Thema: Applaus

  1. #1
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    Applaus

    *******
    Mono steht auf der Kanzlei und gestikuliert
    dabei.

    MONO
    "Meine werten Damen und Herren, meine Hermaphroditen,
    Kastrierten, Travestien, Egalisierten und geehrten
    Differenzierten, oder Nicht-Identifizierten, im In- und im
    Ausland - "

    Er hält inne, streicht sich geziert
    über seine Glatze, sortiert seine
    Sinne.

    MONO
    "- wen ich vergaß, der hebe die Hand."

    Niemand meldet sich zu Wort,
    Mono fährt erleichtert fort.

    MONO
    "Meine Rede wird kurz sein, denn wir haben keine Zeit
    mehr. Die Bestien sind unter uns, sie kamen aus dem
    Meer und nahmen die Namen von Hinz und Kunz. Wer
    von Ihnen hier ist kein Tier in Menschengestalt? Schnurz?
    Wer ist militant gegen die Waffengewalt, die das Volk
    niederknallt, sobald es rebelliert? Wer ist keine Pflanze,
    wer hat das Ganze erkannt? Soll ich an den delikaten
    Stellen, die man besser nicht zitiert, lieber bellen? Oder
    wie ein Kätzchen schnurren, oder wie ein Bienchen surren,
    oder wie Lupinchen - "

    Murren ertönt im Saal,
    jemand stöhnt irritiert. Dia erhebt
    sich, fixiert Mono, greift das Mikro,
    stiert.

    DIA
    "Jetzt aber mal - es fehlen die historischen Daten der
    Weltrevolution, Ihre Theorie ist ohne Beweise, Sie ziehen
    hier nur verwirrende Nullpunkt-kreise!"

    Es raunt hinter dem, der
    da steht, Dia dreht sich einmal
    ganz, wedelt mit dem Pferdeschwanz;
    in dieser kurzen Stille staunt Mono
    durch die Brille.

    DIA
    "Sie stehlen uns unsere Hoffnung auf Evolution, unser
    menschliches Sein, das sich in Millionen Euro bewährt,
    wir drucken das Geld, damit die Unterwelt uns auch in
    Zukunft ernährt, wir gucken nicht hin, wenn Drogen
    und Korruption die Überbevölkerung limitiert, wir sind
    nicht verlogen, wir handeln mit Vernunft, haben Sie
    keinen Verstand? Jede Veränderung bedroht unsere
    Sicherheit, es gibt nicht genug Brot, denken Sie an
    die Arbeitslosen, an die fehlenden Instruktionen,
    Westen und Hosen, und wir haben nicht genug Bäcker,
    es fehlen verläßliche Wecker, wir wollen alle studieren
    und Erdbebenopfer evakuieren, neue energiesparende
    Atomwerke konstruieren, die beschädigten betonieren,
    dafür braucht man die besten Experten - wir jonglieren
    mit den inneren Werten der Masse, wer tüchtig weint
    füllt eine neue Tasse, Mitleid ist unentbehrlich, genauso
    ehrlich wie Neid, das treibt uns ein Stück voran und
    reibt flüchtig Frau und Mann -"

    Mono wird rot.

    MONO
    "Sie Idiot! Sie verstehen nichts, seit Herodes und
    angesichts des Todes - singen wir alle vereint:
    Glück, Glück, Glück! dreimal, so kann es unser
    Gebrumme bringen, wer nicht mitsingt, ist der Dumme,
    dem nichts gelingt, der Taugenichts. -"

    Die Stimmen erklingen
    und am Ende

    MONO
    "Applaus! Die Rede ist aus."

    klatschen alle in die Hände,
    in Einigkeit und Recht und Freiheit,
    gehen alle nach Haus.

    ________________________________________________________________________


    ***
    Im nachhinein, die Form des Textes wurde irgendwann verändert, erscheint mir der Schluß als Dialog
    zu platt und fade geschrieben. Da ich daran denke, ihn (in unabsehbarer Zeit) lebendiger zu gestalten,
    würde ich mich über eine PN mit Meinung dazu freuen, denn ich kann mich auch täuschen und das
    abrupte Ende ist OK?



    Geändert von Farbkreis (21.04.2012 um 09:33 Uhr) Grund: ***

  2. #2
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Liebe Farbkreis,

    ich finde Deine prosaische Dichtung im leichten Rapstil gut gelungen!

    Humor ist vorhanden, seltene Worte tauchen auf. Du beschreibst hier ironisch das alte Weltsystem, so wie es sich nach Plato, im Gegensatz zur aristotelischen Philosophie, ja dann bis heute entwickelt hat.

