Thema: Nichts

  1. #1
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    Nichts

    Nichts hinterläßt du, keine Erinnerung
    Keinen Haß, keine Liebe, keine Leere
    Weder Sehnsucht noch Vergangenheit
    Zu füllen, nicht einmal Erleichterung

    Es tut mir nicht leid, du hast mich nie berührt
    Du wirst mich nie berühren, weder Höhe
    Noch Tiefe hast du jemals erreicht
    Wo es dich doch nie gab, nie geben wird?

    Was du bist, was du suchst, ich schwebe drüber
    Oder drunter, ohne Erfolg versuchst du
    Mich hinauf hin herabzuziehen
    Hin zu dir um mich dort zu zerstören

    Doch ich sehe dich nicht, will dich nicht suchen
    Du warst nicht, du bleibst nicht und wirst niemals sein
    Nicht gestern, nicht heute, nicht morgen
    Du hinterläßt einfach nichts Du – Es – Nichts


    ...
    Geändert von Farbkreis (03.03.2011 um 22:38 Uhr) Grund: s.u.

  2. #2
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    Ich sag mal so: Ich kann was damit anfangen. Diese Wortspiele gefallen mir gut. Das "nimmer" stört mich ein bisschen, das ist etwas verstaubt.
    Aber ansonsten habe ich das sehr genüßlich gelesen.

  3. #3
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    Hallo 101010

    Zitat Zitat von 101010 Beitrag anzeigen
    Das "nimmer" stört mich ein bisschen, das ist etwas verstaubt.
    Das „nimmer“ gehört auch gar nicht dahin, mir fehlte eine Silbe, da hab „nie“ verlängert, jetzt schreib ich einfach „Du“ dazu.

    Danke für den Hinweis

    LG Farbkreis

  4. #4
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    hi farbkreis, das ist schon inhaltlich vollkommener quatsch, reden wir mal wohlwollend vom lyrischen ich, so macht sich lyrich hier furchtbar etwas vor, indem es behauptet, was es gar nicht empfinden kann, sonst schriebe es wohl nicht diesen text, denn was nichts ist und nichts bedeutet, müsste folglich nicht beschrieben werden. also konstruktives kann ich grad nicht beitragen, das wäre wie bei einer milchmädchenrechnung einen additionsfehler bemängeln: hier stimmen die rahmenbedingungen einfach nicht.
    circus

  5. #5
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    Hallo circus

    Zitat Zitat von circus Beitrag anzeigen
    hi farbkreis, das ist schon inhaltlich vollkommener quatsch, reden wir mal wohlwollend vom lyrischen ich, so macht sich lyrich hier furchtbar etwas vor, indem es behauptet, was es gar nicht empfinden kann, sonst schriebe es wohl nicht diesen text, denn was nichts ist und nichts bedeutet, müsste folglich nicht beschrieben werden.
    Es ist keine Beschreibung, aber natürlich kann man den Inhalt als "Quatsch" bezeichnen, kommt drauf an wie man den Text liest. Das LI behauptet gar nichts, es stellt etwas fest, außerhalb des Verstandes sozusagen... es spricht und schreibt nicht, geschrieben hab ich es. Das Gedicht steht hier im Thema < Trauriges und Düsteres >, die Verneinungen und "Nichts" sollten nicht philosophisch betrachtet werden, ist aber nicht verboten, nur sehe ich keine Beziehung zum Inhalt, da könnte man ja noch lange quatschen.

    also konstruktives kann ich grad nicht beitragen, das wäre wie bei einer milchmädchenrechnung einen additionsfehler bemängeln: hier stimmen die rahmenbedingungen einfach nicht.
    circus
    Man sagt, der eigentliche Künstler ist der, der das Bild einrahmt, das stimmt nur bedingt, der Rahmen dient auch dem Schutz... z..B. gegen Schmutz. Es gibt weder in der Malerei noch in der Literatur weibliche Picasso Chagall Goethe Molière Schiller etc. Bei dem LI in "Nichts" handelt es sich um eine Frau, und welcher Mann wird schon daraus schlau?

    Danke für deinen Beitrag und einen schönen Freitag

    LG Farbkreis

  6. #6
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    Mh, in deinem Gedicht schwingt das Wort "Gleichgültigkeit" mit.
    Er hinterlässt nichts, nicht einmal Leere - daraus kann man schließen, dass es sehr gut ohne "ihn" weiter geht und die Zukunft nicht durch diese Erfahrung geprägt wird. Das kann Vor- aber auch einige Nachteile haben.

    Was mich ein wenig stutzig machte, ist dass das "er" wohl versucht das LI wieder zu gewinnen (Strophe3) um dann zu zerstören. Also diese Gleichgültigkeit wohl nur einseitig ist. "Er" hat sie wohl verlassen, wobei das LI "ihm" immer noch im Kopf herum geistert.

