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  1. #1
    Sigmar Erics Guest

    Unglaublich - keine Panik!

    Nicht lang vor Mitternacht, bei ruhigem Seegang
    Bin ich von meinem Nickerchen auf Deck
    Erwacht und sah voraus schreckweiß den Eisberg -
    Quer übers Teak stürzt’ ich und in den Ballsaal.

    Gerade stieg die Stimmung, alles lachte,
    Orchesterklang beschwang ein nacktes Paar.
    Hysterisch kichernd kotzte einer, lallte:
    „Och, dieses Schiff ist doch noch nie gesunken!"

    Unwillig ließ ich sie und rannte weiter,
    Erreichte bald die Brücke und trat ein.
    „Maschinen volle Fahrt zurück! Hart Backbord!",
    Entfuhr es mir, zum Schreck der Offiziere.

    Mein Anblick ließ den Steuermann stumpf glasen.
    Er klammerte sich an sein Steuerrad.
    „Geh’n Sie doch weg! Was, ich?", wand sich der Käpt’n.
    „Oh, nein! Der uns geheuert, setzt den Kurs."

    „Wo ist der Reeder denn?" Ich stieß auf Schweigen.
    Als ich mit Presse drohte, druckste man,
    Herr Doktor koche gern in der Kombüse.
    Rasch fand ich diese auch und klopfte höflich.

    „Herein? Ach, Sie! Ich hörte schon...nein, nichts da!"
    Ohnmächtig sah ich, was er eingebrockt.
    „'Macht Meilen!' - Darum geht’s, und nicht um Würstchen!
    Es trifft doch nur das Unterdeck, wenn’s leckt."

    Hinaus, zurück zu meiner Liege wankte ich da.
    Ermattet sann ich. „Wahnsinn...Meutern? Springen?
    Im Grunde lohnt’s nicht; bald sind alle drunten."
    Traurig schaute ich ins Wellenspiel und nickte ein.

  2. #2
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    15
    Grausam.

    Nicht lang vor Mitternacht, bei ruhigem Seegang
    Bin ich von meinem Nickerchen auf Deck
    Erwacht und sah voraus schreckweiß den Eisberg -
    Quer übers Teak stürzt’ ich und in den Ballsaal.


    Nicht lang vor Mitternacht? Wie klingt denn das? Dein Gedicht fängt bereits sehr unbeholfen an; der Dichter würgt schon am ersten Vers herum. Das kann auch dem Leser nicht bekommen. Besonders witzig finde ich, dass das lyrische Ich nicht durch einen Donner oder hohen Wellengang aus seinem Nickerchen erwacht, sondern: vom Nickerchen selbst. Vers 3 klingt derart geschwollen, dass man danach eine Kühlpackung braucht.

    Gerade stieg die Stimmung, alles lachte,
    Orchesterklang beschwang ein nacktes Paar.
    Hysterisch kichernd kotzte einer, lallte:
    „Och, dieses Schiff ist doch noch nie gesunken!"


    Woher weiß das lyrI eigentlich, dass die Stimmung gerade gestiegen ist, wo es doch kurz zuvor noch geschlafen hat und dann in den Saal gestürzt ist? Wenn ich merke, dass sich die Stimmung in einem Raum hebt, muss ich zumindest so lange anwesend gewesen sein, um einen derartigen Vergleich (vorher/nachher) anstellen zu können. "Beschwang" klingt für mich falsch. Warum das Paar nackt ist, begreife ich nicht. Oder ist das ein Hinweis dafür, dass gar kein wirkliches Erwachen stattgefunden hat, sondern das lyrische Ich dies alles nur träumt?

    Das hysterische Kichern mag noch angehen; doch wenn einer hysterisch kichernd kotzt, frage ich mich, wie er das zustande bringt und wie ich mir das intendierte Bild vorzustellen habe. Und nicht nur das: Er schafft es auch noch, nebenher zu lallen. Selbst wenn man über den Inhalt dieser Strophe hinwegsehen würde - es klingt einfach erbärmlich. Das passt nichts zusammen.

    Unwillig ließ ich sie und rannte weiter,
    Erreichte bald die Brücke und trat ein.
    „Maschinen volle Fahrt zurück! Hart Backbord!",
    Entfuhr es mir, zum Schreck der Offiziere.


    Tritt man nicht eher "auf" die Brücke? Ich las nie, dass ein Kapitän oder sonstwer in die Brücke tritt.

    Versetze ich mich einmal in diese Szenerie: Ich sehe das Schiff auf einen Eisberg zusteuern und renne auf die Brücke. Aufgewühlt gebe ich Befehle. Achte ich in einer solchen Situation noch auf die erschreckten Gesichter der Offiziere? Das ist in der Tat "Unglaublich" und deutet erneut an, dass diese Ereignisse nur im Traum des lyrischen Ich stattfinden. Der Sprachstil des Gedichts ist einfach schrecklich. Oder ist das etwa beabsichtigt?

    Teilweise, könnte man meinen, denn hier hat der Autor zwei Akrosticha eingebunden. Die eingeschobenen Strophen sowie die am Rande stehenden ergeben jeweils ein Akrostichon. Darauf hättest du lieber verzichten und ein sprachlich ausgereiftes Gedicht schreiben sollen, denn mit diesen Vorgaben hast du dich eindeutig verhoben.

    Mein Anblick ließ den Steuermann stumpf glasen.
    Er klammerte sich an sein Steuerrad.
    „Geh’n Sie doch weg! Was, ich?", wand sich der Käpt’n.
    „Oh, nein! Der uns geheuert, setzt den Kurs."


    Stumpf glasen lässt mich schockiert erschauern. In Z3 sehe ich gar nicht mehr durch. Hast du da Anführungszeichen unterschlagen? Oder führt da einer Selbstgespräche? Die vielen Apostrophe machen das Gedicht nicht ansehnlicher.

    „Wo ist der Reeder denn?" Ich stieß auf Schweigen.
    Als ich mit Presse drohte, druckste man,
    Herr Doktor koche gern in der Kombüse.
    Rasch fand ich diese auch und klopfte höflich.


    Das Schiff droht mit einem Eisberg zu kollidieren - und der Herr nimmt sich die Zeit, höflich anzuklopfen? Der spinnt doch wohl.

