Thema: Der Soldat

  1. #1
    Registriert seit
    Jun 2003
    Ort
    Flechtorf
    Beiträge
    82

    Question Der Soldat

    Der Soldat

    Der Fuhrmann trällerte fröhlich ein Lied vom leben als armer Mann. Er drückte die Stake tief in den schlammigen Grund des Flusses und schob das Schiffchen langsam Richtung Ufer.
    Am Ufer wartete bereits eine Person, mit schwarzer Kutte. Die Kapuze der Kutte war riesig und lies keinen Blick auf das Gesicht zu.
    Als der Fuhrmann das Ufer erreicht hatte musterte er die dunkle Gestalt.
    „Wollt ihr zum anderen Ufer, Herr?“, fragte er.
    Die Gestalt nickte stumm.
    „Ich bezweifle nicht euer Wohlhaben, Herr, aber ihr müßt für die Überfahrt zahlen. Im Voraus, Herr.“ Der Fuhrmann zweifelte sehr wohl an dem Wohlhaben der Gestalt.
    Ein kleines Säckchen mit mehr als genug Silber Talern wurde dem Fuhrmann aus den weiten Ärmeln der Kutte zugeworfen.
    „Ihr sprecht wohl nicht viel, Herr?“, fragte er und winkte die Gestalt auf das kleine Schiff. „Das ist mir nur recht! So lange das Geld stimmt, bringe ich jeden rüber!“
    Der Beutel verschwand in der Tasche des Fuhrmanns und die Gestalt betrat das kleine Boot. Die Gestalt stand die kurze Fahrt über stets am Bug und blickte dem sich nähernden Ufer entgegen.
    Dort, am anderen Ufer, wartete bereits eine kleine Gruppe Menschen. Ein Soldat war darunter, die restlichen waren Bauern, Bäuerinnen und deren Mägde. Die Gestalt schien die Menge mit dem Blick abzusuchen und heftete seinen Blick schnell auf eine Person. Ungeduldig wartete die Gestalt darauf, dass das Boot endlich anlegen würde.
    Als sie das Ufer erreicht hatten, glitt die Gestalt fast geisterhaft schwebend von Bord und steuerte durch die Menge. Die verwirrten Menschen stoben auseinander, weil sie nicht wußten was jene Gestalt begehrte.
    Der Soldat riß sein Schwert empor und wollte sich der Gestalt stellen. Gerade als das Schwert seine Scheide verließ, tauchte auf zauberhafte Weise eine riesige Sense in den Händen der Gestalt auf. Die Sense war zum Schlag erhoben und der Soldat machte sich zum Kampf bereit, während die meisten anderen Menschen davon stoben und Schutz suchten.
    Der Soldat zögerte nicht und ließ das Schwert mehrmals auf die Gestalt niedergehen, jedes mal pariert von dem Schaft der Sense.
    Dann schoß die Sense nieder. Der Soldat schloß die Augen und bereitete sich darauf vor,. vor seinen Schöpfer zu treten.
    Aber als er seine Augen wieder öffnete, war er unversehrt und sah nur wie die Gestalt wieder auf die Fähre zu glitt.
    Er bemerkte, dass allen Menschen um ihm herum Furcht und Panik in den Augen standen. Dann sah er neben seinen Füßen den enthaupteten Leib eines alten Bauern liegen. Das Blut floß aus der offenen Kehle direkt in den Boden und färbte jenen tief rot. Der Kopf war von dem Schwung der Sense einige Meter weit geflogen und lag nun, in einer ebenso tief roten Lache, auf der staubigen Straße. Die toten Augen des Bauern blickten den Soldaten leer an.
    Die Gestalt erreichte den Fuhrmann.
    „Meine Aufgabe ist erfüllt!“, die geschlechtslose Stimme jagte jedem der sie hörte einen eisigen Schauer über den Rücken. „Bringt mich wieder ans andere Ufer, Fuhrmann, ich will euch dafür auch ebenso reichlich entlohnen wie für die erste Überfahrt!“
    Von jedem Menschen, sogar von dem Soldaten, hörte man nur ein furchtsames Wimmern, außer vom Fuhrmann.
    „So lang die Kasse stimmt!“, antworte dieser ungerührt und winkte die Gestalt heran.
    Die Sense war wieder aus den Händen der Gestalt verschwunden und der Bug wurde wieder ihr Aufenthaltsort bei der Überfahrt, während der Fuhrmann fröhlich pfeifend das Schiffchen vorantrieb.
    Die anderen Menschen beobachteten, wie die Fähre immer mehr Abstand gewann und bewunderten den Mut des Fuhrmanns, bezweifelten aber auch dessen Verstand.
    Die Fähre erreichte gerade die Mitte des Flusses, war fast schon außerhalb der Sicht der Menschen am Ufer, da schrie die Frau die das Schiff am besten sah.
    Die Gestalt hatte eine ruckartige Bewegung vollführt und die plötzlich wieder aufgetauchte Sense hatte den Kopf des Fuhrmanns sauber abgetrennt. Ein Platschen kündete, dass der Kopf im Fluß gelandet war und das darauf folgende lautere Platschen, dass der Leib dem Kopf gefolgt war.
    Die schwarze Gestalt blickte zum Ufer und die Menschen erlitten Todesängste, wegen denen jeder Schrie und das Weite suchte.
    Der Soldat blieb stehen, vor Panik wie festgewurzelt.
    Ohne die Augen der Gestalt zu sehen, wußte er das deren Blick auf ihm ruhte.
    Unverhofft fiel die Kutte in sich zusammen, ließ keinen Anschein einer körperlichen Präsenz zurück und die Fähre wurde vom Fluß mitgerissen.
    Der Soldat brach wimmernd zusammen.
    Die Seele schaut durch den Geist,
    dieser schaut durch Sie!
    Auch wenn die Seele unsichtbar ist sieht Sie allein das Licht!
    (von wem weiß ich nicht)

