1. #1
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    Betonierte Großstadthoffnung

    Steinerne Hoffnung
    Idee und Text: Kiki
    Lektor:Ingo


    Schriller Schrei in Nachbarzimmer
    und mit einem dumpfen Ton
    kracht ein Teller an die Wand -
    Weckruf voller Aggression.

    Heute bringt der Sonnenstaub
    meinen Spiegel nicht zum Glänzen;
    morgendliche Freud’ verraucht,
    diesen Tag würd’ ich gern schwänzen.

    Auf dem Gang mit tausend Türen
    hallen leise meine Schritte
    und kein Herz kann sich noch rühren
    zwischen betonierter Sitte.

    Fahrstuhl abwärts durch die Enge
    einer vollen Bienenwabe;
    Kälte zieht uns in die Fänge:
    Keiner kommt dem Andern nahe.

    Unten angekommen kratzen
    sich die Nester in die Wolken,
    die wie schmerzverzerte Fratzen
    nun als Nebel enden sollten.

    Jeder lebt in eigner Welt,
    graue Zimmer dicht’ an dicht’.
    Sind da Scherben hinter Fenstern?
    Sehen tun wir’s meistens nicht.

    Mancher Mensch in seiner Wohnung,
    ganz aus Steinen und aus Glas,
    zwischen grenzenlosen Türmen,
    gibt sich hin dem Schmerz und Hass.

    Und die Leute ohne Willen
    rennen ziellos, zögern nicht,
    auf den schwachen Schultern ruht
    ein nicht sichtbares Gewicht.

    Shoppingsucht nach Kinderarbeit,
    Heißhunger auf Fritten,
    grenzenlose Albernheit
    zwischen Sahneschnitten.

    Tausend Füße auf dem Asphalt
    und dazwischen ich -
    missmutige Menschenmasse
    sieht mich leider nich’.

    Woll’n wir nicht verschieden sein
    und uns so verhalten?
    Wollten wir nicht Werte suchen,
    die dem Geld nicht galten?

    Nieselregen hält sich prickelnd
    fest auf meiner Nasenspitze.
    Feuchte Tropfen fröhlich giggelnd
    brechen trockne Alltagshitze.

    Zwischen hundert schillernd’ Pfützen,
    seh ich jemand’ lachend sitzen:
    ein Wuschelkopf in buntem Shirt
    verharrt am Bordstein unbeirrt.

    Und während Funkenregen aus den Haaren kleckst,
    und feuchter Sonnenglanz sein Kinn benetzt,
    stößt er ein Bötchen in die Fluten -
    durch Rinnsteine starrer Statuten.

    Und wird das Boot auch untergehn -
    die stärksten Blumen zwischen Gleisen stehn,
    Graffitti knallig herscht an grauen Wand
    und Kinder meißeln Träume in den Sand.

    Denn ist die Stadt auch noch so grau,
    teil meine Hoffnung, Glück ist immer,
    und dort in naher Ferne – schau -
    ist erster, warmer Frühlingsschimmer!


    Ps.: Habt ihr noch Vorschläge für nen besseren Titel?
    Wenn dir das Leben eine Zitrone schenkt, mach Limonade draus.

  2. #2
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Zitat Kiki: (die Strophe wird ich eigentlich gern so lassen:
    sie soll sich auf meine jugendliche Umgebung beziehen
    die hauptsächlich billige Klamotten (egal woher)
    und McDoof (egal woraus) konsumiert
    und noch nicht so richtig verstanden hat,
    dass man auch irgendwie Verantwortung übernehmen muss in dieser Welt)


    Liebe Kiki,

    da staunt man doch immer wieder, wie weit Mädchen mit fünfzehn schon entwickelt sind und man sollte Jugendliche eben doch ganz fröhlich ernst nehmen.

    Du weißt ja, dass ich einen anderen Titel gewählt hätte. Da ja viele Kinder wirklich in Großstädten aufwachsen, hätte sich meiner Meinung nach "Großstadtkinder" doch besser angeboten. Die letzte Strophe schließt ja auch Ich-erzählend ab.

    Damit Du einige Kommis bekommst, schreib mal reichlich bei anderen Gedichten, also nicht bei mir. Du solltest wissen, dass einige hier sehr auf Metrik und künstlerische Umschreibung und Aussage achten. Ich freue mich deswegen immer, wenn jemand sein Profil ausfüllt und sein Alter angibt,weil verschiedene Geburtsjahrgänge und Charakter eben ganz verschiedene Stilrichtungen hervorbringen.