    „Herein? Ach, Sie! Ich hörte schon...nein, nichts da!"
    Ohnmächtig sah ich, was er eingebrockt.
    „'Macht Meilen!' - Darum geht’s, und nicht um Würstchen!
    Es trifft doch nur das Unterdeck, wenn’s leckt."


    Was sah er denn? Bezieht sich das auf das Gespräch, dass das lyrische Ich "hört"? Den letzten Vers muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen, der mundet mir fast.

    Hinaus, zurück zu meiner Liege wankte ich da.
    Ermattet sann ich. „Wahnsinn...Meutern? Springen?
    Im Grunde lohnt’s nicht; bald sind alle drunten."
    Traurig schaute ich ins Wellenspiel und nickte ein.


    Und nun wankt er. Die Strophe, in der er sich besoffen hat, fehlt irgendwie. Der Stil ist einfach unglaublich - lies doch nur mal den Vers: "Hinaus, zurück zu meiner Liege wankte ich da." Kann man Wahnsinn ersinnen oder erwägen? Diese Option müsste sogar im Traum scheitern. Man möchte dem lyrI nur noch zurufen: Spring endlich! - bevor alle "drunten" im Wiesengrunde sind.

    Und wenn ich es - trotz des Adrenalins, das mir in einer solchen Situation vermutlich durch die Venen schießt - noch schaffe, einzunicken, kann es sich nur noch um eine Traumsequenz handeln. Denn das ist der Gipfel des "Unglaublichen". Aber wie dem auch sei: Über den stümperhaften Sprachgebrauch täuscht auch das nicht hinweg.

    Fazit: Volle Kanne abgesoffen.
    Geändert von antiheld (01.07.2009 um 00:25 Uhr)

  3. #3
    Sigmar Erics Guest
    Meine Güte, das ist mir ja mal wieder ein widerlicher Beitrag.

    Grausam...der Dichter würgt...geschwollen...erbärmlich...schrecklich...Man möchte dem lyrI nur noch zurufen: Spring endlich!...stümperhaften Sprachgebrauch...Fazit: Volle Kanne abgesoffen.
    Menschen, die fremde Leute in diesem Tonfall ansprechen, haben in diesem Leben wohl noch manches zu lernen. Ich werde mir allerdings nicht die Zeit nehmen, es ihnen beizubringen, dazu wären vielleicht andere berufen. Was ich im folgenden schreibe, ist nicht an antiheld gerichtet, sondern dient allein dazu, daß sein Ersprochenes nicht unwidersprochen an meinem Text kleben bleibt.

    Mal sehen, ob man aus dieser Hinterlassenschaft wenigstens inhaltlich ein paar Goldklumpen herauskratzen kann, manchmal geht das ja.

    Nicht lang vor Mitternacht? Wie klingt denn das?
    Die Wendung ist unproblematisch. Inhaltlich: Die Sichtung des Eisbergs im Fall der Titanic geschah um 23:40 Uhr.

    Besonders witzig finde ich, dass das lyrische Ich nicht durch einen Donner oder hohen Wellengang aus seinem Nickerchen erwacht, sondern: vom Nickerchen selbst.
    Gut, ist verbessert.
    Vers 3 klingt derart geschwollen, dass man danach eine Kühlpackung braucht.
    Seemännisch sagt man: "Eisberg voraus", standardsprachlich "voraussehen". Der Bezug von "schreckweiß" ist doppeldeutig.

    Die Positionierung des "Erwacht" nennt man Enjambement.

    Woher weiß das lyrI eigentlich, dass die Stimmung gerade gestiegen ist, wo es doch kurz zuvor noch geschlafen hat und dann in den Saal gestürzt ist?
    Wer genau liest, wird gesehen haben, daß das LI vor dem Betreten des Ballsaales quer über das Teakdeck laufen mußte. Ein Kreuzfahrtschiff ist keine Yacht. Eine wilde Party hört man auch außerhalb des Raumes, in dem sie stattfindet.

    "Beschwang" klingt für mich falsch.
    Innovativer Sprachgebrauch, ebenso wie später "glasen" (s.u.). Das Paar wird gleichsam von der Musik durch den Saal geschwungen, zugleich natürlich beschwingt. Wer das unbeholfen finden will, wird das auch können, aber solche Leute sind mir eigentlich egal.

    Oder ist das ein Hinweis dafür, dass gar kein wirkliches Erwachen stattgefunden hat, sondern das lyrische Ich dies alles nur träumt?
    Bestätigt.

    Das hysterische Kichern mag noch angehen; doch wenn einer hysterisch kichernd kotzt, frage ich mich, wie er das zustande bringt und wie ich mir das intendierte Bild vorzustellen habe.
    Bin mir nicht sicher, ob ich die Karikatur hier übertrieben habe. Weitere, ernstzunehmende Meinungen dazu?

    Und nicht nur das: Er schafft es auch noch, nebenher zu lallen.
    Von "nebenher" ist nicht die Rede.

    Das passt nichts zusammen.
    Ach sos.

    Ich las nie, dass ein Kapitän oder sonstwer in die Brücke tritt.
    Nein, da bin ich sicher, denn auch bei mir war es nicht zu lesen. Die Brücke ist bei modernen Schiffen ein geschlossener Raum. Das LI erreicht die Brücke und tritt (durch die Tür) ein - unproblematisch.

    Versetze ich mich einmal in diese Szenerie: Ich sehe das Schiff auf einen Eisberg zusteuern und renne auf die Brücke. Aufgewühlt gebe ich Befehle. Achte ich in einer solchen Situation noch auf die erschreckten Gesichter der Offiziere?
    Ja, weil sie nichts tun. Aber mir ist schon klar, daß manche Kommentatoren Verständnisprobleme haben, wenn die Rede davon ist, daß jemand auf die gefühlsmäßigen Reaktionen anderer Menschen achtet, mit denen man interagieren möchte. Ist jedoch nicht mein Problem.

