was auch passiert
    und schweige mit Gelass."

    Kaum hat das Mädchen sich versteckt,
    da wird es wild und laut,
    die Mörderbrut ist heimgekehrt,
    die grölend, wild versaut,
    ein andres Mädchen mit sich führt.
    Sie töten es voll Gier
    und ziehen ihm die Kleider aus
    und stückeln es durch vier.
    Am Finger trägt die warme Leich'
    ein Ringelein aus Gold,
    doch dieses sitzt sehr fest im Fleisch.
    Da schlägt ein Trunkenbold
    mit einem Beil den Finger ab,
    er landet in dem Fass,
    in dem sich unser Mägdelein,
    verängstigt, still und blass,
    die ganze Zeit verstecket hat.
    Er fällt in ihren Schoß.
    Schon suchen auch die Räuber ihn,
    ihre Angst ist sprengend groß.
    Da ruft die Alte: "Kommt zu Tisch!
    Der Ring läuft schon nicht weg.",
    und rettet so das Mägdelein,
    dass ihn im Kleid versteckt.
    Den Räubern tropft die alte Frau
    in ihren roten Wein
    zehn Tropfen von der Schlaftinktur,
    da schläft die Bande ein.

    Und fliehend lassen sie das Haus,
    das Grauen hinter sich
    und laufen in den Wald hinaus,
    ins Gute hoffentlich.
    Die Asche hat der Wind verweht,
    die Erbsen gingen auf
    und führen nun die Fliehenden,
    im frohen, schnellen Lauf,
    zurück zum Vater und ins Dorf.
    Dort ist die Freude groß,
    da ist man jener Horrormär
    schier baff und fassungslos.

    Es wird ein guter Plan geheckt.
    Der Hochzeitstag rückt an
    und als man schon beim Essen sitzt,
    mit jenem üblen Mann,
    erzählt das Mädchen einen Traum:
    "Ich lief durch einen Wald,
    um meinen Bräutigam zu sehn.
    Ich kam ans Haus schon bald.
    In ihm zwitscherte ein Vögelchen:
    "Kehr um, du junge Braut!
    Du bist in einem Mörderhaus.
    Los rette deine Haut!"
    Und in dem Keller, träumte ich,
    war eine alte Frau,
    die hat mich in nem Fass versteckt.
    Dann kamen mit Radau
    mein Bräutgam und die Mörderbrut,
    sie schlachteten ein Kind,
    ein junges Mädchen köpften sie,
    gar wild und blutgesinnt.
    Sie hackten ihr den Finger ab,
    der trug ein Ringelein.
    Er fiel mir, tief im Fass gehockt,
    in meinen Schoß hinein."
    Und als das letzte Wort verklingt,
    da hebt die junge Frau
    den Finger mit dem Ringlein dran,
    der Mörder macht Radau.
    Doch starke Männer halten ihn
    und zerr'n ihn vor Gericht.
    Die ganze Bande kommt zum Strick,
    der ihnen brechet das Genick.
    Nur leider, ach ja, leider
    weckt das die Opfer nicht.
    Geändert von Woitek (26.01.2009 um 21:24 Uhr)

  2. #2
    R.Haselberger Guest
    Hallo Woitek!

    Na diesmal wurde es richtig blutrünstig, dagegen ist Jack the Ripper fast ein Waisenknabe!

    Mit Spannung gewürzt, auch wenn im Traum dann nochmal alles aufgezählt wird.

    Schwächen, bzw. Stellen die mir nicht gefallen wären:


    und als sie in das Alter kommt reift?
    soll es zur Hochzeit gehn.
    Ein Freier kommt und hält um sie,



    als wenn er böse Schatten trüge
    ohne "e" gefiele mir besser, auch im Bezug zu "reibt".



    die Mörderbrut ist heimgekehrt,
    die grölend, wild versaut,
    ein andres Mädchen mit sich führt.


    Da denkt man gleich an was perverses im Sinne von Gruppensex! Ok!




    Schon suchen auch die Räuber ihn,
    die Angst ist sprengend groß.


    Gefällt mir nicht das Wort, denn was soll sie sprengwen, das Fass?

    Natürlich soll sich auch die Aussage auf die Angst des Mädchens beziehen und nicht die Angst der Räuber Spuren des Verbrechens zuhinterlassen, falls andere den Finger finden!



    Nur leider, leider, leider

    Woitek, das hört sich mit drei Wiederholungen echt nicht gut an.

    Vielleicht "Nur leider, ach ja, leider" ?


    Gern gelesen!
    Gruß R.H.


  3. #3
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    Hallo R.H.,

    habe viele deiner Vorschläge übernommen. Danke dafür. Das "sprengend" habe ich darinnen gelassen, da die Angst sehr wohl das Herz sprengen könnte. Wild versaut bleibt auch drinnen, weil die angedeutete Vergewaltigung im Märchen auch so herüber kommt.

    Gruß
    Woitek

  4. #4
    Sanssouci Guest
    Bravo, grimmiger MärchenMod,

    auch hierzu mein Kompliment.
    Und damit es kein Spam wird, nur noch eine Anmerkung:
    Erfreulich auch, wie du generell Rechtschreibung und Interpunktion beherrschst!
    Und auch dein Schlussresümee: Einfach köstlich!
    Ansonsten siehe meine Anmerkungen zu "Der alte Großvater und der Enkel".

    Es grüßt märchenhaft Sanssouci
    Geändert von Sanssouci (30.01.2009 um 17:57 Uhr)

  5. #5
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    Hallo Sanssouci,

    auch hier meinen lieben Dank für deinen freundlichen Kommentar und die Unterstellung, dass ich die Interpunktion generell beherrsche, fasse ich selbstverständlich als ironischen Seitenhieb auf. Schön, dass dir das Resümee gefällt, habe bei allzugroßen Änderungen des Oringinals immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen, doch runden solche Blickwinkelausweitungen am Ende oftmals schön ab, wenn es denn nicht allzu moralinsauer wird.

    Gruß
    Woitek

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