    Die weltweite Lage ist natürlich alles andere als mit lustig zu bezeichnen. Es gibt eigentlich nur eine Lösung: "Ehrliche, ganzheitliche, nachhaltige Werterzeugung nach modernsten, umweltgerechten Verfahren unter einer Weltregierung" Damit schafft sich dann nach langsamer, allumfassender Globalisierung der Gewinnzwang einer Unternehmung von selbst ab und macht Platz für ein neues drittes Weltwirtschaftssytem. Da die Schuldenspirale sowieso logischerweise kolabieren muss (Zinseszinskatastrophe), werden Uraltkredite ab sofort nicht mehr bedient, fertig. Die aktuelle Verdummungspolitik unter dem Motto: Ein Land zahlt für alle und Alle zahlen für Einen mit dem Geld aus des Kaisers neuen Kleidern lässt erkennen, dass den Politpittis nichts mehr einfällt. Die Gläubiger die das Geld aus den Horrorzinsen bekommen, haben sowieso keine Möglichkeit es langfristig alles auszugeben. Am besten wäre eine Währungsreform weltweit. Das steht aber in den Sternen, weil sich die, von der Bevölkerung, werteabsaugenden Regierungen, Schwerverdiener und Vielzinsbekommer nicht vertreiben lassen wollen. Und solange die noch kein Atemmaske brauchen, oder nach einem Gau schnell in einen anderen, sauberen Ort der Welt jeten können, wird sich von allein nicht viel ändern.
    Was bleibt für den Normalbürger? Mitmachen, Nichtsmachen, dagegen Anmachen, wie z.B Gedichte schreiben, oder?

    Viele Grüße sendet Dir Ingo
    Geändert von IngoRaup (12.04.2011 um 17:03 Uhr)

  3. #3
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    Hallo IngoRaup

    ich finde Deine prosaische Dichtung im leichten Rapstil gut gelungen!
    Leider konnte ich nicht so schnell herausbekommen, was Rapstil bedeutet. Vor einigen Jahren war es eine Kleidermode? Bei uns hier ist < Romeo und Julia > im Rapstil in Vorbereitung, das Stück kommt wahrscheinlich aber erst nächstes Jahr auf die Bühne. Man sagte mir Rapstil sei: "Rimes anticonformistes positifs", der heutige mediatisierte sei "Gangster Rap", in den siebziger Jahren, in den achtziger Jahren war er so und so und etc.; dann gibt es noch den neuen melancholischen Rapstil, aber ursprünglich ist es gereimter Sprechgesang einer Person, die von einem erlebten Tag erzählt, ohne sich klagend in den Vordergrund zu "jammern" oder sich anklagend zu beschweren (wie beim modernen melancholischen), sondern eine Beobachtung des Treibens des Umfeldes, der Mensch inmitten seiner Zeit, der etwas zu sagen hat. Werde mich aber noch näher erkundigen, denn angeblich gilt auch: ohne Musik kein Rap.

    Humor ist vorhanden, seltene Worte tauchen auf.
    Seltsame oder seltene? Wo tauchen die auf?

    Du beschreibst hier ironisch das alte Weltsystem, so wie es sich nach Plato, im Gegensatz zur aristotelischen Philosophie, ja dann bis heute entwickelt hat.
    Plato konnte angeblich Geister gebären, Aristoteles wollte nicht, daß man seine Kreise stört? Das Weltsystem habe ich nicht beschrieben, dazu gebrauchte ich nicht so viele Sätze.

    Die weltweite Lage ist natürlich alles andere als mit lustig zu bezeichnen. Es gibt eigentlich nur eine Lösung: "Ehrliche, ganzheitliche, nachhaltige Werterzeugung nach modernsten, umweltgerechten Verfahren unter einer Weltregierung" Damit schafft sich dann nach langsamer, allumfassender Globalisierung der Gewinnzwang einer Unternehmung von selbst ab und macht Platz für ein neues drittes Weltwirtschaftssytem. Da die Schuldenspirale sowieso logischerweise kolabieren muss (Zinseszinskatastrophe), werden Uraltkredite ab sofort nicht mehr bedient, fertig. Die aktuelle Verdummungspolitik unter dem Motto:
    Danke für deine Rede, ich werde drüber nachdenken, es tauchen seltene Wörter darin auf...

    Ein Land zahlt für alle und Alle zahlen für Einen mit dem Geld aus des Kaisers neuen Kleidern lässt erkennen, dass den Politpittis nichts mehr einfällt.
    Von wem ist die Geschichte noch mal? Theodor Storm? Da hatte der Kaiser gar nichts an...