    Was ich nicht ganz verstehe, ist diese Zeile: "Mich hinauf hin herabzuziehen"
    Ist da ein Schreibfehler drin? Oder verschließt sich mir einfach der Sinn der Zeile?

    Placido
    Es ist schwer mit Menschen zu leben, weil das Schweigen so schwer ist...
    Friedrich Nietzsche

  7. #7
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    Hallo Placido

    Zitat Zitat von Placido Beitrag anzeigen
    Mh, in deinem Gedicht schwingt das Wort "Gleichgültigkeit" mit.
    Das kann ich nicht beurteilen. Es reißt eher den ganzen Menschen, sein ganzes Sein in eine unbekannte Gegenüberstellung des nicht Vorhandenseins... leider sagst du nicht, wo du "Gleichgültigkeit" empfunden hast, im ganzen Text?

    Er hinterlässt nichts, nicht einmal Leere - daraus kann man schließen, dass es sehr gut ohne "ihn" weiter geht und die Zukunft nicht durch diese Erfahrung geprägt wird. Das kann Vor- aber auch einige Nachteile haben.
    Das Gedicht steht nicht in der Kategorie < Liebe und Romantik >, Du – Es – Nichts... "er" und " ohne ihn" in der Figur eines männlichen verschwundenen Partners ist eigentlich nicht das Thema.

    Was mich ein wenig stutzig machte, ist dass das "er" wohl versucht das LI wieder zu gewinnen (Strophe3) um dann zu zerstören. Also diese Gleichgültigkeit wohl nur einseitig ist. "Er" hat sie wohl verlassen, wobei das LI "ihm" immer noch im Kopf herum geistert.
    Deshalb steh ich auch jetzt ein wenig ratlos da, was du mit "er" meinst, der Kopf ist wohl in so einem totalen emotionalen Zustand eher abwesend, so auch Überlegungen über zukünftige Vor- oder Nachteile. Die Erfahrung findet gerade leibhaftig statt, und die Zeitbegriffe der Vergangenheit und der Zukunft aus der Präsenz des LI sind auf keinen Fall logische Aussagen.

    Was ich nicht ganz verstehe, ist diese Zeile: "Mich hinauf hin herabzuziehen"
    Ist da ein Schreibfehler drin? Oder verschließt sich mir einfach der Sinn der Zeile?
    Das gehört zum poetischen Rhythmus, wo sind im erfühlten "Nichts" oben und unten? Aber auch in der Realität stelle ich mir die Frage: wann steigt man auf, wann sinkt man außerhalb der Erdkugel? Vielleicht hätte ich einen Bindestrich setzen sollen? Ich habe mich hier an ein bestimmtes Silbenschema gehalten, sonst wäre her- hinauf hin- herab, oder herauf hinab- deutlicher gewesen?

    Vielen Dank für deine Überlegungen

    LG Farbkreis

  8. #8
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    he farbkreis, wie du es auch dreht - ob du das gedicht um eine idee oder einen menschen kreisen lässt: es bleibt nichts, außer der aussage, dass nichts zu sagen ist. das an sich wäre interessant, nicht zuletzt vom philosophischen standpunkt, aber hier wird eben nicht philosophiert, sondern unter verkehrung der vorzeichen projiziert: lyrich behauptet das gegenteil dessen, was geschehen ist: lyrich ist verletzt, und will sich das nicht eingestehen. und diese behauptung, es gäbe keinen "er" und keine "sie", ist eine fortsetzung des verwirrspiels mit dem leser, in dem - lautere absicht unterstellt - der autor sich verfing.
    circus

  9. #9
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    Hallo circus

    Zitat Zitat von circus Beitrag anzeigen
    he farbkreis, wie du es auch dreht - ob du das gedicht um eine idee oder einen menschen kreisen lässt: es bleibt nichts, außer der aussage, dass nichts zu sagen ist. das an sich wäre interessant, nicht zuletzt vom philosophischen standpunkt, aber hier wird eben nicht philosophiert, sondern unter verkehrung der vorzeichen projiziert:
    Zuerst einmal entschuldige, ich habe mich geirrt. In *< Grundlegendes: Wie schreibe ich ein Gedicht? >* (im Sprechzimmer) steht es genau umgekehrt. In den Kommentaren wäre die Groß- und Kleinschreibung nicht wichtig, in der Poesie aber zu beachten. Inzwischen hat sich die Kleinschreibung in der Poesie durchgesetzt; wenn sie sich jetzt auch in die Kommentare einschleicht, dürfte man eigentlich auch in deutschen Schulen Schreibfehler nicht mehr benoten, alles hat seinen Vorteil.

    Außerdem habe ich in einer Kommentarantwort an dich einen interessanten Denkanstoß gelesen, in etwa: Woran erkennt man die Poesie = verdichtetes Erleben?

