1. #1
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    Fernreise als Kurztrip

    Ein Mädchen sitzt auf dem Sofa und starrt auf ein Bild an der Wohnzimmerwand. Die Mutter läuft mit einem Putzlappen in der Hand an ihr vorbei.
    „Lara, spiele doch mal etwas, statt immer nur auf der Couch zu sitzen und die Wand an zu starren.“
    „Ist gut, Mama.“
    Das Mädchen starrt weiter nur auf das Bild, während die Mutter den Raum verlässt. Es schaut sich das Bild ganz genau an, prägt sich jeden Baum, jeden Strauch, jeden Kiesel auf dem Pfad ein. Lara merkt sich jede Wolke ganz genau, sie spürt den Wind, der die Blätter zum Rauschen bringt, bis sie endlich selbst ein Teil des Bildes ist. Sie ist genauso ein Teil des Bildes, wie es die Bäume im Zentrum des Bildes sind, genau wie es die Sträucher mit ihren roten Beeren sind und die grauen Kiesel auf dem Pfad, die hellen Wolken und auch der kühle Wind, das leise Rauschen der Blätter. All das spürt sie. Auf der Haut, wie auch in ihrem Herzen. Die Sonne wärmt ihr Gesicht; der Wind spielt in ihrem Haar. Lara geht auf den größten Baum, am Rand des kleinen Waldes, zu. Ihre nackten Füße werden von Gras gestreichelt. Als sie ihn erreicht, beginnt sie ihn zu besteigen. Ast für Ast. Sie fühlt die Rinde an ihren Fingern und Füßen, als ob es den Baum wirklich gäbe. Oder besser: es gibt diesen Baum. Sie spürt es ganz genau. Jede Faser des Lebens, die in ihm ist. Lara klettern, bis sie den Wipfel des Baumes erreicht, von Ast zu Ast. Die Blätter rauschen weiterhin im sachten Wind des Frühlingstages. Sie schaut nach dem Ziel des Pfades, der sich durch die grüne Landschaft schlängelt. Sein Ende kann sie nicht erkennen. Er verschwindet ziellos am Horizont. Vögel zwitschern. Sie piepen und trällern lauthals. Der ganze Wald ist erfüllt von ihrer Symphonie. Amseln, Spatzen, Rotkelchen, sogar Tauben wagen sich mit ihrem „Guru“ unter die Schar.
    Der Wald lebt. Lara sieht es. Lara hört es. Lara riecht es. Lara spürt es. Sie beschließt dem Weg zu folgen und klettert den Baum wieder hinunter. Die letzten Zentimeter springt sie; das Moos federt ihren Sprung. Sie nimmt sich eine Beere von dem Strauch, der am Fuß des Baumes, auf den sie gerade geklettert ist, wächst. Nun kann Lara die Welt um sich herum auch schmecken. Sie erlebt sie mit allen ihren Sinnen. Lara geht durch die Wiese, die voller Leben ist, zu dem Pfad und folgt ihm in Richtung Südwest. Immer der Sonne hinterher. Bis sie plötzlich etwas hört.
    „Lara.“
    Sie schreckt auf, wird aus ihren Gedanken gerissen.
    „Was ist denn, Lara? Willst du nicht rausgehen spielen?“
    „Ich spiele doch!“
    „Du sitzt auf der Couch und tust gar nichts. Auf! Raus!“
    „Ist gut, Mama.“
    Sie geht in den Flur, zieht ihre Schuhe an und öffnet die Wohnungstür. Sie schleicht durch das kalte, steinerne Treppenhaus, immer darauf bedacht, keinen der Nachbarn zu stören. Nicht die alte Frau Katzcinec, die eigentlich nichts mehr hört, nicht den Herrn Thoma, der alles hört und auch nicht Frau Seelig, die immer mit dem Besenstiel gegen die Decke stößt, wenn Lara wieder einmal auf ihrem Bett hüpft. All die Leute sollen sie nicht hören, während sie die Stufen hinab steigt. Sie will nicht beschimpft werden. Lara schafft es fast immer, unbemerkt zu bleiben. Sie öffnet die schwere Tür, die die 25 Familien vor der lauten Straße schützt. Die großen Wolkenkratzer halten die Sonne in Ferne. Die Vögel sind nicht zu hören, da die Autos zu laut sind. Die Blumen kann man nicht riechen, weil sie zu wenige sind und die Abgase der Fabriken, die der Wind herüber weht, die Luft verpesten. Aber den Baum, der die Parkplätze markiert, den kann sie spüren. Ganz deutlich. Jede Faser des Lebens, die in ihm ist.
    Geändert von Nachteule (27.12.2011 um 21:19 Uhr) Grund: Siehe Kommentare und Antworten
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  2. #2
    IngoRaup ist offline und immer schön in Bewegung bleiben >>>
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    Empfehlungen zur textlichen Gestaltung (IR):
    Die Mutter läuft mit einem Putzlappen in der Hand (an ihr) vorbei.
    Die Sonne wärmt ihr Gesicht; der Wind spielt in ihrem Haar.
    Als sie den Baum erreicht, beginnt sie ihn zu besteigen.
    Lara klettert, bis sie den Wipfel des Baumes erreicht, von Ast zu Ast.
    Sie fühlt die Rinde an ihren Fingern und an ihren Füßen, so als wenn es den Baum wirklich gäbe.
    Der Pfad verschwindet ziellos am Horizont.
    Amseln, Spatzen, Rotkelchen, sogar Tauben wagen sich mit ihrem „Guru“ in diese Welt.
    Die letzten Zentimeter springt sie; das Moos federt ihren Sprung sanft ab.
    Nun kann Lara die Welt um sich herum auch schmecken.
    Sie erlebt sie mit allen ihren Sinnen.
    Lara schafft es fast immer, unbemerkt zu bleiben.
    Sie öffnet die schwere Tür, die die fast fünfundzwanzig, hier wohnenden Familien vor der lauten Straße beschützt.
    Die großen Wolkenkratzer halten die Sonne fern. Die Vögel sind kaum zu hören, da die Autos zu laut sind. Die Blumen kann man nicht riechen, weil die kostbaren Blumen zu wenige von ihresgleichen sind. Die Abgase der Fabrik, die der Wind herüber weht, verpestet die Luft.
    Den Baum aber, der die Parkplätze so kraftvoll für sie, Lara, markiert, den kann sie spüren. Ganz deutlich. Jede Faser seines Lebens kann sie spüren; jede Faser die auch ihr Leben ist.

