1. #1
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    Hundert Treppen

    Hundert Treppen bin ich gestiegen. Hier oben
    ertönte ein schaurig schönes Lied. Durch die
    Ohren drang es bis in meinen Bauch. Und
    plötzlich war ich der Vogel, der seine Beute
    greift und ich stärkte mich an ihr.

    Wie soll ich es erzählen? Hundert ungeschriebener Gedichte enthalten hundert Bilder pro Treppe
    und jedes Bild umarmt die Welt, die erscheint wie sie verstummt.

    Hundert Treppen ist Aldo gewidmet. Aldo war wer, jedenfalls seine Stimme. Wer kannte ihn
    nicht? Ich erkannte ihn nicht, erinnere mich auch heute nicht an sein Gesicht, aber unter "seiner
    Gürtellinie" steht in Beziehung zum oben zitierten "Ungedicht".

    Warum sitzt man plötzlich irgendwo und gerade dort, wo jemand sitzt, damit etwas Unvergeß-
    liches geschieht? Warum saß ich gerade dort, mitten am Tag? Es war hell und ich trank ein
    Bier 50 km weit entfernt von meinem Zuhause, wo kam ich her? Natürlich hatte ich in Lausanne
    oft zu tun, ich mag diese Stadt nicht, aber Ouchy ist schön. Ich wohnte sogar mit 19 in einem
    Studio mit Garten, aber ich verlief mich immer wieder in den stufigen Straßen. Zürich war
    schöner. Es soll sich viel verändert haben, das will ich nicht sehen, da hab ich viel zu schöne
    Erinnerungen an die Menschen, die ich dort kennen lernte.

    Einmal kam ich am Nachmittag in das gleiche Pub, in dem ich viele Leute kannte, oder jedes Mal
    neue kennen lernte. Nach meiner Entlassung aus der Klinik, ich habe seitdem keine Mandeln
    mehr, fuhr ich direkt dorthin um einen Whiskey zu trinken. Ein Assistenzarzt an der Bar fand
    meine Augenringe interessant, so kamen wir ins Gespräch, er mochte keine dicken Leichen, aber
    das ist eine andere Geschichte.

    Ich weiß einfach nicht mehr warum mir am hell - lichten Tag Aldo hier begegnete, und schon
    gar nicht, was ich dann tat. Wie soll ich es erzählen? Er schaute mich an, und ich sah mit
    einem Blick, daß er wer war, aber nicht mein Typ. Ihm fehlte das "gewisse Etwas", das dümm-
    liche Grinsen und der idiotische Blick, der sich im richtigen Moment in ein "extraterrestre" -
    Sprühen verwandelt, in ein außerirdisches nie erlöschendes Feuer meines Kaugummigeschichten-
    mannes, den ich natürlich niemals verraten werde.

    Aldo sprach mich an und erweckte in mir unbekannte Gefühle. Er war hübsch. Ein bißchen mager,
    aber größer und schwerer als ich. Er konnte sehr gut reden, blablabla... er war eine bekannte
    Radiostimme, das habe ich danach nachgeprüft, er war es. Wir küßten uns über den Tisch, er
    ging auf alles ein, Ober und Klienten schauten höflich zur Seite, wir waren ein schönes Paar, da
    regt sich niemand auf. Ich verachtete ihn.

    Wir stiegen hundert Treppen. Wie soll ich es erzählen? Ich habe ein sehr gutes Gehör, es
    näherte sich eine Menschengruppe. Es war eigentlich keine Vergewaltigung, weil er sich alles
    gefallen ließ, aber auf der einen Seite, von meiner, war es schon eine, und ohne Grund. Ich
    habe ihn nicht gehaßt. Mir hat auch niemand vorher etwas getan, für das ich mich hätte rächen
    können. Als die Gruppe vorbeikam, kam er gerade und stand mit offenen Hosen da. Er lief sehr
    schnell weg, ohne ein Wort... Das schlimme daran, es tut mir nicht leid, ich habe Hundert
    Treppen für Aldo geschrieben.

    Hundert Treppen bin ich gestiegen. Hier oben
    ertönte ein schaurig schönes Lied. Durch die
    Ohren drang es bis in meinen Bauch. Und
    plötzlich war ich der Vogel, der seine Beute
    greift und ich stärkte mich an ihr.

    ...

  2. #2
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    Körper, gebraucht, benutzt, geschändet.
    Schreie und Tränen und dann Stille.
    Keine Reue. Ungewißheit.
    Soll ich in Zorn ergehen oder in Mitleid?
    Keins von beiden erlöst mich.

    Heißt Selbstverwirklichung Emanzipation der Frau? Der Mann kann nun mal nicht schwanger
    sein, nicht stillen. Alles dreht sich um die Liebe, um das "Ich"...

    Er lebte mit seinen Feuergestalten, kämpfte gegen das Feuer, um nicht vom Feuer verschlungen
    zu werden, das ihm in Gestalt einer wundervollen Frauengestalt erschien, aber er konnte sich
    nicht mit ihm verbinden. Er war das Wasser, das er aufwallen ließ, aufsteigen zu einer mächtigen
    Flut, um es zu löschen. Sein kleiner gedrungener Körper, seine schütteren Haare machten ihn ,
    oberflächlich betrachtet, unscheinbar. Seine Schüchternheit verbarg er hinter seiner Ruhe, seine
    Unsicherheit überspielte er mit forscher Stimme.

