1. #1
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    Silent Hill - Ein Film, so symbolhaft wie ein Gedicht - und damit eine neue Kunstform

    Der Film "Silent Hill" ist ein hervorragend gelungenes Experiment. Es ist ein Film, ähnlich wie ein Gedicht und damit eine Art Film, wie er wohl noch nie produziert wurde. Wie in einem Gedicht wird in dem Film mit Symbolen gearbeitet. Bei einem Gedicht erzeugen die geschriebenen Worte Bilder, die oftmals nur ein Symbol für das sind, was wirklich gemeint ist. So sind in dem Film "Silent Hill" die Bilder und Abläufe, die der Betrachter sieht, nur das Symbol für das wirklich Gemeinte. Das Oberthema des Films ist "die menschliche Verdrängung".

    Sharon ist ein Kind im Alter von etwa 10 Jahren. Sie wurde im Alter von 9 Jahren von ihren Eltern adoptiert. Sharon leidet unter schrecklichen Alpträumen, bei denen sie im Schlaf immer wieder einen bestimmten Ausruf von sich gibt: „Silent Hill“. Zudem verfremdet sie in Zuständen geistiger Abwesenheit ihre Kinderbilder mit düsteren Farben. Immer wenn ihre Eltern sie auf diese Auffälligkeiten ansprechen, kann sie sich an nichts erinnern. Eines Tages schlafwandelt sie außerhalb des Hauses und bringt sich dabei sehr in Gefahr. Sie ist im Begriff, sich von einer Klippe zu stürzen und kann erst in letzter Sekunde durch das Eingreifen ihrer Adoptivmutter Rose gerettet werden. Rose beschließt daraufhin, etwas zu unternehmen. Gegen den Willen ihres Mannes Christopher fährt sie zusammen mit Sharon nach „Silent Hill“. „Silent Hill“ ist im Film eine mysteriöse, seit vielen Jahren unbewohnbare Stadt. Sie ist – mehr noch – eine verbotene Stadt, die rings herum von einem Zaun umschlossen ist. Wegen angeblicher Gesundheitsgefahren darf niemand nach „Silent Hill“ vordringen.

    Die in dem Film gezeigte Stadt ist das Symbol für alles das, was Sharon aus ihrer Vergangenheit verdrängt hält und für die Umstände, die zu den von ihr verdrängten Erlebnissen geführt haben. „Silent Hill“ ist nichts anderes als der Ort, an dem sich Sharons ganze Wahrheit verborgen hält. Der Film zeigt die Ergründung einer geheimnisvollen Stadt und meint damit im übertragenen Sinne die Ergründung verdrängter Erlebnisinhalte aus der Psyche eines Kindes, inklusiver aller Umstände, die dazu geführt haben. Im Film werden durch die entschlossene Haltung von Rose nach und nach immer mehr Hintergründe der Stadt erhellt. Dazu sind mancherlei Widerstände zu überwinden. Der mutige Einsatz von Rose bewirkt, dass sie ihre Adoptivtochter Sharon immer besser im Kontext all ihrer Erlebnisse und Hintergründe, also im Kontext ihrer eigenen, ganzen Wahrheit begreifen lernt. Dabei steht Sharon selbst Pate. Rose ist ihre tatkräftige Gehilfin, die ihr gegen die eigene Verdrängung an hilft. So sind beide, Mutter und Tochter, mitten im Geschehen. Dass Sharon während dieses Prozesses im Film nicht zu sehen ist, hat sowohl eine dramaturgische. als auch eine symbolische Bedeutung: Wenn ich bei einem Menschen für ihn wichtige Hintergründe erahne, dann kann ich ihn so lange nicht mehr sehen, wie es mir nicht gelingt, ihn zusammen mit diesen Hintergründen zu verstehen.

