1. #1
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    Question Fremdes Selberfinden

    Verloren haben -
    .................................im Selberfinden

    das Herz verlegt -
    .................................ja nur ein Stück


    den Kopf geöffnet -
    ....................................mit Sand geflutet

    kleine Rädchen -
    .................................sie drehn sich nicht


    sie mahlen, bröseln -
    .......................................doch fürcht ich auch,
    ....................sie bluten.



    Sie versuchen mich -
    .......................................im Sturm zu binden


    Wolkennetze -
    .............................ganz rot zerpflückt


    an einem Ende -
    .................................so viel vermutet


    fernab von hier -
    ................................vom Tageslicht


    aufwachen, träumend -
    ..............................................mit kaltem Hauch,
    ......................verbluten.






    So mein erstes "Unwerk" nach langem Schweigen, mal schaun, was Ihr davon haltet...
    Liebe Grüße Alexa
    Geändert von fairy19 (24.10.2010 um 17:16 Uhr)
    Die neusten: Zerträumte Illusionen - Fremdes Selberfinden

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  2. #2
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    Liebe Alexa,

    an der Aufmachung würde ich ein bisschen arbeiten – sprich die Zeilen enger stellen. Durch die Masse an Umbrüchen – die gut sind – plus den großen Abständen nimmt das Werk für meinen Geschmack schlicht zu viel Raum ein.

    Der Ersteindruck gefällt mir – die Idee finde ich gut. Je mehr ich in die tiefe gucke, je öfter ich lese, fallen mir aber auch Unstimmigkeiten auf, die Du ggf. noch ein wenig ausmerzen könntest; die Behebung stelle ich mir am ehesten in Richtung „weniger ist mehr“ vor.

    Zum Einzelnen:
    Dein Einstieg ist sehr unbestimmt, schwebt recht ziellos im Raum; sicherlich, das passt zu der Stimmung des Werkes, denn letztendlich scheint das lI derzeit ein wenig hilflos in einem Schwebezustand zu hängen; aber vielleicht ist da zu viel des guten? Denn es wäre ein großer Unterschied, ob nun „alle“ verloren haben, oder eben im speziellen das lI, und ob dieses sich verloren hat oder etwas. Die nächste Zeile ließe in der Verbindung das „etwas verloren haben“ anklingen, da das verlegte Herz ins Spiel kommt. Mir persönlich gefiele aber im Sinnschluss besser das sich verloren haben; ‚hab mich verloren’ vielleicht sogar?

    Auch in der zweiten Passsage ist es etwas schwierig: Ein stückweit verlegt, ein Stück des Herzens (nur) verlegt, während der Rest noch da ist und gut funktioniert, oder gar nur das eine (Stück) Herz (keiner hat zwei)? Ich weiß auch nicht, ob diese Milderung (nur) in der Tat hier sein soll, denn die Situationsbeschreibung wird eigentlich bitterer und dunkler. Ich tendiere fast dazu, zu raten die Stückzeile ganz wegzulassen; das bringt in der Tat erst einmal den Aufbau durcheinander, kann aber ggf. diesen auch positiv beeinflussen:

    „Den Kopf geöffnet“ gefällt mir als Bild nicht so ganz – letztendlich geht es hier mehr (so verstehe ich es zumindest) mehr um ein gefühlsbetont handelndes und verlorenes Ich, denn um eines, das verstandesgemäß falsche Entscheidungen getroffen hat. Das „mit Sand geflutet“ gefällt mir umso mehr und eigentlich würde ich hier verknappend die vier Zeilen zusammenziehen: ‚Das Herz geöffnet – mit Sand geflutet’ denn so träfe mich das Bild innerlich.

    Bei den nächsten vier Zeilen gibt es wieder ein Problem: „Sie drehn sich nicht“ widerspricht dem „mahlen, bröseln“, denn letzteres können sie nur in Bewegung. Entweder machst Du aus dem „nicht“ ein „kaum“, oder Du streichst/ersetzt das mit dem Drehen, vielleicht indem noch etwas wie „schwerfällig“, „zermürbend“ „quälend“ „mühsam“ eingefügt wird.

    Bis dahin komme ich inhaltlich und stimmungsmässig gut mit, dann aber „Sie versuchen mich – im Sturm zu binden“: Den Sturm kann ich nicht einsortieren; im Gegenteil, sollte ich den Ist-Zustand der vorhergehenden Strophen beschreiben, wäre ich eher bei Windstille, Stillstand, bedrückendem Nicht-Sein. Und dass die Rädchen das im Sturm bindende Element sein sollen, verstehe ich ad hoc auch nicht. Brauchst Du die Zeile?

