Thema: Ein Jahr

  1. #1
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    Ein Jahr

    Ein Jahr

    Es sprießen die Knospen, erwachen Gefühle, wenn
    Blicke ein Lächeln der Seele – annähernde
    Strahlen – zum Frühstück einladen und blinzeln dann,
    wie dieser flüchtige Eindruck nie wieder geht.

    Hitze lässt dir keinen Schatten in Mitten der
    sanften Berührung von Lust auf Massieren, bis feucht
    der Zenit deiner hellen Geschäftigkeit
    taumelt und plötzlich ein Schmetterling glücklich wird.

    Stürmisch – ich fall’ wie Laub in die letzte Wärme
    des bebenden Bettes und nackt ist die Freude im
    dämmernden Dunkel; durch Heimkehr erlösende
    Teilung der Zeit ist vorüber und nichts verrinnt.

    Weiß ist die Decke und leer das Befleckte, das
    Eins wird, unendlich empor schießt und still explodiert.
    Wir sind die Sterne, die schlaflos hell strahlen, wenn
    zweifelsfrei Feste zum Glück uns hier anketten.




    Ich hoffe mir kann jemand mal sagen, was an diesem Gedicht schlecht ist, leider habe ich nämlich niemanden sonst, der diese Aufgabe übernehmen möchte.
    Geändert von für_die_Liebe (04.12.2009 um 11:44 Uhr)
    © auf meine Worte. Danke.

    Von mir:
    Blütenregen; Ein Jahr; Streit; Langeweile; Irrtum; Winter

  2. #2
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    Hallo Du,

    ich bin kein Profi beim Gedichteschreiben und kann dir aus meiner sicht nur sagen, dass dein Gedicht "anders" ist als das, was man so kennt mit den ganzen Reimschemata usw. Aber dennoch gefällt es mir total gut, vor allem diese aussagekräftigen Wörter, die du benutzt, geben dem ganzen mehr Gewicht und Tiefe. Habs gern gelesen und wirklich keine Fehler gefunden!

    Lieben Gruß

  3. #3
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    Hallo sima,

    danke für den Kommentar. Ja, Fehler finde ich auch nicht, es ist eben die Wirkung, die mich interessiert. Als Verfasser empfinde ich mein Gedicht ja anders. Aber schön wenn es doch mit Tiefe rüberkommt - da habe ich drüber gezweifelt.

    Grüße fdL


    PS: Vielleicht könnte mal ein Profi, uns nicht-Profis mehr zu dem Gedicht sagen?
    © auf meine Worte. Danke.

    Von mir:
    Blütenregen; Ein Jahr; Streit; Langeweile; Irrtum; Winter

  4. #4
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    Hallo Liebe,

    Weil du an anderer Stelle darum gebeten hast, will ich dir ein Kommentar schreiben. Da du besonders die Metrik und die Bildebenen hervorgehoben hast, will ich mich darum im Genaueren kümmern. Was mir gefällt, ist, dass du dadurch, dass du auf den Endreim verzichtest, recht natürlich formulierst.

    Zitat Zitat von für_die_Liebe
    Ein Jahr
    Es sprießen die Knospen, erwachen Gefühle, wenn
    Blicke ein Lächeln der Seele – annähernde
    Strahlen – zum Frühstück einladen und blinzeln dann,
    wie dieser flüchtige Eindruck nie wieder geht.
    xXxxXxxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxx (oder XxxXxxXxXxxX)
    XxxXxXxXxXxx (oder XxxXxxXxxXxx --> man müsste hier einladen xXx betonen, wobei mir die Betonung Xxx natürlich vorkommt, daher die zwei Möglichkeiten)
    xXxXxxXxXxxX

    Die Metrik ist eigentlich sauber, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen.


    Inhalt: Es herrscht ein emotionaler Frühling: das LI entdeckt die Liebe und ist begeistert. Du verwendest hier Bilder aus der Natur: Frühling und Sonne.