    Am Ende wird Sharon nichts mehr verdrängen müssen, weil ihr alles, was sie betrifft, bewusst geworden ist. Die Ergründung unbewusster Erlebnisinhalte und deren Umstände erfolgt nur durch die Überwindung der Verdrängung, die von der Psyche mal mehr, mal weniger aufrecht erhaltenen werden kann. Ohne die Überwindung der Verdrängung kann es keine Erkenntnisse über die dunklen, eben verdrängten Aspekte der Vergangenheit geben. So kämpft Rose den gesamten Film über gegen die sich in Sharons Psyche abspielende Verdrängung. Je mehr ihr das gelingt, umso mehr gewinnt sie an Erkenntnissen über das bis dahin von Sharon Verdrängte hinzu. Nur durch das Verstehen wird es ihr möglich sein, ihre Adoptivtochter wiederzusehen. Nur durch die Überwindung der Verdrängung kann das Unbewusste in das Bewusstsein dringen. Einen solchen Prozess nennt man in der Sprache der Therapeuten die „Psychoanalyse“ (Sigmund Freud). Der leidenschaftlich kraftvolle Einsatz ihrer Adoptivmutter Rose bringt einen Prozess in Gang, der Sharon dazu ermutigt, ihr Innerstes immer soweit preiszugeben, wie es ihr bewusst wird und dabei immer weiter in sich zu suchen. Nach dem gemeinsamen Überwinden aller Schwierigkeiten, also nach dem Überwinden von Sharons Verdrängung bekommt sie am Ende eine ganz normale seelische Zufriedenheit und kann entsprechend normal weiter leben und überleben. Um soweit zu kommen ist es für Rose unumgänglich, sich zusammen mit ihrem Kind in den Bereich seiner seelischen Abgründe, also nach „Silent Hill“ zu begeben.

    Es folgt nun eine Inhaltsangabe mit der Beschreibung der tatsächlichen Ereignisse und Abläufe, die im Film nur symbolhaft dargestellt wurden. Die im Film gewählten Symbole werden dabei jeweils in (--> Klammern <--) benannt und erläutert.

    Immer wenn die etwa 10jährige Sharon von ihren Alpträumen verfolgt wird, spricht sie Dinge aus, die sich direkt auf das gerade Geträumte beziehen (--> Der Ausruf beim Schlafen: „Silent Hill“ <--). Eines Tages spitzt sich die Situation zu, indem sich Sharon schlafwandelnd in Lebensgefahr begibt und nur knapp vor dem sicheren Tod gerettet werden kann. Rose, in heller Panik um ihr geliebtes Kind, beginnt daraufhin, sich näher mit dem Denken und Fühlen ihrer Adoptivtochter zu befassen. Es beginnt ein Dialog, der sich auf die von Sharon gegebenen Traumhinweise bezieht. Rose möchte sich zusammen mit ihrer Tochter den in den Träumen hochkommenden Inhalten annähern (--> gemeinsame Autofahrt nach „Silent Hill“ <--). Mit fortschreitender Dauer der Auseinandersetzung (--> Dauer der Autofahrt <--) nähern sie sich immer mehr dem Bereich der verdrängten Erlebnisinhalte von Sharon. Sie kommen immer näher an die Erinnerungen, die für die ganze Wahrheit des Kindes stehen (--> gemeinsame Annäherung an „Silent Hill“ <--).

