"...schenk' Deinem Navi zu Weihnachten doch mal einen Satz neue Karten." "Quark - der ist doch erst zwei Jahre alt! Der tut noch." Die Diskussion auf den Frontsitzen füllt zusammen mit den fünf Insassen das Wageninnere bis zum Platzen. "Habt ihr da hinten euch bald mal sortiert?" "Klar. Mittlerweile geht sogar die Tür zu!" Vorsichtig verlagere ich mein Gewicht auf die andere Seite. "Geht das so?" "Mhm." "Ok, das wäre geklärt - nun zum nächsten Punkt: der linker Arm. Der Einfachheit halber lege ich ihn auf der Oberseite der Rückenlehne ab. "Auch ok?" "Alles ok." "Nein, da geht es nicht durch - und da wollen wir auch nicht hin" "Wo wollen wir denn hin? Wie hieß der Laden doch gleich noch mal?" "Ezechiels." "Hm, wie biblisch." "Das bliebe noch zu prüfen. Probiere es mal da vorne links." "Wie weit noch?" "In echt oder laut Navi?" "Spar's Dir." "Hätte mal geschätzt, dass es 5 km sind, so 8-12 Minuten." "Man wird sehen."
Ok, so weit, so gut. Man sitzt hier definitiv etwas beengt. Also, Lage: rechte Hand? Reicht grad noch zum Ablegen auf das linke Bein. Ok. Prüfung nach Durchführung: Liegt schön weich. Weich? Hallo, richtiges Bein? "Äh, entschuldige - irgendwie ist das hier doch arg eng." "Das macht nix." Immerhin, sie lächelt. Ok, Mutprobe - Hand einfach mal liegenlassen. "HEEEEEE! LINKS!" "Navi sagt aber rechts." "Dein Navi gurkt aber in irgendwelchen Welten rum, die nichts mit der Realität hier zu tun haben." "Ach was." "Mann, wenn Du hier noch ewig rumeierst, können wir gleich im Auto übernachten - es ist immerhin schon nach halb zwei." Einschlafen. Gutes Stichwort, mein linker Arm kribbelt schon. Visueller Check: kein Spielraum mehr vorhanden. Hm. Ok. Check rechte Hand: Liegt immer noch auf rechtem Bein. Prima. Status linker Arm: kribbelt. Egal. Muss sein. "Hmmm!" Ok, Operation gelungen, Patientin kuschelt. "Ich hab einfach keinen Platz da oben..." "Macht nix, Du störst nicht!" Fein. Unerwartet, aber fein. "Mann, so wird das nie was!" Stimmt. Frage ist bloß, was es überhaupt werden soll. Mal abwarten. "Wie lange dauert das noch?" "Keine Ahnung - 10 Minuten?" 10 Minuten. Zeit für eine Bestandsaufnahme. Es ist 01:35 Uhr, wir sitzen zu fünft in einem Kleinwagen und ich habe meinen linken Arm um die Schultern meiner Kollegin gelegt und meine rechte Hand liegt auf ihrem Oberschenkel. Eigentlich gar nicht so schlecht. Und Gratisbeigaben gibt’s auch noch. Olfaktorische, netter Art. "Du riechst sehr lecker!" "So?" Spöttisches Lächeln. Harmlos. Nein, halt, da ist auf einmal eine Hand an meinem linken Knie. Bis zur nächsten Straßenlaterne. Dann ist sie wieder weg. Hmpf. So, du Feigling, jetzt trau Dich. Rechte Hand? Ja, genau die. Bitte flach auflegen. Und ein bisschen hin- und herbewegen. Ja, genau so. Reaktion? Keine? "Habt ihr eigentlich überhaupt Platz da hinten?" "Geht so." "Naja, ist ja nicht mehr lang." Lang? Moment, Reaktion? Reaktion! Drückt sie etwa Ihr Bein an meines? Und warum muss es hier um diese Uhrzeit eigentlich so hell sein? Welche Optionen gibt’s noch? Linke Hand? Ist da noch