    [...] hier hat der Autor zwei Akrosticha eingebunden. Die eingeschobenen Strophen sowie die am Rande stehenden ergeben jeweils ein Akrostichon.
    Na, da kommen wir doch endlich zum Wesentlichen. Wie lauten die Akrosticha, worauf beziehen sie sich (kleiner Tip: es sind zwei Filmtitel)? Wenn ich bei der Gestaltung mancher Stellen andere Ebenen dieser Vorgabe untergeordnet habe, dann wird sich hieraus ja der Kern des Gedichtes ergeben. Wer das in zwei Zeilen abhandelt, hat ganz einfach das Thema verfehlt.
    Stumpf glasen lässt mich schockiert erschauern.
    Jeder Leser mit hinreichender Phantasiebegabung kann sich vorstellen, was mit dem Verb 'glasen' neologistisch beschrieben wird. Nebenbei ist 'Glasen' ein Begriff aus der Seemannssprache und bezieht sich auf die Schiffsuhr - man bedenke, daß dem LI und dem Schiff die Zeit davonläuft.

    In Z3 sehe ich gar nicht mehr durch. Hast du da Anführungszeichen unterschlagen? Oder führt da einer Selbstgespräche?
    Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, daß sich in den Strophen immer nur eine Seite der Geschichte (LI oder Umgebung) äußert. Die Fragen und Antworten der jeweils anderen Seite sind selbständig zu ergänzen. Es geht aber.

    Die vielen Apostrophe machen das Gedicht nicht ansehnlicher.
    Es sind nicht viele. Ich zähle sechs, in 28 Versen, davon die Hälfte in allgemeinsprachlich geläufigen Wendungen wie "geht's", sowie dem ebenfalls unproblematischen "Käpt'n". Hier redet einer schon wieder ein Problem herbei, wo keines ist.

    Das Schiff droht mit einem Eisberg zu kollidieren - und der Herr nimmt sich die Zeit, höflich anzuklopfen? Der spinnt doch wohl.
    Genau, wer etwas Wichtiges von einem anderen erreichen will, vor dem er Respekt hat, der beherrscht sich und handelt gemäß sozialen Erwartungen, auch um seine Glaubwürdigkeit zu wahren - Das scheint nach antihelds Lesart ja ganz undenkbar zu sein... Im übrigen hat er den Antiklimax übersehen (hereinstürzen, eintreten, anklopfen, aufgeben).

    Und nun wankt er. Die Strophe, in der er sich besoffen hat, fehlt irgendwie.
    Es mag Leute geben, die nur wanken, wenn sie besoffen sind. Auf das LI bezogen kann das jedoch nicht vorausgesetzt werden. Manchmal bringt einen auch die Verzweiflung über Wahn und Unzulänglichkeit des Menschen ins Wanken.
    Der Stil ist einfach unglaublich - lies doch nur mal den Vers: "Hinaus, zurück zu meiner Liege wankte ich da."
    Der Satzbau ist aus dem Gleichgewicht geraten. Der Entsprechung zum Inhalt ist für jeden Unvoreingenommenen offensichtlich.

    Kann man Wahnsinn ersinnen oder erwägen?
    Kann man nicht, hat auch niemand. "Wahnsinn" steht innerhalb der Anführungszeichen, was besagt, daß es wörtliche Rede ist, hier im Sinne eines Selbstgesprächs.

    Und wenn ich es - trotz des Adrenalins, das mir in einer solchen Situation vermutlich durch die Venen schießt - noch schaffe, einzunicken,
    Ich weiß nicht, was antiheld in welcher Situation durch welche Leitungen schießt, das LI ist am Ende frustriert und müde. Ein letzter Adrenalinschub bringt den Gedanken an Meuterei hervor, der aber schnell verworfen wird. Das LI hat resigniert und sich abgeregt.

    Fazit: Der Kommentator hat sich nicht nur erheblich im Ton vergriffen, er hat auch inhaltlich weit am Ziel vorbeigeschossen. Sein Beitrag spricht vor allem gegen ihn selbst, nicht gegen meine Arbeit.

    Weiterhin bin ich offen für Rückmeldungen und Kritik. Ich verbessere gern, was verbesserungsbedürftig ist. Aufgeblasenen Möchtegernrezensenten mit schlechtem Benehmen zeige ich jedoch konsequent die kalte Schulter.


    Sigmar
    Geändert von Sigmar Erics (01.07.2009 um 23:46 Uhr)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Sigmar Erics
    Aufgeblasenen Möchtegernrezensenten mit schlechtem Benehmen zeige ich jedoch konsequent die kalte Schulter.
    Nein, lieber Sigmar Erics, das tatest du ja gar nicht, sondern gehst ebenso konsequent wie löblich auf die monierten Passagen ein. Dabei liegst du nach meinem Dafürhalten fast immer richtig. Die Kritik muss dennoch erlaubt sein, auch wenn ich sie ebenso weitgehend nicht teile und darauf inhaltlich so reagiert hätte, wie du. Nun aber gleich auch die Person des Rezensenten zu schmähen, halte ich für nicht angebrachte, Dichterstolz hin oder her.

    Denn so schlecht, wie es in der Kritik ausschaut, ist es meiner Meinung nach nicht. Zwar empfinde auch ich die Kompromisse zugunsten der Form handwerklich nicht gerade überzeugend, zumal du lediglich auf alternierende Verse Rücksicht zu nehmen hattest, da du dir die Reimerei spartest, aber - und das ist doch zumindest in den Foren nicht gängig - du erzählst hier eine verständliche Geschichte von A bis Z. Dafür gebührt dir bereits Anerkennung, die Garnierung mit gelungenen Bildern (schreckweißes Erblicken des Eisberges, das beschwungene, nackte Tanzpaar, das stumpfe Glasen des Steuermannes) tut ein Übriges.

    Das Erwachen des Protagonisten anhand des bevorstehenden Schreckens und das vergebliche Anrennen gegen eine dekadente Gesellschaft, die in Wahrheit hilflose bzw. ferngesteuerte Führungsebene und zuletzt die kapital-/machtgierigen wahren Herren mit anschließender Resignation auf diesem Ship of Fools empfinde ich als insgesamt stimmig. Da habe ich schon wahrhaft Dümmeres gelesen.

