Thema: Naturforscher

  1. #1
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    Naturforscher

    Nach langer Abwesenheit, stelle ich stolz ein Stück vor, dessen fertigstellung noch in Arbeit ist. Aber um auch alles richtig zu machen, wollte ich schonmal die "Beta-Phase" laufen lassen, um verbesserungsvorschläge zumachen. Vorweg noch ich bin Legastheniker und brauche keine Kommentare, die mich darauf Hinweisen.
    Mein schlechter Elementarbereich ist mir bekannt.
    Meine Deutschlehrerin meinte zum Thema "Theater-Stück", ich solle bei den Kurzgeschichten bleiben und zum Thema Kurzgeschichten, ich solle lieber Stücke schreiben. Das hier ist ein Stück und ich hoffe das dieser Stil gefällt.
    Legende:
    [In Klammer geschriebene Texte sind Bühnenanweisungen.]
    Kursiv geschrieben Texte sind Aktionen der Schauspieler auf der Bühne.
    Texte ohne "Anführungszeichen" sind für den Leser gedacht.

    Viel Spaß nun mit dem Anfang von dem Stück "Naturforscher" (Arbeitstitel)
    Der Titel lautet mittlerweile : "Illenau4"

    Prolog:

    Naturforscher :
    "Kalt. Dunkel. Kalt.
    Es war kalt. Es war dunkel und es war kalt.
    Das Land war einöde,kein Blatt bewegte sich im Wind.
    Kein Baum schunkelte umher, es konnte keiner sprießen
    ohne das Sonnenlicht oder den Regen. Und er schwitzte.
    Es war so kalt, wie in dem Land aus Eis und Schnee.
    Aber hier gab es kein Eis, und keinen Schnee, keine Berge und
    Täler, keine Flüsse und keine Bäume. Es war dunkel.
    Die Unterwelt ist kein schöner Ort, wird vielerorts gesagt.
    Sie ist nicht schön, aber sie ist nicht hässlich.
    Sie ist nicht. Sie ist. Sie ist dunkel und so kalt, der Geruch
    von verwittertem Holz, Käfern und flüsternder Erde.
    Es war nichts anderes zu hören als das donnernde flüstern der Erde.
    Wurzeln wuchsen lautstark mit einem Paukenschlag,
    Samen sprengten ihre Hülle und verschwendeten ihren kostbaren Inhalt.
    Meine Herren, gestatten mich vorzustellen.[tritt schritt vor]
    Man nennt mich Forscher, was mich zu einem gebildeten Mann macht.
    Würde man mich nicht so nennen, nannte man mich schon einen Bettler,
    so wäre ich kein gebildeter Mann. Welches Phänomen ich hier beschrieben habe
    ist eine gut gestellte frage von gebildeten Menschen. Ich beschrieb,
    wie es ist, fälschlich begraben worden zusein."

    Begrabener:
    "So kalt, so dunkel, so kalt!
    Ich ertrinke in dieser Kälte.
    Aber wenn ich schon sterbe, möchte ich wenigstens etwas sehen!
    Licht bitte!"
    [Kleiner Spot auf Begrabenen, Rest bleibt dunkel]

    Szene 1:

    Eine Irrenanstallt. Ein dunkler, abgelenger Ort. Der Protagonist schläf nicht mehr.
    Er erwacht, aber sieht nicht. Es ist schwarz. Er ist immernoch im Sarg. Er schreit.

    Eine Pflegerin eilt in den Schlafsaal.
    [Pflegerin kommt]

    Pflegerin:
    "Aber, aber mein Lieber Herr Röhmer. Alles ist gut, sie sind nicht begraben.
    Sie haben ja nur ihre Bettdecke über dem Kopf."

    Begrabener:
    "Nein! Ich erfriere es ist so kalt hier unter der Erde!"

    Pflegerin:
    "Nein! Sie erfrieren nicht. Sehen Sie, sie halten die Bettdecke ja sogar fest.
    So lassen Sie doch los und ich werde Sie aus ihrer Erde herraus graben."

    Nach einem kurzen gerangel befreit sie ihn von seiner Decke und bindet diese am Bett fest.
    Dann zieht sie die Riemen an seinem Bett fest.

