1. #1
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    In Liebeskriegen

    In Liebe.s.kr.iegen


    Es mag sich biegen, dort im weiten Wurf des Lichts,
    Und dann versiegen, enden in dem dunklen Nichts;
    Die Wangen streifen, Scherenkante des Gesichts;
    Und nicht begreifen bis zum Zeitpunkt des Gerichts:

    Schau mich nicht an, Du könntest Dich am Blick versengen!
    Was ich nicht kann, dazu verhilft mir auch kein Drängen:
    In diese Enge sollten wir uns niemals zwängen;
    Durch kein Gedränge sollte sich die Sicht verengen;

    Die Weite geben, das ist uns ein Lebensziel.
    Das Herz muss beben, dann ist nichts im Kampf zu viel;
    Das Vorwärtsstreben, ja, jedoch mit Maß und Ziel.

    Es mag sich biegen, und die Paralaxen enden,
    Es mag versiegen, dieses wehe Klagen Senden:
    In Liebe.s.kr.iegen werden wir uns ganz verschwenden!
    Geändert von Walther (03.12.2010 um 14:29 Uhr)
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  2. #2
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    Lieber Walter,

    dein Liebeskrieg beschreibt die Enge und Gefährlichkeit des Nahkampfes und fordert die Weite als Lebensziel. Das Beben der Herzen ist Kampf genug, im Leben mag mit Maß und Ziel sich gebogen werden im Gegensatz zu der Verschwendung im Liebeskrieg.
    So verstehe ich dieses Thema.
    Der Liebeskampf beinhaltet für mich Leidenschaft, oft auch Schmerz aber immer Leben. Intensiv gefühltes Leben. Mit Maß und Ziel Liebe zu leben, mag weise und klug sein.
    Diese Ruhe beruhigt und läßt möglicherweise die Liebe dahinplätschern in festen Sicherheiten. Diese Sicherheit schafft Geborgenheit im besten Sinne, vielleicht aber auch ein dahingleiten und entgleiten in Langeweile. Die Liebe stirbt im Liebeskrieg nicht nur im Kampf, eventuell auch im Waffenstillstand....
    Eine Liebe in erfüllender Weite läßt Kampf und Waffenstillstand zu. Beides darf sein.

    Liebe Grüße

    Charlotte
    Geändert von Charlotte Stein (07.12.2010 um 22:10 Uhr)
    Night after night she lay alone in bed
    Her eyes so open to the dark

  3. #3
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    Hallo Charlotte Stein,

    danke für diesen tiefsinnigen Eintrag zu meinem kleinen Liebeskriegssonett. Ich dachte schon, der Text verdämmert in diesem Forum und stirbt dann den Tod des ewigen Webvergessens.

    Frohes Dichten und Werken!

    LG W.
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  4. #4
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    Lieber Walther,

    schwere Kost, und das fängt schon mit dem ersten Wort an. Wer oder was ist „es“?

    Eben das Ganze, um das es bei Liebe.s.kr.iegen geht? Nein, denn in der letzten Strophe, in der vorletzten Zeile wird es dann doch direkt benannt: dieses wehe Klagen Senden.
    So lese ich denn Charlottes Interpretation (grüß Dich, Du vom Steine) inzwischen anders als bei meiner ersten Lektüre. Das LI ist durchaus nicht gewillt, „Kampf und Waffenstillstand zuzulassen“, sondern meint eigentlich: Hör auf zu zicken! Kannst Du das nicht begreifen?

    Nun kommt Charlottes Interpretation doch nicht von ungefähr, denn die Form, in der sich das LI gegen das Zwängen und Drängen verwahrt, ist so kunstvoll, dass es wie eine Liebeserklärung klingt. Fast möchte man dem LI sagen, wenn Du so daherpoetest, wird das LD einfach weitermachen. Dann aber fällt auf, wie streng selbst die Form ist.

    Z.B. weil Du nicht nur die sonettgeforderten Endreime bedienst, das ist ja schon anspruchsvoll genug, sondern auch an den Zeilenanfängen reimst, jeweils auf der 2. Betonung. Ich experimentiere gerade selbst mit sowas und habe zu meiner Verblüffung festgestellt, dass das schwerer ist, als direkt die ersten Silben zu nehmen.

    Mein Gefühl insgesamt ist, dass das Gedicht was Gezwungenes hat, so souverän Du auch die Anforderungen meisterst. Ich glaube es sind die Vokale. Nun kommt ja die Lautung von eng und weit Deiner Dialektik sehr entgegen, auch die ie und ä weißt Du für Deine Absichten geschickt zu nutzen. Aber es kommt kein einziges klingendes o oder u vor, auch wenn Du in S1 drei u an die Zeilenenden zu platzieren weißt.

