Thema: Traum

  1. #1
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    Traum

    ...
    Der Baum

    Es gibt einen Schmerz, der zum Leben erweckt. Unruhig, zögernd, nach welcher Seite soll man
    sich wenden? Ich möchte gern um einen anderen Schmerz wissen, dann könnte - ich bleiben –
    mein Schmerz versiegen - ich ruhig an mich glauben.

    Hoch stehn die Gräser, hoch ist der Baum
    Stolz seine Krone
    Im weltweiten Raum
    Steht er im Hohne

    Ringsum ist Stille
    Es fällt seine Frucht
    Und damit die Hülle
    Frei für die Flucht

    Denn schneidende Winde
    Die Äste ergreifen
    Wund wird die Linde
    Wund kann sie reifen

    Sie beugt sich und schreit
    Erhebend die Klage
    Des unendlich Leid
    Das niemand ertrage

    Sie bangt um ihr Leben
    Sie stöhnt, daß es schallt
    Kein Trost kann ihr geben
    Der Grashalm – kein Halt

    Allein steht sie immer
    Denn hoch ist der Baum
    Und laut das Gewimmer
    Die Vorstellung Schaum

    Der Sturm ist vorüber. Gebrochene Zweige, verwehte Blätter bleiben reglos, verwelken.
    Unbeachtet erneuert sich die Natur. Spuren sind verweht. Es werden neue kommen, und
    ein neuer Sturm. Nichts erinnert mehr. Ein Stück von meinem Leben, das ich in mir trage
    – ausgelöscht - verweht - verwelkt.

    Ob es ein Traum war, es ist ein Traum geworden; Ein immer sich wiederholender Traum, der
    irgendwo, irgendwann in der Wirklichkeit begann. Ein Traum, der aus dem Schlaf reißt. Etwas
    wichtiges ist geschehen. So plötzlich erwacht und wieder in Schlaf fallend versuchen den
    Traum zu wiederholen und doch; er endet immer gleich; so plötzlich. Wer war dabei?
    Wo ist es geschehen? Was weiß ich, ob es schon das erstemal nur ein Traum war und ob
    ich allein träumte, ob ich jetzt allein träume. Sag mir, ob du träumst. Nein, sag es nicht,
    weil sonst vielleicht mein Traum verfliegt.
    ...

    Traum

    Es ist die weiße Winternacht wie der grellgelbe Mond. Im stillen habe ich gedacht: Wie die
    Sterne glitzern. So war es mir, wie in dem Traum, als ich die Wirklichkeit ergriff. Waren es
    Stunden? Es ist egal, es war eine Berührung, so lang und doch so flüchtig, so stark, daß ich
    sie doch noch fühl, noch mehr jetzt, da das Jahr begann und nur noch wenige Tage bis zum
    Aufbruch fehlen. Blühen wird die Erde in der Frühlingssonne, öffnen werden sich die Blumen,
    recken sich die Gräser nach der Sonne. Ach, so eine letzte Winternacht, die alle Hoffnung
    trägt, so schneeweiß in der Finsternis, so still und am Morgen tropft Wasser vom Dach. Der
    Schnee schmilzt. Eine Hoffnung auf Blühen, die schönste Nacht. Letzter Schnee, erste Wärme,
    lange Nacht, große Hoffnung. Kann das Herz sich täuschen und der Traum den Körper so weit
    entführen, daß die Wirklichkeit so erscheint...

    Mein Traum, ich halt dich fest.
    *

    Hoffnung

    Sehnsucht nach Verlangen dort, wo keine Erfüllung ist. Hunger ist Hoffnung. Angst davor,
    gesättigt nur noch den Schlaf zu ersehnen, den traumlosen Schlaf.

    Was weißt du vom kalten Nordwind, von verregneten endlosen Straßen,
    vom Wandern einsamer Gestalten in der Millionenstadt,
    vom Staub der Hoffnungslosen, von der Gier der Verlorenen.

    Ich trinke die Hoffnung. Aus der ersten Vergangenheit der Menschheit trugen sie Millionen
    bis zu dir, Kind der Hoffnung. Nur die Zeit hat sich verändert. Kampf der Vertriebenen.
    Ausgestoßen aus dem Mutterleib. Vertrauen zur Erde, Mut zum Leben.

    Was weißt du vom Irren der Verlorenen,
    von der Hoffnungslosigkeit
    einer untergehenden Menschheit.

    Dein Lachen war zu allen Zeiten die Quelle, die den Fluß antreibt und während du geboren wirst,
    jeden Tag, stürzen sie sich ins Meer, die Hoffnungslosen, und dein Lachen treibt die, die noch
    im Fluß schwimmen, weiter. Ewiges Kind, ewiges Lachen

    Nicht alle Menschen
    erinnern sich ihrer Träume...


    *

    ...
    ...
    Geändert von Farbkreis (22.02.2011 um 16:53 Uhr) Grund: Kürzung

  2. #2
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    ...
    Quelle

    Quelle des Lebens. Das Meer ist weit und du wirst nicht versiegen, das Meer empfängt alle.
    Ich rieche seinen salzigen Duft und höre die sprudelnde Quelle. Das Wasser dort ist still. Lang
    ist der Fluß. Ich will die Quelle finden, doch will ich nicht zurück. Hier ist es still, das Wasser.
    Es fließt nicht mehr. Ruhet es, oder ist es tot? Die Quelle sprudelt. Es weiß nichts mehr, das
    Wasser, von der Quelle. Der Weg ist zu lang, sie liegt zu weit zurück. Ich bin am Wasser.
    Genauso still, oder tot? Ich kann nicht mehr zurück. Vielleicht einmal weiter? Weiter, in das
    Meer und ganz vergessen, auch den Fluß. Vom Meer verschlungen.

