Thema: Sommer

  1. #1
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    Lesepfad Sommer

    Dieser Lesepfad wurde zusammengestellt von Monika Spatz


    Sommerlied

    Herzlich tut mich erfreuen
    Die fröhlich Sommerzeit,
    All mein Geblüt verneuen,
    Der Mai viel Wollust geit:
    Die Lerch tut sich erschwingen
    Mit ihrem hellen Schall,
    Lieblich die Vöglein singen,
    Voraus die Nachtigall.

    Der Kuckuck mit seim Schreien
    Macht fröhlich jedermann!
    Des Abends fröhlich reihen
    Die Meidlein wohlgetan;
    Spazieren zu den Brunnen
    Pflegt man in dieser Zeit,
    All Welt sucht Freud und Wunne
    Mit Reisen fern und weit.

    Des Morgens in dem Taue
    Die Meidlein waschen gan,
    Gar lieblich sie anschauen
    Die schönen Blümlein stan,
    Daraus sie Kränzlein machen
    Und schenken ihrem Schatz.
    Tun sie freundlich anlachen
    Und geben ihm ein Schmatz.

    Darumb lob ich den Sommer,
    Darzu den Maien gut,
    Der wendt uns allen Kummer
    Und bringt uns Freud und Mut.
    Der Zeit will ich genießen,
    Dieweil ich Pfenning hab;
    Und wen es tut verdrießen,
    Der fall die Stiegen ab!


    Guter Rat

    An einem Sommermorgen
    Da nimm den Wanderstab,
    Es fallen deine Sorgen
    Wie Nebel von dir ab.

    Des Himmels heitere Bläue
    Lacht dir ins Herz hinein,
    Und schließt, wie Gottes Treue,
    Mit seinem Dach dich ein.

    Rings Blüten nur und Triebe
    Und Halme von Segen schwer,
    Dir ist, als zöge die Liebe
    Des Weges nebenher.

    So heimisch alles klinget
    Als wie im Vaterhaus,
    Und über die Lerchen schwinget
    Die Seele sich hinaus.

    Theodor Fontane


    Sommer-Gesang

    Geh aus, mein Herz, und suche Freud
    In dieser lieben Sommerszeit
    An deines Gottes Gaben:
    Schau an der schönen Gärten Zier,
    Und siehe, wie sie mir und dir
    Sich ausgeschmücket haben.

    Die Bäume stehen voller Laub,
    Das Erdreich decket seinen Staub
    Mit einem grünen Kleide:
    Narzissus und die Tulipan,
    Die ziehen sich viel schöner an
    Als Salomonis Seide.

    Die Lerche schwingt sich in die Luft,
    Das Täublein fleucht aus seiner Kluft
    Und macht sich in die Wälder:
    Die hochbegabte Nachtigall
    Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
    Berg, Hügel, Tal und Felder.

    Die Glucke führt ihr Völklein aus,
    Der Storch baut und bewohnt sein Haus,
    Das Schwälblein speist die Jungen;
    Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
    Ist froh und kommt aus seiner Höh
    Ins tiefe Gras gesprungen.

    Die Bächlein rauschen in dem Sand
    Und malen sich und ihren Rand
    Mit schattenreichen Myrthen:
    Die Wiesen liegen hart dabei
    Und klingen ganz vom Lustgeschrei
    Der Schaf' und ihrer Hirten.

    Die unverdroßne Bienenschar
    Zeucht hin und her, sucht hier und dar
    Ihr' edle Honigspeise:
    Des süßen Weinstocks starker Saft
    Bringt täglich neue Stärk und Kraft
    In seinem schwachen Reise.

    Der Weizen wächset mit Gewalt,
    Darüber jauchzet jung und alt
    Und rühmt die große Güte
    Des, der so überflüssig labt
    Und mit so manchem Gut begabt
    Das menschliche Gemüte.

    Ich selbsten kann und mag nicht ruhn:
    Des großen Gottes großes Tun
    Erweckt mir alle Sinnen:
    Ich singe mit, wenn alles singt,
    Und lasse, was dem Höchsten klingt,
    Aus meinem Herzen rinnen.

    (gekürzt)

    Paul Gerhardt


    Dämmernd liegt der Sommerabend

    Dämmernd liegt der Sommerabend
    Über Wald und grünen Wiesen;
    Goldner Mond, im blauen Himmel,
    Strahlt herunter, duftig labend.

    An dem Bache zirpt die Grille,
    Und es regt sich in dem Wasser,
    Und der Wandrer hört ein Plätschern
    Und ein Atmen in der Stille.

    Dorten an dem Bach alleine,
    Badet sich die schöne Elfe;
    Arm und Nacken, weiß und lieblich
    Schimmern in dem Mondenscheine.

    Heinrich Heine


    Es lacht in dem steigenden Jahr dir

    Es lacht in dem steigenden Jahr dir
    der Duft aus dem Garten noch leis.
    Flicht in dem flatternden Haar dir
    Eppich und Ehrenpreis.

    Die wehende Saat ist wie Gold noch,
    vielleicht nicht so hoch mehr und reich.
    Rosen begrüßen dich hold noch,
    ward auch ihr Glanz etwas bleich.

    Verschweigen wir, was uns verwehrt ist;
    geloben wir, glücklich zu sein,
    wenn auch nicht mehr uns beschert ist
    als noch ein Rundgang zu zwein.

    Stefan George



    Vor der Ernte

    Nun störet die Ähren im Felde
    ein leiser Hauch,
    wenn eine sich beugt, so bebet
    die andere auch.

    Es ist als ahnten sie alle
    der Sichel Schnitt. -
    Die Blumen und fremden Halme
    erzittern mit.

    Martin Greif



    Sommerabend

    Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
    fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert
    im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
    ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.

    Vom Wiesengrunde naht ein Glockenton,
    ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde,
    im stillen Walde steht die Dämmerung schon,
    der Hirte sammelt seine satte Herde.

    Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm,
    die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden;
    nur noch die Grillen geigen ihren Psalm.
    So sei doch froh, mein Herz, in all dem Frieden.

    Richard Dehmel




    Sommerbild

    Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
    Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
    Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:
    So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

    Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
    Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
    Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
    Bewegte, sie empfand es und verging.

    Friedrich Hebbel



    [Geändert durch Thies am 14-02-2001 um 11:13]


    - einzelne Gedichte ausurheberrechtlichen Gründen editiert
    Geändert von LiaWell (11.06.2006 um 22:55 Uhr)

  2. #2
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    Ursprünglich eingetragen von Micha
    Bin nur zufällig auf diesen Faden in der Rubrik Natur gestoßen.
    Da wir ja mittlerweile eine Bibliothek haben verschiebe ich diese recht interessant zusammen gestellten Fäden dorthin.

    Ich hoffe das geht ok, Thies und Moni.

    -verschoben-

    Herzlichen Gruß
    Micha

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