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  1. #1
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    Für die Kuh Elsa

    Hi, Kuh. Was tust du?
    Du stehst nur auf der Weiden.
    Lohnt kaum zu Schreiben.

  2. #2
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    Witzig, doch schlampig.
    Wärs gut gemacht gewesen,
    lohnte das Lesen.


  3. #3
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    erklär mal in einer weniger exuisiten silbenzahl xD
    Geändert von Elch (29.12.2010 um 13:23 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Elch,

    das Wort heißt Weide, nicht "Weiden".
    Oder hast Du evtl. versucht, hier "Weiden" auf "Schreiben" zu reinem? Nein, das würdest Du natürlich niemals tun - erstens mal, weil es reimtechnisches Geholze wäre, zweitens, weil im Haiku der Reim verboten ist.

    "Lohnt kaum zu schreiben" ist kein vollständiger Satz, also ist der Punkt falsch - entweder der davor oder der danach.

    So kämen wir zu:

    Hi, Kuh! Was tust du?
    Du stehst nur auf der Weide -
    lohnt kaum zu schreiben.

    Fast noch ein bisschen witziger wäre es, die Kuh in der zweiten Zeile antworten zu lassen, aber das sind Arabesken, Deine Version ist schon sehr witzig.

    Nur eben: sorgfältig arbeiten. Weil das Haiku so klein ist, muss man es mit ganz besonderer sprachlicher Sorgfalt behandeln. Jede Silbe, jedes Interpunktionszeichen, jede Grammatik zählt.

    Lieben Gruß vom rosenrot

  5. #5
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    Hallo Rosenrot,

    das Ding ist schon ein paar Tage alt. Auf Seminarreise entstanden, da hieß es mitten in der Stadtführung plötzlich: so, und jetzt sind wir mal alle kreativ und schreiben ein Haiku. Also eine logische Trotzreaktion, die Aufgabestellung so gerade-noch wie möglich zu erfüllen^^ Davon abgesehen, dass das glaub ich mein erstes Haiku war xD.
    Ich stehe aber trotzdem zu dem Reim, weil:
    1. verboten? nicht vorgesehen vielleicht.
    2. wenn verboten, dann erstrecht. Wo kommen wir denn hin, wenn man sich beim Schreiben was verbietet.
    3. so abwegig ist die "Heiden" nicht, dafür hat man doch die deutsche Sprache. Im Zweifel schlagen wir mal wieder beim Alten nach und lesen: "Und der wilde Knabe brach / s'Röslein auf der Heiden." Und der ist ja zum Glück unfehlbar...

    Nimms mir nicht übel, dass ich so überzeugt dagegenhalte. Ich hab zwar auch keine wirkliche Ahnung von dem ganzen Theorie-Zeug, aber Flüchtigkeit ist dann doch das Letzte, was meine Fehler ausmacht. Wenn das so da steht, und auch wenn da ein Punkt hinter einem Nichtsatz steht, dann geh ruhig davon aus, dass ich mir was dabei gedacht hab^^

    Danke aber auf jeden Fall für deine Hilfe. Ich werd mich wohl dieser seltsamen Form etwas näher zuwenden müssen, gerade um die Verknappung zu üben. Gestatte deshalb gleich mal noch eine Frage vom Anfänger: gibts hier soetwas wie eine Medrik? Also in den andern Gedichten machen die ja alle immer soviel Wirbel darum, nur hier ist es so kurz, und ich merke auch (probiere gerade nebenbei ein bisschen rum) wie der Rhythmus dauernd gegen die Silbenzahl spielt...

    Vielen Dank und liebe Grüße vom Elch

    Ups, nochwas: was isn ne Arabeske?
    Geändert von Elch (29.12.2010 um 16:16 Uhr)

  6. #6
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    Lieber Elch,

    wenn Du so gegen strenge Formen opponierst, wirst Du vermutlich vom Haiku nicht wirklich etwas haben, da gerade darin der Reiz besteht, aber das ist Dir natürlich unbenommen - jeder hat so seine eigene Einstellung, und das ist gut so.

    Ein Haiku wäre Dein Dreizeiler ohnedies nicht, weil in einem Haiku kein "Du" vorkommt - ich habe es als Parodie auf ein Haiku gelesen und fand sie recht lustig.

    Eine Metrik gibt es im Haiku ebensowenig wie einen Reim, wobei es natürlich auch hier Freude macht, so etwas wie eine Sprachmelodie hineinzukomponieren.

    Eine Arabeske ist eine Verzierung.

    Goethe ist zweifelsohne unfehlbar, doch auch schon ein paar Jahre tot, und wie wir alle wissen, entwickelt Sprache sich weiter. Heute würde jeder "Röslein auf der Heide" formulieren, da die alte Form des Akkusativs nicht mehr gebräuchlich ist. Und dass sich "Weiden" nicht auf "Schreiben" reimt, ist evident - warum also "Weiden"? Das ist mir noch nicht deutlich geworden. Da Du Dir bei alldem etwas gedacht hast - lässt Du uns an Deinen Gedanken teil haben?

