Thema: ein Haar

  1. #1
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    ein Haar

    ein Haar

    Auf meiner Decke treibt ein Haar,
    erzählt von unsrer ersten Nacht.
    Die Luft war warm und sternenklar.
    Es ruht im Meer und schaukelt sacht.


    Aus meinem Laken klingt ein Haar.
    Als ich dich wie die Geige hielt,
    bot es sich mir als Saite dar.
    Ich habe leis auf ihr gespielt.


    Auf meinem Kissen schwebt ein Haar.
    Als Fragezeichen ruht es da.
    Nach einem Traum, der Antwort war,
    verheißt es mehr, als je geschah.
    Geändert von Gegenwind (16.03.2010 um 12:10 Uhr)
    Mancher sucht den Sinn des Lebens
    Zeit desselben ganz vergebens,
    bis in ihm die Einsicht siegt,
    dass sein Sinn im Suchen liegt.

  2. #2
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    Hallo ebannhe,

    ich unterscheide nicht großartig zwischen Haupt- und Nebenwerken und der moderne Zwang zur Originalität ist mir ein Grauen. Dieser unerträgliche Hang zu Wortwolpertingern wie "Weizenbiergeschlechtsorgane" ist der Tod der Klarheit in der Sprache.

    Ich möchte oft nur Stimmungen einfangen und versuche mein Ziel mit relativ einfachen Worten zu erreichen, wobei ich dabei ganz gerne etwas aufwändigere adjektivisch geprägte Sätze verwende.

    Zu den Bildern: schon mal das Meer betrachtet? Du wirst sehen, dass ein Blatt zugleich ruhen und schaukeln kann, weil die Wellen schaukeln, während der Gegenstand durch die Oberflächenspannung gehalten wird.

    Da die Assoziationen meine eigenen sind, kann ich dir auch versichern, dass derlei Impressionen möglich sind, wenn man entsprechend gestimmt ist.

    Hast Du noch nie eine Frau wie eine Geige gehalten? Ich könnte dir das jetzt quasi archichtektonisch beschreiben, wie dieses Halten aussieht, wenn beide Partner auf liebender Augenhöhe sind, aber dennoch Weiblichkeit und Männlichkeit in ihren unterschiedlichen Dimensionen zulassen können. Aber das solltest Du selbst ergründen - es ist eine seelisch erquickende Erfahrung, vor allem, wenn man es ohne Klamotten tut.

    In meinem Profil steht: "Ich bin Alltagslyriker aus Überzeugung" und dazu stehe ich auch. Mir ist zuviel Prätention eher unlieb und ich versuche immer ein bisschen down to earth zu bleiben, obwohl mir manchmal auch das Fabulierfabelgetier durchgehen kann.

    Deshalb kann ich deine Kritik auch theoretisch in gewisser Weise annehmen, muss sie aber deshalb persönlich abweisen, weil sie meiner erklärten Intention zuwiderläuft.

    Die Südseenacht ist mir selbst ein bisschen "viel", ein bisschen zu dick geschminkt. Ich dachte ich müsste das Meer in Z2 schon einführen, damit es in Z4 nicht "in der Luft hängt" (ich bitte das nicht zu visualieren) werde das aber ändern.

    Danke für deine offenen Worte und meine Bitte um Nachsicht für die meinen -
    liebe Grüße, Thomas

    P.S. ich gebe zu: mir ist Maschas Kaleko lieber, als Gottfried Benn...
    Geändert von Gegenwind (16.03.2010 um 12:11 Uhr)
    Mancher sucht den Sinn des Lebens
    Zeit desselben ganz vergebens,
    bis in ihm die Einsicht siegt,
    dass sein Sinn im Suchen liegt.

  3. #3
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    Hallo Gegenwind,
    mich hat dein Gedicht berührt. Es ist genau so wie du schreibst. Deine Reime sind schlüssig und weben ein sicheres Netz für den Leser aus dem er bis zum Schluss nicht hinaus fällt. Mir gefällt, dass du in jedem Vers ein Bild verwendest und hierbei bleibst. Auch ist die Kernaussage jedes Verses chronologisch schlüssig: Kontext - Handlung - "Nachbeben".
    Du siehst mich sehr erfreut.

    LG amanda

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