    Die Wolkennetze finde ich mit ihrer roten Zerpflückung ganz phantastisch! Und auch ansonsten baut sich ab hier der Text für mich absolut stimmig auf. Gut finde ich auch die Wandlung vom bluten zum verbluten als Climax. Mit diesem Ausklang vermag der Text viel Nachhall zu hinterlassen.

    Ich bleib dabei: Im Rundblick gelungen.

    Sei umärmelt
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  3. #3
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    Hallo Alexa,

    den Rat mit den Leerzeilen würde ich mir zu Herzen nehmen - es verliert eher an Stimmung, als das der leere Raum Assoziationen ermöglicht.

    Das Gedicht hat, auch ohne, dass man es versteht, eine schöne Atmosphäre und liest sich angenehm rund.

    Inhaltlich tu ich mich mit verschlüsselten Sachen immer etwas schwer - ich finde, Gedichte sind eine Form von Kommunikation - und die sollte eine gewisse Klarheit aufweisen.
    Gut - manch einer hat eine Art Haute-Couture-Anspruch. Die Klamotten kann ja auch nicht jeder tragen - es sind oft reine Kunstobjekte.

    Wollen mal sehen: Die Rädchen bluten? Sie mahlen, aber sie drehen sich nicht? Ich vermute, Du willst ein ganz bestimmtes Gefühl ausdrücken, oder einen Gefühlskomplex, findest aber nicht die rechten Worte. Welchen Sinn hat es sich mitzuteilen, wenn man die Mitteilung unverständlich lässt?

    Das Herz verlegt... Hast Du es verloren, oder bewusst an einen anderen Platz getan? Beide Bedeutungen sind möglich.

    Die Rädchen versuchen dich im Sturm zu binden???

    Liebe Alexa,

    leider bin ich für diese Form nicht geschaffen - oder diese Form nicht für mich -
    sage keiner, ich hätte es nicht versucht...

    Liebe Grüße, Thomas
    Mancher sucht den Sinn des Lebens
    Zeit desselben ganz vergebens,
    bis in ihm die Einsicht siegt,
    dass sein Sinn im Suchen liegt.

  4. #4
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    Hallo Nina,

    fühel dich als erstes ganz doll gknuddelt,
    vielen vielen Dank für deine ausführliche Kritik, ich werde mir davon noch einiges zu Herzen nehmen und das Gedicht nochmal überarbeiten.

    Für mich war das Gefühl, des lyr. Ichs in dem Gedicht am wichtigsten und mir ist gar nicht aufgefallen, das ich dort ein paar Logikfehler drinnen hab. Durch deine ausführliche Kritik, für die ich dir sehr dankbar bin, weiß ich nun, das ich hier die Ecken nochmal ausbügeln sollte. Vielen Dank Nina, vorallem zeigt es mir aber, das es noch Sinn hat zu Schreiben, denn nach dem Schreiben dieses Werkes, war ich mir sehr unschlüssig, ob ich nicht lieber die "Schreifeder" irgendwo besser verstecken sollte. So seh ich Hoffnung ^^

    Die Zeilenumbrüche waren so nur halb gewollt, ich habe es mit der Formatierung einfach nicht hinbekommen und es zwangweise so eingestellt, aber ihr habt beide Recht, das die zu großen Abstände, dem Gedicht nicht wirklich gut tun, ich habe auch schon an die Mod´s die Frage gestellt, wie ich das besser hinbekomme.

    Lieber Thomas,

    im Grunde hast du das Gedicht doch verstanden, denn du hast die Verwirrung verstanden, das Caos, das das lyr. Ich im Moment empfindet, vielleicht hab ich es einfach noch nicht gut genug ausgedrückt, aber ich denke es gibt einfach Gefühle, die nicht schwarz oder weiß sind, sondern viele Nuancen haben, die es schwierig machen, genau das Gefühl, das man meint, zu beschreiben. Wenn du aber die Verwirrung gespürt hast, dann hat das Gedicht in meinen Augen genau das getan, was es sollte ein Gefühl wiedergeben.
    Vor allem aber vielen Dank, das du dir die Mühe des Kommentars und Lesen gemacht hast.


    Liebe Grüße
    Alexa
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