1. #1
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    Die kluge Else

    Die kluge Else

    (Ballade nach dem Märchen der Gebrüder Grimm)

    Ein Mädchen in nem fremden Land,
    die kluge Else wird's genannt,
    soll bald zur Hochzeit gehen.
    Es würde auch um sie gefreit,
    vorausgesetzt sie sei gescheit
    und könne klugwärts sehen.
    Die Mutter sagt, mit viel Kredit:
    "Die feine, kluge Else sieht
    den Wind durchs Gässchen pusten."
    Der Vater meint: "Ja, sie ist klug,
    das ist auch wirklich kein Betrug,
    sie hört die Fliegen husten."
    Da sagt der Hans, der um sie freit:
    "Ei, ei, wenn sie gar so gescheit,
    werd ich sie gerne nehmen."
    So sitzen sie zu viert am Tisch
    und essen Käse, Brot und Fisch
    in großem Einvernehmen.

    Und als das Bier zur Neige geht,
    und bald ein großer Durst entsteht,
    soll Else neues holen.
    Sie eilt ins Kellerloch hinab,
    klappt mit den Krügen: klapp - klipp - klapp!,
    und hockt sich vor ein Fässchen.
    Damit die Zeit nicht arg so schleicht,
    bis hoch das Bier zum Rande reicht,
    macht sie so manches Späßchen.
    Und blickt nach da und dort und hier,
    dann wieder zu dem fließend' Bier,
    sie sieht im Schein der Fackel,
    an einem Balken in der Höh',
    über dem Kopfe in der Näh,
    ne schwere, spitze Hacke.
    Da denkt sie: "Ach, was für ein Graus!",
    sie rafft sich schier die Haare aus,
    "Wenn wir ein Kindlein haben,
    das später hier die Krüge füllt,
    wird es, wenn's Bier im Krüglein schwillt,
    durch diese Hack' erschlagen."

    Da weint die Else bitterlich,
    ob dieser Tragik kann sie sich
    im Herzen nicht mehr fassen.
    Und oben fragt die Mutter sich:
    "Warum kommt nur das Elschen nicht?"
    Sie schickt die Magd zu schauen.
    Als die im Kellerloch erscheint
    uns sieht, wie Else furchtbar weint,
    will sie den Aug' nicht trauen.
    "Du, Else, warum weinst du so?
    Du bist doch sonst so lebensfroh.
    Was ist es, das dich plaget?"
    "Ach siehts du dort die Hacke nicht?
    Mein Kindlein einsten hier gebricht,
    wird durch die Hack' erschlaget.",
    sagt's Elslein und es weinet laut,
    und wie die Magd die Hacke schaut,
    tut sie das selbe meinen.
    Sie sagt: "Ach Else, bist du klug,
    uns siehst sofort des Teufels Trug.",
    auch sie beginnt zu weinen.

    Und oben fragt der Vater sich:
    "Warum komm'n jetzt die beiden nicht?"
    Er schickt den Knecht zu schauen.
    Als der im Kellerloch erscheint
    und sieht wie alles dorten weint,
    kann er den Aug' nicht trauen.
    Er fragt die beiden was geschieht
    und was sie alsosehr betrübt,
    die beiden jungen Frauen.
    "Ach!", sagt die Else, "Siehst du dort,
    an jenem dunklen, grauen Ort,
    die Hacke an der Mauer?
    Wenn ich mit Hans ein Kindlein hab,
    schlägt es die Hacke dort ins Grab,
    darum ist unsre Trauer."

    Und auch der Knecht hockt sich dazu
    und heulet bitterlich im Nu
    mit diesen beiden Frauen.
    Und oben bricht die Mutter auf,
    ins Kellerloche mit Geschnauf,
    um nach den dreien zu schauen.
    Da hocken sie und heulen sehr,
    und auch der Mutter wird es schwer,
    sie fragt was das bedeutet.
    Und nimmt das Elschen in den Arm,
    die voller Not und trister Gram
    hoch zu der Hacke deutet.
    Sie sagt: "O Mutter, siehst du dort,
    an jenem dunklen, grauen Ort,
    die Hacke an der Mauer?
    Wenn ich mit Hans ein Kindlein hab,
    schlägt diese Hacke es ins Grab,
    darum ist meine Trauer."

