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  1. #16
    yaira Guest
    Hallo Heinz,

    ich denke, deine Unsicherheit ist hier nicht nötig

    Liebe Grüße
    yaira

  2. #17
    zuckerschnäuzchen ist offline DroElfteEdeLyrikProstiStuTante
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    hallo kulturheinzi

    einen anapäst gleich zu anfang zu gestalten ist nicht sehr leicht, um nicht zu sagen schier unmöglich...
    der durchgehende anapäst ist dir gelungen, aber an den jeweiligen zeilenanfängen vernimmt man immer noch eine betonte silbe.
    allerdings ist es kaum machbar einen anapäst sauber von anfang bis ende durch zu halten, da man die erste silbe in folge einer weiteren unbetonten automatisch betonen möchte...
    im rahmen des möglichen in anbetracht des anapäst ist es dir gelungen, allerdings denke ich, das man die übergänge der zeilen noch offener lassen könnte, um keine unterbrechung, oder störende zäsur hervorzurufen.
    glg pringles

    Auf den Rücken der Rösser beginnt die beschwerliche Reise;
    in das östliche Land ist der Weg leicht mit Hilfe der Sonne zu finden.
    Sie bezeichnet das lockende Ziel in der frühesten Stunde des Morgens,
    wenn sie golden die Gipfel der fernen Gebirge bestrahlt.
    In den Nächten beschirmt der gestirnte, unendliche Himmel die Ritter.
    Wie die Wochen vergehen, erzählt die sich wandelnde Scheibe des Mondes.
    Als das Rund der Selene sich dreimal erneuert, erspähen die Degen
    die Gestade des Meeres und rastend bedenken die Recken die weitere Reise.

    XxXxxXxxXxxXxxXx
    XxXxxXxxXXxXxxXxxXx ("leicht" betont sich für mein gefühl stärker als "Weg")
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxX (für einen weiterführenden anapäst, wäre, wie hier, die gehobene kadenz am ende sehr unterstützend)
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    XxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    XxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    XxXxxXxxXxxXxxXxxXxxXx

    die unbetonten kadenzen am zeilenende verfremden für mich die lesart, denn einen anapäst lese ich stets ohne unterbechung, demzufolge gibt es keine 3 aufeinanderfolgenden unbetonten und mein sprachgefühl sagt mir, ich muss die mittlere davon betonen, nichts anderes ist hier geschehen
    Geändert von zuckerschnäuzchen (10.06.2009 um 09:43 Uhr)
    Oh,was das Verzeichnerisches?

    Für angehende Dichter und Kritiker Erste Schritte von Levampyre

  3. #18
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    Hallo,

    nun habe ich gerade von ferdi so viel über den Knittel gehört und mich daran erinnert, wie ich vor Jahren unbelastet von akademischem Krimskrams frei von der Leber weg gedichtet hatte, nun muss ich sorgenschwer und gramgebeugt von Annapäpsten, Amphibiendrachen und aufgetakteten Trophäen mit männlichen Schwänzen lesen!? Ach du je, wer kommt da noch mit? Gott sei Dank gibt es das Poesieministerium und das Oberreimgericht und von denen habe ich mir jetzt den Taucher kommen lassen, offiziell und höchstselbst ge-ixt vom öbersten Reimross, dem Wixxer der Szene und natürlich wissen alle, wer gemeint ist:

    "Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
    xXxXxxXxX
    Zu tauchen in diesen Schlund?
    xXx-xXxX
    Einen goldnen Becher werf ich hinab,
    xxXxXxXxxX
    Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
    xXxxXxxXxX
    Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
    XxxXxxXxXx
    Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."
    xXxxXxxXxXx

    Der König spricht es und wirft von der Höh
    xXxXxxXxxX
    Der Klippe, die schroff und steil
    xXx-xXxX
    Hinaushängt in die unendliche See,
    xXxXxxXxxX
    Den Becher in der Charybde Geheul.
    xXxXxxXxxX
    "Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
    xXxxXxxXxXx
    Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"
    xXxxXxXxXx

    Und die Ritter, die Knappen um ihn her
    xxXxxXxXxX
    Vernehmen's und schweigen still,
    xXx-xXxX
    Sehen hinab in das wilde Meer,
    XxxXxxXxX
    Und keiner den Becher gewinnen will.
    xXxxXxxXxX
    Und der König zum drittenmal wieder fraget:
    xxXxxXxxXxXx
    "Ist keiner, der sich hinunter waget?"
    xXxXxxXxXx

    ...und so weiter. Nun will ich das Fachwissen hier nicht anzweifeln, im Gegenteil. Aber auch die von Meister ferdi angebrachten Zeilen:

    Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
    xxXxxXxxXxXx
    Hat der Brave gerettet die lebende Seele.
    xxXxxXxxXxxXx

    ...erscheinen mir beileibe nicht als "lupenreine Anapäste". Die Wasserhöhle hat ferdi selbst problematisiert und der zweite Vers erscheint mir eher als doppelt aufgetakteter Daktylus mit abschließendem Trochäus. Im Ernst: Wäre dieser Taucher nicht besser im Knittelteich abgesoffen, als hier jetzt als Anapäst wieder aufzutauchen? Wofür taucht er noch als Beispiel?