    Die Akrostichen hätte ich mir geschenkt. Während die unbequeme Wahrheit sich mir sofort erschließt und ja auch fantasievoll umgesetzt ist, empdinde ich dieses doppelte "Go Home" als irritierend. Ich oute mich jetzt sicher als Banause, aber welcher Film ist gemeint? Und braucht es den hier? Wie auch immer, die Form scheint mir hier verantwortlich für den einen oder anderen Lapsus, vor allem seien die Dialoge genannt. Die bleiben Stückwerk, insbesondere in Strophe 4 der Kapitän und in Strophe 6 der Reeder. Die Rückfrage des Kapitäns ("Was, ich?") bezieht man unwillkürlich auf die Aufforderung, doch wegzugehen. Und das "Macht Meilen!" des Reeders ist ebenso unglücklich, wie die "Würstchen". Diese Passagen gefallen mir nicht.

    Über das hysterisch kichernde Kotzen bin ich tatsächlich ebenso gestolpert, wie über das höfliche Anklopfen in der Kombüse. Alles, was recht ist und Antiklimax hin oder her, da überziehst du für meine Begriffe. Und das Einnicken zum Schluss ist auch nicht überzeugend. Das Aufgeben sehr wohl, und diese Äußerung "Im Grunde lohnts nicht, bald sind alle unten" ist zu gut, um so schnöde verschenkt zu werden.

    Zuletzt sei mir die Bemerkung gestattet, dass auch und gerade ein Verriss eine dankenswerte Sache ist. Dichter und Publikum beschäftigen sich nur um so intensiver mit dem Gedicht. Dem Dichter mag es einerseits das eigene Sprachgefühl bestätigen (ist doch toll!), andererseits echte Schwachstellen aufzeigen. Den anderen Lesern wird eine andere Sichtweise drastisch vorgeführt und evtl. lassen sie sich sogar dazu verleiten, eine Gegenposition einzunehmen, was dann ja wohl erst recht großartig für den Autor ist.

    Insofern solltest du deine unbegründete persönliche Kränkung abkühlen lassen, und die unbegründeten persönlichen Schmähungen zurücknehmen.

    Meint
    Oliver

  5. #5
    ReinART Guest
    Lieber Eric
    finde ich eigentlich sehr spannend geschrieben. Die Sekunden vor dem Aufprall habe ich sehr schnell gelesen-keine Zeit zum Nachdenken.
    Ich will das Gedicht nicht in seine Einzelteile zerlegen. Dazu bin ich gar nicht in der Lage. Sehe, dass Du Dir bei dem Aufbaui etwas geacht hast und die Umsetznung scheint mir gelungen.
    Meine Art, solche Situationen zu beschreiben , ist eine andere-aber es wäre schrecklich, würde jeder so schreiben wie ich-wo bliebe da meine eigene Handschrift .
    Was mih etwas stört ist die Verniedlichung, wie z.B.
    Hysterisch kichernd kotzte einer, lallte:
    „Och, dieses Schiff ist doch noch nie gesunken!"
    Dieses "Och," ist so ein Beispiel und da finde ich in der darstellung einiges in der Art. Aber ist Dein Gedicht
    Dass der Mann kotzte, obwohl die See ruhig ist und die Titanic sehr groß und somit kaum Schwankungen zu spüren gewesen sein müssen, halte ich für konstruiert.
    Kotzen würde man nach dem Aufprall-vielleicht.
    Auch kichernd kotze eine, lallte will mir nicht verständlich sein.
    Einer kotze, einer lallte. Das würde ich verstehen können.
    So Eric. Dies nur kurz mein Eindruck. Denke, dass Du es noch spannender machen könntest, wenn da nicht die von mir gennenten Beispiele wären.
    Lieben Gruß
    reinhard

  6. #6
    Sigmar Erics Guest
    Grüß Dich, ReinART!

    Danke, daß Du meine Hoffnung in die zivilisierte Menschheit wieder ein wenig aufrichtest.

    Du hast geschrieben, daß Dich die Ausdrucksweise des Partygasts stört: "Och, dieses Schiff ist doch noch nie gesunken." Meinst Du nicht, daß ein abwiegelndes "Och" in den Mund dieses Charakters paßt?

    Auch das "Kotzen" erschien Dir unglaubwürdig, weil die See ruhig war. Du hast insoweit recht, als der Seegang nicht der Grund dafür gewesen sein mag. Aber man liest doch, daß er betrunken ist, und auf Partys kann man jede Menge Eßbares in sich hineinstopfen. (Das ist übrigens auch eine bogenförmige Verbindung zur dritten Episode in der Kombüse). Wenn ich das richtig sehe, brauchen wir gar keinen schweren Seegang, um das Erbrechen plausibel zu machen.

    Was dann das Lallen angeht: Könntest Du Dir vorstellen, daß der Gesprächspartner des LI besoffen herumhängt, auf Ansprache des LI aber lallend abwimmelt? Wie könnte man das besser ausdrücken?

    Einen weiteren Sprecher einzuführen, wie Du vorschlägst, würde den countdownartigen Antiklimax zerstören: Es werden drei Gäste im Ballsaal erwähnt, zwei Offiziere auf der Brücke und ein Reeder in der Kombüse. Das müßte schon so bleiben.

    Mich würde interessieren, welche weiteren Stellen Dir konstruiert erscheinen. Gerne werde ich versuchen, daran zu schleifen, was mißlungen ist. Bedenke allerdings, daß es eindeutige Hinweise darauf gibt, daß dieses ganze Erlebnis nicht real, sondern geträumt (bzw. "vorausgesehen") ist.

    (Ist Dir in diesem Zusammenhang eigentlich das explizite "Einnicken" am Anfang und am Ende aufgefallen, verbunden mit der Assonanz "Nicht" gleich zu Beginn des Textes sowie die Reimendung von Panik und dem latent präsenten "Titanic"? Kennst Du den kleinen Nick alias le Petit Nicolas? Dessen Erlebnisse überschreiten auch regelmäßig die Grenze der Absurdität, und doch hat alles seine Bedeutung.)

    Kann man denn, abgesehen von spannender Unterhaltung, erkennen, wer mit den Personen jeweils gemeint ist? Kennst Du die Filme, die in den Akrosticha erwähnt werden? Wenn nicht, schau sie Dir unbedingt an, da geht es um Dinge, die für uns noch viel wesentlicher sind als Dichtkunst oder gutes Benehmen...