Platz? Nein. Nichts in Reichweite. Also. Rechte Hand? Ja? Flach bleiben und etwas nach vorne rutschen. Sich dabei den Geländekontouren anpassen. "HOLLA!" "Was denn?" "Baustelle! Hier geht’s nicht weiter." "Mist, wie kommen wir hier weg?" "Aussenrum!" "OK, versuch Dein Glück!" Ihre Oberschenkel schließen sich um meine Hand. Sie zieht ihre Ledermappe höher und legt sie auf meinen Handrücken ab. Hm. Ok, zumindest mal kein Protest. Zeigefinger rechts: vorsichtiges Sondieren marsch! Plötzlich kitzeln Haare in meinem Ohr "Sag mal, Du bist mir ja ein Frechdachs!" "Stört es Dich?" Lachen. Hm. Tolle Aussage. Naja. Wie war das mit ‚Nicht getadelt ist genug gelobt?’ Oh, Moment - neue Entwicklung. Ihre Hand bewegt sich unter der Ledermappe nach oben rechts. "Ist das Dein Handy?" "Hmmmnö, das hab ich in der Innentasche!" "Soso." Ok, Angriff! Rechte Hand bitte der Geländeformation nach oben folgen! Oben angekommen bitte erkunden und Bericht. "Du BIST ein Frechdachs!" Ihre Beine öffnen sich kurz, nur um sich gleich wieder zu schließen. Ok, Bericht unnötig. Weitermachen. "Bin ich da richtig?" Wiederum ein Lachen. Und ein kleiner Seufzer. Ok, auf der Grundlage: rechter Zeigefinger: Du weißt, was Du zu tun hast. "Wenn Das kein Handy ist - ist es dann Deine Kamera da in Deiner Tasche?" Vorsichtige Finger tasten meinen Schoß ab. "Du findest sicher gleich noch raus, was das ist!" Ihre Hand streichelt das unbekannte Objekt. Sehr schön. Wohlig schließe ich meine Augen. "Hey, Ihr zwei da!" Zeit für einen nervösen Hüpfer zwischendurch. "Was denn?" "Ihr sollt nicht einpennen." Hm, Schlafen hätte was, aber ein? Nein. Aktuell eher nicht. "Nein, nein, keine Gefahr im Moment - bin hellwach!" "Das sah aber eben anders aus. Und die da guckt auch schon ganz waidwund!" Woran das wohl liegen mag...? "Konzentriere Dich lieber auf die Strecke - sonst fahren wir hier noch die ganze Nacht herum." Was eigentlich auch nicht ganz verkehrt wäre - das muss der aber nicht unbedingt wissen. Ok. Was machen wir jetzt? Rechte Hand: Etwas höher und Lagebericht bitte. Schauen wir mal, wo wir da noch so alles hinkommen... "Hey!" "Hm?" Fragend sehe ich sie an. Es lächelt wieder. Ok, also höher. Winterjacken sind schon was Praktisches. Höher. Mist. Panzerung. Ich weiß schon, warum ich keine Push-Ups mag. Nunja, dann eben Rückzug. Obwohl - vielleicht noch mal ein Stückchen weiter unten vorbei streichen... Momentchen, wo war das doch gleich... "Hmmm!" Ok, da war der Punkt. Dann jetzt Rückzug. "Hey, jetzt nicht aufhören, ok?" "Magst Du das?" "Mhm." Wieder kitzeln Haare mein Gesicht und ihr Duft steigt mir verführerisch in die Nase während sie sich anschmiegt. So langsam wird’s dann doch richtig gemütlich. "Hey, jetzt guck doch mal da!" "Was denn?" "Da vorne!" "Oh, da ist der Laden ja. Und sogar ein Parkplatz direkt davor." Na, welch ein Glück...
Beim Aussteigen spüre ich ihren Atem in meiner Ohrmuschel. "Sag, in welchem Hotel bist Du doch gleich untergebracht?" Hm, mir scheint, die Nacht ist noch jünger, als ich es bislang angenommen hatte...