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    Unhappy KURGESCHICHTE: Diese eine Nacht - when heaven turns

    KUZRGESCHICHTE: Diese eine Nacht - When heaven turns

    Ich legte mich in mein Bett, deckte mich langsam zu, in der Hoffnung wenigstens etwas Wärme zu spüren. Ich lag, eingehüllt in meiner Decke, einfach nur da, starrte sinnlos ins Leere, wollte Tränen weinen wie Meere. Die erste Tränen fand ihren Weg, doch dann ging die Tür auf – es waren meine Eltern und ich bemerkte, dass es um mich herum plötzlich kälter wurde. Ich zog die Decke über den Kopf, ich war einfach weg, für keinen zu sehen – ich versteckte mich, mein wahres Ich. Die Tür ging wieder zu, ich war wieder allein – ein vertrautes Gefühl. Ich blieb unter der Decke, krallte mich an ihr fast, um wenigstens etwas Halt zu finden. Tränen rannten auf meinen Wangen entlang, auf das Kissen und trockneten dort ungesehen – von niemanden bemerkt und doch von allen ausgelöst. Meine Decke umgab mich wie ein Schutzschild – es war dunkel, ich war allein, wollte einfach nur noch schreien, doch die Schreie verhallten ungehört im Nichts – in mir drin. Ich kroch wieder hervor, denn ich bekam unter der Decke so ein beengendes Gefühl – so als ob eine Last auf mir liegen würde und mich unter sich begraben wollen würde. Meine Blicke schweiften zum Fenster und sahen, wie die Äste des Baumes gegen die Scheibe peitschten. Ich hörte den Wind pfeifen, so als würde er meinen Namen nennen und mich verspotten. Ich stand auf, machte das Rollo runter – kein Blick, kein Licht..., nichts sollte bis zu mir vordringen, niemand sollte mich so sehen – ich wusste genau, es war wieder soweit, ich würde mich wieder den ganzen Abend quälen mit Gedanken, die mich innerlich so verletzen, als würde jemand ein Messer nehmen, langsam in mich hineinstecken und es in mir drehen. Ich setzte mich in die Mitte meines Zimmers, es war auf einmal so riesen groß – trostlos, leblos. Egal wo ich hinsah, überall stand etwas herum, was ich mir mal in meinem Leben gewünscht habe – jedes einzelne Geschenk, ein verzweifelter Versuch begangene Fehler ungeschehen zu machen, doch jeder Gegenstand hatte seine eigene Geschichte zu erzählen. Aber warum wurden mir nur niemals meine wirklich wichtigen Wünsche erfüllt? – Liebe, Geborgenheit, ein Gefühl von Sicherheit und einfach nur, dass ich jemand anderen ein Gedanken wert bin?!
    Wieder stand ich auf und mich überkam nur ein Gedanke „Lauf! Lauf! Lauf so schnell du kannst!“ – doch wohin sollte ich laufen? Verzweiflung machte sich in mir breit, jegliches Gefühl von Trauer war weg. Ich lag nun auf dem Boden, raufte mir das Haare, riss schon fast dran, und wandte meinen Körper von einer Seite zu anderen. Wieder waren Tränen in meinen Augen – Tränen der Wut. In solchen Augenblicken war sonst mein bester Freund für mich da – doch als ob mir nicht schon genug fehlen würde, wurde auch er mir grundlos genommen, mit jungen Jahren aus dem Leben gerissen, ohne auch nur einen einzigen Menschen vorzuwarnen. Ich schaute sein Foto an, was da voller Liebe hing, beruhigte mich etwas, saß mich an meinen Schreibtisch und redete mit ihm, schüttet ihm mein Herz aus – doch nichts kam zurück. Es war still, so still das man verrückt werden konnte. Eine geballte Ladung Hass stieg in mir auf, ich stand auf, der Stuhl kippte hinter mir um, ich schlug mit meiner Faust voller Wucht gegen die Wand, Schmerzen, Tränen, doch keine Schreie - ich beschwerte mich nicht, ich ertrug alles freiwillig, wie auch den Rest in meinem Leben. Ich riss das Foto von der Wand und zerfetzte es in viele kleine Stücke...
