1. #1
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    Macht ein graphischer Trick einen Text zum Gedicht?

    Macht ein graphischer Trick einen Text zum Gedicht?

    Ich mach das mal vor:

    Man nehme einen beliebigen Prosa-Text, verteile die Zeilen etwas anders, und schon hat man ein Gedicht.

    Denken einige ....
    Zitat Zitat von http://de.wikipedia.org/wiki/Salzburg, bearbeitet von Montag

    Salzburg

    Salzburg wurde im Jahr 696 als
    Bischofssitz neu gegründet
    und 798 zum Sitz des Erzbischofes. Die Haupteinnahmequellen
    Salzburgs bildeten
    Salzgewinnung und -handel sowie zeitweise der Goldbergbau. Die Festung
    Hohensalzburg stammt


    im Kern aus dem 11. Jahrhundert. Sie ist eine der größten
    europäischen
    Burganlagen
    des Mittelalters und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Ab
    dem 17. Jahrhundert wurde die Stadt von Erzbischof
    Wolf Dietrich und dessen
    Nachfolgern als Residenzstadt prunkvoll
    ausgestattet. Zu dieser Zeit wurde


    im Süden der Stadt auch das Schloss Hellbrunn samt Schlosspark,
    Wasserspielen
    und Alleen errichtet. Als bekanntester Salzburger
    gilt Wolfgang Amadeus Mozart, weshalb die Stadt
    auch den Beinamen


    „Mozartstadt“ und der Flughafen den Namen Salzburg Airport W. A. Mozart
    trägt.

    Und so was wird dann von selbsternannten Gedicht-Experten bejubelt ....
    Geändert von Montag (20.03.2011 um 22:48 Uhr) Grund: Nun habe ich dem Gedicht auch Strophen gegeben ....

  2. #2
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    Nö, eigentlich wird sowas nicht bejubelt, zumindest nicht von denjenigen, die sich schon ein wenig um Dichtung kümmerten. Aber ich denke auch Laien dürften das obige schnell entlarven, da deren Anspruch meist zumindest einen mit Herzblut geschriebenen Text erwartet Allhellige Meinung ist, dass der Begriff "Gedicht" an mehr, als an der Zeilenaufteilung festzumachen ist. Allerdings sind die Ansprüche/Ansichten sehr unterschiedlich, weshalb Du im Forum unzählige Diskussionsfäden findest, was konkret ein Text mitbringen muss, um sich Gedicht zu nennen...
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  3. #3
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    Zitat Zitat von Montag Beitrag anzeigen
    Macht ein graphischer Trick einen Text zum Gedicht?

    Ich mach das mal vor:

    Man nehme einen beliebigen Prosa-Text, verteile die Zeilen etwas anders, und schon hat man ein Gedicht.

    Denken einige ....




    Und so was wird dann von selbsternannten Gedicht-Experten bejubelt ....
    Hallo Montag

    Wo hast du denn die bejubelnde Kritik "eines selbsternannten _ " dazu gelesen, in welcher Kategorie steht dein zitiertes Gedicht?

    Autodidakt heisst nicht minderwertig, und ein Diplom ist keine Wissensgarantie, schon gar nicht in der Poesie.

    Hier ist ein Kritikbeispiel, ich habe es selbst noch nicht ganz gelesen, aber der Faden scheint interessant zu sein.

    http://www.gedichte.com/showthread.p...860#post119860


    Seine
    Wärme
    Ist schon
    Lange
    Hinfort
    Seitdem sein Engel des Feuers ging!
    Und seine
    Flügel
    Sind
    Von Eis
    Gebrochen
    S2:
    Was soll denn das ergeben?
    LG Farbkreis

    ***

    Zitat Zitat von Montag Beitrag anzeigen
    Dieses "Gedicht" steht nirgends.

    Der Text stammt von Wikipedia.

    Ist also frei zitierbar.