    Zurück zur Erde
    Träume beenden
    ohne sie zu berühren
    ohne sie zu verlassen

    Ich bin nicht sehr mutig, ich reise allein, begrabe meine Enttäuschungen nicht in fremde Gräber.
    Ich erlaube nur der Sonne meine Haut zu verbrennen und ich weine nur im Dunkeln. Nun, da
    ich das erstemal in fremden Armen starb, meine Haut an einer anderen Haut entflammte,
    schleudere ich meinen Traum in das Wasser, sende eine Flaschenpost ins Ungewisse. Das Meer
    wird sie dorthin tragen, wo die Wellen sich aufbäumen.

    Der Mond erschreckt
    mein Nachtgesicht
    Er hüllt mich in ein bleiches Kleid
    So erwarte ich dich
    den Traum,
    durch den deine Hand sich streckt
    Haben wir nur die Nacht
    nur diese eine
    Wie sollte ich dich am Tag erwarten
    Wie rufen
    Wie erkennen
    Jetzt berührst du mich

    Im Traum
    ist alles erlaubt...

    *

    Schritte

    Eine Melodie dringt durch mein Auge, entlockt mir Bilder, trägt sie hinaus und breitet sie vor mir
    aus. Ich liege mir zu Füßen; eine Traumlandschaft, in die ich sehnsüchtig blicke und nicht
    erreichen kann. In dieses Land möchte ich eindringen. Dringt es in mich so seh ich es nicht, fließt
    es hinaus so lockt es mich. Welcher Weg führt dort hin?

    Träume auf stelzenden Beine trippeln und wanken mit erhobenen Köpfen, schwanken ihren
    gebeugten Leib. Sie trugen wohl schwere Gedanken, auch meine ritten auf ihnen, als ihr Gang
    noch aufrecht und ihre Flügel noch stark waren. Nun tragen sie Bärte, so weiß und so grau wie
    die Wolken, die einst sie durchstießen. Wie alte und müde Straußenvögel ziehen sie dahin,
    die Luftgebilde, das erstemal die Erde berührend, gealtert, mit menschenähnlichen Köpfen,
    betreten sie den Weg, den ersten und wohl auch den letzten. Soll ich nun trauernd in schwarz
    mich kleiden und meine Gedanken an ihrem Grabe, dahin sie grad schreiten, in Tränen ausgießen?
    Ich höre sie trippeln und über ihren Köpfen ziehen die Wolken und über den Wolken blasen ganz
    neue und junge Gebilde so spielend und lockend warmen Atem durch mein Haar. Ihr unbekannten
    und luftleichten Träume, sammelt meine Gedanken und beugt auch ihr damit euren Rücken
    solang ihr nicht die Erde berührt.

    Frei auf der Erde
    Vogelflug
    Schwimmender Fisch
    und dazwischen
    meine Schritte

    Ein Traum vergeht am Morgen...
    *

    Flucht

    In der Nacht erwache ich. Ist es der Wind oder der Regen oder ein Traum, der mich geweckt
    hat? Hellwach, bereit zu handeln; aber es gibt nichts zu tun. Ich habe etwas vergessen,
    versäumt. Das Rauschen des Windes ist gleich dem Rauschen des Meeres und die Wärme
    des Zimmers gleich der abendlichen Wärme des Sommers, am Hügel. Der Wind pfeift drohend,
    als will er sich vom Hügel stürzen. Regen plätschert auf das Dach, als will er um Eintritt betteln.
    Ich schaue herunter. Ich bin gewachsen. Es tut mir so leid, daß ich jetzt auf Grashalme trete,
    weil ich zum Baum aufschaue und in Augen - Blicke; daß alles, was unter mir wächst zertrampelt
    wird und daß das, was so hoch erschien, so erreichbar geworden ist; so nah jetzt ist, so
    unbedeutend wird. Regen - und nichts regt sich in mir. Ergebenheit. Ich werde naß, schwer
    von Nässe. Die Warnung im Traum, das weggedrehte Auge Angst. Nur noch Flucht? Und das
    Gefühl im Bauch einer wirklichen Gefahr.

    Fliehe in den Abendhimmel, Lichtgeflecht!
    Mit welchem Stern wirst du tanzen?
    Mit welcher Sonne willst du erwachen?

    Ich sehe dich glimmern; inmitten der Sterne bist du so blaß, ist dein Tanz wie Zittern.
    Durchs Fenster sah ich dich in der gefrorenen Baumkrone helle Funken lachen und ich
    bedeckte meine Augen so blendend war dein Licht, und entblößte meinen Körper, so heiß
    strahltest du hinein bis in meinen Leib. Welch Wiegen, welch Fließen. Welch Tragen und
    Fliegen. Leuchtende Wärme, tanzendes Licht Du bist so blaß inmitten der Sterne.

    Ein neuer Tag beginnt
    mit einem Kerzenlicht
    mit einem Gedanken
    bevor die Sonne aufgeht
    Die Kerze erlöscht
    wie der Gedanke
    und auch der Traum
    wenn wir erwachen

    Mein Traum, ich halt dich fest...

    *

    ...
    ...
    Geändert von Farbkreis (22.02.2011 um 16:07 Uhr) Grund: Form

  3. #3
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    ...
    Schatten

    Wie ein Traum erscheint mir die Welt. Ich erwache in der Nacht, mit ausgestreckter Hand.
    Mein Herz schläft am Tag und schreit in der Nacht. Was nützt mir jetzt die Sonne beim
    Sonnenuntergang? Die Angst sitzt im Bauch und kann nicht begreiflich gemacht und somit
    bestimmt werden, die Ursachen können nicht bekämpft werden. Angst läßt sich nur kurzweilig
    verdrängen. Unabhängig von Gedanken, ohne Beziehung zur Situation bemächtigt sie sich des
    Bauches, lähmt, beherrscht den Körper. Ich rase dir hinterher, in endlosen Stunden, Traumwelt,
    fange ich dich ein, halte dich fest, dringe in dich und lasse mich leben. Mein Leben; frei
    von Schuld; pflichtenlos bin ich dem Traum überlassen und schaue mir zu. Oder du ergreifst
    mich, saugst mich ein und zwingst mich zu leben.

