Thema: Windsbraut

  1. #1
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    Windsbraut


    Windsbraut

    Windsbraut, siehst Du in den Meereswogen,
    die wild um deine weißen Wangen schäumen,
    in jedem kleinen Tropfen einen Regenbogen,
    gefüllt mit farbenfrohen Träumen?
    Windsbraut, siehst Du in dem Schein der Sterne,
    der sich bei Nacht in kalten Wellen bricht,
    den trauten Leuchtturm in der Winterferne,
    mit seinem leitenden Laternenlicht?

    Windsbraut, spürst Du meine stillen Hände,
    sie sind wie Schiffe, deine Haut ihr Meer,
    bereisen dich vom Anfang bis zum Ende,
    im nimmermüden, sanften Seeverkehr…


    Geändert von Gegenwind (08.08.2009 um 08:15 Uhr)
    Mancher sucht den Sinn des Lebens
    Zeit desselben ganz vergebens,
    bis in ihm die Einsicht siegt,
    dass sein Sinn im Suchen liegt.

  2. #2
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    ein sehr schönes gedicht. das gefällt mir ganz besonders.
    gern gelesen.

    liebe grüße erika

  3. #3
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    Hallo Gegenwind, lieber Thomas,

    schön, dich wieder hier zu lesen! (Das impliziert, dass du mir schon gefehlt hast!) Mit deiner "Windsbraut" tu ich mir nicht ganz leicht - vielleicht, weil ich erst kürzlich, angeregt von Oskar Kokoschkas Gemälde, ein "Windsbraut-Gedicht" geschrieben habe und mich nicht so gut auf deine Bilder einstellen kann. Insgesamt erscheint mir die Windsbraut ein wenig "zahm", wenn du verstehst, was ich meine. Auch, worauf die Fragen an die Braut abzielen, ist mir nicht ganz klar. Sie sind wohl eher rhetorischer Natur, oder?
    Sehr schön und "anschmiegsam" die Regenbogen, gefüllt mit farbenfrohen Träumen - die wohl die Hoffnung auf eine glückliche (gemeinsame) Zukunft symbolisieren sollen, das Leuchtturmfeuer, das auch in dunklen Zeiten Orientierung (Halt, Heimat) geben soll, - die stillen Hände, die die Haut wie Schiffe das Meer bereisen... Alles sehr schön, gekonnt gereimt und gut bebildert, wie bei dir nicht anders zu erwarten war. Nur der Titel hat mich etwas in die Irre geführt, da hätt ich mir etwas Wilderes, ein wenig Kämpferisches vorgestellt...
    Auch rhythmisch fließt es ruhig dahin, nur der Wechsel vom Trochäus (V1) zum Jambus (V2) war für mich in S2 und S3 nicht ganz leicht zu lesen. In S1 war klar, dass "wild" betont werden muss, aber in S2 wollte ich "der" betonen, ebenso das "sie" in S3 - da stolpert man dann in der Folge. Ist nicht weiter schlimm, ich wollt's dir nur rückmelden, falls du da deinen LeserInnen etwas mehr Hlifestellung geben möchtest.

    Nach einer kurzen Phase der Um- und Einstellung auf dein Werk gern gelesen und kommentiert.

    Liebe Grüße,
    mona

  4. #4
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    Liebe Mona,

    wollen wir mein Lieblingswort "bedeutungsschwanger" verwenden?

    Dein leises Missbehagen kommt daher, dass Du in deinem Gedicht vermutlich eine bedeutungschwangerere (ok, eine Steigerung von schwanger gibts wohl nicht...) Version der Windsbraut thematisierst.

    Bei mir geht es, trotz des getragenen Tons, etwas trivialer zu:

    Im Prinzip muss man sich zwei an der Reling eines Schiffes stehend vorstellen - während er langsam die Führung übernimmt und den Leuchtturm (sinnbildlich für Sicherheitsmechanismen) überflüssig macht, weil das Vertrauen auf ihn übergeht. In S1 geht die Sonne unter (Hoffnung in den Wogen - gut gesehen!), in S2 ist die Sonne versunken, in S3 finden sie zusammen.

    Die Windsbraut ist weder einfach eine Braut, die im Wind steht, noch eine Form von Symbolfigur, sondern eine Frau, die das lyrische Ich als "Braut des Windes" sieht - entweder in dem Moment, weil sie im Wind stehend ein Bild der Harmonie abgibt, oder weil ihr Charakter danach ist (das kann offen bleiben).

    Ich hab mir Kokoschkas Bild mal angesehen - erstaunlich, wie es mich, bei allem Stilunterschied) an an Schieles Umarmung (hängt über meinem Bett) erinnert.

    Hast Du dein Gedicht hier schon veröffentlicht?

    Danke fürs Lesen und die wohlmeinende Antwort - ach ja...

    sonderbar, dass man "die" problemlos unbetont lassen will, während man ein "der" so gerne trochäisch machen möchte. Es gibt zwei Möglichkeiten es "jambisch" zu lesen:

    "der sich" (kurze Pause, schwungvoll gelesen, Betonung auf "sich")
    Der-SICH-bei-NACHT, oder

    mit etwas längerer Pause dazwischen, relativ starker Betongung auf "sich" und dann einer etwas längeren Pause:
    Der--SICH---bei-NACHT...

    Ich finde, beides geht ganz gut...

    Liebe Grüße - Thomas
    Mancher sucht den Sinn des Lebens
    Zeit desselben ganz vergebens,
    bis in ihm die Einsicht siegt,
    dass sein Sinn im Suchen liegt.

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