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  1. #1
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    Anapäst? (Versuch)

    Versuch, einen Anapäst zu schreiben

    Als ein Schlachtlied kam einstens die Reimform daher:
    Auf dem Weg - ja da haben sie alles gegeben,
    für das Land ihrer Väter gar waren sie Wehr.
    Sie verloren ihr Hab und ihr Gut und ihr Leben.

  2. #2
    Kirbenee ist offline träumiges Lächelgrün
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    Hallo Medusa
    Meiner Meinung nach ein gelungenes Gedicht über und im Anapäst. Interessant doch mal zu sehen, wie so die Geschichte solcher Reimformen ist, auch wenn du das hier nur kurz anreißt. Eine nette Idee.

    LG Kirbi
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    "Man kann auf einem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." (Erich Kästner)

    "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir noch nicht sicher." (Albert Einstein)

    Macht, Wissen, Reichtum: unwichtig. Hauptsache Konfetti. (Iblis)

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  3. #3
    Sneaky Guest
    Hallo Medusa,

    ich kann mich zwar zwingen, die jeweils ersten Silben unbetont zu lesen, aber da gehört viel Sprachvergewaltigung dazu. Deine Verse lese ich meinem Sprachempfinden nach so:

    ALS ein SCHLACHTlied kam EINStens die REIMform daHER
    AUF dem WEG, ja da HABen sie ALLes geGEBen
    FÜR das LAND ihrer VÄTer gar WAren sie WEHR
    SIE verLORen ihr HAB und ihr GUT und ihr LEBen

    Gruß

    Sneaky

  4. #4
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    Hallo Medusa,

    da muss ich Sneaky leider recht geben - auch ich finde das Experiment nicht wirklich gelungen. Gerade das Sie in der letzten Zeile widerspricht im unbetonten Zustand meinem Sprachempfinden; aber auch ansonsten ist es wahrscheinlich nicht glücklich, dass Du Einsilber für den Zeileneinstieg wähltest.

    Insgesamt find ich den Vierzeiler dann auch nicht gelungen: Dein Konstrukt in Zeile zwei zum Beispiel mit diesem Eingeschobenen "ja" ist eine solche Stelle, wo ich denke, dass Du den Satz bemühst unter den Rhythmus beugst. Naja, mach Dir nichts draus und bemüh Dich bitte weiter, denn wenn Dir mal ein wirklicher Anapäst gelänge, dann hättest Du meine volle Hochachtung Ich hab das aufgegeben, zwinker.

    Herzlich
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  5. #5
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    Guten Morgen zusammen!
    Sooo viele Antworten auf meinen kleinen Versuch? DANKE für euer Interesse!

    Hallo Kirbi,
    ich freue mich sehr, dass Dir der Hintergrund des Anapäst gefällt. Ich habe mich vorher belesen und war auch erstaunt, zu welchem Zweck er missbraucht wurde.
    Herzlichen Dank und viele liebe Grüße,
    Medusa.


    Hallo Jakkede,
    Dein Einwand hat mir keine Ruhe gelassen; ich habe noch einmal nachgeschaut und dieses gefunden:
    "Es handelt sich um einen dreihebigen Versfuß im Paarreim mit männlicher Kadenz". Du hast also völlig recht!
    Ich danke Dir herzlich für Dein Interesse.
    Liebe Grüße,
    Medusa.


    Hallo Sneaky,
    ob das vielleicht an der Mundart liegt, in der wir aufgewachsen sind? Für mich klingen die beiden ersten Silben unbetont.
    Ich hab hier ein Beispiel für einen "astreinen" Anapäst, das ich auch anders betone (Pandora, Goethe):
    Alle blinken die Sterne mit zitterndem Schein
    Alle laden zur Freude der Liebe mich ein

    Vielleicht kriege ich den nächsten besser hin.
    Vielen lieben Dank für Deinen kritischen Kommentar.
    Liebe Grüße,
    Medusa.


    Liebe Nina,
    da sind einige Füllwörter mehr wie "ja" drin; Du piekst genau die Schwächen auf, die mir auch aufgefallen sind! Vielleicht wirds besser, wenn ich es noch einmal versuche?
    Ich werde dran bleiben, mich reizt die Form sehr. Mir scheint allerdings, dass sich unsere Sprache nicht wirklich eignet, einen reinen Anapäst hinzukriegen. Schaun wir mal.
    Herzlichen Dank für Dein Interesse.
    Liebe Grüße,
    Medusa.


