1. #1
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    Wie die Musen vom Helikon nach Parnass kamen

    Dem Gebirge Helikon
    überragte ein Balkon,
    worauf mit Flötenklang,
    ne zarte Muse sang,
    über schmerzende Triebe,
    der unerfüllten Liebe.
    Sehnsüchtig und ungeküsst
    stand sie am Balkongerüst.

    Im Tal des Helikons drang es im Echochor
    an des Zyklopens Ohr
    Zyklopen waren nur mit einem Auge versehn,
    wie auch dieser, namens Polyphem,
    der wie immer vom Wein abgefüllt war.
    Vom Gesang wurde er der Liebe gewahr.
    Er ließ von seinem Morgenmahl,
    dem Fleisch einer ausgeweideten Ziege
    und folgte feuchtem Auges
    dem Gesang der Liebe.

    Von der Liebe getroffen,
    und vom Wein besoffen
    bestieg er den Berg seiner Liebsten
    deren Töne nur noch heißer piepsten,
    kein Wunder nach drei Tagen Gesang.
    .
    Auf dem zehnten Meter angelangt,
    wurde dem Zyklopen bang.
    Polyphem hatte sich verstiegen.
    Stundenlang war er quer gestiegen.
    Dem Einäugigen fehlte das räumliche Sehen.
    Nach kurzem tiefen verschnauben,
    korrigierte er sein Versehen

    Langsam drückten die vergorenen Trauben,
    und ließen sich schwerlich tragen,.
    im weit überfüllten Magen
    Der Darm beschwert entließ ein paar Plagen.
    Woraufhin, Polyphems Spur entlang,
    folgte ein unerträglicher Gestank.

    Nach Tagen erreichte Polyhpem den Gipfel vom gewaltigen Helikon
    Mit seinem übergroßen Kürbiskopf durchbrach er den Musenbalkon.
    Die Muse erschrak und erstarrte vor seinem hässlichen Antlitz
    und floh in den Musentempel als göttlicher Blitz.
    Der Unglückliche schrie heraus seine Triebe
    doch die Muse begehrte nicht seine Liebe.
    ..

    Polyphem fühlte sich seiner ersten Liebe betrogen.
    Vom Liebesschwindel oder vom Suff gewogen,
    vollführte er einen traurigen Gipfelsturz,
    dabei entließ er einen letzten Furz.
    Mit gebrochenen Arm
    und entleerten Darm,
    lag er in der Quelle der Hippokrene.
    Was für eine Tragödie piepste Melpomene,
    so hieß die ungeküsste Kleine.

    Polyphem kam wieder auf die Beine
    Wonach er nach Sizilien reiste,
    wo er auf bekannter Weise,
    ein paar Verirrte verspeiste,
    Odysseus ihm dafür einen Baum ins Auge trieb,
    doch sein Gestank am Helikon, der blieb.

    Vom stinkenden Helikon flohen die Musen,
    per Airline, auf neun Pegasusen
    Zeus erstellte den ersten Reisepass
    und Apollon führte sie zum Parnass.
    Geändert von Erbse (20.03.2010 um 00:56 Uhr)

  2. #2
    n.eurofighter Guest
    Hallo Erbse,
    ist ja mächtig lang, aber gut.
    Ab...mit seinem übergroßen Kürbiskopf durchbrach er den Musenbalkon,...war mein Lachkoller im Anmarsch und ließ sich nicht mehr unterdrücken,


    lieben Gruß
    n.eurofighter

  3. #3
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    Hallo,neurofighter,

    Es freut mich, dass das Gedicht gefällt.

    Ich danke und herzlichen Gruss
    Erbse
    Geändert von Erbse (18.03.2010 um 11:03 Uhr)

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