    Liebe Nachteule,

    feine Geschichte mit dem großen, berechtigtem, natürlichen Anspruch unserer Kinder auf ein Leben in Harmonie mit der Natur. Als Titel würde sich "Lara und der Baum" oder vielleicht besser noch "Lara" anbieten, weil die Phantasiewelt eines Kindes, des Mädchens Lara, in Deiner Kurzgeschichte damit ausdrucksstark untermalt werden könnte.

    Liebe Grüße sendet Dir Ingo
    Mein Buch: "Anna & Teresa und die Augen der Katze"
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  3. #3
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    Hallo Ingo,

    Ich sehe, an den vielen Vorschlägen, dass du dich mit meiner Kurzgeschichte wirklich auseinander gesetzt hast. Vielen Dank dafür! Ein paar deiner Vorschläge werde ich übernehmen, andere nicht. Teils, weil aus subjektiven Gründen, teils weil sie nicht in den recht kindlich gehaltenen Erzählstil passen. Aber auch, weil ich mir bei dieser Geschichte jedes Wort genau überlegt habe. Ich hoffe, dass man das auch irgendwie merkt. (Ich gehe mal davon aus, da du immer nur, außer beim Schluss, kleine Teile verändert hast)
    Eingehen möchte ich nur auf einen Vorschlag:
    so als wenn es den Baum wirklich gäbe
    Ist das "als" auch bei meiner Version zwingend erforderlich, um die Grammatik richtig zu halten? Denn als Schwabe habe ich mit diesem Teil der Grammatik so meine Probleme. Ich weiß nur sicher, dass unser "als wie (wenn)" falsch ist. Den Rest kann ich mir nie merken, auch wenn mein Nebensitzer in der Schule mich des öfteren verbessert...