    Rasender, vernichtender Sturm
    du entwurzelst die Schwachen
    und auch die Zarten.

    Einige hast du gebrochen und ihre Stümpfe lassen die Wurzel in der Erde verkümmern. Welches
    Blühen hast du verhindert, welches Leben wird jetzt gedeihen? Ich sehe kein Licht.
    Die Dunkelheit läßt die Schatten tanzen, die Einsamkeit lädt mich zum Tanz. Lautlose Musik
    ertönt. Schatten winden sich, können sich nicht berühren. Mit dem ersten Sonnenstrahl werde
    ich schreien.

    Nicht alle Menschen
    erinnern sich ihrer Träume.

    *

    Nebel

    Weiter gehen Schritt für Schritt, nicht zu weit, geradezu auf ein Ziel. Die Vergangenheit
    ist tot, Gegenwart wird morgen Vergangenheit sein. Nur die Zukunft lebt. Was heute geschieht,
    soll morgen vergessen sein, denn nur was kommt ist wichtig. Träume werden nicht erfüllt,
    wenn sie aus der Vergangenheit kommen. Nur die Zukunft ist realisierbar, von ihr kann man
    träumen. Träume der Zukunft können aus der Vergangenheit kommen. Träumen, was nicht
    geschehen ist, nicht geschehen wird. Zukunft erträumt, ohne Angst vor Enttäuschung. Man
    erwacht, lebt die Zukunft nicht als Traum, als Alltag. Träume, die man nicht zu erfüllen sucht,
    nicht erhofft, nicht lebt. Die Vergangenheit verfolgt, bis man vergessen will. Jeden Tag hüllt
    der Nebel Wunden ein, jeden Morgen betupfen Wassertropfen die offenen Verletzungen, lindern
    den Schmerz, noch lang, wie lang? bis sich die Wunden schließen. Welchen Schmerz verbirgt
    der barmherzige Nebel!

    Ein Wort
    und es ist ausgelöscht
    Ein Ort
    und es ist immer da
    Der Traum

    Er ist mild und weich, verläßlich; auch morgen wird er kommen. Der größte Zweig ist abgetrennt,
    damit der Baum nicht stürzt. Er schrie seinen Schmerz, suchte seine Qual, opferte einen Arm
    um seine Wurzeln zu behalten. Auch wenn er noch so sehr sich in die Lüfte schwingen wollte,
    hin zur Sonne, seinen Wurzeln entfliehen wollte, er wäre doch nur zu Boden gestürzt, zu schwer
    und er haßt seine Wurzeln und verdankt ihnen sein Leben. Da steht er nun, der blätterlose,
    erbärmliche, mit seiner nässenden Wunde, träumt noch vom Fliegen, beklagt seine Wurzeln,
    streckt stöhnend seinen Armstumpf in den Nebel, wimmert und weiß doch, daß er Baum
    bleiben muß, daß er Baum bleiben will. Schreiend verlangt er sein Leben, wählt den Schmerz
    und nicht den Tod, liebt den Nebel und fürchtet nun die Sonne, die in seine Wunde sticht. Oder
    wollte er doch lieber zu Boden stürzen, einmal fliegen, wenn auch nur in den Tod?

    Auch schwere Wunden verheilen und man erinnert sich ihrer später nur selten, wenn man zufällig
    die Narben ansieht. Sie können keinen Schmerz verursachen...

    Im Traum ist alles erlaubt
    *

    Erwachen?

    Ein Schatten, nicht greifbar, bewegt sich geräuschlos. Ist ganz nah, ist verschwunden. Ich seh
    ihn nicht mehr, kann ihn nicht spüren. Ich weiß er war da, dieser Schatten, und doch erinnere
    ich mich nicht und suche. Irgendwo will ich ihn finden, irgendwo existiert er, nicht für mich.
    Kann ich ihn finden, ist er mein für einen Augenblick.Suchen muß ich in mir, nicht weiter.
    Hab ich empfangen diese Kraft, die mich geweckt, muß ich nach vorn schauen, nicht zurück.
    Ich spüre wieder die Wärme. Sie ist in mir, sie bleibt in mir, bereichert meine Seele, macht mich
    stark. Ich habe nichts gegeben und doch möchte ich, daß meine Wärme auch dich begleitet.

    Du lebst in mir, du bleibst in mir, du bist mein Leben. Du bist neben mir, ich laufe mit dir,
    ich lebe mit dir. Du bist meine Hoffnung, du bist mein Traum.

    Mein Schweigen ist so laut – wie gebrüllte Worte. Es dringt so tief in dich – wie ein Liebespfeil.
    Es ist so stark – wie die Umarmung. Es hält so lange an – wie eine Liebe hält.
    Wind bläst durch die Baumkrone. Ich lausche dem einzigartigen Rauschen deiner Blätter
    und der Wind bläst Rauschen und Duft durch meinen Leib, aus dem sich Wasser ergießt.
    Wellen schlagen hoch, wiegen mich...

    Ich bin ein Blatt des Baumes,
    eine Welle des Meeres
    ein zärtliches Rauschen,
    vom Wind bewegt y

    Es gibt eine Quelle, einen Fluß, ein Meer. Es gibt eine Sonne, einen Mond. Es gibt einen Weg.
    Einzig ist, was einzig ist. Der Blitz traf die Bergkuppe, der Donner erschütterte das Gebirge,
    weckte mich aus dem Schlaf wie aus dem Tod. Furcht und Freude erwachen mit dem Tag.
    Ich stehe an der Quelle, wenn die Sonne aufgeht.

    Ein Traum
    vergeht am Morgen.