    Begrabener
    "Aber es ist ja noch immer dunkel und kalt ist es auch noch!"


    Pflegerin:
    "Sie haben ja auch das Fenster offen gelassen mein Lieber
    und im Dunkeln schläft es sich besser."

    Begrabener:
    "Ich schlief? Wenn ich mir die Frage erlauben dürfte:
    Wann schlief ich und wie lange?"

    Pflegerin:
    "Sie schliefen um 7Uhr ein, wie jeden Abend und jetzt ist es 11:30.
    Sie hatten einen Albtraum mein Lieber und schrien, deshalb weckte ich sie.
    Schlafen Sie wohl Herr Röhmer und lassen sie die Decke dort! Sie ziehen ja schon wieder daran."

    Herr Röhmer:
    "Und die politischen Unruhen? Sind die Menschen auf den Straßen, geht es diesen anderen Menschen gut?"

    Pflegerin:
    "Es gibt keine politischen Unruhen, schlafen sie jetzt. Endlich!"

    Das Geräusch der Schritte der Frau entfent sich stetig, bis für einen kurzen Moment eine Pause in das klackern eintritt. Das Zufallen der Tür und die Schritte entfernen sich jetzt gefämpft.
    [Klackern der Schuhe hallen lassen]
    [Spott aus]

    Szene 3:

    Naturforscher:
    "Am 24 Februar 1876 spielte ein Orchester zu der Uraufführung, eines dramatischen Gedichts ein Lied. Dieses Lied dröhnt nun aus den Lautsprechern der Irrenanstallt, als die Sonne sich im Takt erhebt. Das Lied steigert sich proportional zu dem Licht das in den Raum fällt.
    Das gesamte Orchester beginnt mit einem wahnwitzigem Wettstreit, wer am lautesten spielen kann.
    Die Melodie steigert sich immer mehr und die Musik ist so impulsiv, dass sie greifbar ist genauso wie das Licht, dass durch jenes Fenster hereingeflogen kommt, sich ausbreitet und nicht mehr in den Raum tropft. Es ergießt sich eine Sprengflut aus Licht und Tönen. Der Raum enthält schon keinen Sauerstoff mehr, nur noch Geigen, Flöten,Sterne, Fackeln und Sonnen erfüllen den Raum.
    Der Protagonist greift nach ihnen, er strampelt und versucht sie zu fangen. Er merkt er erstickt, es fehlt ja die Luft. Er würgt und röchelt, strampelt und hechelt. Ganz hinten im Raum, da geht die Tür zum Universum auf. Dort liegt die Ruhe und Kälte des Unendlichen, dort hinten. Ein Raumschiff kommt hereingeflogen, und präsentiert sich diesem Gotteszimmer."

    Der Pfleger stellt das Radio ab und zieht die Gardinen ein Stück zu.

    Pfleger:
    "Guten Morgen Herr Röhmer. Scheinbar haben Sie wohl letzte Nacht wieder schlecht geschlafen?
    Die schwester erzählte es mir soeben und hier liegen Sie und strampeln und schreien. Brauchen Sie irgendwas, soll ich den Herrn Doktor rufen?"

    Herr Röhmer:
    "Nein vielen Dank, es war bloß diese Musik und das viele Licht, es hat mir einfach den Atem verschlagen, keine Luft Sie verstehen? Die ganzen Töne nehmen einem den Sauerstoff förmlich aus der Lunge. Und mein schreien war nur ein natürlicher Schutzmechanismus. Wie Sie sicher wissen bin ich auch Arzt und habe meinen Doktor in Medizin und weiß sehr gut, dass mein schreien die Situation im Raum für mich eher verschlechtert hat, da ich dadurch den letzten Sauerstoff hier verbrauchte. Aber sie sind jetzt hier und ein offenes Fenster würde eine frische Brise hineintragen, wenn sie also so gütig wären und mich losbinden."


    Pfleger:
    "Ein netter versuch Herr Röhmer, aber Ihre Medikamente muss ich Ihnen trotzdem schon jetzt verabreichen, sonst laufen Sie uns wieder davon. Und als Mediziner wissen Sie schließlich,
    wie wichtig Arzneimittel für Ihre Genesung sind."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Gut dann jagen Sie mir die Mischung mal rein, aber schnell, ich merke nämlich wie die Luft wieder Knapp wird!"