    feine Geschichte mit dem großen, berechtigtem, natürlichen Anspruch unserer Kinder auf ein Leben in Harmonie mit der Natur.
    Die Hauptintention hast du gefunden. Die restlichen Klein-und Kleinstintentionen habe ich in Nuancen meiner Geschichte versteckt. Vielleicht sind sie dir ja aufgefallen und du hast sie nur als unwichtig eingestuft.
    Vielen Dank für dein "feine Geschichte"!

    Als Titel würde sich "Lara und der Baum" oder vielleicht besser noch "Lara" anbieten, weil die Phantasiewelt eines Kindes, des Mädchens Lara, in Deiner Kurzgeschichte damit ausdrucksstark untermalt werden könnte.
    Bei dem Titel war ich mir auch nicht ganz sicher, ob der wirklich passt. "Lara" hatte ich mir auch schon überlegt, fand ihn aber nicht aussagekräftig genug. Den Titel, den ich dann wählte meinte ich so, dass ein Kind eine, für es, lange Reise zurücklegen müsste, um die Natur so zu erleben, wie es Lara macht. Nur kann sie halt nicht lange dort sein, da die Mutter sie aus dem Traum reißt. Darum wird die Fernreise zu einem Kurztrip. Den Baum als einzigen Bezugspunkt in der Natur finde ich etwas zu wenig. Auch den Ursprungstitel möchte ich beibehalten, allerdings mit einem Zusatz. Was hältst du von "Fernreise als Kurztrip oder Laras Reise in dir Natur", bzw. "... oder Laras Traum von der Natur"?

    Vielen Dank noch einmal für deinen Kommentar. Da dies meine erste Kurzgeschichte ist, die ich zum Lesen freigegeben habe, ist mir ein Feedback von der Leserschaft besonders wichtig!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  4. #4
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    Hallo Nachteule,

    deine Kurzgeschichte gefällt mir, deshalb möchte ich einige Anregungen geben:

    (Ein Mädchen) Lara sitzt auf dem Sofa und starrt auf ein Bild an der Wand.(Es sitzt im Wohnzimmer der Wohnung ihrer Eltern.) Das erklärt sich von alleine beim Weiterlesen.

    „Lara, spiele doch mal etwas, <
    (wie wenn) als ob es den Baum wirklich gäbe. Oder besser: es gibt diesen Baum.

    Würde ich weglassen. Der Baum ist in der Phantasie real, Lara spürt ihn, sie besteigt ihn sogar

    sogar Tauben wagen sich mit ihrem „Guru“ unter die Masse

    Statt Masse lieber Schar oder Gewimmel

    Gruß Ragnar
    Dichten und dichten lassen

  5. #5
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    Hallo Rangar,

    Vielen Dank, dass du dich mit meiner Geschichte nach der langen Zeit, die sie jetzt schon drin steht, auseinandergesetzt hast!

    Es freut mich auch, dass sie dir gefällt. Ich weiß, dass man das als Autor eigentlich nicht sagen darf, aber ich habe mich während dem Schreiben in diese Geschichte verliebt.

    Die Kürzungen werde ich nicht umsetzten, da die Geschichte ja eine Aussage haben soll. Oder besser gesagt zwei Aussagen und noch besser gesagt zwei Kritiken an der heutigen Stadtgesellschaft. Ich hoffe, du hast sie herausgelesen. (Ich habe mir sagen lassen, dass man (fast) alles sehen kann. Meine Testperson hat nur zwei Kleinigkeiten nicht genannt.)

    Die Verbesserung der Sprache in "Als ob" und "Schar" werde ich übernehmen. Das Gewimmel gefällt mir aber nicht so, da ein Gewimmel voraussetzt, dass da viel unübersichtliche Bewegung drin ist. Und das muss bei den Vögeln nicht sein und ist es eher auch nicht. Die meisten Vögel sitzen ruhig da, wenn sie zwitschern.