    Als mir dann klar wurde, dass Menschen die ich liebte weit weg oder gar für immer unerreichbar waren, lehnte ich mich an die Wand und sank an ihr zu Boden. Wieder war es soweit – der Griff zum Rucksack, der Griff ins Portemonnaie. Dort holte ich ein Tütchen mit gelblich-weißen Pulver heraus. Ich schüttete einwenig davon auf den Spiegel, den ich neben meinem Bett hab liegen sehen. Ich nahm mir eine Karte und machte aus dem Häufchen eine Line – sollte ich es tun, den Schritt in die Flucht? Zögernd nahm ich das Röhrchen aus dem Rucksack, sah wie es funkelte, direkt in mein Auge, so als ob es mich warnen wollte. Ich beugte mich über den Spiegel und zog die Hälfte meiner Bahn mit einem Nasenloch, die andere Hälfte mit dem anderen. Als der Spiegel wieder sauber war sah ich in ihn hinein – sah statt meinem Spiegelbild ein kleines Mädchen, dass sich ängstlich an ihrem Teddy festhielt, weil viele Hände an ihr und ihrem Bärchen zogen – sie hin und her rissen, ohne Sinn und ohne Verstand. Jeder wollte seinen Willen durchsetzen und niemand fragte das Mädchen, wo es denn eigentlich hinwollte. Ich kniff die Augen zu, schüttelte den Kopf und merkte zugleich, dass meine Beine immer leichter wurden, meine Arme anfingen zu kribbeln, mich kurz ein Gefühl von Übelkeit überkam und letzten Endes das leichte, aber zufriedene Grinsen in meinem Gesicht – es war wie eine Maske, unecht und aufgesetzt, doch es kam automatisch. Meine Gedanken änderten sich schlagartig – mir wurde alles egal, mir war egal, was mit war, meine Gedanken verschwanden, alles verdrängt. Am liebsten hätte ich in diesem Augenblick all meine Freunde umarmt und ihnen gesagt, wie gern ich sie doch hab – aber konnte das stimmen, wo doch kurz zuvor noch Tränen flossen, Unsicherheit und Angst mich beherrschten, von einigen von ihnen ausgelöst.
    Das schöne Gefühl hielt nicht lange an – nach nur kurzer Zeit war alles vorbei, wie so oft im Leben auch. Ich setzte mich auf mein Bett, zog die Beine an mich heran und legte den Kopf auf meine Kniee. Plötzlich stand das kleine Mädchen vor mir, dass ich zuvor im Spiegel gesehen hab. Es kam zu mir ans Bett, drängte mir förmlich ihren Teddy auf und sagte „Hier, damit du nicht mehr weinen musst!“ – ich hielt das Bärchen fest, ganz fest an mein Herz, ich klammerte mich schon fast dran. Weiter fragte sie, ob ich wüsste wer sie ist. Sie setzte sich zu mir aufs Bett und streichelte mir über den Kopf und bevor ich was sagen konnte sprach sie weiter „Erkennst du mich nicht? Sieh mal tief in dich hinein, du warst mal ich – ich bin der Teil deines Lebens, den du versäumt hast zu leben, weil du anfingst alles für andere zu geben. Sie nur, was du hast mit dir machen lassen – deine kindliche, verletzte Seele, immer noch von Angst vor dem allein sein gefangen gehalten, eingesperrt in eine Hülle aus Glas mit vielen Rissen und Splittern. So werde ich als erwachsene Frau sein? Was ist nur mit dir passiert?“. Ich schaute das Mädchen an und bemerkte, dass sie immer blasser wurde und bevor sie ganz verschwand zeigte sie auf den Spiegel und sagte „Sie genau hin...!“ – ich hatte diese Befehle satt, wieso konnte niemand mich entscheiden lassen? Ich nahm vor lauter Frust den Spiegel und schmiss ihn gegen die Wand – er zerfiel in viele kleine Teile, jedes sah anders aus und doch war jedes einzelne eine Gefahr für sich, geformt von etwas anderen, genau wie ich. Das Mondlicht, was an der Seite des Rollos durch den Spalt drang spiegelte sich auf den Scherben – sie sahen so verlockend aus.