    *

    Es steht allein in der Weite
    der hochragende Baum
    mit seiner stolzen Breite
    zitternd im Raum

    Was er gesehen, was er erlebt
    das steht in den Zweigen
    wie oft er gebebt
    das nennt er sein Eigen

    Er hat sich erhoben
    er ist erfüllt
    die Krone dort oben
    hat sich enthüllt

    Der Sturm hat Blätter fortgetragen, Äste gerissen, verstreut. Stehen blieb, was kräftig ist. Aus
    dieser Kraft sprießen junge Knospen. Die Wunden sind verheilt. Der Baum steht in voller Blüte.
    Früchte soll er tragen. Nun ist es Zeit. Der Sturm ist vorüber. Still ist es. Berühre nicht die Blüte,
    bewundere sie, atme ihren Duft. Du wirst ihre Liebe spüren.

    Mein Traum, ich halt dich fest.
    Nicht alle Menschen
    erinnern sich ihrer Träume.
    Im Traum ist alles erlaubt.
    Ein Traum
    vergeht am Morgen.
    Mein Traum,
    ich halt dich fest.


    *

    ...
    ...
    Geändert von Farbkreis (22.02.2011 um 17:15 Uhr) Grund: Zeile

  4. #4
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    Tschuldige Farbkreis und Forum, ich bin ja echt auf der Suche nach ein bisschen Schönheit hier, will auch mal was Nettes loswerden, aber einfach macht ihr das hier auch den wohlmeinendsten Kritikern nicht. Bin eigentlich kein Form- oder sonstiger Apostel, aber das hier ist doch die Prosa-Ecke, oder ist das eine phänomenale Fehlleistung meinerseits? Hab extra zweimal geguckt, ehrlich. Das könnte man als Lyrik mit Prosa-Sprengseln bezeichnen. Um das als Prosa zu etikettieren, müsste die Lang- und Kurzzeilengewichtung genau anders herum sein. Ja, sieht das hier denn niemand? Ich sag das jetzt auch nur, weils das zweite "Prosa"-Stück von dir in diesem irritierenden Kleid ist. Vielleicht bin ich ja auch nur ein verklemmter Gartenzwergkönig, der verblendet ist vor Selbstherrlichkeit - klärt mich bitte auf, was ich hier falsch verstehe.
    rätselnde grüße
    circus

    PS: Der andere Text wurde anscheinend gekickt, während ich fleißig auf dem Weg zum unbeliebtesten User der Woche tippelte. Deswegen poste ich den Komm einfach hier rein, ist ja das gleiche Ding.

  5. #5
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    Zitat Zitat von circus Beitrag anzeigen
    Tschuldige Farbkreis und Forum, ich bin ja echt auf der Suche nach ein bisschen Schönheit hier, will auch mal was Nettes loswerden, aber einfach macht ihr das hier auch den wohlmeinendsten Kritikern nicht. Bin eigentlich kein Form- oder sonstiger Apostel, aber das hier ist doch die Prosa-Ecke, oder ist das eine phänomenale Fehlleistung meinerseits? Hab extra zweimal geguckt, ehrlich. Das könnte man als Lyrik mit Prosa-Sprengseln bezeichnen. Um das als Prosa zu etikettieren, müsste die Lang- und Kurzzeilengewichtung genau anders herum sein. Ja, sieht das hier denn niemand? Ich sag das jetzt auch nur, weils das zweite "Prosa"-Stück von dir in diesem irritierenden Kleid ist. Vielleicht bin ich ja auch nur ein verklemmter Gartenzwergkönig, der verblendet ist vor Selbstherrlichkeit - klärt mich bitte auf, was ich hier falsch verstehe.
    rätselnde grüße
    circus

    PS: Der andere Text wurde anscheinend gekickt, während ich fleißig auf dem Weg zum unbeliebtesten User der Woche tippelte. Deswegen poste ich den Komm einfach hier rein, ist ja das gleiche Ding.

    Hallo circus

    Nicht nur einmal "gekickt", grad hat es wieder geklickt... weil die Antwort zu kurz war. Wer guckt
    denn da hinterm Gartentor hervor? Danke für deinen Kommentar, etwas unverständlich zwar,
    aber jetzt haben Baum Traum etc. die Grenze nicht übertreten, und bleiben schön zwischen den Beeten...

    Vielleicht bin ich ja auch nur ein verklemmter Gartenzwergkönig, der verblendet ist vor Selbstherrlichkeit - klärt mich bitte auf, was ich hier falsch verstehe.
    Der Garten im Süden ist gefüllt mit prallen Pflanzen, mit schlanken Gewächsen, hochragenden
    Gräsern. Eine Steintreppe führt zum hölzernen Gartentor. Es ist verschlossen. Wer versteckt
    sich hinter den Büschen, wer hat das Tor geschlossen, hinter dem ein Stück des Himmels
    sichtbar ist. Vielleicht ist der Boden sehr trocken und steinig, die Pflanzen schreien nach Wasser
    und hoffen, daß jemand das Tor öffnet, Wasser bringt, Leben verspricht. Ich will das Tor nicht
    öffnen. Ich will glauben, daß der Boden fruchtbar und feucht ist, daß dort unter blauem Himmel
    Pflanzen gedeihen, sich wiegen mit dem warmen Wind. Ja, das Tor bleibt verschlossen, damit
    nicht eine unbedachte Hand die Pflanzen bricht oder ein ungeschickter Fuß die jungen Gräser
    zertritt, damit ein lautes Wort die Harmonie der stillen Schönheit nicht zerstört. Ich will glauben,
    daß es so ist und weitergehen, ohne zu prüfen, ob das Tor nur angelehnt ist, ohne zu horchen,
    ob durstende Pflanzen schreien, mich zum Wasserschleppen zwingen. Ich will glauben, was der
    blaue Himmel, der warme Wind und das geschlossene Tor versprechen, daß herrlich gesunde
    Pflanzen auf fruchtbaren Boden sprießen, daß die Treppe in ein paradiesisches Glück führt, in die
    Harmonie der Natur, in die Stille. Und während ich weitergehe, ein wenig traurig in dieses Glück
    nicht eintreten zu dürfen und doch froh, nie die Wahrheit zu erfahren, kommt mir der Gedanke,
    daß dieser Garten ewig blühen wird, wenn ich nicht eintrete.
    (Traum aus der Vergangenheit, "Betreten verboten?" Tschuldige, circus, aber alles zu seiner Zeit )