    Christopher, der Ehemann von Rose ist sehr skeptisch. Er beteiligt sich nicht an dem Dialog zwischen Mutter und Tochter sondern rät seiner Frau entschieden davon ab, mit Sharon solche tiefgehenden Gespräche über ihre Vergangenheit zu führen (--> Christopher ist nicht dabei, als Rose und Sharon sich im Auto auf den Weg nach „Silent Hill“ machen <--). Rose kümmert sich nicht darum. Sie will ihr Vorhaben unbedingt durchsetzen und scheut auch nicht davor zurück, dies allein anzugehen. Sie möchte ihre Tochter verstehen und widmet nun ihre ganze Zeit nur ihrer Tochter (--> Auf der Reise sind Sharon und Rose die ganze Zeit allein <--). Dass Rose ihren intensiven, ergründenden Kontakt mit ihrer Tochter ohne das Zutun ihres Mannes begründet, wirkt Widerständen von seiner Seite entgegen. Solange Rose mit Sharen allein ist, behält sie die Kontrolle. Niemand lenkt Sharon unnötig ab. Niemand bringt sie auf andere Gedanken. Christopher ist bereits vom Geschehen der beiden weit entfernt, da beginnt er Anstrengungen um die weitere Auseinandersetzung mit Sharons Innerstem zu stören (--> Christopher leistet Widerstand, als ihm klar wird, dass die beiden schon nahe an „Silent Hill“ sind, indem er die Kreditkarte von Rose sperren lässt <--). Doch Rose lässt sich nicht aufhalten, sie setzt auch gegen den Widerstand von Christopher unbeirrt fort.

    Rose kann den mit den Gesprächen und Aktionen aufkommenden Ängsten von Sharon bereits gut begegnen. So kommen sie mit ihrer Interaktion immer dichter an die kritischen seelischen Bereiche von Sharon heran. Die Anstrengungen, die sie bis hier her geführt haben, haben sehr viel Kraft gekostet. Um nicht irgendwann kraftlos liegen zu bleiben, legt Rose bewusst eine Pause zur Regeneration ein. Der Dialog zwischen Rose und Sharon erfährt eine notwendige Unterbrechung (--> Die Fahrt nach „Silent Hill“ wird unterbrochen, als der Wagen mit Kraftstoff aufgetankt werden muss <--). Genau in dieser Phase des Pausierens wird eine Therapeutin auf Sharon und Rose aufmerksam. Die Therapeutin nimmt, nachdem sie beide aus einiger Entfernung beobachtet hat, zunächst zu Sharon Kontakt auf. Sie wartet dafür einen Moment ab, in dem Rose nicht anwesend ist. Interessiert führt sie eine kleine Unterhaltung mit Sharon und wendet sich anschließend aufgrund ihrer Wahrnehmungen an Rose, der sie ihre Hilfe anbietet. Rose lehnt jedoch entschieden ab. Völlig unbeirrt und versehen mit neuer Kraft setzt Rose den Dialog mit ihrer Adoptivtochter fort (--> Auf der Tankstelle nähert sich eine Polizistin mit einem Polizeimotorrad, die den Umgang zwischen Rose und Sharon aus einer gewissen Entfernung heraus beobachtet. Sie trägt eine Polizeimotorrad-Uniform und ist durch ihre Montur kaum zu erkennen. Die Polizistin wirkt auch aufgrund ihrer langsamen Bewegungen sehr professionell und distanziert, insgesamt hat sie eine hoheitliche Erscheinung. Als Rose sich zum Bezahlen in die Tankstelle begibt, bleibt Sharon im Auto sitzen. Die Polizistin nähert sich Sharon sehr aufmerksam und kritisch und nimmt mit ein paar unverbindlichen Sätzen einen ersten Kontakt zu ihr auf. Als Rose wieder am Wagen erscheint, wird sie von der Polizistin gefragt: „Kann ich Ihnen helfen“? Rose lehnt ab und fährt mit Sharon unverzüglich und mit höherem Tempo als zuvor davon <--).