    Ich habe den Text genommen, und ihn "bearbeitet".

    Das war meine "schöpferische Leistung".

    Und ähnlich "schöpferische Leisungen" sehe ich da und dort.

    Darauf wollte ich mal hinweisen.

    Das ist alles.

    Warum fühlen sich denn nun plötzlich alle möglichen Leute angegriffen?
    ***

    Über dieser Kategorie steht:

    Forum: Sprechzimmer
    Allgemeine Fragen über Literatur? Leute, die es wissen sollten, antworten
    Ich bin zwar kein Experte, nur für Falschbilder in der Malerei, kann aber mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass Wikipedia keine repräsentable Literaturquelle ist, da ich persönlich jemanden kenne, der dort mitgearbeitet hat.

    Du hast diese [CENTER]... [/] Funktion benutzt, das ist keine Bearbeitung. Wenn man einen Text abschreibt, kann man immer nur bis zum Rand des benutzten Papiers schreiben, ausserdem kommt es auf die persönliche Handschrift und auf den Stift drauf an, wie viele Wörter jede Zeile enthalten wird. Wenn mir Kaffee oder Wein aufs Papier kleckert, integriere ich den Fleck in den Text hinein, und es ergibt einen Zusammenhang, oft daraus entstandene Figuren, Gesichter, etc. Dies bezeichne ich aber nicht als schöpferisches Kunstwerk, sondern als Spass.

    Nehme ich einen Schmierzettel von Dali um ihn zu verändern, auch wenn er dadurch "schöpferischer" werden würde , wäre es trotzdem so etwas wie Vandalismus.

    Was ist denn Ziel deiner Diskussion? Kannst du nicht selbst einen Text schreiben, vielleicht die Beschreibung deiner Gegend, und dann diese beispielhaft verändern?

    LG Farbkreis


    ***

    Ich habe es auch einmal versucht, einen Text (ich verrate nicht sofort woher er stammt, einige kennen ihn sicherlich), "umzuarbeiten" und zwar nur "graphisch", ich habe kein einziges Wort aus seinem Satzgefüge gerissen, weder die Interpunktion verändert.

    Man nehme einen x-beliebigen Text, egal woher. Ob aus Wikipedia, aus einem Gartenbuch, aus der Zeitung, oder sonstwoher.
    Meine Frage zum Thema: Welche Metrik (nach X-System) machte diesen Text zum Gedicht? Mit welchem "Trick" müsste man ihn "graphisch" verändern?

    "x-beliebiger" Text:
    Wie mein Glück, ist mein Lied. Willst du im Abendrot froh dich baden? Hinweg ists! Und die Erd ist kalt, und der Vogel der Nacht schwirrt unbequem vor das Auge dir.
    Zitat (frei verändertes Schriftbild):
    Wie mein Glück,
    ist mein Lied.
    Willst du im
    Abendrot
    froh dich baden?
    Hinweg ists!
    Und die Erd
    ist kalt, und
    der Vogel
    der Nacht schwirrt
    unbequem vor
    das Auge dir.

    Ist das ein Gedicht? oder... ???

    Und manche Möchtegern-Literaturkritiker bejubeln solchen Schrott auch noch.
    LG Farbkreis

    Mein zitiertes, umgeschriebenes Gedicht ist von einem, hier auf dem Forum oft bejubelten Dichter.
    Geändert von Farbkreis (12.05.2011 um 06:51 Uhr) Grund: Zusammenfassung ***

  4. #4
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    @Montag
    Wenn du schon Wikipedia zum Thema Salzburg zitierst, darst du das Zitat ruhig auch als solches kennzeichnen. Ich habe dies jetzt einmal für dich übernommen.