    Lieben Gruß vom rosenrot

  7. #7
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    Hallo Rosenrot,

    erklären, was ich mir denke? Nööö. Ich finds ehrlich gesagt gruslig, wenn die Leute dauernd ihr eigenes Werk interpretieren. - ok, in diesem Fall mach ich ne Ausnahme. Weils natürlich wirklich nur eine Parodie ist und nichts dran hängt. Also: Wozu solltes noch ein ganzer Satz sein, wenn man zum Schluss kommt, dass es nicht lohnt. Beide Punkte sind außerdem zum Trocknen wichtig, also dass es trocken ist, mein ich. Wobei dein Alternativvorschlag zugegebener Maßen genauso funktioniert. Nur eben schneller. Flüssiger. Und damit weniger trocken.
    Hm. Im Interpretieren war ich auch noch nie wirklich gut, das merkt man gerade mal wieder, sorry.
    Ein echter Reim ist die Weiden natürlich auch nicht, da hast du ganz recht; aber immerhin Gefühlt, ich meine ein gewisser Gleichklang der Vokale lässt sich doch nicht bestreiten, oder?
    Wie meinst du das mit der alten Form des Akkusatives? Wurde der früher immer so gebildet?? Und ist das nicht irgendwie Dativ? (Aber in Grammatik war ich auch noch nie so gut xD).
    Dass es kein Du gibt, war mir gerade vollkommen neu, das ist bestimmt wichtig. Gibts da nen Grund warum? Tut mir leid, dass ich so viel frage, aber sonst begreif ichs nicht. Und je länger ich das blöde Ding angucke, desto dringender will ichs besser machen^^

    Dank vom Elch


    Nachtrag: ok, vielleicht hätt ich erst ein bisschen stöbern sollen, du hast ja vieles schon bestens erklärt. In gewohnter Ignoranz hab ich natürlich "Haiku" gelesen und gedacht "da haste doch nochwas". Sträflich hinzu kommt, dass ich bis zu jener unseeligen Seminarfahrt keine Ahnnung hatte, das es soetwas wie ein Haiku überhaupt gibt; und die Erklärung, die mir dort zuteilwurde sehr dürftig war. Kurz also: mal wieder was gemacht, wovon ich keine Ahnung hab.
    Wie gesagt, ich gelobe Besserung und stelle jetzt mal was online, das sich zumindest etwas näher am Gedanken befinden sollte. Das Thema war heut ohnehin zu bearbeiten...

    Gute Nacht
    Geändert von Elch (29.12.2010 um 22:24 Uhr)

  8. #8
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    für die elsa haha
    schließe mich mehr oder weniger meinen vorrednern an. es liest sich nicht sooo besonders schön.
    das japanische korstell passt nicht.
    weniger formell, nicht japanisch aber schöner wäre meiner ansicht nach diese freie form des verses gewesen:

    Hallo Kuh. Was machst denn du?
    Du stehst nur auf der Weiden.
    Es lohnt sich kaum zu Schreiben.
    _______________
    mfg
    Elegie

  9. #9
    Jazemel Guest
    Hallo Elch,

    mich hat dein Mini schon vor ein paar Tagen amüsiert, zusammen mit der Entstehungsgeschichte

    Zitat Zitat von Elch Beitrag anzeigen
    Auf Seminarreise entstanden, da hieß es mitten in der Stadtführung plötzlich: so, und jetzt sind wir mal alle kreativ und schreiben ein Haiku. Also eine logische Trotzreaktion, die Aufgabestellung so gerade-noch wie möglich zu erfüllen^^
    noch mehr. Allemal besser, als eine Diskussion zu provozieren, oder einem Lachanfall anheimzufallen, aufgrund des ganz besonderen 'Humors' von Seminarleitern.

    Ich mags.

    Gruß,

    Jazemel

  10. #10
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    Hallo Elch,

    seit einigen Jahren schreibe ich Haiku, habe mich mit ihrer Geschichte und ihren Regeln beschäftigt, war zeitweise in einer Haikugruppe und hatte mal Austausch mit der deutschen Haiku-Gesellschaft, aber ich bin keine Lehrerin im Haiku-Schreiben, ganz gewiss nicht - das wäre anmaßend und hieße, meine Fähigkeiten zu überschätzen. Ich verwende die Regeln und breche die Regeln, so wie es mir für den Gegenstand, den ich schildern möchte, angemessen erscheint. Manchmal schreibe ich ein Haiku streng nach den Regeln, manchmal verwende ich nur die Haiku-Form, um etwas ganz anderes auszusagen, und ich respektiere jeden, der es ebenso macht.