    Lieber Ferdi,
    "Poesieministerium"? Na, da gehe ich vorläufig sicher nicht hin!
    Den "Taucher" hab ich in der Schule auswendig gelernt und er ist mir noch sehr gegenwärtig! Es ist eine gute Idee, sich daran zu orientieren, Danke!
    Mein Ziel ist allerding, einen "reinen" Anapäst" zu schreiben und nicht Daktylen oder Jamben einzubauen.
    Vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen und hilfreichen Kommentar.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.


    Eure Kommentare haben mir sehr geholfen und mir Mut gemacht, es noch einmal zu versuchen.
    Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich und wünsche einen schönen Feiertag,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (21.05.2009 um 12:44 Uhr)

  6. #6
    Sneaky Guest
    Hallo Medusa,

    hier
    Ich hab hier ein Beispiel für einen "astreinen" Anapäst, das ich auch anders betone (Pandora, Goethe):
    Alle blinken die Sterne mit zitterndem Schein
    Alle laden zur Freude der Liebe mich ein
    gehe ich völlig mit dir einig. Wenn das ein waschechter Anapest ist, dann bin ick ein Berlinärrr

    Gruß

    Sneaky

  7. #7
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    Hallo Sneaky,
    Willkommen! Wir lieben die "neuen" Berliner!
    An meinem Beispiel siehst Du ja, wie unterschiedlich die Lesart ist. Könnte es vielleicht auch sein, dass es, weil es Goethe vezapft hat, unantastbar ist? Ich weiß es nicht.
    Herzlichen Dank für Deine Zustimmung!
    Liebe Gutenachtgrüße,
    Medusa.



    Lieber Faldi,
    ich glaube, über die Lesart des Anapäst kann man sich richtig streiten! Dein Beispiel

    Wo sie stand, wo sie saß, wo mit blühenden Bogen

    ist sehr schön. Ich jedoch, als "Preußin", würde stets auf der ersten Silbe betonen, die Zeile ohne Not als Trochäus lesen.

    "Pandora" erscheint mit auch als ein "Muss"!

    Ich danke Dir herzlich fürs erneute und kritische Vorbeischauen.
    Gute Nacht,
    Medusa.

  8. #8
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    Schönen guten Abend,

    auch wenn es jetzt droht, ein wenig ins rein fachliche ohne explizit genannten Bezug zu dem vorliegenden Gedicht abzurutschen: Einen Anapäst kann man hervorreigend mit dem Stabreim verbinden, die alliterierende Form begünstigt das Versmaß, wenn man es bewusst dahingehend einsetzt.

    Ich hatte das einmal versucht:
    Und ich treibe und tauche und trank diese Zeiten
    wie Wasser - es war nicht das Meer.

    Und wesentlich gekonnter Celan:
    Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.

    Vielleicht hilft das als Ansatz. Gerne auch können wir die Diskussion natürlich im Sprechzimmer ausweiten, falls daran Interesse besteht.

    Gruß,
    Flo
    Neustes Werk aus meiner Feder:
    Liebe und Romantik - Schlaflied (für L.), Ein Leiserwerden, ohne Titel
    Verzweiflung schreit nicht, Verzweiflung schweigt.

    Die Melancholie des Seins - Fortsetzungsgeschichte
    Die Melancholie des Seins - Gesammelte Werke

  9. #9
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    Hallo Ensimismado,

    bei Deinem wunderschönen Beispiel komme ich ein wenig ins Schleudern. Soll der Anapäst nicht durchgehend weibliche Kadenzen haben?
    Und ich treibe und tauche und trank diese Zeiten
    wie Wasser - es war nicht das Meer.


    Bei Celan stimmt es, na klar, obwohl mir der Vers zu lang erscheint:
    Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.

    Deine Idee, diesen Faden ins Sprechzimmer zu verlegen, gefällt mir sehr gut. Da könnte ich sicher viel lernen und den nächsten Anapäst besser hinkriegen. Ich möchte nämlich dran bleiben; für mich ist er sehr reizvoll.

    Soll ich um Verschiebung bitten?

    Ich danke Dir für Deinen Hinweis und Dein Interesse an meinem Versuch.
    Herzliche Wochenendgrüße,
    Medusa.

  10. #10
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    Schönen guten Morgen,

    wenn, dann durchgehend männliche Kadenzen. Aber das, sowie auch die Dreihebigkeit als Charakter des Versfußes, halte ich doch für falsch. Das kann lediglich die Beschreibung eines bestimmten Versmaßes in einer Strophe sein. Ansonsten kann man einen Anapäst nutzen, wie man möchte, so lange der steigende Charakter erhalten bleibt. (Auch hierran erinnert, was LeV soweit ich weiß mal meinte: Die antike Versbezeichnung ist aufs Deutsche nur schwerlich zu übertragen und imo nicht sinnerhaltend).