    Ich habe ein Gedicht (wieder gelöscht) über die philosophische Betrachtung des Nichts. Es ist satirisch. Man kann nicht irgendwo studieren, was das Nichts ist; kennt man es, weiß man es. Jeder drückt Erlebtes anders aus, das unterscheidet sich vom erdachten Dichten, oder auch von klischeehaften (Götter- Märchen etc. Symbolen) Verdichtungen, die in irgendeiner Zeit anerkannt wurden, um bestimmte Ideen zu verbreiten.

    Dafür gilt für mich dieses Zitat aus dem Faden *s.o.*

    3. Haltet die Leser nicht für dümmer als euch selbst!
    Mit ein wenig poetischem Feingefühl kann man erkennen, ob ein Gedicht akademisch gereimt ist, oder poetisch erlebt. Hat man nicht schon selbst erlebt, was durch die Poesie ausgedrückt werden soll, kann man nur Rechtschreib- Grammatik- und Metrikfehler kritisieren. Natürlich auch seine Meinung zum Inhalt vermitteln, dies ist sehr interessant, eine positive Kommunikation zwischen Autor und Leser, die im besten Fall beide inspiriert.

    lyrich behauptet das gegenteil dessen, was geschehen ist: lyrich ist verletzt, und will sich das nicht eingestehen. und diese behauptung, es gäbe keinen "er" und keine "sie", ist eine fortsetzung des verwirrspiels mit dem leser, in dem - lautere absicht unterstellt - der autor sich verfing.
    Es handelt sich nicht um ein Verwirrspiel, hat es dich verwirrt, so hat es doch einen Eindruck bei dir hinterlassen, aber von < Absicht > und "verfangen des Autors " kann hier keine Rede sein, es handelt sich um einen erlebten außergewöhnlichen Moment, der weder mit dem Verstand erfaßt noch wissenschaftlich erklärt werden kann, so wie Träume auch schwer beweisbar sind.

    Es kann aber sein, das ich deinen Kommentar nicht wirklich verstanden habe.

    Lieben Gruß
    Farbkreis

  10. #10
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    Nichts

    Zitat Zitat von allgemeine Fragen
    Darf man ein eigenes überarbeitetes Gedicht als Antwort zu dem Original posten und damit den Thread wieder nach oben hieven?
    Auch hier kommt es auf den Grad der Überarbeitung an. Handelt es sich nur um grammtikalische und orthographische Änderungen, nein. Sind die überarbeiteten Passagen grundlegender, ja.
    Bei mir ist es umgekehrt. Als ich « Nichts » schrieb, wurde im Forum Metrik verlangt, eine Gedichtform. Da
    ich nichts davon verstand, schrieb ich einen Text von mir um, das empfinde ich heute als falsch, zumal es
    eine Gegenbewegung gibt, ja sogar, so scheint es, einen Kampf gegen Metrik, Form, Lyrik allgemein, da Qualität
    nicht mehr mit ihr gleichgesetzt wird. Deshalb ersetze ich meine krampfhaften Verse hier durch den Originaltext,
    den ich mich nicht getraute einzustellen, als Antwort zur Ersteinstellung. Über Kommentare, auch die beiden
    Texte vergleichende, würde ich mich freuen, den Originaltext dann eventuell über den bearbeiteten, schon
    kommentierten setzen. Welchen Titel ich dem Text geben würde, weiß ich im Augenblick noch nicht, denn lang
    ist es her, eine Titeländerung , vielen Dank dafür an die Moderation, jederzeit möglich. Auch stellt sich, m.M.n.,
    hier die Frage nach dem Unterschied Lyrik/Prosa und: Was ist Prosadichtung?
    ******

    Nichts hinterläßt du
    Keine Erinnerung
    Keine Sehnsucht
    Keine Vergangenheit
    Keine Zukunft
    Keinen Haß
    Keine Liebe
    Keine Leere
    zu füllen
    Nicht einmal Erleichterung
    Es tut mit nicht leid
    Du hast mich nie berührt,
    wirst mich nie berühren
    Weder Höhe noch Tiefe
    hast du je erreicht
    Was du bist
    Was du suchst
    Ich schwebe darüber
    oder darunter
    Ohne Erfolg versuchst du
    mich dort zu zerstören
    um mich zu dir hinauf
    herabzuziehen
    Ich sehe dich nicht
    und will dich nicht suchen
    Wozu soll ich mich
    von dir verabschieden?
    Wo es dich doch nie gab
    nie geben wird?
    Adieu sagt man zu Menschen
    die den gleichen Weg liefen
    und die scheiden, um im Herzen
    zu bleiben
    Doch du warst nicht
    und du bleibst nicht
    warst nicht
    und wirst nie sein
    Vielleicht ein lästiger Alptraum
    aus dem man erwacht
    und an den man sich nicht
    erinnern kann
    Doch hinterläßt ein Alptraum
    ein Gefühl
    Doch du hinterläßt nichts
    Nicht gestern
    Nicht heute
    Nicht morgen
    Es ist einfach nichts
    Du
    Es
    Nichts


    *

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