    Da weinet auch die Mutter sehr
    und auch ihr Herz wird furchtbar schwer,
    so hocken sie im Keller.
    Und oben bricht der Vater auf,
    zum Keller hinab im schnellen Lauf,
    ihm ist es nicht geheuer.
    Da hocken sie und heulen laut,
    dass er fast nicht den Augen traut
    und fragt: "Was tut euch plagen?"
    Sie sprechen von dem Tod des Sohn
    in Elses schlimmer Vision,
    da weiß er von dem Schaden.

    Er hockt sich zu den andren Leut'
    und ist es, der am lautsten heult,
    dass alle Ratten fliehen.
    Und oben fragt sich langsam Klaus:
    "Was ist bloß los in diesem Haus?",
    muss selbst sich hinab bemühen.
    Und unten hört er von der Not,
    der Hacke und dem schlimmen Tod
    des erstgebornen Knaben.
    Da sagt er: "Diese Frau ist klug,
    die nehm ich, die ist mir genug,
    die will ich gerne haben."

    Die Hochzeit ist ein Saus und Braus,
    bald leben sie in einem Haus
    und wachsen gut zusammen.
    Sie sind ein wunderschönes Paar,
    doch nach dem ersten Vierteljahr
    bekommt das Glück schon Schrammen.
    Da zieht der Hans zur Arbeit los
    und Else soll zum Acker bloß,
    um etwas Korn zu schneiden.
    Doch sie isst nur den süßen Brei
    und schläft den ganzen Tag, au wei",
    das wird's ihr noch verleiden.
    Am Abend denkt der Hans sich sehr:
    "Was arbeitet die Else schwer,
    ich werde nach ihr sehen.",
    und geht hinaus zum Acker hin,
    zu seiner frommen Bäuerin,
    und sehet ihr Vergehen.

    Da schläft die Else tief und fest,
    dass Hans es zornig werden lässt,
    dass er sich ließ so prellen.
    Er wickelt ihr um Fuß und Arm,
    mit dünnem, feinen Katzengarn,
    gar laute Klingelschellen.
    Und in der Nacht wacht Else auf
    und will nach Haus im schnellen Lauf,
    da klingeln ihr die Schritte.
    Da fragt sich Else: "Bin ich ich,
    oder bin ich's nicht?", so schlich,
    sie kümmerhaft nach Hause.
    Jedoch dieTür ist zugesperrt,
    und Else glaubt sie sei verkehrt,
    es wird ihr schierweg grause.
    Sie ruft:" Hans, ist die Else drin?"
    Der sagt: "Sie ist's!", "Oje, dann bin,
    ich gar nicht jene Else!"
    So läuft sie aus dem Dorf hinaus
    und findet nimmermehr nach Haus
    und ist nie mehr dieselbe.
    Geändert von Woitek (25.03.2009 um 19:31 Uhr)

  2. #2
    R.Haselberger Guest
    Hallo Woitek, lass dir mehr Zeit bei der Ausarbeitung.

    Auch hier steckt viel Fleiß darin. Meine Vorschläge unten!

    Liebe Geister -Gebrüder Grimm!
    Ihr habt so viele wunderbaren Märchen geschrieben, so nehmt es mir nicht übel wenn ich sage, dass mich dieses Märchen nun nicht auf den Hocker der Begeisterung reißt!

    Woitek, deshalb bist auch du entschuldigt!


    Zitat Zitat von Woitek
    soll bald zur Hochzeit gehen.
    Es würde auch um sie gefreit,
    es sei denn auch,sie sei gescheit

    Besser gefiele mir:
    erwartungsvoll sie sei gescheit

    oder
    vorausgesetzt sie sei gescheit


    und hockt sich vor ein Fässchen.
    Damit die Zeit nicht arg so schleicht,
    bis das Bier hoch an den Rande reicht,

    Die Zeile fällt total aus dem Lesefluss!
    Nicht weil sie betont beginnt
    XxXxXxXxX
    oder so
    XxXXxxXxX
    , denn du hast ja auch noch andere Zeilen die betont beginnen,
    nein - es klingt einfach nicht gut!