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2003
    Ort
    Flechtorf
    Beiträge
    82

    Red face Ein paar Worte zur Geschichte

    Vielleicht ist es ja ein wenig blutig geworde,
    aber als ich die Geschichte geschrieben hab
    war ich wahrscheinlich auch in einer solchen Stimmung
    Sagt mir ruhig eure Meinung dazu (auch wenn ihr sie zu brutal findet oder so), ich bin nämlich gar nicht so brutal
    Die Seele schaut durch den Geist,
    dieser schaut durch Sie!
    Auch wenn die Seele unsichtbar ist sieht Sie allein das Licht!
    (von wem weiß ich nicht)

  3. #3
    Registriert seit
    Jun 2003
    Beiträge
    77
    Hi Salo!

    Hab mir die Geschichte jetzt zum x-mal durchgelesen. Sie ist spannend und bilderreich geschrieben. Sie baut von Anfang an Spannung auf, aber: irgendwie versteh ich den Sinn nicht. Warum steht der Soldat im Mittelpunkt, obwohl er doch garnicht gemeint ist? Und was sagt der den Soldaten fixierende Blick am Ende der Geschichte aus?

    Gruß S.

    PS: Bin schon 44 Seiten durch Oberons Garten gewandelt

  4. #4
    Registriert seit
    Jun 2003
    Ort
    Flechtorf
    Beiträge
    82

    Talking

    Hi, Jakina

    Der Soldat- ist zwar die Überschrift, aber ich hätte genauso gut "der Fährmann" sagen können. Was vielleicht sogar passender gewessen wäre, aber hier wollt ich mit der Überschrift vom eigentlichen Thema ablenken. Wenn ichs zB "Gevater Tod" genannt hätte, hätte es ja auch gepaßt, aber mir macht es ein biserl Spaß den Leser erst in die Irre zu führen. Dann muß er sich auch damit beschäftigen, deswegen verwende ich in kürzeren Geschichten auch nur sehr wenig Namen und wenn recht "normale". Aber zurück zum Soldaten, der soll einen Konflikt darstellen: auf dem Schlachtfeld wird er jedesmal mit dem Tod konfrontiert, aber wenn er nicht im Kampf ist begegnet er ihm, auch wenn dieser gar nichts von ihm will, wird dadurch ihn erst bewußt wie knap er der "Sense ausgewichen ist", vielleicht erinnert er sich auch an die Stellen im Kampf wo er den Atem vom Tod im Nacken gespürt hat...
    Seine "neugeborene" Angst vorm Tod!

    Aber das eigentlich an solchen Geschichten, ist auch was der Leser sieht, das war jetzt nur ausgedrückt wie ich es mir gedacht habe.

    Und wie gefällt dir "Oberons Garten". Ziemlich abgefahren, oder? Hab mir Mühe gegeben, das ein wenig verworren darzustellen. Bist du schon dem Kind begenet?

    ps: Hier hab ich den Titel übrigens nach der Bar gewählt, in der Pascal sich mit dem Informanten trift, ich fand das eine schöne Andeutung auf das Mysteriöse der Geschichte war.
    Die Titel sind meistens das schwierigste an einer Geschichte für mich...

    greetz, der "alte Kanten ans Bein Labberer" Salo...

    [Geändert durch Salocin am 28-06-2003 um 15:48]
    Die Seele schaut durch den Geist,
    dieser schaut durch Sie!
    Auch wenn die Seele unsichtbar ist sieht Sie allein das Licht!
    (von wem weiß ich nicht)

  5. #5
    Registriert seit
    Jun 2003
    Beiträge
    77
    Hi Salo!

    Also das mit dem Irreführen in "Der Soldat" ist Dir gelungen. Läßt Platz für eigene Interpretationen und das gefällt!Die Idee von der"neugeborenen" Angst kommt meiner eigenen Interpretation auch am nächesten

    Dem Kind bin ich bisher nur kurz begegnet. Leider hab ich mir bisher nur die ersten 44 Seiten ausgedrückt und jetzt spinnt mein Drucker und am Bildschirm lesen mag ich bei dem Wetter nicht...lese also den 1. Part noch einmal durch. Zusagen ungewollte Spannungssteigerung...Finde die Idee mit dem Titel übrigens sehr gut! Soviel glaube ich schon einmal beurteilen zu können.

    Hab noch ein schönes Wochenende!

    S.

  6. #6
    Registriert seit
    Jun 2003
    Ort
    Flechtorf
    Beiträge
    82

    Talking

    Danke, Jakina.

    Das wünsch ich dir auch.

    Also viel Spaß und "Erfolg" beim lesen.

    ps: erzähl mir bei Gelegenheit wie du das Kind findest und vielleicht auch wie du es interpretieren würdest. Verrate nix.

    so long, el salo.
    Die Seele schaut durch den Geist,
    dieser schaut durch Sie!
    Auch wenn die Seele unsichtbar ist sieht Sie allein das Licht!
    (von wem weiß ich nicht)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Soldat
    Von Cobra im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 03.07.2008, 12:16
  2. Der Soldat
    Von PoeticJustice im Forum Gesellschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.11.2006, 11:57
  3. Soldat
    Von lalelu im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 23.08.2006, 12:02
  4. Soldat
    Von sCythe im Forum Experimentelle Lyrik
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 22.06.2006, 23:19
  5. Soldat
    Von NikolausJacob im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 21.06.2006, 18:03

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden