Jut,

ich hab mir ein paar Gedanken gemacht, als meine erste spontane Reaktion ein Nein war und muss dieses Nein nun revidieren.
Ich denke schon, dass Dichtung immer politisch ist, selbst das romantische Mondscheingedicht, wenn auch unbewusst.

Wenn man allein betrachtet, was unter dem Begriff Politik alles verstanden wird, welche weiteren Begriffe sich darunter sammeln, kann man ein riesiges Spektrum entdecken, das sich in beinahe jeden Winkel des Lebens erstreckt. Der Begriff Politik ist ja nicht nur rein regierungsorientiert besetzt.
Macht, Konflikt, Herrschaft, Ordnung, Friede, Krieg, Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Emanzipation, Gewalt, Partizipation, Legitimität, Futurismus, Gesellschaft, Kapitalismus, Religion, Interdependenz, Pluralismus, Anthropologie, Sozialstruktur, Parteiensystem, Staat, Verfassung, Gesetz, Partei, Parlament, Regierung, Demokratie, Wahlen, Rechtsstaat, Souveränität, Opposition, Herrschaft, Gewaltenteilung, Grundrechte, Bürokratie, Föderalismus, (die Liste ließe sich noch um ein Vielfaches erweitern).

Davon abgesehen beginnt jede Form der Politik mit einer Ideologie. Und jeder Mensch, selbst der 'unpolitische', an Politik absolut desinteressierte Mensch, vertritt mit dem wie er lebt, was er für richtig oder falsch erachtet, eine ureigene Ideologie. Diese Ideologie taucht ebenso in Sprache ,Texten und Gedichten auf.

Und auch in der Romantik? Im Gedicht über Liebe, Mondschein, Herzschmerz..
Ja, ganz sicher. Von der mitgetragenen Ideologie einmal abgesehen, ist letztendlich die Romantik eine politische Strömung (gewesen), gegen die Aufklärung und den Rationalismus. Also auch ein politisches Statement.

Ich stimme dem zu, dass ein Gedicht, ein Text, mit der Veröffentlichung auch politisch wird. Ob nun gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst.

Gruß

Jaz