    LG Farbkreis
    Geändert von Farbkreis (19.02.2011 um 15:39 Uhr) Grund: Erweiterung

  6. #6
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    Vielleicht bin ich ja auch nur ein verklemmter Gartenzwergkönig, der verblendet ist vor Selbstherrlichkeit - klärt mich bitte auf, was ich hier falsch verstehe.
    Das erste Licht flüstert leise: Erwache, erwache!
    Früh am Morgen; noch einmal schließ ich die Augen,
    nur einmal noch will ich träumen. Sonnenaufgang;
    Morgen; erster Tag, sonnenwarm. Erwache, erwache!
    Maiglöckchenduft; Blumen, abgerissen.
    Vergangene Winter und Sommer, Frühling vergeht,
    die Träume gehören der Nacht.


    auf der Suche nach ein bisschen Schönheit hier,
    *

    Aus Luftwurzeln, aus Lichterblüten
    besteht die Pflanze
    die sich von unseren Gedanken ernährt
    Sie wächst in meinem Garten
    und ist, wie ich, Legende
    die dein Gedanke erschuf
    in deren Garten sie wächst


    *

  7. #7
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    Das ist Lyrik, vielleicht kann ein Mod das verschieben?

  8. #8
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    Hallo 101010

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Das ist Lyrik, vielleicht kann ein Mod das verschieben?
    Danke für deine Aufmerksamkeit. Was ist Prosa, was ist Lyrik? Hier folgt alles, was ich dazu (Lexikon, Duden und Larousse [ohne Übersetzung, nur zum Wortvergleich]) gefunden habe:

    Lyrik?

    LYRICS n. m. pl. (mot angl.; 1931) Parties chantées d’une oeuvre dramatique ou d’un film.

    LYRIQUE adj. (lat. Lyricus, gr. Lurikos, de lura lyre: 1495). Poésie lyrique, ou lyrique (n. f.) dans l’Antiquité, poésie qui était chantée avec un accompagnement de lyre; auj., poésie qui exprime les sentiments personnels du poète, ses émotions, ses passions...

    D’une expression exaltée, d’une grande émotion: Il devient lyrique quand il parle de son auteur préféré (syn. Passionné)
    S’exprimer avec lyrisme syn. Exaltation

    Lyre n. f. (v. 1560) Litt. Talent poétique; art, action de faire des vers: Essayer, accorder sa lyre.

    Lyre (lat. Lyra, du gr. Lura; 1155)...

    < Les baïonnettes sonnaient comme des cordes de lyre > (Mac Orlan)


    Lyra, die, _, ..ren (Saiteninstrument: Leier) < grch >

    Lyrik, die, ([liedhafte] Gefühls-, Empfindungsdichtung) < grch -> lat -> frz >
    Prosa?

    Prose n. f. (lat. Prost, de prosa oratio, discours qui va en droite ligne, de porsus, en avant; 1265)
    ...
    Poème en prose ( = qui ne contient pas de rimes)
    ...
    Liturg. Chant versifié, ...

    Poésie n. f. (lat. Poesis, gr. Poiêsis, création; 1350, „art de la fiction littéraire“) ...

    Poème n. m. (lat. Poema, gr. Poiêma; 1213) Ouvrage en vers ou en prose, ...

    Prosa, die, - (Sprache in ungebundener Form: ...)
    Prosaist, der _en, _en (Verfasser einer Prosadichtung; ...) / Prosaisch ( in Prost abgefasst; übertr für nüchtern, alltäglich); ...

    `Dichtung (Gedicht) ‚``Dichtung (zu `dichten) `dichten (dicht machen) ``dichten (Gedichte schreiben) < vermischt mit lat dictare ,diktieren` >
    Gedicht, das, _[e]s, _e < lat > // Gedichtsammlung

    Poem, das, -s, _e (Gedicht, Dichtung) lat>

    Poesie, die, _, Mz (selten) ..i en (Dichtkunst, Dichtung) < grch -> lat -> frz >

    Poet, der, Wesf Poe/ten, Mz Poe/ten ([lyrischer] Dichter) < grch -> lat >

    Poetaster, der, _s, _ (Dichterling, Reimschmied,) < grch -> lat >
    ...
    poetisch (dichterisch; in gehobener Sprache)
    ...
    Meine (nicht fixierte, sondern bezügliche) Meinung: Mit Prosa kann man gut und objektiv Äußerlichkeiten bildhaft beschreiben, wie weit man allerdings das „Innere“ eines Menschen prosaisch darstellen kann, ohne eigene Gefühle in die, wenn auch nur erfundene Person, hineinzuinterpretieren, ist doch zweifelhaft und verfällt oft ins Klischeehafte oder ins Psycho – Medien – Schulgelehrte. Ich finde eine Kurzgeschichte interessant, wenn ein Thema tausendmal „déjà-vu“ durch eigene Worte und Beobachtungen von der Seite des Autors ganz neu aufgegriffen wird, und persönlich mag ich Texte nicht, die das LI total in den Vordergrund stellen und die beschriebenen Personen „abfertigen“, als hätten sie gar kein Innenleben, weder Erinnerungen noch „nützliche“ Gegenwartsgedanken, (z..B.: jetzt sollen doch mal alle wissen, daß ich einem „Penner“ ein Geldstück gegeben hab; komischerweise sind die immer stumm wie die Vogelscheuchen... oder krepieren mal so nebenbei ohne Emotionen zu erregen, wie die schwarzen Gepäckträger in alten Tarzanfilmen...) wobei dies allerdings auch ein typisches Zeugnis unserer Zeit sein könnte und nicht unbedingt auf Oberflächlichkeit und Narzißmus des Schreiberlings schließen läßt. Hätten sich die Nachkriegsautoren die Zeit genommen, Altersheime zu besuchen, wäre so einiges ungeahnte zum Vorschein gekommen, oder mal andere Gedanken über den Untergang der Titanic als die typische Filmdusselei.