    Gruß,
    Flo

    P.S. Frag doch einfach, ob der theoretische Teil herauskopiert ins Sprechzimmer kann, dann kann daran eventuell ein wenig mehr diskutiert werden.
    Neustes Werk aus meiner Feder:
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  11. #11
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    Hallo Ensimismado,

    wie Du siehst, war die Verschiebung erfolgreich. Ich bin gespannt auf die Verbesserungsvorschläge.

    Ah ja, männliche Kadenzen also? Das ist auch logischer, weils ja Marschliedcharakter hat. Meinst Du wirklich, man könne den Anapäst nutzen, wie man wolle? Sollte man sich nicht besser an die Vorgaben halten und ganz strikt die beiden unbetonten Auftakte, das Ansteigende und das Stampfende (?) akzeptieren?

    Ich bin eine Tüftlerin und gebe nicht eher Ruhe, bis ich das hingekriegt habe! Aber, und da stimme ich mit Dir völlig überein: es wird in unserer Sprache ein seeeehr schwieriges Unterfangen.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und grüße herzlich,
    Medusa.

  12. #12
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    Hallo Medusa,
    Zitat Zitat von Medusa
    Ah ja, männliche Kadenzen also? Das ist auch logischer, weils ja Marschliedcharakter hat. Meinst Du wirklich, man könne den Anapäst nutzen, wie man wolle? Sollte man sich nicht besser an die Vorgaben halten und ganz strikt die beiden unbetonten Auftakte, das Ansteigende und das Stampfende (?) akzeptieren?
    Also das Ansteigende sollte man sicher behalten, denn das ist eigentlich das primäre, was den Charakter ausmacht. Allerdings bin ich der Meinung, dass schon die doppelte Auftaktigkeit (unbetonte Auftakte ist doppelt beschrieben ) nur sekundär zu beachten ist. Wenn man sie hinbekommt und es dem Charakter beiträgt, dann gerne. Aber es wäre nicht weniger wert, wenn man einen ansteigenden Charakter mit nur einem Auftakt hinbekommt. Denn dann hätte man ja auch noch keinen Daktylus. Aber daran anschließend:

    Ich bin eine Tüftlerin und gebe nicht eher Ruhe, bis ich das hingekriegt habe! Aber, und da stimme ich mit Dir völlig überein: es wird in unserer Sprache ein seeeehr schwieriges Unterfangen.
    Es ist gar nicht mal so sehr die Frage des Hinbekommens, denn eher die Frage der Angemessenheit bzw. ob es sinnvoll ist blind zu kopieren, was eigentlich in die Sprache nur ungenügend hineinpasst. Denn damit macht man sich vielerlei Möglichkeiten schon von der Herangehensweise her kaputt.

    Gruß,
    Flo
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  13. #13
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    hallo, Ihr Experten ich komme mit meiner Frage spät, aber vielleicht bekomme ich doch noch eine fachliche Antwort. Ist die folgende Strophe in Anapästen geschrieben?

    Auf den Rücken der Rösser beginnt die beschwerliche Reise;
    in das östliche Land ist der Weg leicht mit Hilfe der Sonne zu finden.
    Sie bezeichnet das lockende Ziel in der frühesten Stunde des Morgens,
    wenn sie golden die Gipfel der fernen Gebirge bestrahlt.
    In den Nächten beschirmt der gestirnte, unendliche Himmel die Ritter.
    Wie die Wochen vergehen, erzählt die sich wandelnde Scheibe des Mondes.
    Als das Rund der Selene sich dreimal erneuert, erspähen die Degen
    die Gestade des Meeres und rastend bedenken die Recken die weitere Reise.

    Ich lese und betone so:

    xxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxX
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXx
    xxXxxXxxXxxXxxXxxXxxXx

    Ich wäre dankbar für einen Hinweis.
    Gruß,
    Heinz
    Geändert von Festival (23.04.2019 um 22:13 Uhr)

  14. #14
    yaira Guest
    Hallo Heinz,

    ich würde es genauso lesen.

    Liebe Grüße
    yaira

  15. #15
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    Liebe yaira,
    es ist sehr liebenswürdig von Dir, mir meine Lesart zu bestätigen. Ich bin aber (kaum mag man es glauben bei meiner großen Klappe) unsicher, ob diese zunächst formal vorhandene Abfolge von zwei unbetonten vor einer betonten Silbe (xxX...) den Anspruch erfüllen, ich habe diese Strophe (wie ich es beabsichtigte) in Anapästen geschrieben. Für eine Beantwortung dieser Frage wäre ich sehr dankbar.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Geändert von Festival (23.04.2019 um 22:12 Uhr)

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