    Zitat Zitat von für_die_Liebe
    Hitze lässt dir keinen Schatten in Mitten der
    sanften Berührung von Lust auf Massieren, bis feucht
    der Zenit deiner hellen Geschäftigkeit
    taumelt und plötzlich ein Schmetterling glücklich wird.
    XxXxXxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxxX
    xxX/XxXxxXxx (oder (xxXxxXxxXxx)
    XxxXxxXxxXxX

    V1 ist hier ein wenig zerrissen. Die Trochäen Xx erzeugen im Gegensatz zu den Daktylen einen gehetzen Klang. In V3 passt es, wenn man es wie meine zweiten Version betont. Wenn du hingegen deiner Xx betonst, ist es nicht so elegant. Ansonsen eigentlich in Ordnung.

    Inhalt: Die Beziehung wird intensiver. Du inszenierst das Körperliche. Mit dem beglückten Schmetterling mag ich mich noch nicht ganz so anfreunden. Was meinst du? Mit Schmetterlinge verweist du vermutlich auf die Redewendung "Schmetterlinge im Bauch", also auf das Verliebtsein. Andererseits komme ich vom Gedanken einer Schwangerschaft auch nicht ganz los.

    Von den Bildebenen her übernimmst du Bilder aus der Natur (Schmetterlinge). Man könnte auch meinen, dass du die Strahlen (Sonne) aus S1 mit der Hitze in S2 weiterbearbeitest. Ansonsten mischt sich auch noch das Körperliche hinzu.

    Zitat Zitat von für_die_Liebe
    Stürmisch – ich fall’ wie Laub in die letzte Wärme
    des bebenden Bettes und nackt ist die Freude im
    dämmernden Dunkel; durch Heimkehr erlösende
    Teilung der Zeit ist vorüber und nichts verrinnt.
    XxxXxXxxXxXx
    xXxxXxxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxX

    Prinzipiell recht sauber. Einzelne Trochäen innerhalb eines Verses stören mich nicht. Alliterationen in V2 und V3 fallen auf. Das "bebende Bett" ist nicht nur klanglich ganz interessant, sondern auch stilistisch.

    Inhalt: Auch hier wird das Körperliche betont. Du verwendest wiederum Bilder aus der Natur, nämlich mit dem Laub. Die Wärme könnte man wiederum auf die Hitze aus S2 beziehen.

    Zitat Zitat von für_die_Liebe
    Weiß ist die Decke und leer das Befleckte, das
    Eins wird, unendlich empor schießt und still explodiert.
    Wir sind die Sterne, die schlaflos hell strahlen, wenn
    zweifelsfrei Feste zum Glück uns hier anketten.
    XxxXxxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxxX
    XxxXxxXxxXxx
    XxxXxxXxxXxx

    Sauber!

    Inhalt: Mit V1 und V2 fange ich nicht viel an, um ehrlich zu sein. Beschreibst du den Geschlechtsakt?
    In V3 wird klar, dass die Nacht gleichsam zum Tag wird. Das LI und das LD erleben Freuden. Das "anketten" ist mir auch nicht ganz klar. Willst du mir helfen?




    Die Metrik ist bis auf wenige Ausnahmen passend, allerdings empfehle ich dir, dass du dir jene anschaust. Inhaltlich wird recht schnell klar, dass du eine Liebesbeziehung mit dem Fokus auf das Körperliche beschreibst. Eigentlich ist das Gedicht ganz in Ordnung

    LG,
    anti-maXces
    Geändert von MisterNightFury (18.12.2009 um 12:33 Uhr)

  5. #5
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    Hallo maxCes,

    erst einmal vielen Dank dafür, dass du dich mit meinem Gedicht befasst hast.

    Ja, ich habe es auch garnicht erst versucht, mit Endreim zu schreiben, weil ich oft eher wenig kreativ beim Reimworte-finden bin und ich mir so keine Sorgen darum machen muss. Interpretativ könnte das auch die Verbindung unterstützen.

    S1:
    V2: Hier habe ich es mir nach deinem ersten Schema gedacht: XxxXxxXxxXxx
    V3: Hm, "einladen" nach Xxx zu betonen klingt wirklich natürlicher, das habe ich nicht bemerkt - es war xXx gemeint. Naja, kann man denke ich überlesen.

    Inhalt: Mir persönlich gefällt diese Strophe am besten, da hier der Inhalt am deutlichsten wird, ohne platt zu klingen. Frühling stimmt, verlieben stimmt auch. Sonne ... eigentlich schon, war aber nicht beabsichtigt (vielleicht könnte man das als Überleitung zu S2 sehen).