    Die Einleitung lasse ich, da von Anfang an klar sein soll, dass es sich um ein kleines Mädchen handelt. Max Frisch hat in seinen "Homo faber" auch den größten Teil des Inhalts vorweg genommen, damit man sich auf die Kritik konzentriert. Jetzt kann man diesen Text nicht mit Max Frisch vergleichen, aber das Prinzip ist das Gleiche.

    Die Baumstelle möchte ich auch lassen, damit auch dem Letzen klar wird, dass der Baum eben nicht existiert, da sie ihn sich nur vorstellt. Und dass sich diese Vorstellung immer mehr entwickelt. (sieht man auch an den Bildern. Erst ist da nur der Baum, die Wiese und der Weg, dann sind da irgendwann Wolken, Sträucher, Beeren an den Sträuchern, etc. Und diese Entwicklung ist mir wichtig und der Baum ist ein Teil der Entwicklung.

    Vielen Dank nochmal fürs Lesen und die Vorschläge. Auch für die, die ich nicht übernommen habe, da es zeigt, dass du dich mit dem Text auseinander gesetzt hast. Jetzt musst du nur noch sagen, du hast zwei Aussage/Kritiken heraus gelesen und dann bin ich zufrieden...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    PS: jetzt auch, endlich, geändert!
    Geändert von Nachteule (14.08.2011 um 01:21 Uhr) Grund: PS
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  6. #6
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    Liebe Nachteule,

    das ist ein interessanter Ansatz. Ich mag Deine Geschichte, weil sie die Phantasie als Sujet hat. Auch gefällt mir, wie ein Mensch seine hässliche Umgebung verlässt und sich in ein schönes Bild hineinträumt. Es hat so etwas von Schamanentum, wo ja auch der Körper verlassen wird und der Geist ganz woanders weilt, während der Körper unbewegt an einer Stelle sitzt. Weil ich das auch par excellence kann (also mich wegträumen, nicht zaubern, obwohl.... naja das gehört nicht hierher).

    Ein bisschen tue ich jetzt meckern, aber wohlgemerkt: auf hohem Niveau:
    Den zweiten Satz empfehle ich komplett zu streichen, weil seine Aussage aus Satz 1 und Satz 3 evident hervorgeht. Er raubt mir den Lesefluss, und ich denke, ein bisschen Mitdenken kann man seinem Leser ruhig zutrauen.

    Insgesamt könntest Du, wenn Du das Bild und Laras Einstieg in das Bild beschreibst, in Deiner Satzbildung ein bisschen mutiger werden, unerhörter. So liest es sich ein bisschen wie ein Protokoll, aber es handelt von Phantasie, von Zauberei, vom stillen Aufstand eines kleinen Mädchens gegen Autorität und die Hässlichkeit von Beton.

    Liebe Grüße
    rosenrot
    Geändert von ~rosenrot~ (27.12.2011 um 09:48 Uhr)

  7. #7
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    Hallo rosarot,

    dein Beitrag hat mich daran erinnert, den Müll dazwischen zu entfernen.

    Es freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt!

    Mit Worten kann man auch zaubern, also warum nicht?

    Ist das Meckern auf hohem Niveau nicht eine deutsche Spezialität? Machen wir das nicht alle?
    Den zweiten Satz werde ich dann mal streichen, wenn das schon zwei Leute sagen.
    Bei der zweiten Anmerkung wäre es schon, wenn du genauer werden würdest. Ich weiß nicht, wie genau du das meinst, bzw. in die Geschichte einbinden möchtest. So wie ich es jetzt geschrieben habe, wollte ich, dass man sieht, wie das Bild langsam entsteht und darum immer mehr aufgezählt wird.

    Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Vorschläge!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  8. #8
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    Die Mutter verlässt den Raum, das Mädchen starrt weiter auf das Bild. Ein steiniger Weg führt zu einer Gruppe Buchen, das Laub schimmert grün und golden im Sonnenlicht. Jeden Kiesel des steinigen Weges betrachtet das Mädchen genau, kann die spitzen Steine unter ihren Füßen spüren. Schritt für Schritt nähert sich Lara dem Buchenwäldchen, zeichnet dabei jeden Ast, jeden Zweig, jedes Blatt mit den Blicken nach, bis sie sie im Schlaf malen könnte.

