Thema: Geburtstag

  1. #1
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    Geburtstag

    Die schönste Geschichte... beginnt mit einem leisen Klopfen in meinem Bauch, im Juli, nach
    dem Baden im Meer in Südfrankreich. Du hattest dich das erstemal bewegt. Aber ich will gleich
    die Zeit überspringen, denn der schönste Moment in diesem Jahr ist der November. Es war
    Freitag, der 22. November. Ich lag schon eine Woche im Krankenhaus und fand es traurig, daß
    ich am Samstag wieder nach Hause sollte. Neun Monate sind lang und die letzten Tage davon
    sind am längsten.

    Da spürte ich einen kleinen Knacks, die Fruchtblase war geplatzt. Ich freute mich endlos, denn
    jetzt wolltest du heraus. Am nächsten Morgen wurde die Geburt künstlich eingeleitet. Jean-
    Pierre blieb von der ersten Wehe an bei mir, das hat mir sehr geholfen. Die Wehen kamen ohne
    Pausen und anfangs tat es ein bißchen weh. Wir wurden in den Kreißsaal gefahren. Ich wollte
    jede Minute ganz stark erleben, nie vergessen, ja genießen. Ich war sehr entspannt, fast wie
    im Halbschlaf. Mit der ersten Preßwehe wurde ich hellwach. Wir mußten das Bett wechseln.
    Jetzt konnte ich mithelfen, pressen. Ich spürte dich ganz stark, jeden Zentimeter, den du dich
    ans Leben kämpftest. Ich starrte auf die Uhr. Die Uhr läuft weiter, wie immer, dabei wird gleich
    ein Kind geboren, mein Kind.

    Welche Minute, welche Sekunde? Ich presse, es hat Haare, schwarze Haare. Ja, der Kopf ist
    schon zu sehen. Noch einmal pressen, und Ihr Kind wird geboren. Wird geboren, mein Kind.

    "Levez-vous, regardez, regardez c’est une fille !"

    Ein Mädchen, ich wollte dich, ein Mädchen. Wieviel Finger? Fünf kleine Finger, fünf an jeder
    Hand.

    Schrei mein Kind, schrei doch, so schrei, alle sollen dich hören, ich will dich hören, schrei, schrei...

    ________________________________________________________________________________
    Geändert von Farbkreis (03.05.2011 um 08:46 Uhr) Grund: Zeilen

  2. #2
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    Hi, Farbkreis
    eine kurze Kurzgeschichte. Ich gestehe, dass ich so etwas von Dir nicht erwartet habe. Ich bin überrascht,wie Du es fertig bringst, mit wenigen Worten aus Sicht einer werdenden und dann "seienden" Mutter sehr berührend trotz der einfachen Worte
    dieses unvergessliche Erlebnis zu "protokollieren". Den Satz "Noch einmal pressen, und Ihr Kind wird geboren." würde ich An- und Abführungszeichen setzen, denn er kommt ja offensichtlich von der Hebamme oder dem Arzt. Weshalb Du dann auf einmal französisch sprichst, ist mir ein Rätsel und wäre nur begründet, wenn aus der Kurzgeschichte hervorging, dass das Kind z.B. in Frankreich geboren wurde. Aber wieso spricht die Hebamme/der Arzt dann perfektes Deutsch? Der Satz in französischer Sprache bedeutet doch wohl nicht, dass Du ein bisschen angeben willst?
    Gruß,
    Heinz
    PS.
    Ich nehme alles zurück, weil ich glaube, dass ich weniger aufmerksam als Barbarossa gewesen bin.
    Geändert von Festival (21.01.2011 um 18:54 Uhr)

  3. #3
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    Hi,

    ja, die Geschichte ist trotz ihrer Nüchternheit anrührend.
    Ein ausführliches Bulletin.

    Die französische Auffoderung stammt offensichtlich von Jean-Pierre. Ihn halte ich für den Gatten der Gebärenden/Vater des Kindes.
    Farbkreis lebt zweisprachig - stimmt es?