    Der Pfleger versogt den Patienten mit Spritzen und Pillen, öffnet dann die Riemen am Bett und lässten den Patienten frei.

    Herr Dr. Röhmer:
    "Wunderbar, wie geht es den anderen Patienten? Sind alle wohlauf?"

    Pfleger:
    "Alle sind wohlauf Herr Röhmer. Wenn Sie möchten geleite ich Sie zum Frühstück."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Auch hier ein angebrachtes "Nein Danke mein Herr", eine Person mit Doktortitel schafft es gerade noch alleine zum Morgenessen. Gehen Sie irgendwelche Verrückten belästigen und lassen Sie mich endlich in Ruhe!"

    [Pfleger ab]

    Szene 4:

    [Neue Kulisse: Die Kantine, ein großer klinischer Saal mit mehreren gleich aussehenden Stühlen und Tischen. Am Ende ein Tresen mit Fließband.]

    Das Personal seiner Klinik saß dort auf den Stühlen und manche auf den Tischen und sie alle warteten auf das Morgenessen. Wiedereinmal schüttelte er nur den Kopf über jene die auf dem Boden oder den Tischen saßen, wie unzivilisiert.

    Herr Dr. Röhmer:
    "Und meine Herren wie geht es Ihnen? Ich hoffe Sie hatten eine angenehme Nacht, irgendwelche Vorkommnisse mit dem Patienten?"

    Patient1
    "Es wurden wieder welche abgeholt. Sind in einer anderen Anstalt."

    Patient 2:
    "Seit die Bösem immer näher kommen, verfrachten sie uns, damit wir keine Staatsgeheimnisse erzählen, aber ich, ja ich weiß von dem Weltraumprogramm. Die ersten deutschen Schäferhunde sind dort oben und sie Jagen die Wolken!"

    Patient 3:
    "Endlich sind diese Krüppel weg! Ja weg müssen wir alle. Genau wie ich. Diese Irrenanstalt muss gesäubert werden, genau wie die Straßen gesäubert werden, wie ein Juwelier seine Diamanten putzt und verwelkte Glassteine wegwirft. Ist es das was ihr hören wollt? Kann ich jetzt gehen? Eure Gehirnwäsche hat funktioniert."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Aber so beruhige er sich doch. Meine Herren, wir haben für heute unseren Patienten gefunden und er heißt Patient 3, wohnhaft in Gang Nr.4. Es hat diesen, unseren armen Menschen in unsere Klinik verschlagen, weil er krank, ist stimmt doch Patient 3."

    Patient 3:
    "Ich, ich bin nicht krank! Ich bin nur Irre."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Also was haben Sie denn für eine Störung? Sie scheinen eine innere Wut augestaut zu haben."

    Patient 3:
    "Innere Wut. Sind Sie denn genauso Irre wie ich? Meine Störung ist, dass ich gesagt habe unser System sei schwächlig und dann haben sie mir gesagt ich hätte kein Vertrauen!"

    Herr Dr. Röhmer:
    "Also doch angestaute Wut in verbindum mit Hypochondrie? Pfleger 2 bitten Sie Patient 3 doch, sich zu setzen."

    Patient 2 greift Patient 3 unter die Arme und zerrt ihn auf einen Stuhl

    Pfleger 2:
    "Setzen Sie sich doch hin, der Doktor wird ihnen schon helfen."

    Patient 3:
    "Aber ich sitze ja schon, Sie zerrten mich doch soeben auf den Stuhl!"

    Herr Dr. Röhmer:
    "Der Patient zeigt anzeichen von schlechtem Kurzzeitgedächtnis."

    Patient 3:
    "Wunderbar jetzt sitze ich vor einem irren Arzt in einer Irrenanstalt und werde des Irreseins bezichtigt! Transportiert mich doch bitte gleich wie die anderen ab! Pfleger, so kommen Sie schon, ich will in eine andere Anstallt."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Und mit welcher Begründung beantragen Sie ihre Verlegung?"