    Ich persönlich finde nicht, dass solche "Tricks" unbedingt bejubelt werden. Natürlich darf die Form (also auch die Formatierung et cetera) gern den Inhalt unterstützen. Insofern bin ich der Meinung, dass optische Hilfsmittel einen Text verbessern können - nicht aber die Verdichtung ersetzen.
    LG,
    maXces
    Geändert von MisterNightFury (19.03.2011 um 11:11 Uhr)

  5. #5
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    Auf Grundlage dieses Fadens und des obigen Beispiels möchte ich bitten, dass die Texte von Sophia-Fatima sämtlich auf ihre Lyrizität untersucht werden. Ich halte u.a. Folgendes für kein Gedicht:
    Opertum


    Kreutz, Kirchturmuhr und Glocken,
    klar, kühl und offen,
    Opertum zum Entdecken!

    Nummern auf der Liedtafel,
    nüchtern evangelische
    Rauminstallation.

    Fenster zeigen Farben,
    fallen auf die Leute
    der Finissage.

    Warme Worte des Pastors,
    Klassikklänge für die Herzen,
    Weingläser zum Genießen, Prost!

    Neue Kunst und neuer Geist
    füllen die alte Kirche
    mit versteckten Geheimnissen.
    Prost!
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  6. #6
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    Zitat Zitat von Farbkreis Beitrag anzeigen
    in welcher Kategorie steht dein zitiertes Gedicht?
    Dieses "Gedicht" steht nirgends.

    Der Text stammt von Wikipedia.

    Ist also frei zitierbar.

    Ich habe den Text genommen, und ihn "bearbeitet".

    Das war meine "schöpferische Leistung".

    Und ähnlich "schöpferische Leisungen" sehe ich da und dort.

    Darauf wollte ich mal hinweisen.

    Das ist alles.

    Warum fühlen sich denn nun plötzlich alle möglichen Leute angegriffen?

  7. #7
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    Für eine ernstzunehmende Diskussion, die den Anforderungen des Sprechzimmers gerecht wird, wären doch konkrete Beispiele hilfreicher als ein ominöses "da und dort". Sonst brauchen wir keine Diskussion starten.
    Was hältst Du von meinem Beispiel? Ein Gedicht? Wenn ja, wieso? Wenn nein, weshalb? Und weswegen glaubst Du, dass sich jemand angegriffen fühlte?
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  8. #8
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    Wer andern eine Grube graebt fällt selbst hinein. Wird hier meines Erachtens bloß angereichert um mal Frust abzulassen, da "echte" literarische Leistungen wie von KK z.Bsp. , nicht entsprechend gewürdigt werden, oder sämtlichen Maßstäben enthoben werden sollen

    Viel Spass noch,

    LG RS
    Geändert von Terrorist (19.03.2011 um 16:18 Uhr)
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  9. #9
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    Diese Nachricht ist versteckt, da sich Kajn Kokosknusper auf Ihrer Ignorier-Liste befindet.
    Ich kann nur dieses lesen.

    So kann ich zu jenem Beitrag nichts sagen.

    Würde es wohl aber sonst auch nicht tun.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Farbkreis Beitrag anzeigen

    Ich bin zwar kein Experte, nur für Falschbilder in der Malerei, kann aber mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass Wikipedia keine repräsentable Literaturquelle ist, da ich persönlich jemanden kenne, der dort mitgearbeitet hat.

    Kannst du nicht verstehen - oder willst du nicht verstehen, worum es mir geht?

    Es geht hier nicht um Wikipedia.

    Es ist völlig schnurz, welchen Text ich genommen habe.

    Das ist doch gerade das, was ich zeigen will.

    Man nehme einen x-beliebigen Text, egal woher. Ob aus Wikipedia, aus einem Gartenbuch, aus der Zeitung, oder sonstwoher.

    Man zerstückele ihn durch Zeilen-Umbrüche - und abracadabra - hat man ein Gedicht!

    So denken manche.

    Und manche Möchtegern-Literaturkritiker bejubeln solchen Schrott auch noch.


    -------------------

    Btw: Schade, dass Satire und Ironie oft nicht verstanden wird ....

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