    Herzliche Grüße,
    Sigmar

    (Erics ist mein gewählter Nachname)

  7. #7
    ReinART Guest
    Lieber Sigmar
    was hatte mich dazu hinreißen lassen, Dich Eric zu nennen? Wir kennen uns schon soooo lange...
    Dies war mir vorerst sehr wichtig zu sagen. Entschuldige.
    Werde mich morgen (fahre gleich zum Depeche Mode Konzert nach Hamburg
    weiter äußern.
    Aber es war eigentlich im wesentlichen mein Gefühl, dass hier die von Dir aufgebaute Spannung, etwas durch dieses z.B. "Och" absorbiert wurde.
    Mit dem Nickkerchen habe ich wohl erkannt.
    Lieber Sigmar: also dann bis morgen. Hast mir so viele Fragen gestellt...

    reinhard

  8. #8
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    Krek-krek,

    bist Du nicht der, der mir dieses tolle Kostüm geschenkt hat? Vielen Dank nochmal

    Der Text ist schon interessant, sehr burlesk, will heißen, hat komische Freiräume, die ich für wichtig halte, die überhaupt erst die Unterspannung erzeugen. Ich schere mich jetzt nicht um die Interpretation, dass es nur ein Traum ist. Sicher ist manches Bild grotesk. Aber eigentlich - und ich glaube, dass das lyr. Ich mir das erzählen will - ist eben auch die Wirklichkeit grotesk, wie sicher wir Menschen eben oft in den Eisberg stürzen.

    Mit dem Akrostychon kann ich nichts anfangen: BEQUEME WAHRHEIT GO HOME GO HOME Ich neige dazu, bequeme Wahrheit zynisch zu lesen, diese also eher in den Mund der Passagiere zu legen. Wer ruft hier also go home?
    Das hier Al Gores Film u.a. gemeint ist, rettet das irgendwie nicht. Mir ist das als Rezipient egal. Ich persönlich halte auch meist nichts von dieser Spielerei, wenn sie nur dazu dient, die Intention des Autors preiszugeben. Das zwängt den Text in ein Korsett und macht ihn moralisch, obwohl diese Allegorie auf so vieles übertragbar wäre.

    liebe Grüße
    Kajn

    PS.: Gerade habe ich die Erleuchtung, dass das U aus dem Titel zum Akrostychon dazugehört. Unbequeme Wahrheit, so machts zumindest Sinn, ändert aber an meiner Haltung der Spielerei gegenüber nichts.
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  9. #9
    Sigmar Erics Guest
    Lieber Kajn,

    doch, ich bin noch immer derselbe, und wie ich sehe, steht Dir das Krümelmonsterkostüm gut. Ist es nicht aber etwas stickig bei den aktuellen Temperaturen? Nun, Du bist vielleicht einer von den Harten im Garten.

    Soviel zu den menschlich unverzichtbaren komischen Freiräumen, jetzt werde ich ernst. Deine Eingebung ist natürlich richtig, das lange Akrostichon lautet "UNBEQUEME WAHRHEIT" und bezieht sich auf Al Gores nobelpreisgekrönten Film An Inconvenient Truth. Das kurze Akrostichon, in dem zweimal "GO HOME" skandiert wird, schließt den schlichten Titel eines brandneuen und noch schöneren Films mit dem gleichen Thema namens "Home" ein. Beide sind stellenweise populär gehalten, aber ich finde sie trotzdem richtig wichtig und weise zur Zeit alle meine Freunde und Bekannten bei passender Gelegenheit darauf hin (und anderslautenden Gerüchten zum Trotz sind das nicht wenige).

    Ich habe mir beim Entwerfen eben die Frage gestellt, die Du jetzt auch aufwirfst: Ist dieser Hinweis auf meine Intention zu plakativ? Aus fünf Gründen habe ich mich doch entschieden, diesen Weg zu gehen:

    1. Ich treffe die gesellschaftlich relevante Aussage nicht explizit, sondern reflektiert durch die Verweise auf fremde Werke. Das bricht der Plakativität die Spitze ab.

    2. Der Hinweis ist als Schlüssel für die Interpretation durchaus nötig, weil der Titanic-Topos inzwischen zur Ubiquität geworden ist und von Klimawandel, Finanzkrise, Parteimitgliederschwund bis hin zu Beziehungskisten alles Mögliche versinnbildlichen kann. Ohne diesen Schlüssel bleibt z.B. dunkel, wer die Personen eigentlich sind, denen das LI begegnet. Er ist in meinen Augen unverzichtbar.

    3. Bei einem politischen Thema gilt der Grundsatz, daß dem Leser Interpretationsfreiheit zugestanden werden soll, m.E. nur eingeschränkt. Hier habe ich tatsächlich eine Aussage gestaltet, die mir wichtig ist. Ich spreche andere Adressaten an als z.B. eine Titelseite des Spiegel, aber sei's drum: In diesem Fall will ich mehr als irgendwann sonst, daß der Leser versteht, worauf ich hinauswill, und nicht abdriftet.

    4. Formal betrachtet sind die Akrosticha am Versbeginn ein Ausgleich dafür, daß am Ende der Reim fehlt. Das Gedicht steht in schmucklos ernsten Blankversen (fünfhebigen Jamben ohne Reim).

    5. Die Akrosticha sind auch nicht einfach an das Gedicht angeklebt, sondern gestalterisch integriert. Die UNBEQUEME WAHRHEIT ist ganz textimmanent das, was das LI versucht zu kommunizieren: Wir steuern auf einen Schiffbruch zu. Das wiederholte "Go home" ist vordergründig das, was das LI wiederholt als Reaktion erfährt: "Och, das ist doch halb so schlemm!" oder "Aber Sie verstehen doch die Zusammenhänge gar nicht: Bilanzzahlen sind es, worauf es ankommt. Gehen Sie mal nach Hause!"