    So meine ich das. Konkret. Bilder. Echte Bäume. Du kannst ruhig ein bisschen erzählen, wie sie ein Teil des Bildes wird, statt nur anzumerken, dass sie es wird. Sie muss etwas im Bild verändern. Ansonsten ist es super, dass Du alle ihre Sinne ansprichst - auch das ist ein Teil des Geheimnisses.

    Beim Haikuschreiben habe ich gelernt, sehr genau und sehr konkret zu werden. Der Leser muss es erleben.

    Liebe Grüße
    rosenrot

  9. #9
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    Hallo rosarot,

    vielen Dank für die schnelle Reaktion!
    Dein Vorschlag klingt gut. Ich werde mal versuchen, etwas in der Art und Weise zusammenzutippen und mich dann bei dir melden, wenn es soweit ist.

    Danke nochmal!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule

    So, ich habe da mal was gebastelt:
    Ersetze:

    Das Mädchen starrt weiter nur auf das Bild, während die Mutter den Raum verlässt. Es schaut sich das Bild ganz genau an, prägt sich jeden Baum, jeden Strauch, jeden Kiesel auf dem Pfad ein. Lara merkt sich jede Wolke ganz genau, sie spürt den Wind, der die Blätter zum Rauschen bringt, bis sie endlich selbst ein Teil des Bildes ist. Sie ist genauso ein Teil des Bildes, wie es die Bäume im Zentrum des Bildes sind, genau wie es die Sträucher mit ihren roten Beeren sind und die grauen Kiesel auf dem Pfad, die hellen Wolken und auch der kühle Wind, das leise Rauschen der Blätter. All das spürt sie. Auf der Haut, wie auch in ihrem Herzen.


    Durch:

    Das Mädchen starrt weiter nur auf das Bild, während die Mutter den Raum verlässt. Es schaut sich das Bild ganz genau an, prägt sich jeden Baum jeden Strauch ein. Die Kiesel des Pfades stechen sie an den nackten Füßen. Sie spürt den Wind, der die Wolken am Himmel vorwärts treibt und die Blätter zum Rauschen bringt, bis sie endlich ganz ein Teil des Bildes ist. Sie ist genauso ein Teil des Bildes, wie es die Bäume im Zentrum des Bildes sind, betrachtet das Grün der Sträucher mit ihren roten Beeren und die Strahlen der Sonne die ihre Haut erhitzen. Ebenso wie die sanfte Brise diese wieder abkühlt. All das spürt sie. Auf der Haut, wie auch in ihrem Herzen.
    Geändert von Nachteule (10.01.2012 um 19:44 Uhr)
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  10. #10
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    Liebe Nachteule,

    hm - schwer zu sagen.

    Im oberen Text gefällt mir der Anfang besser:

    Das Mädchen starrt weiter nur auf das Bild, während die Mutter den Raum verlässt. Es schaut sich das Bild ganz genau an, prägt sich jeden Baum, jeden Strauch, jeden Kiesel auf dem Pfad ein. Lara merkt sich jede Wolke ganz genau, sie spürt den Wind, der die Blätter zum Rauschen bringt, bis sie endlich selbst ein Teil des Bildes ist.
    Dann geht es im zweiten Text besser weiter:
    Die Kiesel des Pfades stechen sie an den nackten Füßen.
    Nun ist sie wirklich ein Teil des Bildes geworden, sie fühlt die Kiesel.

    Sie ist genauso ein Teil des Bildes, wie es die Bäume im Zentrum des Bildes sind, betrachtet das Grün der Sträucher mit ihren roten Beeren und die Strahlen der Sonne die ihre Haut erhitzen. Ebenso wie die sanfte Brise diese wieder abkühlt. All das spürt sie. Auf der Haut, wie auch in ihrem Herzen.
    Hier geht es weiter. Sie spürt Sonne und Wind. Du darfst übrigens nicht "ihren Beeren" schreiben, das ist ein Bezugsfehler. Richtiger wäre: sie betrachtet das Grün der Sträucher (ein Adjektiv wäre hier klasse, wie z.B. das staubige Grün, das ledrige Grün, das frische Grün oder wie die Blätter auch immer sind), die roten Beeren.

