Thema: Vater

  1. #1
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    Vater



    Den Nagel,
    dort an der Wand,
    wo du ihn einschlugst vor Jahren
    und das Bild nun Ränder lässt,
    ziehst du nicht, willst,
    doch kannst nicht mehr,

    schaust mir zu.

    Augen, Hände, Kraft,
    du weißt,
    auch dein Wissen wird gehen,
    mit tausend Büchern,
    Liebe, Leben
    und einem Krieg.

    Und ich weiß,
    du fragst dich heimlich,
    wie lange noch?

    Morgen
    wird vergangene Zeit
    noch einmal überstrichen,
    damit deine Würde strahlt
    in alten Gemäuern.



  2. #2
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Hast Du fein gemacht, liebe Honigblume!

    Einfach lesen und nachdenklich geniessen.

    Liebe Grüße von Ingo

  3. #3
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    Vater

    Liebe Honigblume,

    musste zweimal lesen, weil der Satzbau (erster Satz) etwas schwierig ist.
    Es hat mich sehr bewegt. Habe mich an meinen verstorbenen Vater erinnert und auch an mich selbst. Finde gerade das sich nicht reimende sehr ausdrucksvoll. Habe auch so etwas unter Trauer und Düsteres (--und der Staub fragt das Meer).
    Dein Werk gefällt mir sehr gut.

    Alles Liebe und ...... von Hans

  4. #4
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    Hallo Ingo, hallo Hans,

    ganz lieb von euch, dass ihr eure netten Kommentare zu diesem eher nachdenklich stimmenden Gedichtlein da gelassen habt!

    Dass die Zeilen dich, lieber Hans, so sehr bewegten, rührt nun mich sehr an.

    Ich schreibe häufig im Vers libre, weil man in dieser Form mehr Variationsmöglichkeiten hat, finde ich. Man muss nicht nach sich reimenden Wörtern suchen, sondern schiebt und rückt passende Wörter zusammen, bis man in ihnen eine Art Rhythmus, Melodie gefunden hat. Ob es dann am Ende auch für andere gut klingt, ist wiederum eine ganz andere Frage. Es gibt auch im Vers libre gewisse Regeln, die man beachten kann.

    Das Altern beschäftigt mich doch sehr. Ich bewundere die gealterten Menschen ob ihrer stoischen Ruhe, mit der sie ihren Zustand ertragen, der sie vieles nicht mehr tun lässt, weil der Körper, die Kraft nicht mehr mitspielen. Und natürlich weiß man als alter Mensch, dass das eigene Ende näher ist als der Anfang. Man setzt sich immer weniger Ziele, wird immer bescheidener.

    Falls ich so alt werde, um das Altsein (wann beginnt das Altsein eigentlich?) am eigenen Leib zu erfahren, wünsche ich mir einen solchen Gleichmut.

    Ein anderer Aspekt, den ich im Gedicht anklingen lassen wollte, beschäftigt mich auch: Wenn ein Mensch stirbt, stirbt auch sein gesamtes Wissen. Sicherlich: Er kann vieles davon vor seinem Ableben an andere weitergeben, sei es mündlich oder schriftlich oder auf andere Weise. Die anderen müssen sich dieses Wissen dennoch ein jeder für sich selbst erarbeiten oder es zumindest verarbeiten. Man kann das eigene Wissen nicht einfach einpflanzen in andere Menschen oder es auf sie übertragen. (Man könnte dazu jetzt noch viel mehr schreiben.)

    Vielen Dank nochmals für euren Besuch!

    Herzlich
    Honigblume

  5. #5
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    Hallo Honigblume,

    diese Worte gefallen mir sehr. Am meisten berührt mich die Anerkennung. Wir beurteilen alte Menschen sehr oft nach dem, was sie sind und nicht, was sie geleistet haben. In Würde altern, wer weiß, wie vielen es in unserer fit-fun-and-beauty-Gesellschaft noch gelingt.

    Sehr schöne Zeilen.

    Lg Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  6. #6
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    Liebe Eva,

    es freut mich sehr, dass du in diesen Faden gefunden hast! - Zumal du dich in letzter Zeit, glaube ich, eher selten hier im Forum aufhältst.

    Schön, wenn dich diese Zeilen berühren konnten! Dein so positives Urteil ist mir sehr wertvoll.

    Ja, ich bin ebenfalls gespannt, wie unsere ewig jung bleiben wollende Gesellschaft mal mit dem Altern zurechtkommen wird.

    Nochmals lieben Dank!

    Herzlich
    Honigblume

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