    Doch das ist nicht alles. Die Akrosticha selbst sind sinnig auf die Strophen aufgeteilt.
    Du bist selbst über die Ausdehnung des langen Akrostichons auf den Titel gestolpert und hast sie erst auf den zweiten Blick erkannt. Das liegt daran, daß das Wort "U / NBEQ / UEME" in sperriger Weise auf Überschrift und zwei Strophen aufgeteilt ist. Die "WAHR / HEIT" hingegen ist silbenentsprechend klar und prägnant in zwei Vierzeilern angesprochen.
    GO HOME überzieht drei Strophen.
    Die erste handelt von einer Party, und die Verse beginnen mit dem Teil "GOHO". Hier liegt ein Reim mit dem berühmten Londoner Vergnügungsviertel Soho vor. Wem das zu fern liegt, kann sich diese Ausrufe trotzdem beim ausgelassenen Feiern vorstellen "Go! Go!" und "Hohoho, wer kommt denn da Hübsches?".
    Die zweite eingerückte Strophe hat zur Pointe, daß der Kapitän die Zuständigkeit von sich weist (wörtlich: "Was, ich?"). Die Verse beginnen hier mit "MEGO", d.h.: "Ich? Gehen Sie weg!".
    Die dritte eingerückte Strophe steht zwischen den klar erkennbaren Silben der "WAHR / HEIT" und trägt das vollständige Wort "HOME", mithin nicht nur den Titel des neueren der beiden Bezugsfilme, sondern auch die Wahrheit in a nutshell: Die Erde, mit der wir herumaasen, daß es eine Art hat, ist eigentlich unser Zuhause.
    Insgesamt spricht "go home" deutlich durch seine Absurdität, denn von dem Kreuzfahrtschiff gibt es genausowenig einen direkten Weg nach Hause wie es ein "go home" für uns Erdbewohner gibt. Wir sind umgeben vom unüberwindlichen Meer des Alls und darauf angewiesen, daß die Erde uns hindurch trägt.

    Du siehst: Es ist weit mehr als eine Spielerei. Die Akrosticha sind notwendig, damit die politische Aussage klar wird (und politische Aussagen sollten klar sein), sie sind inhaltlich nicht so aufdringlich wie eine explizite moralische Ermahnung, und sie sind sowohl auf der Bildebene als auch formal in den Textzusammenhang integriert.

    Kleines Detail am Rande: Das lange Akrostichon beginnt mit der gleichen Silbe wie der Titel (über den übrigens bisher gar nichts von dem gesagt wurde, was zu sagen wäre). Diese Silbe lautet UN - vielleicht unsere einzige Hoffnung.

    Was denkst Du?


    Liebe Grüße,
    Sigmar
    Geändert von Sigmar Erics (02.07.2009 um 16:28 Uhr)

  10. #10
    Registriert seit
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    15
    @Sigmar Erics

    Meine Güte, das ist mir ja mal wieder ein widerlicher Beitrag.
    Ach, gestern war ich Ihnen noch als gesamter Mensch widerlich, nun haben Sie sich darauf besonnen, nur meinen Beitrag so zu bezeichnen. Nett von Ihnen, sich zumindest öffentlich derart freundlich zu geben.

    Ich werde mir allerdings nicht die Zeit nehmen, es ihnen beizubringen und da einzuspringen, wo die Erzieher versagt haben.
    Sie echauffieren sich über mein Benehmen, gehen und gingen aber sehr viel weiter als ich. Nur merken Sie das gar nicht. Was ich noch zu lernen habe und was nicht, das können Sie nicht wissen, weil Sie mich nicht kennen. Also unterlassen Sie diese Unterstellungen und - das ist ja wohl die Höhe - die indirekte Beleidigung meiner Eltern!

    Was ein Enjambement ist, weiß ich selbst. Ich spielte in V3 auf die Syntax an: "und sah voraus schreckweiß den Eisberg".

    Wer genau liest, wird gesehen haben, daß das LI vor dem Betreten des Ballsaales quer über das Teakdeck laufen mußte.
    Sie dürfen ruhig davon ausgehen, dass ich das Gedicht aufmerksam gelesen habe, aber es ist in meinen Augen einfach unglaubwürdig, in so einer Situation noch ein Gehör nicht dafür zu haben, dass eine Party im Gange ist (das kann man sehr wohl mitbekommen), sondern noch auszutarieren, ob die Stimmung innerhalb des Weges, den das lyrische Ich - auch noch rennend (!) - zurücklegte, weiter anstieg. Wer achtet denn in so einer Situation auf derartige Nebensächlichkeiten? Zumal man mit zunehmender Nähe zum Ballsaal doch ohnehin näher am Geschehen und somit an der Party ist und es einem automatisch "lauter" erscheint, als wenn man noch 30 Meter entfernt ist. Und solche Feinheiten bekommt man mit, wenn man von Panik aufgewühlt über das Deck wetzt? Wohl kaum.

    "Beschwang" klingt für mich falsch.
    Innovativer Sprachgebrauch, ebenso wie später "glasen" (s.u.). Das Paar wird gleichsam von der Musik durch den Saal geschwungen, zugleich natürlich beschwingt. Wer das unbeholfen finden will, wird das auch können, aber solche Leute sind mir eigentlich egal.
    Es ist schon eine Unart, wie Sie sich ständig auf meine Person beziehen, wo ich lediglich ein Feedback zum Text gab und darauf hinwies, dass "beschwang" für mich falsch klang und klingt, weil es das nun einmal nicht 'gibt'. Das hat nichts mit Wollen zu tun - auch das ist wieder eine Unterstellung, die nicht zutrifft.

    Nein, da bin ich sicher, denn auch bei mir war es nicht zu lesen. Die Brücke ist bei modernen Schiffen ein geschlossener Raum. Das LI erreicht die Brücke und tritt (durch die Tür) ein - unproblematisch.
    Nun steht hier aber nichts von einer Tür, sondern nur: "Erreichte bald die Brücke und trat ein." Ich bleibe dabei, für mich ist es eine feststehende Redewendung, die Brücke zu betreten, den Kapitän auf der Brücke vorzufinden etc. Hättest du geschrieben: " Erreichte bald die Brücke und trat durch die Tür ein", wäre das für mich in Ordnung gewesen.

    Na, da kommen wir doch endlich zum Wesentlichen. Wie lauten die Akrosticha, worauf beziehen sie sich (kleiner Tip: es sind zwei Filmtitel)?
    Ich bin nicht einer Ihrer Schüler, wenn man – Gott bewahre! – den Angaben in Ihrem Profil Glauben schenken muss. Wenn ich die Akrosticha erkannt habe, dann werde ich sie wohl auch benennen können! Oder denken Sie, dass mir klein Klausi aus der dritten Reihe vorgesagt hat?