    Es ist immer besser, die Pflanzen zu benennen, also statt "Bäume" den Namen der Bäume zu sagen und statt Sträucher mit roten Beeren "Vogelkirschen" oder so etwas, denn das schärft und befördert die Phantasie. Natürlich darf es auch nicht zum Naturkundebuch werden.

    Was ich im zweiten Teil sehr gut finde, ist, dass Du dem Mädchen keinen Namen mehr gibst. Es "das Mädchen" zu nennen passt viel besser zu Art und Struktur deines Textes.

    Soweit erstmal.

    Lieben Gruß vom rosenrot

  11. #11
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    Hallo rosenrot,

    das ging ja schnell. Vielen Dank!

    Jetzt muss ich ja fast darauf achten, dass es kein Arbeistzimmerfaden werden muss...

    Ich werde mal versuchen mit deinen Infos was anzufangen und neu zusammenzufügen. Den Bezugsfehler muss ich wirklich irgendwie verbessern. Ich versuche es mal mit "deren".

    Die Bäume habe ich extra offen gelassen, da ich dem Kind eben das "städtische Unwissen" unterstellen möchte. Als Dörfler, wenn auch Großdörfler, weiß ich allerdings nicht, in wie weit das wirklich stimmt. Das ist auch der Grund, weshalb in dem Wald auch nur Stadtvögel leben (Amseln, Tauben, Spatzen und Rotkehlchen). Eben das fehlende Wissen über die Natur, das Laras Eltern ihr nicht beigebracht haben.

    Danke nochmal!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem,
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  12. #12
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    Fernreise als Kurztrip

    Hallo Nachteule und liebe Leser,

    der Text ist mir bekannt, ich meine, ihn kommentiert zu haben? Vielleicht auch nur in Gedanken,
    trotzdem möchte ich die Moderation bitten, nachzuprüfen, ob eventuell etwas gelöscht wurde,
    es wieder einzustellen. Es ist nicht das erste Mal, daß Kommentare "verschwinden". Sollte ich
    mich täuschen, bitte ich höflichst um Entschuldigung.

    Warum hätte ich diesen Text kommentiert? Er ruft eine persönliche Erinnerung hervor, geht mir
    also nah und ich hätte viel dazu zu sagen, denn er ist, m.M.n., auch gut geschrieben.

    Deshalb bezweifel ich, daß

    http://www.gedichte.com/threads/1653...der-Tankstelle

    vom gleichen Autor geschrieben wurde, oder der Autor spielt geschickt mit verschiedenen "Stilen",
    bin auf seine Antwort gespannt.

    Liebe Grüße
    Kalinka

  13. #13
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    Hallo Kalinka,

    danke für deinen Kommentar!

    Ja, du kommentiertest die Geschichte, aber du beriefst dich (größten Teils) auf den Kommentar von almbeo, bei dem ich darauf aufmerksam machte, dass er nicht hierher gehört und ich ihn in die Moderation verschieben würde, falls keine Reaktion käme. Wenn du möchtest, verschiebe ich ihn wieder hierher, falls du ihn dementsprechend abänderst. (wenn du möchtest, kann ich deinen Beiträge zu dem Thema almebos dann auch in meinen Beitrag als Kommentar von dir hineinkopieren, damit er nicht verloren geht)

    Doch, ich bin der selbe Autor. Nur dass die beiden Geschichten völlig anderer Natur sind. Es gibt in meinen Augen drei Arten an Prosatexte: erklärende (kritisch), erzählende (autobiographisch) und erheiternde (unterhaltend) Die Tankstelle ist eine Erzählende, die ins Erheiternde geht. Das hier ist eine Erklärende. Sie machen unterschiedliche Stile notwendig. Scheinbar beherrsche ich den erzählenden Stil nicht wirklich. Aber wenn du dir "Ein Unwettertag" und "Krieg im Frieden" ansiehst, wirst du sehen, dass du den jeweils dazu passenden Stil finden.