    Die Kategorie „Prosa & etc.“ zwängt nicht in eine bestimmte Kurzgeschichtenschublade, und Prosa ist „ungebunden etc. (zum etc. zählen doch auch Prosagedichte)“ s.o. Die Kategorie „Lyrik“ gibt es nicht, wohin soll dann „Traum“...

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Das ist Lyrik, vielleicht kann ein Mod das verschieben?
    verschoben werden? Und warum nicht, ich zitiere dich

    Englisch ist auch nicht meine Muttersprache und ich bin ganz schlecht in Grammatik, ich gebe mein Bestes.

    A long time ago in a land far, far away (Ireland)
    der Englischtext in „Fremdsprachliches...?“ Ich möchte inzwischen meinen Text als Essay bezeichnen, Erlebtes wurde hier von mir im Nachhinein und mit Abstand von mir selbst gefühlskalt überdacht, wobei ich mir nicht sicher bin, ob mir der ausgearbeitete Zusammenhang gelungen ist, wie es verstanden wird, habe bis jetzt noch keine Kritik dazu bekommen.

    Ps.:

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Also, was ist Kunst? Wenn man einen findet, der es in 10 Zeilen formuliert und alle anderen stimmen zu, dann gebe ich dem 1000 Euro.
    Selbst für eine Million Euro formuliere ich es mit keinem Wort, das Leben hat keinen Preis. Aber es ist schon in Ordnung, dass auch für eine Picassofälschung Millionen auf die Waage kommen, schließlich wiegt die Ölleinwand wahrscheinlich doch schwerer...

    LG Farbkreis

    Aus dem Lexikon:
    Prosa: Sprache in ungebundener Form – prosaisch: in Prosa geschrieben, nüchtern, alltäglich…

    Hierarchie: nach katholischer Lehre die Träger der Macht, die Rangordnung der Geistlichkeit, in
    übertriebenem Sinn jede Rangordnung

    Lyrik: neben Epik und Dramatik eine der klassischen Arten der Dichtkunst, ursprünglich ein die
    Stimmung des Dichters wiedergebender Gesang zur Musik der Lyra

    Lyra: altgriechisches Saiteninstrument – 2. Glockenspiel aus Stahlplättchen, die mit einem
    Hammer angeschlagen werden

    Epik: das epische Genre in der Dichtkunst, erzählerische Darstellung in Prosa
    oder Versen -> Epos

    Epos: Heldengedicht, schildert die Taten ruhmreicher Vorgänger, Verdichtung
    monumentalen Charakters (Ilias etc.)

    Vers: die Zeile eines Gedichtes, Epos oder Dramas – Versmaß nach Hebungen und
    Senkungen geordnete Silbenfolge eines Verses
    Forum = römischer Börsen - Marktplatz oder Diskussion?

  9. #9
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    Hallo Farbkreis.
    Zuerst mal will ich feststellen, dass es mir egal ist, was ursprünglich bei den Griechen/ Römern/ Höhlenmenschen als Epik, Dramatik oder Lyrik galt. Ich beziehe mich auf heutige, landläufige Definitionen. Da hat ein Begriffswandel stattgefunden an der ein oder anderen Stelle, aber das finde ich nicht relevant.
    Geh einfach in die Buchhandlung und schau mal, was unter "Lyrik" einsortiert ist, was unter "Prosa" und was unter "Sachbuch".
    Dass es immer Grenzfälle geben wird, ist klar. Ich habe selbst gestern so einen lustigen Grenzfall mal gepostet. Das ist eigentlich eher Lyrik, eigentlich ist es keine Geschichte. klick
    Bekenne mich schuldig. Aber hat narrative Elemente.
    Prosa hat in der Regel nämlich eine narrative Struktur. Protagonist, Ziel, Hindernis, Entwicklung. "Nüchtern und alltäglich" muss gar nicht sein.
    Die Form ist auch eher die eines Fließtextes.
    Deine "Prosa" hat keine Narration, keinen roten Faden, oft nicht mal ein Thema, keine Figuren außer "ich", "du" und "er". Sie sind eine Aneinanderreihung von Bildern, inneren Zuständen, Erinnerungsfetzen und Lebensweisheiten. Wären deine Texte Filme, wären sie surreale Musikclips. Und diese Art von Texten bezeichnet der Volksmund als Lyrik oder auch als Poesie.
    Prosa ist weiter nicht in Strophen gegliedert.

    Der Baum

    Es gibt einen Schmerz, der zum Leben erweckt. Unruhig, zögernd, nach welcher Seite soll man
    sich wenden? Ich möchte gern um einen anderen Schmerz wissen, dann könnte - ich bleiben –
    mein Schmerz versiegen - ich ruhig an mich glauben.