    Verwirrte und erstaunte Grüße
    Oliver

  4. #19
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    Der Anapest ist, was man ihm lässt - in erster Linie für mich das, was ich hier keuche: eine Seuche. Langlebiger als die verkannten Jamben und Trochäen, und daher für manche Trophäensammlung geeignet.
    ---
    Ich meine, die tiefe Metriksee ist gut für den, der in spe Pöt sein will. Doch sollte man ab und an auftauchen, und schauen, obs nicht doch noch etwas Wichtigeres gibt als die Ikserei. Denn Dichten ist für mich mehr als Regelfuxerei, mehr als verkrampftes Würgen. Auch, wenn es manchmal ganz gut hilft.

    MDAFG

  5. #20
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    Hallo B.Breitinger,

    keine Ahnung, ob ich dich nun richtig verstanden habe. Mir ging es darum, dass ein Gedicht, welches tatsächlich anapästisch ausgerichtet sein soll, dann nicht nur vermittels von Einsilbern ins rechte Metrum gezwängt werden sollte, sondern auch mit möglichst vielen Worten anapästischer Prägung arbeiten sollte.

    Ein Beispiel:

    Kontroverser Disput, klug geführt, int’ressant;
    ist doch schön, wenn das geht, und kein Ton dissonant.
    Den Gedichten bekommt, wenn man hier kohärent
    diskutiert als Kollege, und nicht Konkurrent!

    Was zusammen uns führt, ist auch hier konvergent.
    Wie ich meine, gebührt dem Erfolg Kompliment.
    Und so werde auch ich hier erneut Konfirmand,
    bin bestärkt und mithin auf das Weit’re gespannt.

    Bitte jetzt nicht mäkeln, das habe ich so auf die Schnelle gestrickt. Aber ich denke, es wird deutlich genug, warum die hier bislang zitierten und entwickelten Beispiele eher nicht taugen.

    Beste Grüße
    Oliver

  6. #21
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    Grandios, diese Pest, welche Anna erfand,
    Kompliment auch an Olli, das ist allerhand,
    Kaum zu glauben, jawohl, das ist bomfortionös,
    Ja und wann kriegt die Anna den Spendenerlös?
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  7. #22
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    Mir ist es ein Rätsel, wie man meine Verse so betonen kann, wie Zuckerschnäuzchen es macht:

    Auf den Rücken der Rösser beginnt die beschwerliche Reise;
    in das östliche Land ist der Weg leicht mit Hilfe der Sonne zu finden.
    Sie bezeichnet das lockende Ziel in der frühesten Stunde des Morgens,
    wenn sie golden die Gipfel der fernen Gebirge bestrahlt.
    In den Nächten beschirmt der gestirnte, unendliche Himmel die Ritter.
    Wie die Wochen vergehen, erzählt die sich wandelnde Scheibe des Mondes.
    Als das Rund der Selene sich dreimal erneuert, erspähen die Degen
    die Gestade des Meeres und rastend bedenken die Recken die weitere Reise.

    Ich behaupte ja gar nicht, hier saubere Anapäste geschrieben zu haben, aber offensichtlich gibt es unterschiedliche Auffassungen über die "richtige" Betonung.
    Heinz

  8. #23
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    Hallo Heinz,

    ich denke, dass deine Kreuze der natürlichen Betonung der Worte entsprechen. Man könnte also meinen, dass hier anapästische Verse vorliegen ... mit weiblicher Kadenz? Ay, there's the rub, jedenfalls u.A. da diese beständigen Ausnahmen, die ja immer wieder geltend gemacht werden, das häufig Absurde dieser Diskussionen zeigen.

    Meiner Meinung nach - und das versuchte ich vorher zu belegen - kann man von anapästischen Versen nur sprechen, wenn darin auch viele anapästische Worte vorkommen und dieser Rhythmus insofern zwangsläufig ist. Und da der Anapäst nun einmal auf der letzten Silbe betont wird, störte es den anapästischen Charakter erheblich, wenn die Verse unbetont enden. Wenn du dir nun die von dir verwendeten Worte anschaust, stellst du unschwer fest, dass diese entweder dem Trochäus (Xx), dem Jambus (xX) oder dem Kretikus (xXx) entsprechen. Nicht ein einziges Wort entspräche in seiner natürlichen Betonung dem Anapäst. Übertreibe einfach mal die anapästische Betonung in deinen Versen und du wirst schlagartig erkennen, wie albern das klingt.

    Klingt der Anapäst nicht generell albern? Ich meine, ja. Er entspricht eher nicht der deutschen Sprechmelodie, aber ich kenne mich sicher zu wenig aus. Deine Verse würde ich eher als Daktylen bezeichnen mit - Achtung, jetzt kommt's! - doppeltem Auftakt und trochäischer Kadenz. Was für ein Schmarren, nicht wahr? Hauptsache, es klingt!

    Sorry, für das Geschwafele, wo ich doch deine Frage bereits mit dem ersten Satz beantwortete.

    Gruß
    Oliver

  9. #24
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    Lieber Oliver,
    Du wirst es kaum glauben, aber ichbin Dir für Deinen Kommentar sehr dankbar. Weißt Du, ich bin so ein Selfmade-Schreiberling und somit immer auf der Suche nach Ausdrucksformen/Stilmitteln, die sich a bisserl vom Tralala des Paarreims mit bemühten Reimen abheben. Für fachliche Hinweise bin ich immer zu haben. Na ja, und was die Betonung angeht - beim Rezitieren hat man ja Möglichkeiten, etwas unter- oder über zu betonen.
    Merci und tschüss,
    Heinz

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