    Ein bisschen ratlos

    Michael

  5. #5
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    Lb. Michael,

    danke für Deinen Eintrag. In der Tat ist dieses Gedicht auch eine Fingerübung. Wie alle Fingerübungen hat es damit der Nachteil, ein Stückweit Übung zu sein, also nicht komplett formvollendet.

    Zugleich ist es aber auch ein Liebesgedicht; als solches steht es mit seiner Aussage solitär da. Ich habe mir vor der Veröffentlichung die Frage gestellt, ist das ein Text, der an die Öffentlichkeit gehört, der Leser etwas zu sagen und zu geben vermag? Ich habe darauf bis heute keine letzte Antwort - und stehe da in Deiner Gesellschaft.

    Die Frage ist also, welchen Nutzen kann der Leser aus diesem Gedicht ziehen?

    Ich denke, es ist spannend zu beobachten, wie man ein sechshebiges Sonett mit Binnenreimen doch einigermaßen klingend und inhaltlich sinnvoll hinbekommen kann. Am Gedicht sind auch einige Künststücke zu finden, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Ich gebe mal den Tip, auf die Klangfarbe der Endreime zu achten und diese mit den Inhalten der Strophen in Bezug zu setzen. Man kann daran erkennen, daß an diesem Stück Fingerübung eben doch mehr Beachtenswertes gefunden werden kann, wenn man sich die Mühe dazu macht.

    Danke für Deinen Eintrag.

    LG W.
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  6. #6
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    Lieber Walther,

    auch, wenn du mich vermutlich gleich des Spams bezichtigst, möchte ich dir sagen, dass dein Gedicht mich sehr anspricht.

    Für mich ist es vollkommen.

    Es schwingt so viel anmutige Erotik darin, die nicht von Banden gehalten, ebenso einer kindlichen Schüchternheit entsprungen ist.

    Klasse!

    Lieber Gruß

    Karin
    So bin ich nur als Kind erwacht,
    so sicher im Vertraun
    nach jeder Angst und jeder Nacht
    dich wieder anzuschaun.
    Ich weiß, sooft mein Denken misst,
    wie tief, wie lang, wie weit - :
    du aber bist und bist und bist,
    umzittert von der Zeit.

  7. #7
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    Oh, ich dachte, ich hätte mir Mühe gemacht. Gerade auf die Klangfarbe der Vokale ie und ä, wie sie sich an den Zeilenenden häufen, hatte ich geachtet. Da ich aber nun nicht weiterkomme, als ich gekommen bin, sag Du doch, wie „diese mit den Inhalten der Strophen in Bezug zu setzen“ sind.

    Lieber Walther, die Frage, welchen Nutzen der Leser aus Gedichten ziehen kann, ist meine ja nicht, ich selbst schreibe eher für mich. (Zugegeben, es gibt von mir auch ein paar Gedichte mit einer Botschaft, aber doch wenige.) So fände ich umso spannender, ob Du denn eher Charlottes Interpretation zustimmst oder eher meiner (was ja nicht heißt, dass eine „richtiger“ sein muss.) Hat Karin es besser getroffen?

    Inzwischen noch ratloser

    Michael

  8. #8
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    Lb. Michael,

    der Leser hat immer Recht.

    LG W.
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  9. #9
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    lieber walther

    ich löse gerne kreuzworträtsel und sudokus.
    auch dichten ist mir ab und zu ganz recht.
    jetzt freue ich mich auf den ersten krokus.
    so "üb' ich meine finger" auch nicht schlecht.

    bitte nimm es mir nicht übel
    wirf's meinetwegen in den kübel
    ich fand schon damals den clementi
    alles andre als patenti

    in diesem forum - es ist zu beklagen -
    da gibt's zu viel der fingerübungsplagen
    drum sei So nett und schreib was hand-und-fussiges
    und gib der freundin abschiedskussiges

    da du schon mal andere eines machwerks bezichtig hast, musst du mein machwerk wohl auch einstecken können? böse ist es nicht gemeint.
    liebe grüsse
    wilma

  10. #10
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    Lb. Wilma,

    der Unterschied zwischen den Machwerken liegt in der Qualität derselben. Da mußt Du noch kräftig üben. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Man soll die Hoffnung nie aufgeben, denn bekanntlich stirbt sie zuletzt.

    LG W.

    PS.: Ich versuche es mit Christrosen und Schneeglöckchen. Das ist erfolgreicher.
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  11. #11
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    fingerübungen 2

    lieber walther
    ja soll ich jetzt den text oder die smileys ernst nehmen?
    ich mag die krokusse nicht wirklich. leider reimten sich halt deine blumen nicht auf sudokus.
    ich hoffe und hoffe und übe und übe, damit ich auch mal so nette schreiben kann.
    lg w.

  12. #12
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    Lb. Wilma,

    Du schreibst doch prima Gedichte. Warum noch so nette? Prima ist viel schöner als so nette. Ich würde lieber prima Gedichte schreiben, ehrlich.

    LG W.
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