Das Leid des späten Dichters

Geschrieben steh´n schon viele Worte,
so manche Mär ist schon erzählt
und Buch um Buch damit gefüllt.
Da etwas Neu mal zu erdenken,
ist was den späten Dichter quält.
Abgedroschen sind die Phrasen,
viele Verse ausgelaugt,
die einst vom Göttlichen umhüllt.
Der späte Dichter grübelt drüber,
wie er Neues aus der Feder saugt.
Wie die Liebe neu beschreiben?
Den Tod in neue Worte kleiden?
Ist nicht alles schon gesagt?
Schwer ist's Verse zu erdenken
und Wiederholung zu vermeiden.
Und dann kommen die Vergleiche,
was der und der schon so vollbracht,
wie ihn der and're überragt.
Das sind des späten Dichters Bürde,
die es im nicht grad leichter macht.

2008