    Die lange Strophe da, mit dem klecksenden Funkenregen wirkt auch ein wenig ulkig, frischt die Sache aber jugendlich auf.

    Viel Spaß wünscht Dir weiterhin Ingo

  3. #3
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    Hallo Kiki93;

    Ich bin beeindruckt!!
    Warum, weil ich in Anbetracht deines Alters ein Werk vorfinde das sich so was von "naturell" aber aber auch jugendlich verspielt präsentiert, dass es nur so eine Freude war es zu lesen. Und das ganz dann auch noch verpackt in eine Tiefe, die viele Nachdenkgedanken in einem hervorrufen. Es überzeugt mich vollends.. Du sprichst das an worüber andere nur all zu gerne schweigen, gerade in einem Betonbau wo Tür an Tür gelebt aber neben einander her gelebt wird. Hervorragend finde ich die erste Strophe.. nur damit ich eine raus pickse..

    Schriller Schrei in Nachbarzimmer
    und mit einem dumpfen Ton
    kracht ein Teller an die Wand -
    Weckruf voller Aggression.
    Dein Werk ist sehr lang, aber das stört nicht im geringsten weil du eine gewisse Spannung aufgebaut hast und man vermag gar nicht aufhören zu lesen, weil mit jeder Strophe das Interesse geweckt wird, wie es weiter geht und was deine Gedanken noch für Überraschungen bereit halten mögen..
    MIR gings jedenfalls so beim Lesen...

    Ich war sehr gerne Gast in deinem Gedankenhaus,
    behutsame Grüße,
    Behutsalem
    Geändert von Behutsalem (25.01.2009 um 09:31 Uhr)
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  4. #4
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    Ich las mit Kurzweil
    eine lange Strecke
    gerne
    und auch gerne wieder
    3Y
    Alles hat mindestens 3 Seiten!

  5. #5
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    entschuldigt allesamt, dass ich erst so spät antworte...

    @ Ingo
    Danke, dass du dir mal wieder die Zeit genommen hast. Jaja, man sollte eben nicht alle Menschen einer Altersklasse unter die selbe Decke stecken ....
    Du solltest wissen, dass einige hier sehr auf Metrik und künstlerische Umschreibung und Aussage achten. Ich freue mich deswegen immer, wenn jemand sein Profil ausfüllt und sein Alter angibt,weil verschiedene Geburtsjahrgänge und Charakter eben ganz verschiedene Stilrichtungen hervorbringen.
    Hmm, tja ich fürchte, da weiß ich jetzt nicht, was du mir damit sagen willst... Freust du dich nun, dass ich mein Alter angegeben habe und du mich damit einem Geburtenjahrgang mit passender Stilrichtung zuordnen kannst? *Neugierig sei*: Was ist die denn bei mir?
    Oder meinst du, dass sich hier so mancher noch auf eine Umschreibung und Aussage von mir selbst über mein Gedicht freuen würde?
    eine der Aussagen: Das Glück wohnt in einem selbst, manchmal sieht man es nicht, doch es ist unzerstörbar. Man sollte nicht immer mit dem Strom schwimmen und sich völlig anpassen, nicht die Missmutigkeit und Griesgrämigkeit der grauen Herren akzeptieren und sich willenlos "Schmerz und Hass" hingeben (oder über den anderer hinwegsehen) , sondern versuchen ein wenig Licht und Freude in die Welt zu setzen, wie der kleine Junge mit dem Papierboot im Regen. Es ist nicht alles so schlimm, wie's ausssieht und selbst in der grauesten Großstadt findet man noch ein Stück blauen Himmel, wenn man nur danach sucht.
    Und tja, mit dem Titel ist das auch so eine Sache...vielleicht passen deine besser ... eigentlich find ich steinerne (passend für Großstadt und unzerstörbar) Hoffnung ganz ok ... aber uneigentlich.... naja, mal schaun.

    @ YhonnyYps
    Ich las mit Freude
    eine kurze Antwort
    gerne
    und auch gerne wieder

    @ Behutsalem
    Wundervolle Worte einer noch wundervolleren Dichterin.
    Mir fehlen die Worte vor Freude.
    Du hast sogar mich und mein Gedicht in zwei Worte gefasst:
    "naturell" aber auch jugendlich verspielt
    Ach, deine Antwort ist einfach zu schön, die kann ich jetzt einfach nicht auseinander pflücken und drauf antworten. Schweige jetzt wunschlos glücklich für immer...
    Geändert von Kiki93 (28.01.2009 um 20:38 Uhr)
    Wenn dir das Leben eine Zitrone schenkt, mach Limonade draus.

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