    Die Therapeutin bleibt an den beiden dran. Von nun an verfolgt sie das Miteinander zwischen Rose und Sharon sehr genau mit (--> Die Polizistin legt mit dem Motorrad hinter dem Wagen dieselbe Strecke zurück <--). Es dauert nicht lange, da greift sie Kraft der ihr gegebenen Autorität abermals in das Geschehen ein. Sie unterbricht den Dialog zwischen Mutter und Kind und will im Beisein von Sharon einige Fragen an Rose richten. Es geht ihr darum, die Motive und weiteren Absichten von Rose zu erfahren. Es geht ihr dabei um das Wohl von Sharon. Die Therapeutin will ermitteln, inwieweit Rose für ihre Tochter eine Gefahr darstellen könnte. (--> Die Polizistin stoppt den Wagen, und will eine Polizeikontrolle durchführen <--). Rose sieht in der Intervention der Therapeutin eine Gefährdung ihres Vorhabens. Spontan entschließt sie sich, der Therapeutin zu entwischen. Sie lässt sie einfach unbeachtet zurück. Wieder mit Sharon allein, arbeitet sie weiter daran, die Ängste von Sharon aufzubrechen. Beide nähern sich somit weiter den seelisch problembehafteten Gefilden des Kindes (--> Mitten in dem Gespräch mit der Polizistin gibt Rose kurz entschlossen Gas und rast davon. So entkommt sie der Polizistin und fährt mit hoher Geschwindigkeit die Straße entlang, in Richtung „Silent Hill“ <--). Es kommt zu einer Situation, da sie sich über ganz offensichtlich vorhandene Ängste ihres Kindes einfach hinweg setzt. Sie will sich konsequent und radikal den Ursachen des Leidens ihrer Adoptivtochter nähern. Sogar als Sharon angstvoll aufschreit und deutlich zurückschreckt, zieht Rose sie mit ihrem Einwirken auf das Kind immer weiter in Richtung der Quelle ihrer Probleme. (--> Als sich Rose und Sharon der Stadt „Silent Hill“ nähern, wirkt das Kind sehr verängstigt. Sie gelangen an einen Zaun, der die Zufahrt zur Stadt versperrt. Sharon sieht, was ihre Mutter vor hat und fordert sie schreiend auf, den Begrenzungszaun zur Stadt lieber nicht zu durchbrechen. Doch Rose lässt sich nicht abhalten und durchfährt mit dem Wagen den Zaun. Sharon befindet sich nun mit ihrer Mutter auf der für Zivilisten verbotenen Zufahrtstraße nach „Silent Hill“ <--).