    Wer das in zwei Zeilen abhandelt, hat ganz einfach das Thema verfehlt.
    Nein, es war einfach spät und ich hatte keine Lust, mich noch ausführlicher zu einem Gedicht zu äußern, das ich an dieser Stelle ohnehin schon für vergeigt hielt. Der Arbeitsaufwand lohnte sich einfach nicht mehr für größere Sprünge und intensivere Auseinandersetzung. Was soll ich die Akrosticha groß besprechen, wenn ich sie für das Übel halte, an dem der Autor sich das Genick gebrochen hat? Aber schon komisch, wie Sie hier Dinge in den Raum werfen, als wären es reine Tatsachen – und dann auch noch darüber richten.

    Jeder Leser mit hinreichender Phantasiebegabung kann sich vorstellen, was mit dem Verb 'glasen' neologistisch beschrieben wird.
    Ich behauptete doch gar nicht das Gegenteil. Auch für mich war offensichtlich, was dies bedeuten soll. Nur empfand ich diese Kombination alles andere als gelungen, weshalb ich mit einer ähnlich schrägen Kombi antwortete. Aber die klingt vielleicht sogar noch gut in Ihren Ohren.

    Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, daß sich in den Strophen immer nur eine Seite der Geschichte (LI oder Umgebung) äußert. Die Fragen und Antworten der jeweils anderen Seite sind selbständig zu ergänzen. Es geht aber.
    Nee, nee, dem aufmerksamen Leser sicher nicht, aber natürlich mir. Es ist einfach unglaublich, wie Sie hier Ihr Gedicht verteidigen und dabei – so wie ganz nebenbei – ständig den Kritiker als Person herabsetzen. Wer etwas kritisiert oder nicht versteht hat natürlich ungenau gelesen, keine Fantasie, ist voreingenommen, schlecht erzogen und hat sowieso ein Verständnisproblem; das ist doch wohl klar! Das ist sicher eine gute Methode, Schnuffi13 einzuschüchtern und zu manipulieren, die diesen Mist glaubt und sich dann nicht mehr zu kritisieren traut.

    Für mich war diese Stelle nicht klar, auch nicht nach mehrmaligem Lesen. Aber du baust natürlich lieber auf die Meinungen der Leser, die nach deinen Erläuterungen deine Intentionen "erkannt" haben. Jo, also nach diesen Ausführungen hätte sogar ich die so allgemein verständliche Geschichte von A-Z kapiert.

    Der Satzbau ist aus dem Gleichgewicht geraten. Der Entsprechung zum Inhalt ist für jeden Unvoreingenommenen offensichtlich.
    Der Satzbau ist bereits in S1 aus dem Gleichgewicht geraten, als das lyrische Ich noch schlief:

    Nicht lang vor Mitternacht, bei ruhigem Seegang
    Bin ich von meinem Nickerchen auf Deck
    -> vergaß ich gestern: ich würde "an Deck" bevorzugen
    Erwacht und sah voraus schreckweiß den Eisberg -
    Quer übers Teak stürzt’ ich und in den Ballsaal.


    (Kurz vor Mitternacht bin ich bei ruhigem Seegang „aus“ meinem Nickerchen an Deck erwacht und sah schreckweiß den Eisberg voraus - ich stürzt’ quer übers Teak in den Ballsaal.)

    Ich weiß nicht, was antiheld in welcher Situation durch welche Leitungen schießt, das LI ist am Ende frustriert und müde.
    Ach, wird antiheld gegen Ende nun auch noch zum Junkie erklärt, oder wie darf ich das auffassen? Ich gebe zu: Ich rauchte früher gelegentlich stinknormale Zigaretten. Aber mittlerweile schieße ich mir dieses Zeug auch nicht mehr rein.

    Und na klar: Wenn ich mir den Mund fusslig rede und nichts erreiche, dann kann das – selbst kurz vor dem Ertrinken noch dazu führen – dass ich mich einem Nickerchen hingebe. Immerhin will ich ausgeruht sein, bevor ich ewig schlafe.
    __________________________________________

    PS: Dafür, dass ich gar nicht der Adressat Ihres Beitrages war, haben Sie aber ganz ordentlich auf mich als Person abgezielt. Knapp die Hälfte Ihrer Worte scheint sich mehr mit mir als mit meinen kritischen Worten zu beschäftigen, wenn man die Zitate (also meine eigenen Worte) abzieht.

    Menschen, die fremde Leute in diesem Tonfall ansprechen, haben in diesem Leben aber noch manches zu lernen. Ich werde mir allerdings nicht die Zeit nehmen, es ihnen beizubringen und da einzuspringen, wo die Erzieher versagt haben. - Aber mir ist schon klar, daß manche Kommentatoren Verständnisprobleme haben, wenn die Rede davon ist, daß jemand auf die gefühlsmäßigen Reaktionen anderer Menschen achtet, mit denen man interagieren möchte - Hier redet einer schon wieder ein Problem herbei - Genau, wer etwas Wichtiges von einem anderen erreichen will, vor dem er Respekt hat, der beherrscht sich und handelt gemäß sozialen Erwartungen, auch um seine Glaubwürdigkeit zu wahren - Das scheint nach antihelds Lesart ja ganz undenkbar zu sein...- Der Entsprechung zum Inhalt ist für jeden Unvoreingenommenen offensichtlich. - Ich weiß nicht, was antiheld in welcher Situation durch welche Leitungen schießt...- Fazit: Der Kommentator hat sich nicht nur erheblich im Ton vergriffen, er hat auch inhaltlich weit am Ziel vorbeigeschossen. Sein Beitrag spricht vor allem gegen ihn selbst, nicht gegen meine Arbeit. - Aufgeblasenen Möchtegernrezensenten mit schlechtem Benehmen…
    Ganz gleich, wie harsch der Ton meiner Kritik war – ich bezog mich lediglich auf diesen einen (in meinen Augen immer noch unsäglichen) Text.

    Ich erwarte, nein, ich verlange sogar, dass Du den Teil mit den Erziehern aus Deiner Antwort streichst!