    Dein Haiku ist lustig und gut so wie es ist. Mir fielen nur die Unebenheiten auf, die ich angemerkt habe, und da hast Du geantwortet, Du hast Dir etwas dabei gedacht. Sie sind also bewusst gesetzt und nicht schlampig, wie ich vermutet hatte. Mehr kann man dazu im Grunde nicht sagen.

    Wenn Du Anleitung suchst, so gibt es dazu im Internet jede Menge, und einen ganz besonders guten Faden dazu findest Du in diesem Forum.


    Lieben Gruß vom rosenrot

    PS: Du hast recht: auf die Frage "wo" folgt der Dativ. Nach meinem Sprachgefühl würde ich die Kuh "auf der Weide" stehen sehen, aber vielleicht ist "auf der Weiden" ebenso zulässig, wenn auch nicht mehr ganz so gebräuchlich wie in der Goethezeit. Ebenso würde ich die Wörter "Weiden" und "schreiben" nicht als Reim einordnen, aber das sieht wohl jeder anders.
    Geändert von ~rosenrot~ (30.12.2010 um 11:28 Uhr)

  11. #11
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    Hi, Elch!

    Da steht die Kuh auf der Weiden wie's Röslein auf der Heiden!

    Mir gefällt es!
    Wenn ich es auch nicht für ein Haiku halte, sofern man streng der Regel folgt.

    Barbarossa

  12. #12
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    Was ein paar Einträge so bewirken, da kommen dann doch noch ein paar liebe Gesichter (Namen xD) daher und schreiben was aufmunterndes dazu^^

    @ Elegie: du ahnst gar nicht, wie oft ich diese Version schon auf dem Papier hatte xD. (bzw. mit "zu beschreiben") Das ist ja gerade das schöne gemeine an dieser Sparsamkeit: man bekommt partout keine Deutsche Struktur rein^^

    @rosenrot: eine hübsche Aufzählung dessen, was man an dir nicht überschätzen soll xD. Aber unabhängig von Wissen und Können: deine Werke sind wunderschön. Das musst ich mal loswerden.

    Einen schönen Tag wünscht der Elch^^

  13. #13
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    Zitat Zitat von Elch Beitrag anzeigen
    Hi, Kuh. Was tust du?
    Du stehst nur auf der Weiden.
    Lohnt kaum zu Schreiben.
    Hallo Elch

    « Elch » schreibt für die Kuh Elsa... Klasse! Es gibt verschiedene japanische Kurzgedichtformen, in einer davon „darf“ man mit Humor reimen, wohl 3-mal oder 4-mal 3 Verse 5/7/5. Leider erinnere ich mich nicht wie die Form heißt, vielleicht weiß es jemand? dann kann ich mein Hi! Q. in Form bringen. Haiku, in frz. Spricht man Kü, wie „Hintern“, Hai ist ja auch ein Tier für sich und ja, „auf der Weiden“ ist Wemfall, warum zieht man jetzt Dativ und Akkusativ vor? Hört sich intellektueller an, auch wenn ich gar kein Latein kann?

    Meine Meinung: Zeilen 5/7/5 werden nicht zum Haiku, nur weil man das Wort „Du“ wegläßt, und ich bezweifle im allgemeinen, daß wir geltungssüchtigen Ich-Europäer überhaupt zu japanischer Schreibweise fähig sind, auch nicht nach Meditationstherapien und Dalai-Lama Kursbesuchen, der hat sich ja auch zum olympialiebenden Selbstdarsteller entwickelt, oder hat man ihn durch einen Schauspieler ersetzt?

    Unter „reimen verboten“, verstehe ich, daß man eben nicht irgendwelche schönen Reime machen darf, sondern durch Eingebung der Natur (und Vergessen des Ego) zu einer einmaligen Erkenntnis kommt, und warum 5/7/5 hat sicher auch eine tiefere Bedeutung, über die ich nicht nachdenken möchte.

    Hab „Für die Kuh Elsa“ sehr gern gelesen, auch die Kommentare dazu

    Lieben Gruß Farbkreis

  14. #14
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    Hallö Farbkreis,

    zur Original-Form werden wir wohl erst fähig sein, wenn wir unser Japanisch in Wort und Bild gehörig verbessert haben xD. Ist ja aber auch nicht Sinn der Sache, oder? Lyrische Formen lassen sich nunmal nicht aus vollkommen anderen Sprachsystemen übertragen, sondern allenfalls nachempfinden. Und dann sind gerade die formalen Regeln, naja, nicht immer ganz verbindlich, find ich^^

    LG Elch

  15. #15
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    Hi, Elch -

    ich weine leise in meine Kissen, weil Dir mein Kommentar zu billig war.

    Barbarossa

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