    Patient 3:
    "Na endlich da kommt ja der Pfleger.
    [Pfleger kommt]
    Mein lieber Herr, ich landete in dieser Anstalt, weil ich sagte,
    das es nicht Rechtens sein kann, Irre und Bekloppte zu behandeln wie Tiere, sie zu verschicken wie Packete und vollzustopfen mit ungetesten Medikamenten. Ich revidiere diese Aussage. Sie müssen verschickt und Vollgepumpt werden. Kaum einen Tag in dieser Heilanstalt, werde ich ja noch verrückt gemacht."

    Pfleger:
    "Schön zu sehen das ihre Medikamente schon am ersten Tag anschlagen, Patient 3.
    Mit etwas Glück müssen Sie garnicht in eine andere Anstalt, sondern wir kriegen Sie vorher schon Gesund. Sie haben schon eingesehn, das Sie vorher falsch geredet haben und schauen Sie sich an,
    Sie reden fast schon wie ein richtiger Mensch!"

    Patient 3:
    "Ich bin ein richtiger Mensch! Und ich bin auch Gesund!"

    Pfleger:
    "Nein, nein, nein Sie haben doch selbst gesagt, dass sie kein richtiger Mensch sind
    und das Sie krank waren haben sie doch auch eingestanden. Obwohl Sie ihre Aussage revidiert haben, glaube ich ein oder Zwei Wochen in unserer Heilanstalt, werden Sie schon auf die richtige Gesinnung bringen."

    Patient 3:
    "Zwei Wochen? In zwei Wochen wollen Sie die Gesinnung eines Menschen ändern können?"

    Pfleger:
    "Nun, bei einigen dauert es natürlich länger, da muss man schon mal ein paar Jahre warten, aber sie
    haben ja heute schon mit dem Prozess der Heilung begonnen und ein bisschen Initiative gezeigt, da kann man gerne optimistische Schätzungen treffen. Oh meine Herren, das Band geht an, guten Appetit"

    [Pfleger Ab]
    Auf dem Band fahren Teller und Besteck hervor. Auf ebendiesen befindet sich jeweils eine Portion.
    Es sieht aus wie Labskaus. Nur ist es braun. Es stecken noch Knochen darin.

    Herr Dr. Röhmer:
    "Ach wie schön, ein tolles Morgenessen, das beste der gesamten Woche."

    Patient 3:
    "Das beste Essen der gesamten Woche? Da ist es im Gefängnis ja besser."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Nun dann sollten sie anfangen, sich einzugestehen, dass sie verrückt sind, damit wir ihre Symptome behandeln und die Ursachen bekämpfen können. Guten Appetit."

    [Licht aus]

    Szene 5:

    Kleine weiße Vierecke. Viele kleine weiße Vierecke. Der quadratische Raum besteht aus 4 quadratischen Wänden mit vielen kleinen, weißen Quadraten. Eigentlich recht gemütlich.
    Kein Fenster stört diese symetrische Perfektion. Eine kleine, flackernde Glühbirne sorgt für fast schon nostalgische Stimmung. Kein Möbelstück steht faul auf dem Boden. Kein Straßenlärm fährt durch die Gummizelle. Nur das knistern der Glühbirne. Nur das heulen verlorener Seelen.
    Sie kratzen an den Wänden, heulen und johlen. Machne fiepen wie Tiere andere schreien Steine aus den Wänden, die sich zu einem Turm aus Ekel und Wahn türmen.

    Mehrere Gummizellen stehen nebeineinander. In jeder ein Patient. Vor den Zellen stehen Pfleger und Pflegerin.

    Patient 3 (laut):
    "Meine Güte, jetzt ist aber mal genug! Sie schreien jetzt seit 50minuten und irgendwann brauchen sie doch eine Pause! He, jetzt hört alle auf zu schreien. Na, kommen sie schon, ist doch nicht so schlimm, es wird alles gut!."

    Pfleger:
    "Was macht der Patient 3 denn jetzt?"

    Pfegerin:
    "Er sitzt auf dem Boden, hält sich die Ohren zu und spricht mit sich selbst."

    Pfleger:
    "Nachdem er bei der Therapiesitzung heute vormittag immernoch behauptete gesund zusein, hielt ich es für besser ihn einzusperren. Sie verstehen, wegen eventueller Schizophrenie.