    Wieder griff ich zum Rucksack, wieder zog ich das Zeug in mich hinein – diesmal völlig wahllos, ich steckte meine Nase in das Häufchen und zog alles auf einmal. Ich zog mich an, nahm mein Schlüssel und rannte los – ich rannte einfach los, ohne zu wissen wohin, zu wem oder warum. Ich schlenderte, in Gedanken versunken, durch die Straßen, hörte mit dem Walkman, den ich mir vorher noch hastig schnappte, Musik und war innerlich total durcheinander – wusste nicht, was ich denken oder fühlen sollte, aber letztlich war mir sowie so alles egal. Ich bemerkte hinter mir nur noch, dass es immer schneller heller wurde und während ich mich umdrehte gab es einen dumpfen Knall – ich flog über die Motorhaube auf das Dach und fiel, nachdem ich auf den Kofferraum prallte, zu Boden. Ich lag völlig verrenkt, in mich verdreht, zusammengesackt, da. Ich schloss meine Augen, weil ich alles nur noch verschwommen und mit Verzögerung sah. Ich hörte Stimmen von zwei jungen Männern, total verzerrt mit Echo, Schritte die zu mir eilten – wieso machte sich zuvor nie einer so Sorgen um mich? Ich öffnete meine Augen wieder, völlig verdreht und immer wieder hastig zwinkernd, sah wie einer von den beiden Männern an mir rüttelte, aber ich fühlte nichts – keine Berührung, kein Schmerz, keine Warme Hand, die schützend und voller Angst um mich, an mir tastete – dieses Gefühl kannte ich doch nur zu gut und nun konnte ich es sogar sehen, ich hatte immer Recht. Ich merkte, dass meine Atemzüge immer kürzer und schwächer wurden – ich wollte doch nur warnen, soweit sollte es nie kommen, ich bekam Panik, wollte weglaufen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich drehte meine Kopf zur Seite und sah Glasscherben vom Auto dort liegen – ich sah tief in sie hinein, so wie es wenigstens einer mal hätte bei mir tun sollen, und sah dort den Teddy, der dem kleinen Mädchen gehörte, alleine sitzen. Er wurde von dem Scheinwerfer des Autos angestrahlt, so wie die Sonne sonst einen wärmt, doch plötzlich rannte einer von den beiden Männern dort lang und das Bärchen fiel einfach um, es lag dort völlig allein auf der Straßen, mit dem Gesicht in einer Pfütze – da wusste ich, dass es mir nicht mehr lange gut gehen wird. Auf einmal sah ich das kleine Mädchen auf mich zu kommen, es kniete sicher nieder, streichelte meinen Kopf und sagte „Du solltest genau hinsehen...“. Dort lag ich nun, wie ganz zu beginn, und wieder merkte keiner, wie allein ich doch bin. Mein Atem setzte ab und zu aus, ich drohte fast zu ersticken, weil ich immer etwas warmes, flüssiges aufstieß – es war mein Blut, was mir aus dem Mundwinkel floss. Mein Kopf, immer noch zur Seite der Scherben gedreht, sank nun ganz auf die Seite, die letzten Atemzüge, die ich machte, wurden merkbar kürzer und hastiger bis meine Augen sich langsam schlossen und alles schwarz wurde. Meine einzigen Gedanken, die ich hatte waren Überlegungen, ob jemand an meinem Grab stehen würde. Wer würde es sein? Würde diese Person um ich weinen? Wie soll es weitergehen? Was wird geschehen? Ist man im Stande, auch wenn man am Rande des Abgrunds steht, noch nach Hoffnung zu sehen?
    Am Grabe standen sie alle nun und wussten nicht, was sollten sie tun. Nichts, denn es kam alles zu spät – Reue, liebe Worte, Tränen der Verzweiflung, Kummer und Sorgen, die sie jetzt wegen mir hatten. Keiner hörte mich schreien, niemand sah meine Tränen, keiner kannte mein Kummer und meine Sorgen, ich konnte stets jedem mein Lächeln borgen – doch zurück bekam ich es nie und so verlor ich jedes mal ein Stück von mir selbst. Ich will mich nicht beschweren, ich hab es gerne anderen gegeben, um sie wieder glücklich zu machen – für mich stand fest, dass ich anderen immer alles geben werde und zum Schluss sogar mich selbst. Alle standen trauernd um mein Grab, doch nur das kleine Mädchen stand mit verschränkten Armen, bösem Blick und ernster Miene da, zeigte keinerlei Gefühlsregung und sagte „Ich habe es gewusste. Ich habe gesagt, seht genau hin!“
    everywhere commercial sound - my only escape is underground!

  2. #2
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