    Nach dem radikalen Übergehen von Sharons offensichtlichen Ängsten wird es plötzlich ruhiger um sie und Rose. Die zurück liegenden Ereignisse haben eine so machtvolle Wirkung, dass beide in eine kurze Phase des Klarwerdens versinken. Sie schreiten nachdenklich voran, immer weiter in Richtung Sharons Wahrheit (--> Auf der Zufahrtsstraße nach „Silent Hill“ ist es nach dem Durchbrechen der Stadtbarriere recht still im Auto. Rose und Sharon wirken sehr nachdenklich und erschöpft <--). Der Kontakt zur Außenwelt bricht nach und nach ab. Die beiden geraten immer weiter in eine Welt, die nur noch aus ihnen selbst zu bestehen scheint. Die Ruhe hält jedoch nicht lange an. Je weiter sie in die tieferen Regionen der Psyche von Sharon vordringen, umso mehr begeben sie sich in eine Überforderungs-Situation. Dies mündet in einen plötzlichen Zustand von unerträglicher Reizüberflutung, was besonders Sharon panisch werden lässt. (--> Das leise vor sich hin spielende Autoradio verliert plötzlich seinen Empfang. Die gerade noch beruhigende Musik endet und wird durch ein extrem nervenstrapazierendes Störgeräusch ersetzt. Rose versucht verzweifelt das Radio abzustellen, es gelingt ihr aber nicht. So gerät Sharon in große Unruhe. Sie kann nicht mehr aufhören, panisch zu schreien <--). Aus dieser Panik heraus kommt den beiden plötzlich und nur ganz kurz Sharons Wahrheit so nahe, dass sie fast danach greifen können. Das Ausmaß der unerträglichen Wahrheit, die Sharon mit sich herum trägt, wird für Rose und Sharon einen Augenblick lang so deutlich sichtbar, dass beide in völliger Überforderung sämtliche Kontrolle verlieren und einen Zusammenbruch erleben. Rose verliert ihr Bewusstsein. Die kompromisslose Annäherung an Sharons Wahrheit stürzt sowohl Sharon als auch Rose in eine tiefe Krise (--> Plötzlich läuft ein kleines Mädchen, das Sharon sehr ähnlich sieht, vor das fahrende Auto. Rose weicht dem Mädchen aus und verliert dabei die Kontrolle über den Wagen. Es ereignet sich ein Unfall, bei dem beide das Bewusstsein verlieren <--). Der Kontakt zwischen Mutter und Kind bricht nun ab. Sharon versinkt in ihre Vergangenheit und ist in ihr gefangen. Sie ist dort für ihre Mutter nicht mehr erreichbar. Rose kommt nach einer Weile wieder zu Kräften (--> nach dem Unfall kommt Rose nach einer Weile der Ohnmacht wieder zu sich <--). Von diesem Moment an kann sie nicht mehr zu Sharon vordringen (--> Sharon ist nach dem Unfall spurlos verschwunden <--). Sie kommt zu der Einsicht, dass sie sich und das Kind schwer überfordert hat und dass dies ein Fehler war, der beiden den Eintritt in eine schwere psychische Krise eingebracht hat. Aus dieser Einsicht heraus nimmt sie wieder von sich aus Kontakt zu ihrem Mann Christopher auf, um ihm mitzuteilen, was passiert ist (--> Rose ruft noch am Unfallort Christopher an und berichtet ihm von dem Unfall. Sie sagt dass ihr Verhalten ein Fehler war <--). Rose weiß, dass sie den begangenen Fehler nicht rückgängig machen kann. Nach allem, was sie mit ihrer Tochter angestellt hat, gibt es keinen Weg zurück. Sie begreift, dass sie Sharon nun nur noch da wiederfinden kann, wo sie sie selbst hin gebracht hat und wo sie sich nun allein befindet: In ihrer schrecklichen Erinnerung, die so schrecklich ist, dass ein schlichter Dialog nicht mehr ausreichend ist, um sich mitzuteilen. Unter den nun gegebenen Umständen kann Rose ihrer Tochter nicht mehr so einfach folgen, sie kann sie nicht mal mehr sehen, verstehen. Rose stellt fest, dass alles das, was jetzt kommen muss noch viel mühsamer sein wird als das, was sie hinter sich haben. (--> Rose ahnt, dass sie Sharon nur in der Stadt „Silent Hill“ finden kann. Da das Auto nicht mehr anspringt, muss sie zu Fuß weiter gehen <--).