    Patient 3:
    "Ich bitte sie nur um eine Minute, eine klitze kleine Sekunde ihrer wervollen Brüllzeit.
    Seit zwei Stunde geht das schon so. Ein normaler Mensch würde doch vor Anstrengung schon aufgegeben haben.!

    Pflegerin:
    "Auf jedenfall die beste Entscheidung. Sie sehen, sein Zustand hat sich nur verschlechtert seit er hier angekommen ist."

    Stille. Nur noch die Glühbirne knistert.

    Patient 3:
    "Danke, oh lieber Herr dankeschön! Ich danke dem Personal und den Sternen. Zwar habe ich Mitleid mit einem solch armen Geschöpf, doch ach, wie herrlich ist diese Stille. Man möchte meinen man fliegt förmlich. Danke lieber Gott, lieber irrer, lieber irrer Gott."

    Pflegerin:
    "Jetzt betet er, das grenzt ja an Blasphemie."

    Patient 3:
    "Dem lüsternen Kriegsgott, der nur die deutsche Elite überleben lässt, dem christlichen Gott, dem katholischen Gott, der Kinder züchtigt, wie es sich gehört, ich danke euch! Euch allen Göttern möcht ich danken."

    Pfleger:
    "Soll ich eingreifen? Beruhigungsmittel vorbereiten? Er gerät doch in Rage!"

    Pflegerin:
    "Nein lassen sie ihn machen, vielleicht erfahren wir so, was unserem neuen Patienten denn alles fehlt. Und nach dem Frühstück hatte er schon Medikamente bekommen."

    Patient 3 (singt):
    Dacht ich an die armen Menschen,
    gehen Sinnlos heut zum Himmel,
    Doch ihr Götter welch ein Mann,
    der reitet auf nem Schimmel.

    Immer entlang des Wolkendeichs,
    woanders ist die Front sogleich,
    doch sie alle müssen Sterben,
    alle samt im ew'gen Reich.

    Nur einer der wusst die Wahrheit,
    wir waren alle dumm und Stroh,
    drumm sitz ich hier im Irrenhaus,
    bin des Lebens nicht mehr froh.

    Falsch gedacht und falsch geredet,
    wunderschön war so die Welt,
    Recht und Gerechtikeit geschmiedet,
    nun kommt einer ders Richtigstellt."

    Pflegerin:
    "Sehen Sie, wie schön, er singt schon eine Lobeshymne.
    Geben sie ihm noch ein paar Minuten und lassen holen sie ihn dann raus.
    Er hat sich etwas Freizeit verdient."

    [Licht aus]
    [Alle ab]

    Szene 6:

    Wieder Speisesaal. Mehrere Insassen befinden sich hier und gehen ihren Geschäften nach, spielen Spiele, lesen oder sabern. Ein Pfleger steht in der Ecke und passt auf.


    Herr Dr. Röhmer:
    "Wie ich hörte, hatten sie heute in der Gummizelle ein Erfolgserlebnis."

    Patient 3:
    "Erfolgserlebnis? Ich bin fast wahnsinnig geworden ,dass bin ich! Wer schrie denn die ganze Zeit?

    Herr Dr. Röhmer:
    "Entschuldigen Sie, dass muss wohl mein Verdienst sein, aber wenn er sie dazu bewogen hat zu singen, ja sogar eine Lobeshymne anzustimmen, dann ist es doch wohl ein gerade zu guter Verdienst."

    Patient 3:
    "Lobeshymne? Ich habe gebrabbelt. Ich war von Sinnen, ich sang den größten Mist, der seit langer zeit propagiert worden ist. Und das soll zu unseren Zeiten was heißen, mein ich wohl!"

    Patient 2:
    "Spielen Sie doch einfach mit, es wäre so viel einfacher!"

    Patient 3:
    "Mitspielen? Wobei? Ich habe heute genug Psycho-Spielchen gespielt!"

    Herr Dr. Röhmer (schnell und auffällig laut):
    "Spiele? Keine Spiele, er meinte sicherlich nur ein Brettspiel. Ein schönes deutsches Brettspiel.

    Patient 3:
    "Sagen Sie mir jetzt, was hier gespielt wird!"