    Hoch stehn die Gräser, hoch ist der Baum
    Stolz seine Krone
    Im weltweiten Raum
    Steht er im Hohne

    Ringsum ist Stille
    Es fällt seine Frucht
    Und damit die Hülle
    Frei für die Flucht

    Denn schneidende Winde
    Die Äste ergreifen
    Wund wird die Linde
    Wund kann sie reifen

    Sie beugt sich und schreit
    Erhebend die Klage
    Des unendlich Leid
    Das niemand ertrage

    Sie bangt um ihr Leben
    Sie stöhnt, daß es schallt
    Kein Trost kann ihr geben
    Der Grashalm – kein Halt

    Allein steht sie immer
    Denn hoch ist der Baum
    Und laut das Gewimmer
    Die Vorstellung Schaum
    Das ist ein verdammtes Gedicht! Es REIMT sich sogar. Wenn das kein Gedicht ist, will ich für den Rest meines Lebens Ernst-Otto Maria Korinthenkacker heißen!
    Das Forum hier ist ein Gedichteforum und irgendwo gibt es sicher eine Rubrik, wo man Gedichte posten kann.

    Natürlich kann in einem Prosatext auch mal jemand ein Gedicht aufsagen, zum Beispiel in einer Kurzgeschichte über eine Deutschlehrerin, die alle Kinder, die das Gedicht nicht gelernt haben, umbringt und roh frißt.
    Dass es einen extra Bereich für fremdsprachige Texte gibt, ist mir noch nicht aufgefallen, aber dann gehört das natürlich auch verschoben.

    Mit Kunst sich rauszureden und so weiter, das kann man sich ja sparen. Interessant ist der Gedanke, dass sich innere Vorgänge durch Lyrik besser darstellen lassen. Man kann vielleicht über eine poetischere Sprache, eine metaphernreiche, das Innere besser zum Ausdruck bringen. Muss man aber nicht. Auch äußere Vorgänge, wie z.B. das Gießen einer Glocke, können in Gedichtform erfolgen, obwohl das inhaltlich ein Sachtext ist.

    Ich finde eine Kurzgeschichte interessant, wenn ein Thema tausendmal „déjà-vu“ durch eigene Worte und Beobachtungen von der Seite des Autors ganz neu aufgegriffen wird,
    Da stimme ich zu.

    und persönlich mag ich Texte nicht, die das LI total in den Vordergrund stellen und die beschriebenen Personen „abfertigen“, als hätten sie gar kein Innenleben, weder Erinnerungen noch „nützliche“ Gegenwartsgedanken, (z..B.: jetzt sollen doch mal alle wissen, daß ich einem „Penner“ ein Geldstück gegeben hab; komischerweise sind die immer stumm wie die Vogelscheuchen... oder krepieren mal so nebenbei ohne Emotionen zu erregen, wie die schwarzen Gepäckträger in alten Tarzanfilmen...)
    Das so eine Unart, ja. Kann aber auch viel über die Figur aussagen, die einem "Penner" ein Geldstück gibt. Vielleicht ist der Penner auch nicht wichtig für die Dramaturgie, weil er eine Nebenfigur ist und nur das Geben des Geldes ist die eingentlich wichtige Sache: Charakterisierung des Protagonisten als reich/ oberflächlich/ mitleidend oder was auch immer. Vielleicht dient der Penner auch nur dazu, eine Stimmung zu erzählen. Ein Mann, der gerade seinen Job verloren hat und von seiner Frau verlassen wurde und mit dem Trinken angefangen hat, gibt dem "Penner" das Geldstück in einem ganz anderen Zusammenhang. Er schaut auf seine (eventuelle) Zukunft. Da wird auch was über das Innere erzählt, nur über die Außenhandlung.

    wobei dies allerdings auch ein typisches Zeugnis unserer Zeit sein könnte und nicht unbedingt auf Oberflächlichkeit und Narzißmus des Schreiberlings schließen läßt.
    Ach, unsere Zeit ist nicht anders als andere Zeiten, was das betrifft.

    Hätten sich die Nachkriegsautoren die Zeit genommen, Altersheime zu besuchen, wäre so einiges ungeahnte zum Vorschein gekommen, oder mal andere Gedanken über den Untergang der Titanic als die typische Filmdusselei.
    Die Nachkriegsautoren hatten den Krieg ja selbst miterlebt. Als Kinder oder auch als Soldaten. Hätten sie Altersheime besucht, wären Sie dort auf Menschen gestoßen, die ihnen was von der französischen Revolution erzählt hätten oder so. Ich übertreibe grad ein bisschen. Dass ein Hollywood-Film über die Titanic so "oberflächlich" daherkommen muss, weil eine Filmproduktionsfirma ein Unternehmen ist (und solches ist definiert durch das Ziel der Gewinnmaximierung) und weil der Film möglichst viele Menschen in die Kinos locken soll, ist ein ganz anderes Thema.
    Du hast als Autor oder sonstiger Künstler immer Deinen idealistischen Weltverbesserungsanspruch und wirtschaftliche Zwänge. Die Drehbuch-Autoren von Titanic MUSSTEN die Liebesgeschichte hineinschreiben, denn sonst wäre das ganze von der BBC produziert worden als Doku.
    Ist es aber nicht, es war ein Hollywood-Schinken und daher ergaben sich ökonomische und weiter inhaltliche und auch strukturelle ZWÄNGE.
    Die hast Du hier ja nicht, ich auch nicht.

    Die Kategorie „Prosa & etc.“ zwängt nicht in eine bestimmte Kurzgeschichtenschublade, und Prosa ist „ungebunden etc. (zum etc. zählen doch auch Prosagedichte)“ s.o. Die Kategorie „Lyrik“ gibt es nicht, wohin soll dann „Traum“...
    Es gibt Prosagedichte und alle möglichen Mischformen, wie gesagt. Prosa ist ungebunden. Aber das Eingangsposting ist ein Gedicht. Es wechseln sich verschiedene Texte ab. Die hängen vielleicht irgendwie thematisch zusammen, aber die enthalten keine oder kaum narrative Elemente. Und "wo sonst" ist kein Argument, denn wenn ich zum Beispiel ein Kuchenrezept verfasst habe und es passt bei Lyrik nicht rein, dann ist es deshalb noch lange nicht Prosa.
    Ich bleibe dabei, Dein Posting ist Lyrik.