    Im weiteren Verlauf wird Rose durch dezente Hinweise ihrer Tochter und auch mit Hilfe ihrer eigenen Überlegungen immer weiter in die Zusammenhänge hinein gerissen, unter denen ihre Tochter so leidet (--> Der Schatten von Sharon führt Rose durch die verewunschene Stadt <--). Bald wird klar, dass Sharon voller Verdrängung ist (--> Rose bekommt mit Männern in Schutzkleidung zu tun, die ihr hinterher jagen und sie aus der Stadt bringen wollen. Zeitweise geben diese Männer ihr Vorhaben auf und ziehen sich zurück. Dann erschallt regelmäßig eine Sirene, woraufhin noch gravierendere Ereignisse und Zusammenhänge sichtbar werden. Surealistisch verwischte Szenerien und besonders entstellte, sehr kraftvoll aber verspannt wirkende Mutanten prägen dann das Bild und treiben ihr Unwesen. Rose wird von ihnen zum Teil auch angegriffen <--). Rose kämpft auch in den schwierigsten Phasen tapfer und mit vollem Einsatz ihrer Kräfte gegen die ebenfalls unermüdlich scheinenden Kräfte der Verdrängung an. Je besser sie dies tut, umso mehr erkennt sie die von ihrer Tochter verdrängten Inhalte. Sie benötigt dabei immer wieder die Unterstützung der sie mittlerweile begleitenden Therapeutin, ohne die sie es nicht schaffen würde (--> Die Polizistin rettet Rose davor, von einem schrecklichen, sehr machtvollen Dämon erwischt zu werden <--). Am Ende trifft Rose auf die Wahrheit (--> Alessa stellt sich Rose gegenüber als "die Wahrheit" vor. Rose nimmt sie daraufhin fest in ihre Arme, woraufhin Alessa in ihr verschwindet, in ihr auf geht <--), die ihr dazu verhilft, den letzten Rest Verdrängung vollends fallen zu lassen (--> Dadurch, dass Rose die von ihr erkämpfte Wahrheit ausspricht, setzt Verunsicherung von Christabella, der Schwester von Sharons leiblicher Mutter Dahlia ein. Auch deren Umfeld, das unter anderem aus den Männern mit den Schutzanzügen besteht, verliert sich nun in Irritationen <--). Ab dieser Phase wird die Therapeutin nicht mehr benötigt. Mit dem Wegfall von Sharons Verdrängung ist ihr Auftrag erfüllt (--> Die Polizistin wird bei lebendigem Leib verbrannt, als Christabella ihre Überzeugungskraft verliert <--). Am Ende kann Rose ihre Tochter verstehen. Beiden ist nun vollends klar, was das Kind vor der Adoption durchgemacht hat (--> Rose trifft Sharon wieder. Sie verlassen "Silet Hill" und fahren nach Hause <--). Nach alledem ist das Band zwischen Christopher und seiner Frau - aber auch zwischen Christopher und seiner Tochter Sharon zerrissen. Christopher kann, weil er bei der Ergründung von Sharons Wahrheit nicht dabei war, nichts von dem verstehen, was Sharon ausmacht. Sharon teilt ihre Wahrheit fortan allein mit ihrer Adoptivmutter Rose. Beide bleiben in dieser Hinsicht allein. Die Beziehung zwischen Rose und Christopher,aber auch die Beziehung zwischen Sharon und Christopher zerbricht an der Unfähigkeit zu verstehen (--> Sharon und Rose können, als sie zu Hause sind, Christopher nicht mehr sehen. Umgekehrt ist es bei Christopher, der Sharon und Rose nicht mehr sehen kann. Was bleibt ist nur ein leises Erahnen, dass der andere da ist <--).
    Geändert von Survivor (05.07.2009 um 19:49 Uhr)
    Ich glaube, die meisten Menschen suchen nichts Außergewöhnliches, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind süchtig nach allem, was gewöhnlich ist, um sich nicht umgewöhnen zu müssen.

  2. #2
    Flamme ist offline Krauseminze, Minze, krause
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    Hallo,

    ich habe mir jetzt zwar nicht die ganze Abhandlung zu dem Film Silent Hill durchgelesen, aber speziell zum ersten Absatz deines Textes muss ich einfach was sagen: Symbole gibt es in jeder Kunstform, so auch im Film - und schon lange bevor Silent Hill gedreht wurde. Die bloße Tatsache, dass Symbole darin verwendet werden, macht den Film nicht zu etwas Neuem, schon garnicht zu einer neuen Kunstform.

    Und was hat der Text eigentlich hier im Bereich Dramatik verloren?


    Sag nichts dagegen, gewiß, Du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist garnichts widerlegt. (F. Kafka - Das Schloß)

  3. #3
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    hallo Flamme,

    eine Autofahrt als Symbol für den Verlauf von Gesprächen; eine ganze Stadt als Symbol für einen Teil der Psyche, der man sich anhand von Gesprächen (Autofahrt) nähert; eine Polizistin als Symbol für eine Therapeutin - mit entsprechender Polizeiuniform als Symbol für die professionelle Distanz, die sie ablegt, als zur Rettung ihrer Klientin ihr ganzer Einsatz gefragt ist; Männer in Schutzanzügen als Symbol für die psychische Verdrängung; ein kleines Mädchen als Symbol für die Wahrheit usw.