    Herr Dr. Röhmer:
    "Wir spielen Brettspiele oder Kartenspiele. Mögen sie Skat? Wir haben ein ausgezeichnetes Skat-spiel und es ist fast vollständig erhalten."

    Patient 3:
    "Das Sie mir sowieso ausweichen warum nicht."

    Beide spielen Skat mit Patient 2

    Patient 2:
    "Trumpf!"

    Patient 3:
    "Aber nicht doch, meine Karte ist Trumpf, sehen Sie die Farbe."

    Herr Dr. Röhmer:
    "Tut mir leid aber ich sehe das ähnlich wie Patient 2, seine Karte ist Trumpf."

    Patient 2:
    "Trumpf! Trumpf!"

    Patient 3 :
    Aber ich bin noch nicht blind, ich sehe es doch vor mir!"

    Patient 2:
    "Trumpf!"

    Patient 1:
    "Sie scheinen etwas mit den Augen zuhaben, vielleicht das Licht und die neue Umgebung."

    Patient 3 (wütend)
    "Nein, nein, nein! Ich sehe die Farbe doch vor mir! Ich sehe sie! Begreifen sie dass, denn nicht!
    Nichteinmal in ruhe Kartenspielen kann man hier, sind denn alle von Sinnen?!"

    Herr Dr. Röhmer:
    "Sie befinden sich in einer Irrenanstalt."

    Pfleger:
    "Beruhigen sie sich Patient 3, wir bringen sie erstmal in einen ganz privaten Raum. Da können sie sich dann austoben."

    Patient 3(in Rage):
    "Ich will mich nicht austoben! Ich will das Sie mich loslassen. Ich will Kartenspielen!
    Pfleger:
    "Ja das wollen sie, das wollen wir alle, aber kriegen tun wir nichts. Nicht in Zeiten wie diesen. Und halten sie endlich still, ich will ihnen ihre Spritze verabreichen."
    Geändert von 20fox (30.10.2010 um 23:38 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler

  2. #2
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    Lieber 20fox,
    dein Stück spricht mich sehr an. Da ich einen Bekannten habe der schon zwei Mal in solch einer Anstalt war (durch seine Verwandten, die dachten er wäre irre und da er es abstritt usw.) kann ich sagen, dass du es sehr gut getroffen hast. Du könntest ein paar mehr Schreie einbauen, mein Bekannter sagte mir, man könne vor lauter Schreie nicht schlafen.
    Am Anfang fand ich das Stück noch nicht sehr viel versprechend und dachte auch es wird nichts mehr. Doch als es so langsam lebendig wurde, wurde ich aufmerksam.
    Ich mag dieses Stück sehr und bin sehr beeindruckt

    Mfg RiaRegentage
    Eigentlich zu jung um diese Wahrheit zu kennen.

  3. #3
    Registriert seit
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    Oh mann mir fällt ein Stein vom Herzen. Da ich selber noch recht jung bin und somit keine eigenen Erfahrungen von sog. Irrenanstalten habe, freut es mich, dass dieses anfängliche Stück schon überzeugend klingt. Das mit den Schreien kommt noch keine Angst, dass Stück hat seine Rahmenhandlung gerade Ansatzweise begonnen. Ich platze schon jetzt fast vor Neugierde, wie es wohl fertig aussieht und möchte am liebsten die Ideen und Hintergründe herrausschreien und die Knackpunkte schon jetzt ausplaudern. Und auch wenn es jetzt vielleicht nach "einer flog übers kuckucksnest" oder vlt. "Die Physiker" aussieht so wird es hoffentlich doch etwas neues. Danke das du dir die mühe gemacht hast dich mit meinem Text auseinanderzusetzten und der Schlafverlust durch Schreie wird auf jedenfall eingebaut, versprochen.
    Vielen Dank
    20fox

  4. #4
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    ein unbedeutender, nasser Planet nah am Zentrum des Dunklen Universums
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    1.763
    Großartig! Das ist absurd, witzig, fast kafkaesk. Mach auf jeden Fall weiter, auch wenn es in einer echten Psychiatrie heutzutage natürlich nicht so ist, aber das ist ja völlig egal. Es geht ja gerade um die Übertreibung. Es scheint irgendwie in den Vierzigern zu spielen, wieso habe ich dieses Gefühl?

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