    Er ruft eine persönliche Erinnerung hervor, geht mir
    also nah und ich hätte viel dazu zu sagen, denn er ist, m.M.n., auch gut geschrieben.
    Danke schön! Würde mich alles interessieren.

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  14. #14
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    Fernreise als Kurztrip

    Hallo Nachteule,

    ganz habe ich deine Antwort nicht verstanden, trotzdem vielen Dank.

    Zitat Zitat von Nachteule Beitrag anzeigen
    Ja, du kommentiertest die Geschichte, aber du beriefst dich (größten Teils) auf den Kommentar von almbeo, bei dem ich darauf aufmerksam machte, dass er nicht hierher gehört und ich ihn in die Moderation verschieben würde, falls keine Reaktion käme. Wenn du möchtest, verschiebe ich ihn wieder hierher, falls du ihn dementsprechend abänderst. (wenn du möchtest, kann ich deinen Beiträge zu dem Thema almebos dann auch in meinen Beitrag als Kommentar von dir hineinkopieren, damit er nicht verloren geht)
    Leider habe ich den Kommentar "almebos" nicht gelesen, was du von wo wohin verschieben möchtest, verstehe
    ich nicht. Ich habe diesen Text hier kommentiert? Der Kommentar ist nicht mehr da? Das macht nichts, da ich
    jederzeit alles aus dem Gedächtnis wiederholen kann, was ich irgendwann mal geschrieben oder gesagt habe,
    oder so ab dem 6.. Monat meines Lebens gehört habe.

    Ich habe hier einem User geschrieben, nicht der Moderation. Was erzählst du mir da? Es kann sein, dass ich
    nicht allzu tief auf den Inhalt eingegangen bin, aber wenn du mal z.B. die Kommentare zu meinem Text "Tricolore"
    als Moderator liest, was meinst du dazu? Soll ich die verschieben? Wie?

    Doch, ich bin der selbe Autor. Nur dass die beiden Geschichten völlig anderer Natur sind. Es gibt in meinen Augen drei Arten an Prosatexte: erklärende (kritisch), erzählende (autobiographisch) und erheiternde (unterhaltend) Die Tankstelle ist eine Erzählende, die ins Erheiternde geht. Das hier ist eine Erklärende. Sie machen unterschiedliche Stile notwendig. Scheinbar beherrsche ich den erzählenden Stil nicht wirklich. Aber wenn du dir "Ein Unwettertag" und "Krieg im Frieden" ansiehst, wirst du sehen, dass du den jeweils dazu passenden Stil finden.
    Nein, da bin ich absolut nicht deiner Meinung.

    Der Text beinhaltet einen Sinn, der hier sehr gut beschrieben wurde. Wer ist das Mädchen?

    LG Kalinka

  15. #15
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    Hallo Kalinka,

    bitte beachte, dass ich keine Modthemen in meinen Fäden haben möchte! Du willst selbst, dass ich nicht in meinen Fäden moderiere, dann solltest auch du das aus den "privaten" Fäden rauslassen! Ich habe zu den Themen ja schon Stellung bezogen.

    Nein, da bin ich absolut nicht deiner Meinung.
    Dann ist das halt so... Zum Glück ist das nicht verboten Aber jede Geschichte braucht in meinen Augen ihren eigenen Stil. Diese hier ist sachlich geschrieben. Das braucht sie einfach, um authentisch zu wirken. Die Tankstelle soll lustig sein, darum braucht sie statt eines sachlichen, einen humorvolleren Stil. Ob das gelungen ist, sei mal dahingestellt.
    Der Text beinhaltet einen Sinn, der hier sehr gut beschrieben wurde.
    Danke schön!

    Wer ist das Mädchen?
    Das Mädchen steht für alle Stadtkinder. Dass es ein Mädchen wurde, kam daher, dass Mädchen allgemein als Naturverbundener und Fantasievoller gelten.

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