    Hast du ein Beispiel für einen anderen Film, der in vergleichbarer Weise mit Symbolen arbeitet?

    Ich dachte mir nichts Schlechtes, als ich meinen Text in dieser Kategorie veröffentlichte.

    Lieben Gruß, Henrik
    Geändert von Survivor (12.07.2009 um 09:16 Uhr)
    Ich glaube, die meisten Menschen suchen nichts Außergewöhnliches, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind süchtig nach allem, was gewöhnlich ist, um sich nicht umgewöhnen zu müssen.

  4. #4
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    Hallo? Wie bereits erwähnt, JEDER Film arbeitet mit Symbolik, manche halt etwas subtiler als andere, und manche Betrachter benötigen vielleicht Dampfhammersymbolik, um das zu erkennen.

    Ah, Beispiele will er haben für Filme, die mit Symbolen arbeiten?

    Schon mal "Stay" angesehen?

    Oder "Dark City"?

    Einen beliebigen Film Noir?

    Oder vielleicht "Cypher"?

    Wie wäre es mit "Requiem for a Dream", vielleicht?

    Oder auch "The Fountain"?

    Soll ich weitermachen?

  5. #5
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    Hi Cronnos,

    einen davon kenne ich.

    Mit "Stay" (auch ein wie ich finde meisterhafter Film) wurden die Wahrnehmungen eines Menschen mit starker Bewusstseinstrübung verfilmt. Die Bewusstseinstrübung entstand durch die Verletzungen nach einem Verkehrsunfall. Der Bewusstseinsgetrübte, dessen Wahrnehmungen und Gedanken in dem Film gezeigt werden liegt fast bewustlos und blutend auf der Straße. Hier sehe ich in den gewählten Darstellungen aber keine Symbolik, die auf etwas ganz anderes anspielen soll. Ähnlich wie in "U-Turn" sieht der Betrachter den Alptraum, den ein Mensch gerade träumt.

    "Dark City" hab ich mal gesehen aber er hat mich gelangweilt. ich werde ihn mir aber jetzt noch einmal ansehen, ich glaube wir haben den im Regal.

    Die anderen von dir genannten Filme schaue ich mir bei Gelegenheit auch gern mal an.

    Gern kannst du mir noch weitere Filme nennen, die du für ähnlich symbolhaft hälst wie "Silent Hill".

    mfg Survivor
    Ich glaube, die meisten Menschen suchen nichts Außergewöhnliches, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind süchtig nach allem, was gewöhnlich ist, um sich nicht umgewöhnen zu müssen.

  6. #6
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    Wenn dir symbolträchtige Filme gefallen, empfehle ich dir einmal ein paar David Lynch Filme zu schauen
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  7. #7
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    Hallo Satchmo,

    ich kenne die meisten Filme von Lynch. Die gefallen mir alle sehr gut. In "Twin Peaks" wird einer jungen Frau nach und nach bewusst, wer sie sexuell missbraucht hat (nämlich ihn eigener Vater). In ihren Erinnerungen sieht sie als Missbraucher zunächst immer wieder eine andere Person. Dies ist aber kein Symbol für den Vater sondern ein bestimmter Stand der Verdrängung, so wie er in der Lebsnwirklichkeit vorkommt. Viele Missbrauchsopfer haben lebenslang Albträume, in denen sie von jemandem verfolgt werden, dessen Gesict sie nicht erkennen können. Hier sehe ich zwar dasselbe Thema wie in "Silent Hill", nämlich die menschliche Verdrängung. Das ist aber auch schon alles.