    S2:
    V1: XxxXxxXxxXxx war intendiert, aber das scheint wirklich zu zwanghaft ein Daktylus sein zu wollen. Schade.
    V3: Deine Version in Klammern war auch die meine. Aus inhaltlichen Gründen habe ich das feucht noch in V2 gelassen, ich meine gelesen zu haben, dass so eine Splittung vom Metrum/Vers machbar sei!?

    Inhalt: Ja, nach dem Verlieben, wird es nun etwas fleischlicher.
    Schwangerschaft?... Hm, das fällt mir schwer zu sehen, weiß dich also auch nicht anders davon abzubringen, als dich in deinem ersten Gedanken zu bestärken: Es ist wirklich nicht mehr gemeint gewesen als Verliebtheit zum Ausdruck zu bringen, speziell bei einer Begegnung. Liebe auf den ersten Blick, zum Beispiel, das würde "plötzlich" "Schmetterlinge" im Bauch hervorrufen und den Betroffenen "glücklich" machen, der hier also gleichzeitig der Schmetterling selbst sein müsste um 'auf Wolke sieben zu schweben/fliegen'. Ist nicht ganz logisch, wenn man darüber nachdenkt, aber mir gefiel der Ausdruck...
    Die Hitze steht hier für den Sommer, als Weiterführung des Frühlings aus S1.

    S3:
    V1: Hier habe ich versucht absichtlich, das Metrum eher unsauber zu gestalten, um dem "Stürmisch" ein Bild zu verleihen, aber es ist mir erstaunlich schlecht gelungen, finde ich, weil man den Rest des Verses recht flexibel betonen kann. Kommt es denn rüber?
    V2: Angedeutet durch das "bebende Bett" und "nackt ist die Freude", soll es hier konkret um Sex gehen. Der Übergang/Zusammenhang zu V3/4 ist dabei auf der Strecke geblieben, finde ich.

    Inhalt: "Laub" und "letzte Wärme" sollen hier für den Herbst stehen.

    S4:
    Ach, man merkt wohl, dass ich mich mit der letzten Strophe am schwersten tat, daran wie wenig sie das bisherige auflöst.
    Aber deine Vermutung ist richtig, in V1/2 wird das Ende des Geschlechtsaktes dargestellt.
    Hm, dass die Nacht zum Tag wird, war garnicht so gedacht, ist aber auch schön. Die hellen Strahlen sollten mehr nur auf S1 verweisen - in dem Sinne wie ein Paar, das sich nach dem Sex so leidenschaftlich verliebt anschaut, wie das Feuer bei ihrer ersten Begegnung brannte.
    "anketten"... irgendwie gefiel mir dieses fast verwirrende letzte Wort, und es verwirrt wirklich, wenn man nicht weiß, worum es in dem Vers geht. Vielleicht verwirrt es noch etwas mehr, wenn man weiß worum es geht. Aber es ist wohl schlecht rübergebracht, wenn man es nicht deuten kann, weil es zu eindeutig ist. Es soll hier um die Heirat des Paares gehen. Hochzeits-"Feste", "zweifelsfrei", weil man sich des Schrittes sicher ist, "zum Glück" soll es beitragen, bzw verhelfen, vielleicht zum ewigen, denn Ketten lösen sich nicht von selbst und die zwei Eheringe sind auf manchen Bildern schon verschlungen wie Kettenglieder - anketten soll also nicht so negativ sein, wie man es normalerweise denken würde, sondern eher nur die Festigkeit und Unendlichkeit darstellen.



    Naja, es war nicht so sehr meine Absicht den Fokus auf das Körperliche zu legen, das es so endet, ist wohl nicht so tragisch, schließlich steht es so da, und nicht wie ich es mir gedacht habe, sonst hätte ich es anders machen müssen.
    Danke soweit für deine Mühe.

    [gelöscht]

    Also noch einmal vielen Dank für deine Kritik,
    liebe Grüße
    fdL
    Geändert von für_die_Liebe (29.01.2011 um 00:21 Uhr)
    © auf meine Worte. Danke.

    Von mir:
    Blütenregen; Ein Jahr; Streit; Langeweile; Irrtum; Winter

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