    LG 101010

  10. #10
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    Hallo 101010

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Geh einfach in die Buchhandlung und schau mal, was unter "Lyrik" einsortiert ist, was unter "Prosa" und was unter "Sachbuch".
    Da müsste ich erst die 10 Zeilen über Kunst schreiben, um mir ein Ticket bis zur nächsten Buchhandlung zu kaufen, und hier im Forum habe ich leider die Definition nicht erkannt. Würde sie aber sehr gerne erfahren. Ich bin nicht militant und absolut nicht an einer Lyrik – Prosa Revolution interessiert.

    Deine "Prosa" hat keine Narration, keinen roten Faden, oft nicht mal ein Thema, keine Figuren außer "ich", "du" und "er". Sie sind eine Aneinanderreihung von Bildern, inneren Zuständen, Erinnerungsfetzen und Lebensweisheiten. Wären deine Texte Filme, wären sie surreale Musikclips. Und diese Art von Texten bezeichnet der Volksmund als Lyrik oder auch als Poesie.
    Prosa ist weiter nicht in Strophen gegliedert
    OK. Vielleicht gehören meine (mindestens drei ?) Prosatexte, in denen sich was reimt, in die "Experimentelle Lyrik"? Es ist mein Schreibstil, schon immer, auch auf Einkaufszettel oder Kassenbons, wenn mir jemand sagt: „So was wollen wir hier nicht,“ send ich’s in Himmel und Hölle.

    Ich bleibe dabei, Dein Posting ist Lyrik.
    Vielen Dank für deine Kritik

    LG Farbkreis

  11. #11
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    Das war überhaupt keine inhaltliche Kritik, das geht auch fast gar nicht.
    Das war nur meine Meinung, dass der Baum ein Gedicht ist und das darunter sind Mischformen. Poetische Prosa vielleicht. Seit es mir nicht mehr so lila in den Augen weh tut, hab ich das auch alles auch nochmal genüßlich lesen können und ich finde das auch schön. Das hier zum Beispiel:

    Der größte Zweig ist abgetrennt,
    damit der Baum nicht stürzt. Er schrie seinen Schmerz, suchte seine Qual, opferte einen Arm
    um seine Wurzeln zu behalten. Auch wenn er noch so sehr sich in die Lüfte schwingen wollte,
    hin zur Sonne, seinen Wurzeln entfliehen wollte, er wäre doch nur zu Boden gestürzt, zu schwer
    und er haßt seine Wurzeln und verdankt ihnen sein Leben. Da steht er nun, der blätterlose,
    erbärmliche, mit seiner nässenden Wunde, träumt noch vom Fliegen, beklagt seine Wurzeln,
    streckt stöhnend seinen Armstumpf in den Nebel, wimmert und weiß doch, daß er Baum
    bleiben muß, daß er Baum bleiben will. Schreiend verlangt er sein Leben, wählt den Schmerz
    und nicht den Tod, liebt den Nebel und fürchtet nun die Sonne, die in seine Wunde sticht. Oder
    wollte er doch lieber zu Boden stürzen, einmal fliegen, wenn auch nur in den Tod?

    Auch schwere Wunden verheilen und man erinnert sich ihrer später nur selten, wenn man zufällig
    die Narben ansieht. Sie können keinen Schmerz verursachen...
    Was für ein Drama. Armer Baum, man fühlt richtig mit.
    Die einzelnen Fragmente sind kleine Kurzgeschichten oder auch Gedichte. Die sind auch irgendwie verbunden, weil einige Motive immer mal wieder auftauchen. Ich habe trotzdem mehr den Eindruck von surrealer Poesie. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich. "Träume auf stelzenden Beine trippeln und wanken mit erhobenen Köpfen, schwanken ihren gebeugten Leib."
    Ich kann mir das sehr gut vorstellen als Vortrag mit Musik oder mit Animationsfilm.
    Sprachlich ist es wunderbar, nur springt die ungewöhnliche Struktur mir ins Auge und wenn Du es nicht zerhacken und eintüten und in die einzelnen Unterforen verteilen willst, weil es für Dich irgendwie zusammengehört, dann gut.
    Ich kann damit leben. Ich habe auch nichts gegen Revolutionen.

  12. #12
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    Hallo 101010

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Das war überhaupt keine inhaltliche Kritik, das geht auch fast gar nicht.
    Das war nur meine Meinung, dass der Baum ein Gedicht ist und das darunter sind Mischformen. Poetische Prosa vielleicht.
    Vielleicht. Der Inhalt ist in ihm ein – und abgeschlossen. Man kann natürlich alles noch von einer anderen Seite betrachten, ich nur von meiner. Ich habe auch nichts über deutsche Prosadichtung gefunden,... aber über „poème en prose“,... es gibt sie schon lange, sie ist nur heute umstritten, oder verschwunden? Wikipédia:

    Die Gebrauchsprosa teilt ihre Inhalte mit z. B. in Rede, Gespräch, Brief, Artikel und Sachtext (z. B. Gesetzestexte oder Gebrauchsanleitungen). Davon unterscheidet man die literarische Prosa, die sich in Wortwahl, Satzbau, Sprachmelodie, Bildhaftigkeit und Sprachrhythmus bewusst poetischer Gestaltungsmittel bedient.
    Bewußt? Das ist so ein Bürodeutsch lala la, einen Gesetzestext, der die Versform in der Prosa verbietet, gibt es nicht, vielleicht aber eine Gebrauchsanleitung fürs Gedicht? Eigentlich gehören alle ungereimten Gedichte zur Prosa, wenn ich es richtig gelesen habe, die gereimten Gedichte sind dazu noch an die Metrik gebunden?

    Ich habe trotzdem mehr den Eindruck von surrealer Poesie. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich.
    Es ist eher eine Biographie

    Was für ein Drama. Armer Baum, man fühlt richtig mit.
    Danke für dein Mitgefühl.

    LG Farbkreis

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