Thema: Das Klopapier

  1. #1
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    Das Klopapier

    Hast Du schon mal ganz selbstvergessen,
    allein auf Deinem Thron gesessen.
    Nur dem Bedarf des Darmes lauschend,
    der Ventilator leise rauschend.

    Doch plötzlich siehst Du,welch ein Graus,
    das Klopapier ist gänzlich aus.
    Wie soll man da nur reagieren?
    Man kanns nicht an die Wände schmieren.

    Der Darm ist leer,der Kopf ist's auch.
    Denk nach,sonst kommst Du hier nie raus.
    Ein Q-Tip,viel zu klein das Ding,
    dann sitzt Du morgen noch hier drin.

    Meine Güte,welch ein Plott.
    Du schickst ein Stoßgebet an Gott.
    "Schick mir den Hakle mit der Rolle"
    bevor ich mich noch so wegtrolle.

    Doch plötzlich klopft es an der Tür,
    ein guter Engel bringt "Sie" dir.
    Es ist die Rolle Deines Lebens.
    So manch einer,der harrt vergebens.

  2. #2
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    Hallo ReMo,

    du verpackst eine Alltäglichkeit in Verse. Das ist ohne Frage ein schöner Ansatz, eine gute Thematik, die gerade im Bereich "Humor" Neugierde weckt. Leider ist nicht alles, was hinten raus kommt, automatisch lustig. Und auch dein Werk krankt m.E. an einigen Stellen.

    In den ersten drei Strophen können wir uns ganz auf die Metrik versteifen, die das Lesen verkompliziert. Die Q-Tip finde ich im übrigen ziemlich lustig. "an die Wände schmieren" ist jedoch ein einigermaßen ekliger Gedankengang - aber das ist vermutlich ganz Geschmackssache, ob hier Humor durchschimmert, oder nur Scheiße.

    Dann die letzten beiden Strophen; man erwartet eine gewisse Schlusspointe und wird auf die Folter gespannt:

    Meine Güte,welch ein Plott.
    Du schickst ein Stoßgebet an Gott.
    Das ist handwerklich gut gemacht.
    Leider geht es ab hier nur noch bergab. Die restlichen Zeilen, Verse und Strophen sind die metrisch krudesten, bieten magenverdrehende Reime und bieten dem Leser leider zum Ausgleich nicht mal mehr eine pfiffige Schlussidee.

    "Schick mir den Hakle mit der Rolle"
    bevor ich mich noch so wegtrolle.
    Da fände ich aus dem Stehgreif sogar lustiger: Schick mir den Charmin-Bär mit ner Rolle, / ansonsten wär' das gar nicht tolle". Denn diese "wegtroll"-Konstruktion ist einigermaßen grausig. Sie bietet weder eine überraschende Wendung, noch einen sprachlich versierten Vers. Was steht in der Geschichte: "Na sowas aber auch, bitte, lieber Gott, schick mir Klopapier. Sonst versaue ich mir die Unterhose."

    Es wäre gar nicht so schlecht, wenn in S4Z4 bereits das große Finale vorbereitet würde. Käme etwa in S5 tatsächlich der Charmin-Bär, könnte man es so versuchen: "Schick mir doch bitte eine Papier" / Doch siehe da, wer klopft an der Tür?

    [Das ist nur ein Beispiel um zu unterstreichen, worauf ich thematisch hinaus wollte.]

    Deine Lösung ist kruder als das Versmaß:

    Doch plötzlich klopft es an der Tür,
    ein guter Engel bringt "Sie" dir.
    Es ist die Rolle Deines Lebens.
    So manch einer,der harrt vergebens.
    Warum bringt der Engel ein groß geschriebenes, in Anführungsstriche gesetztes Sie? Worauf soll das hindeuten? "die Rolle deines Lebens" empfinde ich wegen der Polysemie ziemlich pfiffig und - neben dem Q-Tip - als Höhepunkt deines Werks. S5Z4 schien dann leider wieder völlig dem Reim geschuldet zu sein. Worauf harrt manch einer vergebens? Auf die metaphorische Rolle, die jeder im Leben zu spielen hat? Ging es darum im bisherigen Gedicht? Ich glaube weniger, und das macht es so krude. Denn damit zerstörst du den pfiffigen Einfall und brichst die vormalige Mehrdeutigkeit auf die langweilige Variante herab: Irgendwer mit Kacke am Hintern wartet lange, bis er eine Lösung für seinen Fauxpas entdeckt.

    Nicht verzagen. Das nächste wirds bestimmt wieder besser.