    In "Silent Hill" begeistert mich dass eine Autofahrt eigentlich eine Folge von Gesprächen ist, dass eine Polizistin eigentlich eine Therapeutin ist, dass die Verdrängung personifiziert wird (Männer mit Schutzanzügen) usw. Sowas (stilistisch) habe ich noch nie in einem anderen Film erlebt.

    Aber Lynch ist auch ein echter Könner, keine Frage.

    mfg survivor
    Ich glaube, die meisten Menschen suchen nichts Außergewöhnliches, sondern ganz im Gegenteil: Sie sind süchtig nach allem, was gewöhnlich ist, um sich nicht umgewöhnen zu müssen.

  8. #8
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    Stammt der Film "Sieben" nicht vom Lynch?

    Zitat Zitat von satchmo
    Wenn dir symbolträchtige Filme gefallen, empfehle ich dir einmal ein paar David Lynch Filme zu schauen
    Geändert von specialthanks (27.08.2009 um 21:52 Uhr)

  9. #9
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    Nein, bei "Se7en" führte David Fincher Regie.

    David Lynchs Filme sind (u.a.):
    The Elephant Man (1980)
    Dune (1984)
    Blue Velvet (1986)
    Wild at Heart (1990)
    Twin Peaks (Serie) (1992)
    Lost Highway (1997)
    The Straight Story (1999)
    Mulholland Drive (2001)
    Inland Empire (2006)
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  10. #10
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    Mir hat sich die Symbolik so nicht erschlossen. Ein Symbol sagt nur dem etwas, der es deuten kann. Die filmische Syntax folgt anderen Regeln als der Symbolismus der Psychologie, jedenfalls in Europa. (Asiatische Filme sind wesentlich symbolgeladener.)
    "Silent Hill" war damals für mich einfach nur ein ziemlich guter Horrorfilm mit wegweisenden Effekten.
    Es war irgendwo ein logischer Fehler, der mit dem Alter des anderen Mädchens zu tun hatte.
    Mir wäre jedenfalls nicht in den Sinn gekommen, das alles tiefenpsychologisch zu deuten. Das Mädchen spielt autistisch und nicht traumatisiert, (wobei hier eine Abgrenzung im Einzelfall für Laien schwierig sein kann, vor allem, wenn beides vorliegt).
    Für mich war es darum ein Spuk-Film. Mutter und Tochter sind am Ende tot und darum für den Vater "unsichtbar".
    In meiner Sicht war das Mädchen nie ein "Mensch", sondern immer nur ein "Geist", also ein mystisches Wesen. Geister wollen erlöst werden und ihre Geschichte erzählen. Dass die Mutter bei dem toten Kind bleibt und in die Geisterwelt eintritt, also stirbt, gibt es auch noch bei weiteren Spukfilmen.
    Weil man ein Mädchen nicht als Geist in eine Menschenfamilie schicken kann, haben die Auoren sich für ein autistisches Kind entschieden, damit es rätselhaft erscheint.
    Das Echo, das dieser Umstand der Gleichsetzung eines Untoten mit einem Autisten in der autistischen Community ausgelöst hat, kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass eine damalige Hilfsorganisation mit einem Video um Spenden geworben hat, in dem eine Mutter erzählt, dass sie sich wünscht, ihr Kind wäre tot.

    Ich konnte die ganze Debatte damals nicht ganz nachvollziehen, denn ich hielt und halte "Silent Hill" immer noch für einen guten Spukfilm, Autismus oder Trauma hin oder her. Das Mädchen ist geisterhaft und "nicht von dieser Welt".
    Insofern ist die Interpretation in dem Beitrag oben mal etwas völlig Neues und erweitert meine Sicht. Ich werde den Film noch mal ansehen unter diesen Gesichtspunkten, alles als Symbol einer "Trauma-Therapie" zu verstehen.
    Ich finde diesen Interpretationsansatz fast origineller als den Film selbst, aber wenn verschiedene Menschen so verschiedene Deutungen abgeben können, spricht das sehr für die Qualität des Films.
    LG

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