    Barbarossa

  4. #4
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    Zitat Zitat von Kulturheinzi Beitrag anzeigen
    Hi, Farbkreis
    eine kurze Kurzgeschichte. Ich gestehe, dass ich so etwas von Dir nicht erwartet habe. Ich bin überrascht,wie Du es fertig bringst, mit wenigen Worten aus Sicht einer werdenden und dann "seienden" Mutter sehr berührend trotz der einfachen Worte
    dieses unvergessliche Erlebnis zu "protokollieren". Den Satz "Noch einmal pressen, und Ihr Kind wird geboren." würde ich An- und Abführungszeichen setzen, denn er kommt ja offensichtlich von der Hebamme oder dem Arzt. Weshalb Du dann auf einmal französisch sprichst, ist mir ein Rätsel und wäre nur begründet, wenn aus der Kurzgeschichte hervorging, dass das Kind z.B. in Frankreich geboren wurde. Aber wieso spricht die Hebamme/der Arzt dann perfektes Deutsch? Der Satz in französischer Sprache bedeutet doch wohl nicht, dass Du ein bisschen angeben willst?
    Gruß,
    Heinz
    PS.
    Ich nehme alles zurück, weil ich glaube, dass ich weniger aufmerksam als Barbarossa gewesen bin.
    Hi, Kulturheinzi

    Nun ja, Kurzgeschichte ist ein bißchen übertrieben, eher so was wie Minimallyrik für Gedichte eben "... schrei..." läßt das Leben noch offen, es erschaudern? doch erhoffen ,... schön, mit dir ein wenig zu plaudern und ehrlich, ich weiß wirklich nicht, was eine deutsche Hebamme in diesem Moment sagt, vielleicht weiß es Barbarossa?, jedenfalls sprach und verstand sie hier nur französisch. Das LI spricht Deutsch, da gebar eine deutsche Ausländerin im Ausland, warum nicht in Kanada? Naja, angeben könnte ich schon, das wäre dann ein Märchen oder Utopie... Danke für deinen Kommentar

    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Hi,

    ja, die Geschichte ist trotz ihrer Nüchternheit anrührend.
    Ein ausführliches Bulletin.

    Die französische Auffoderung stammt offensichtlich von Jean-Pierre. Ihn halte ich für den Gatten der Gebärenden/Vater des Kindes.
    Farbkreis lebt zweisprachig - stimmt es?


    Barbarossa
    Hi, Barbarossa,

    Farbkreis hat geschrieben... Jean-Pierre heißt Hans-Peter, man könnte ihn auch Herr Meier nennen, ob es ein Freund, ein Bruder oder gar der Vater war, kann man nicht erkennen, er ist einfach nur da, wie ein stummer Statist, nicht wirklich wichtig. Wie nennt man eigentlich männliche Hebammen? Geburtshelfer? Ist die Interpunktion richtig?

    So, ihre Lieben, LG Farbkreis

  5. #5
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    Aha, aha, was haben wir denn da? Dramatische Prosa mit narrativer Struktur!
    Leider sehr kurz, aber sehr schöne Geschichte. Die Zeitformen wechseln willkürlich, ich würde empfehlen, alles radikal in der Gegenwart spielen zu lassen. Also Präsensformen verwenden.

  6. #6
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    Hallo 101010

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Aha, aha, was haben wir denn da? Dramatische Prosa mit narrativer Struktur!
    Leider sehr kurz, aber sehr schöne Geschichte. Die Zeitformen wechseln willkürlich, ich würde empfehlen, alles radikal in der Gegenwart spielen zu lassen. Also Präsensformen verwenden.
    Danke für deinen Kommentar. Ja, die liebe Zeit... Ich fand die Verben auch irgendwie
    ungeschickt, muss aber zugeben, dass ich den Text nicht ins Präsens umschreiben kann.
    „willkürlich“? vielleicht grammatikalisch falsch? Der Text ist sehr kurz, wenn mir jemand
    zeigen könnte, wie man ihn in der Gegenwart schreibt? „Geburt“ habe ich so
    geschrieben... Fehler will ich auf jeden Fall verbessern, die zeitlichen erkenne ich
    manchmal einfach nicht.

    Dramatische Prosa mit narrativer Struktur!
    Den Ausdruck mag ich. Aber ist „Geburtstag“ nicht eher ein einfacher Aufsatz?

    LG Farbkreis

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