    Viele Grüße
    hoeyo

    PS: Wir horten unsere Ersatzrollen immer im Schrank unterm Waschbecken.
    "Ich lief vom Pontius zum Pilatus. Pontius /
    War weggereist. Pilatus war im Bad."
    Brecht, Ui

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  3. #3
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    Hallo hoeyo
    An die Wände schmieren ist wirklich ekelig,aber manch einer soll drauf stehen habe ich mir sagen lassen.Die Putzfrau möchte ich nicht sein!Ich überlegte wie es wohl wäre und wohin damit.Mir fiel nichts besseres ein und so kam es, dass es dort nicht zu landen hatte.Der Q-Tip,klar den gibts ja dort,den Hakle auch.Nun gut ein weiterer Versuch,vielleicht schaffe ich es ja irgendwann einmal ein lustiges Gedicht abzuliefern.Und die Rolle Deines Lebens,fand ich gut..... Gruß ReMo

  4. #4
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    Ich fand den Rollen-Ansatz auch pfiffig, wie gesagt. Aber die Frage bleibt bestehen, wie du dann den Rest der Strophe verorten würdest? Ich sehe da nachwievor einen Bruch in der Mehrdeutigkeit, weil vorher nirgends darauf vorbereitet wird, um was es nun geht. Als Abschluss in einem wesentlich kürzeren Gedicht könnte ich mir die Zeile gut vorstellen, da dann keine langwierige Klimax aufgebaut und - wie leider bei deinem Versuch - jäh enttäuscht abgebrochen wird.

    Ich will auch nicht zuviel meckern. Irgendwie muss ja was was dran sein, sonst hätte ich nicht so viel Spaß daran gehabt, es selbst mal zu versuchen:

    Mancher schon saß rückgezogen
    Auf dem kalkgefärbtem Klo.
    Bis in Panik vollen Wogen
    Fragend aufschwillt: "Ja, nun... Wo

    Habe ich nun was zum Wischen?"
    Jammernd ächzt er: "Nirgendwo?!"
    Doch ins Stöhnen klopfts dazwischen:
    "Sitz da jemand auf dem Klo?"

    Klopapiere reichend und wie
    Engelsgleich steht man ihm bei.
    Schelmisch fragt er ob dies wohl die
    Rolle seines Lebens sei.

    Perfekt ist das wahrlich auch nicht, unterstreicht aber, wie man thematisch den Rollengag besser als Kerngag herausarbeiten müsste, wenn man es handwerklich könnte.

    Man liest sich,
    hoeyo
    Geändert von hoeyo (11.06.2009 um 03:12 Uhr)
    "Ich lief vom Pontius zum Pilatus. Pontius /
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  5. #5
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    Zitat von hoeyo:
    In den ersten drei Strophen können wir uns ganz auf die Metrik versteifen, die das Lesen verkompliziert
    Fogelfau fragt: hä...?

    Lieber Remo!

    Ich empfehle Tagesspiegel
    oder auch die F.A.Z.,
    wird die Pupe dann auch schwarz von
    toner und von Druckerfett.

    Zu der Metrik sei bemerket:
    Die gefällt mir richtig gut!
    Bis auf Strophe vier, der täten
    ein paar Extra-Silben gut!

    Viele Grüße nach San Remo
    schickt der freche Fogelfau.
    Weiß, die Antwort soll nicht reimen,
    doch wenn's Spaß macht.....
    ...............................
    Ganz genau!
    GEDICHTE MIT ZWEI F VON DER KÄSETHEKE DES LEBENS

  6. #6
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    Hallo hoeyo
    Hab gerade erst gesehen dass Du mir noch einmal geschrieben hattest.Sorry ist mir total durch die Lappen gegangen.Da kann man nur staunen was man alles aus so einer Rolle machen kann,gelle?Danke fürs Lesen und die viele Mühe die Du dir gemacht hast.
    Nun denn schöne Sommerferien,liebe Grüße ReMo



    Hallo Fogelfrau
    Na,dann danke für den Tip.Ich sehe schon ich muß die Toilette komplett umstylen.Kommt dann noch ein Zeitungsständer rein mit verschiedenen Angeboten von "knallhartem" bis zu ganz "softem" Journalismus. Auch Dir danke fürs Lesen und Kommentieren.Viele Grüße ReMo

  7. #7
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    Mein lieber REMO, ich habe so furchtbar gelacht und mich dabei in diese
    reale Situation hinein versetzt. Das war absolute Spitze und ein Poem nach meinem Geschmack. Ein großes Lob von mir.

    Du stellst hier alles in den Schatten!

    Herzlichen Dank und großes Kompliment!!

    Alfred
    Lieber ein eckiges Etwas,
    als ein rundes Nichts.

  8. #8
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    Hallo almebo
    Schön,dass Du herzhaft gelacht hast.Ist immer schön wenn man anderen Spaß bereiten kann.Das Stück ist wahrhaft kein Kunstwerk und an die Wände schmieren ist beileibe nicht schön aber ich werde daran arbeiten.Jetzt aber packe ich erst einmal meine Koffer,die Ferien brechen an.Mal schauen vielleicht bringe ich ja was schönes aus dem Urlaub mit.Danke nochmal fürs Lesen und Kommentieren,viele Grüße ReMo.

  9. #9
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    Dann wünsche ich Dir einen schönen Urlaub.

    Freu mich auf Deine Rückkehr!

    Adios

    almebo
    Lieber ein eckiges Etwas,
    als ein rundes Nichts.

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