1. #1
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    Armut und Ethik

    Bei Menschen die in Armut leben
    und mühsam sich durchs Leben winden,
    soll es viel ethisch Bildung geben,
    die anderswo nicht leicht zu finden.

    Wer vom Schicksal schwer getroffen,
    wird auch über Rechtsein grübeln
    und die Frage bleibt meist offen,
    wem soll man sein Leid verübeln.

    Betroffne denken oft daran,
    gegenseitig sich zu stützen.
    Mit kleinen Hilfen fängt es an,
    ethische Bildung auch zu nützen.

    Durch grosse Armut lernt man viel.
    Durch Selbsterfahrung und Leid,
    wächst schnell das ethische Gefühl,
    bei manchen schon in kurzer Zeit.

    Schaut man sich unter Armen um,
    ist Intellekt und Schläue da
    und man erfährt dann auch warum,
    wenn man den armen Menschen nah.

    Arme wolln auch überleben.
    Sie kämpfen täglich um ihr Glück.
    Glück kann's auch in Armut geben
    und Ethik gibt jedem ein Stück.

  2. #2
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    Ein sehr romantisches Bild der Armen. Trifft wohl teilweise auch zu, dass diese weniger "verblendet" sind.
    Ich würde hier aber gerne noch differenzieren, da sonst leicht Armut schöngeredet werden kann.
    Ich würde sagen der Großteil der Menschen hier in Deutschland, die als "arm" einzustufen sind, ist nicht so lieblich wie dieses Bild uns scheinen mag.
    Es mag teilweise starken Zusammenhalt geben- aber wenn dieser existiert dann teilweise auch auf äußeren Druck hin. Arme Menschen werden in unserer Gesellschaft ausgegliedert, isoliert, können am Großteil des geselllschaftlichen Lebens nicht teilhaben. Haben Ängste, haben einen unendlichen Druck zu überwinden, oft noch Traumas aus einer schrecklichen Jugend, in der schon der Vater den Arbeitsstress für den kargen Lohn und die Unzufriedenheit mit sich selbst aggressiv in der Familie ausließ.
    In diesen isolierten "Ghettos" gibt es wenig Hoffnung auf Erfüllung der Träume- da dies zumeist mit Geld-Aufwand verbunden ist (Studium, Urlaub,finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern...) und der Nerv für Mathe oder das Interesse für solche Fächer nicht da sind, der Chef mies ist,...
    Drogenkonsum und Gewalt explodieren aufgrund Mangel an Perspektive.

    Ich finde dein Gedicht sehr schön und man kann seiner Sehnsucht nach einem einfachen Leben wunderbar freien Lauf lassen- ich sehe so eine Realität aber extrem selten heutzutage, da sellbst die "einfachen Bauern auf dem Lande" schwwer ihre Existenz sichern können, die man sonst so im Sinn hat, wenn man so ein Bild im Kopf hat.

    Es mag so eine Art noch geben- in freiwilligen Landkommunen oder dem ein oder anderem Dorf im Süden, das noch nicht untergegangen ist.

    Finde es auch schön zu lesen für den heutigen Mensch, wie schön es doch gerade in Einfachheit sein könnte- soweit diese freiwillig gewählt ist und Isolation oder Existenzangst nciht die Folgen sind. Ich finde es nur wichtig, dass so ein Bild nicht auf alle "armen Menschen" übertragen wird, da dies sonst eine fatale Verharmlosung der Situation a la "ach, denen geht es doch sowieso eigentlich besser als mir" ist.

    Viele arme Menschen streben ja nach "mehr", können es aber nicht bekommen- dies ist denke ich umso schmerzhafter.

    Alles in allem aber wie gesagt sehr schönes Stück,
    Gruß, BB.

  3. #3
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    Armut und Ethik

    Hallo Bakunins Bart,

    es war mir schon klar, dass Armut überwiegend mit Nachteilen behaftet ist. Ich wollte hier aber bewusst einen Vorteil der Armutserfahrung im Zusammenhang mit Ethik herausstellen. Durch Erfahrung lernt man und Armut ist auch eine Lernerfahrung, durch welche man einiges lernt, z.B. Verständnis für vieles. Es sollte keine Beschönigung oder Verharmlosung von Armut sein

    Herzliche Grüsse Hans

  4. #4
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    Hallo, Hans,

    war mit eigentlich auch klar, wollte das ganze nur noch einmal feststellen: Armut als freiwillige Erfahrung ist wunderbar- Armut als Zwang in Verbindung mit Existenz-Angst und Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft lässt für mich wenig schöne Aspekte sehen und so eine Ethik kann sich meiner Meinung nach fast ausschließlich auf ersterer Ebene entwickeln.

    Auf jeden Fall sehr gerne gelesen, Gruß
    Nichts ist alles. Alles ist nichts.

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