    Event:
    bis hoch das Bier zum/an Rande reicht
    oder
    bis Bier hinauf zum Rande reicht
    oder
    bis Bier gezapft zum Rande reicht
    oder
    bis frisch das Bier zum Rande reicht


    macht sie so manches Späßchen.
    Und blickt nach da und dort und hier,
    dann wieder zu dem fließend' Bier,
    sie sieht im Schein der Fackel,
    über dem Haupte in der Höh',
    über dem Kopfe in der Näh,


    Nun ja, Haupt und Kopf ist das gleiche!

    Ob sie nun einen Lockenkopf im Original hatte oder nicht, ist Wurst. Die untere Zeile mit dem Kopf würde ich ersetzen durch:
    dem Lockenköpfchen in der Näh'.


    ne schwere, spitze Hacke.


    Da schläft die Else tief und fest,
    dass Hans es zornig werden lässt,
    dass er sich ließ so prellen.
    Er wickelt ihr um Fuß und Arm,
    mit dünnem, feinen Katzengarn,
    gar laute Klingelschellen.
    Und in der Nacht wacht Else auf
    und will nach Haus im schnellen Lauf,
    da klingeln ihr die Schritte.


    Das sind so Textabschnitte, die mir sehr gut gefallen!

    Da fragt sich Else: "Bin ich ich,
    oder bin ich gar nicht ich?", so schlich,

    Diese Zeile fällt auch total aus dem Lesefluss.
    Klingt so nicht gut!

    Besser:
    "Bin ich noch ich?", fragt Else sich,
    die fast auf Zehenspitzen schlich (Vergangenheitsform?)
    bekümmert nun nach Hause.

    Schleichen bedeutet ja langsame Fortbewegung!


    sie kümmerhaft nach Hause.

    Jedoch dieTür ist zugesperrt,
    und Else glaubt sie sei verkehrt,
    es wird ihr schierweg grause.
    Sie ruft:" Hans, ist die Else drin?"
    Der sagt: "Sie ist's!", "Oje, dann bin,
    ich gar nicht jene Else!"
    So läuft sie aus dem Dorf hinaus
    und findet nimmermehr nach Haus
    und ist nie mehr dieselbe.

    Gern gelesen und wie gesagt, nichts in Eile erzwingen wollen!

    Gruß R.H.
    Geändert von R.Haselberger (04.02.2009 um 20:42 Uhr)

  3. #3
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    Hallo R.H.,

    vielen Dank für deine zahlreichen Anmerkungen. Habe viele von ihnen aufgreifen können und habe den Text nach gutdünken nochmals überarbeitet.

    Gruß
    Woiwoi

  4. #4
    Sneaky Guest
    Hallo Woitek,

    das ist dein erstes Gedicht, das mich nach der ersten Strophe schon "langweilig und reim dich oder ich fress dich (Kredit / sieht, klug / betrug )" denken lässt. Das Märchen kenn ich, deinen Text hab ich nicht bis zum Schluss gelesen.

    Für mich ein klarer Fall für deinen Papierkorb.

    Gruß

    Sneaky

  5. #5
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    Hallo Sneaky,

    nö, für den Papierkorb ist es mir zu Schade, obwohl ich deine Einschätzung hier nachvollziehen kann. Ich glaube nach diesem Text hatte ich auch für fast einen Monat keine Lust mehr weiter an der Grimmreihe zu arbeiten. Ich lass es erstmal so stehen, vielleicht zwingt mich ja irgendwann ein Lektor es nochmal grundlegend zu überarbeiten oder neu zu erstellen.

    Danke fürs Lesen und deine Meinung.

    Gruß
    Woiwoi

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