  11. #11
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    wenn ihr euch schon die mühe solcher ausführlichen kommentare macht, dann darf man wohl auch verlangen,
    dass ihr der angemessenen wortwahl auch noch einen funken aufmerksamkeit schenkt.
    danke.
    lepi-mod

  12. #12
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    Das mehrfache posten identischer oder nahezu identischer Beiträge gilt als Spam und ist im Sinne unserer Grundregeln verboten. Dein vorhergehendes posting habe ich dementsprechend gelöscht.

    satchmo
    Moderator
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  13. #13
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    antiheld,

    Wenn Du an der moderativen Arbeit im Allgemeinen oder meiner im Speziellen etwas auszusetzen hast, eignet sich die Rubrik "Moderation" für entsprechende Wortmeldungen ausgezeichnet. In einen Gedichtethread gehören Beiträge, die das Werk besprechen und nichts anderes. Deshalb habe ich deinen letzten Beitrag ebenfalls gelöscht und deshalb werde ich jegliche weitere Beiträge in diesem Thread, die nicht auf das Gedicht eingehen kommentarlos löschen.

    Aber um deinem Vorwurf entgegenzutreten: Jawohl, ich habe eine Grundregel herausgepickt und hier zur Anwendung gebracht - denn für das sind Regeln schliesslich hier.

    satchmo
    Moderator
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  14. #14
    Registriert seit
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    Krek-krek,

    ich denke, lieber Sigmar, dass Du deinen geneigten Lesern jetzt die Freude genommen hast, solches selbst zu dechiffrieren. Eine Spielerei bleibt es für mich dennoch, weil ich doch denke, dass dir diese Chiffren einzuweben Freude bereitet hat. Vielleicht solltest Du den Begriff Spielerei nicht so negativ konnotieren, so war es nicht gemeint.

    Ich lese den Text weiter lieber ohne Akrostychon, da ist mir der Inhalt politisch genug, auch wenn ich dein ökologisches Gewissen durchaus zu schätzen weiß.
    Und nein, ich finde nicht, dass ein politischer Text klar sein sollte. Denn mit klaren Aussagen beginnt meist die Agitation.
    In meinem Kostüm ist es nicht stickig, guck!, ich hab da so Löcher reingemacht...
    danke der Nachfrage

    liebe Grüße
    Kajn
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  15. #15
    Sigmar Erics Guest
    Liebe Moderation,

    vielen Dank fürs Präsenzzeigen. Da ich mich hier ausschließlich für den Text interessiere und keine Lust mehr auf fruchtlose Auseinandersetzungen habe, probiere ich jetzt einfach tatsächlich den oft empfohlenen Weg über die Ignore-Funktion aus. Ich hoffe, daß das in Eurem Sinne ist.


    Lieber Kajn, lieber ReinART,

    bitte wartet mit Eurer Antwort nicht, bis der ... User sich verzogen hat. Er befindet sich jetzt (wie Oliver) auf meiner Ignorierliste und wird von mir keine weitere Antwort erhalten. Das Gespräch mit Euch würde ich aber sehr gerne fortsetzen, wenn es Eure Zeit erlaubt.

    Kajn, Du zum Beispiel hast die Akrosticha als einzwängendes Korsett beschrieben. Heißt das, Du empfindest bestimmte Stellen als unglücklich ausgedrückt? In diesem Fall wäre es nett, wenn Du sie kurz bezeichnest.


    Die Einladung gilt natürlich auch für alle anderen, die in vernünftiger Art und Weise mit mir über das Gedicht oder sein Thema sprechen wollen.

    Herzliche Grüße,
    Sigmar



    EDIT: Ach, Kajn, da bist Du ja schon. Wie schön. Ja, die Löcher hab ich gesehen, aber ich dachte, das wären angeweste Stellen im Fell. Hast Dich ja einige Zeit in der Gruft vergnügt.

    Daß Du Spielerei nicht negativ konnotierst, war mir nicht klar. Ich dachte, es hätte die Nebenbedeutung von Unernst und Sachfremdheit. Auch klangen Deine Worte
    Ich persönlich halte auch meist nichts von dieser Spielerei
    in meinen Augen eher kritisch. Daß ich an derartigen Kompositionsakten meine Freude habe, ist klar, sonst hätte ich sie ja nicht zu einem Merkmal meines Personalstils entwickelt. Res severa verum gaudium - die ernste Sache ist die wahre Freude.

    Was die Freude des Lesers angeht, so geht es mir eigentlich nicht darum, eine Rätselaufgabe zu stellen, die vor allem dechiffriert werden will. All diese Dinge sind Mittel zu dem Zweck, die Aussage und das Bild zu gestalten, und hinreichend empfängliche Leser werden auch ihre Freude daran haben, den Text zu lesen und wiederzuerkennen, was sie vielleicht aus meiner Erläuterung abstrakt aufgenommen haben. Ich wiederhole: Mir ist klar, daß nur ein kleiner Teil des hiesigen Publikums einen Sinn für solche Dinge hat, aber mit diesem kleinen Teil unterhalte ich mich gern.

    Dein Argument mit der klaren Aussage kann ich zwar verstehen, mich ihm aber nicht anschließen und schon gar nicht in Bezug auf dieses Gedicht. Der auf zwei Ebenen eingebaute Antiklimax steuert ja gerade nicht auf Agitation hin, sondern auf Resignation. Dieser Text ist nicht geeignet, Brände zu stiften, er kann bestenfalls zum Grübeln - und zum Widerspruch gegen das Verhalten der Protagonisten anregen. Es kommt bei der Frage, ob eine klare politische Aussage bedenklich ist oder nicht, durchaus darauf an, welche Haltung man vertritt. Ich bin sogar der Meinung, daß man die Frage der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen (unseres Kreuzfahrtschiffes) mit viel mehr Vehemenz vertreten sollte. Und das hat nichts mit ökologischem Gewissen zu tun, sondern mit humanistischem Egoismus. Es ist in unserem eigenen kollektiven Interesse, etwas zu ändern.
    Das ist meine Sicht der Dinge. Welche Gefahr siehst Du denn in diesem Zusammenhang, wenn Du von Agitation sprichst?

    Herzliche Grüße, und...danke!

    Sigmar
    Geändert von Sigmar Erics (02.07.2009 um 10:16 Uhr)

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