    Die Gläubiger die das Geld aus den Horrorzinsen bekommen, haben sowieso keine Möglichkeit es langfristig alles auszugeben. Am besten wäre eine Währungsreform weltweit. Das steht aber in den Sternen, weil sich die, von der Bevölkerung, werteabsaugenden Regierungen, Schwerverdiener und Vielzinsbekommer nicht vertreiben lassen wollen. Und solange die noch kein Atemmaske brauchen, oder nach einem Gau schnell in einen anderen, sauberen Ort der Welt jeten können, wird sich von allein nicht viel ändern.
    Meinst du den Südpol? Der ist größer als Europa, sozusagen ein gefrorener Erdteil... kennst du die Geschichte der Eiskönigin? Entfernungen von Industriegebieten sind keine Garantie für saubere Luft, im Gegenteil ist z..B.: der Nordpol sehr verschmutzt, die Eisbären sind davon betroffen, es werden immer mehr Zwitter geboren, auch Afrika bekommt die Verschmutzung zu spüren und die Wälder Amazoniens werden trotzdem gerodet... man hat die letzten Indianer aufgespürt, die sich noch ohne Geld ernähren...

    Was bleibt für den Normalbürger? Mitmachen, Nichtsmachen, dagegen Anmachen, wie z.B Gedichte schreiben, oder?
    Glück, Glück, Glück... ich komme später eventuell noch darauf zurück.

    Viele Grüße Farbkreis


    "Eventuell" ist noch auf den Rapstil bezogen, eventuell kann ich, wenn ich "Romeo und Julia" gesehen habe, meine persönliche Meinung dazu sagen.

    Hierzu bekam ich gestern die Antwort.

    Was bleibt für den Normalbürger? Mitmachen, Nichtsmachen, dagegen Anmachen,
    Ich wollte noch schnell in den Supermarkt... eine große, breite Verkäuferin kam durch die Tür gerannt, kreischte Schimpfwörter, rot vor Zorn... da sah ich einen Dieb um die Ecke flitzen, er hatte eine Flasche in der Hand... Ich ging langsam ins Geschäft, ein grauhaariger Mann grinste belustigt, alle Kunden verhielten sich ruhig. Da walzte die schwergewichtige Kassiererin an mir vorbei, kappte sich einen Jungen, der an der Kasse wartete, erneut hörte man Gekreische und plötzlich bitteres Weinen. Aus einiger Entfernung sah ich, wie sie den Jungen "fertig machte", er hatte aber nichts gestohlen, öffnete seine Jacke... meiner Meinung nach war er nicht älter als dreizehn, groß und dünn mit einem Kindergesicht, einer kindlichen Stimme... sie zerrte ihn durch die Regale, er heulte laut: "Bitte, lassen Sie mich, ich kenne den Dieb nicht, ich habe nichts damit zu tun, ich will nicht ins Heim..." Ich schnitt ihnen den Weg ab, breitete meine Arme um den Jungen und sagte zu ihr: "Lassen Sie ihn zufrieden." Sie packte hart meinen Arm... Ha! Das Dschungelgesetz... Eine bebrillte Frau glotzte durch mich hindurch, ihr Begleiter suchte etwas konzentriert im unteren Regal. Niemand rührte sich...

    Ich hatte meine kleine Geschichte in so einem Moment geschrieben, ohne Gedanken. Das Gewicht des Wortes... in der Tagesschau (euronews) sprach man von einem Attentat? und von Toten wahrscheinlich in Afghanistan, ohne Pause, im gleichen Ton ging es weiter: In Indien Explosion... ich horchte auf... einer großen Freude, irgendein Match gewonnen, da knallte ich nicht durch, aber mein Stift schrieb... Rap?

    Im Text stört sich niemand an dem Wort "Idiot", es folgt keine Erklärung, keine Entschuldigung... vielleicht ist es so?



    ***
    Mono wird rot.

    MONO
    "Sie Idiot! Sie verstehen nichts, seit Herodes und
    angesichts des Todes - singen wir alle vereint:
    Glück, Glück, Glück! dreimal, so kann es unser
    Gebrumme bringen, wer nicht mitsingt, ist der Dumme,
    dem nichts gelingt, der Taugenichts. -"

    Die Stimmen erklingen
    und am Ende

    MONO
    "Applaus! Die Rede ist aus."
    klatschen alle in die Hände,
    in Einigkeit und Recht und Freiheit,
    gehen alle nach Haus.
    Im nachhinein, die Form des Textes wurde irgendwann verändert, erscheint mir der Schluß als Dialog
    zu platt und fade geschrieben. Da ich daran denke, ihn (in unabsehbarer Zeit) lebendiger zu gestalten,
    würde ich mich über eine PN mit Meinung dazu freuen, denn ich kann mich auch täuschen und das
    abrupte Ende ist OK?


    Geändert von Farbkreis (21.04.2012 um 09:37 Uhr) Grund: ***

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