    Sie mußte durch die Nächte streifen, um ihre Dunkelheit im Schutze der Dunkelheit zu verlassen
    und hinauszuströmen, ihrem Gefängnis zu entkommen, aufzutanken, ihr Selbst zu befreien, es zu
    offenbaren ohne es zu verlieren und um wieder zurückzufließen, in die Dunkelheit zurückzukehren
    bevor der Tag anbrach. Sie brauchte diese Ausbrüche zum Leben, sie brach aus, um die Sonne
    des Tages zu ertragen, die das Licht und die Wärme ihrer Finsternis überstrahlte.

    Nur mit dem Ausbruch dieses Feuers konnte sie leben, begreifen, atmen, bestehen. So wandelte
    sie wie eine Blinde durch den Tag, beschäftigte sich mit mechanischen Bewegungen und redete
    leere Sätze, während sie ihre Traumgestalten rief, die sich durch die Mauer der Unwirklichkeit
    bewegten und sie zwischen Himmel und Erde erhoben. So schwebte sie durch den Tag und sah
    durch die Menschen wie durch Fenster...

    Sie hatten ein Haus gebaut, ein Haus mit vielen Fenstern und doch bewahrte jeder noch sein
    eigenes Haus, ein eigenes Haus ohne Fenster und ohne Tür. Sie brach aus, in der Nacht, um
    heimlich zu strömen, aus der Dunkelheit in die Dunkelheit zu wachsen und um dann wieder
    heimzukehren. Sie glaubte nicht an das Licht des Tages. Sie sah nur das Licht der Nacht.

    Die Hülle, die seine Sensibilität, seine Angst, seine Weichheit, seine Güte umgab, war jedoch
    durchsichtig. Hinter alledem verbarg sich sein Ich, ein schwer erkennbarer fester Kern aus
    dem Lebenskraft sprühte, Beständigkeit, Mut und das, was man als das Gute des Menschen
    bezeichnet. Wer in seinem Gesicht die Schönheit nicht erkannte, musste selbst häßlich sein.

    Es ist schwer Menschen und Dinge so zu sehen, wie sie sind. Wir vertrauen und müssen glauben,
    daß nach dem Winter die Natur erwachen wird, und aus der eigenen Vergangenheit schaffen wir
    die Hoffnung, daß das Leben weitergeht und Menschen eines Tages lernen sich zu verstehen.

    Die fette Blonde mit dem Puppengesicht, dem festen prallen Fleisch - nahe am Platzen wie
    Bratwürste...



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    Geändert von Farbkreis (04.04.2011 um 23:13 Uhr)

  3. #3
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    Ich bin nur auf meiner Seite,
    wenn ich mich entscheiden muß.
    Ich suche nicht, ich bleibe und warte auf das,
    was da kommt und mir gehört.

    Die fette Blonde mit dem Puppengesicht, dem festen prallen Fleisch – nahe am Platzen wie bei
    Bratwürsten spannt sich die Haut über ihre Waden, quillt der Ansatz ihrer Schenkel aus dem
    weiten schwarzen Rock hervor, auf ihrem engen Pullover glimmert es wabbelnd. Ihr hochge-
    schossener Begleiter dreht sich weg, als wollte er nicht zu ihr gehören, wem will er das zeigen?

    Keine Liebe bewahrt mich mehr vor diesem Ich, das ich nicht wirklich bin und doch bin. Ein Blick
    genügt, um meine Gedanken zu diesem unsympathischen Kerl zu senden, über den gerade alle
    so schlecht redeten, und den ich durch unüberlegte Worte in Wut gebracht habe. Schon sitze
    ich auf seinem Knie, halte ihm den Mund zu. Er nimmt es als Spaß, unerwarteter Weise drückt
    er meine Handfläche dichter an seinen Mund und ich meinen Po fester auf sein Knie. Ein Strom
    fährt durch unsere Körper, ein Kreis ist geschlossen; es fließt und fließt und nur wir beide spüren
    es. Plötzlich sind wir, gerade noch Feinde, zusammengeschlossen. Er drängt mich in die Küche,
    es gibt dort noch Personal und wir wollen... noch nicht der Realität völlig abgerückt, reiße ich
    mich fort, wir wechseln einige Worte und verschwinden in seinem Büro.

    Den Pullover bis zum Hals hochgeschoben, die engen Jeans hinunter bis in die Kniekehlen, fühle
    ich mich schön. Sein Bauch ist rund und umschattet sein helles drückendes Glied, aber ich kann
    es nicht, nicht so schnell, nicht sofort, nicht hier, nicht jetzt, nicht mit ihm, oder doch... ich
    stoße ihn weg, er umklammert mich, läßt von mir ab.

    Es tut mir so leid, und doch bin ich froh, rede wirres Zeug während ich mich anziehe, jetzt ist er
    mir sympathisch. Wir gesellen uns wieder zu den anderen, er will nicht tanzen. Er geht. Ich laufe
    ihm hinterher, will ihn aber nicht küssen, bin Ziege, der Alkohol, dieses Ich, und sein Sieg über
    mich, er hat doch gewonnen und ich weine nach dir, nach dem Schutz deiner Liebe, nach
    unserem Kreis, unserem Fluß, dem Strömen der Gedanken, das die inneren Lichter nie erlöschen
    ließ, diesem reinen Lichterstrom, der die Ewigkeit durchbricht, die Unendlichkeit erfaßt und
    gerissen ist, gerissen, unterbrochen. Ausfall. Riß.

    Und der mich hier in Zeit und Ort begrenzt, mit diesem Ich ohne Licht, das den Körper an diesen
    anderen drängt, in diesen kleinen nichtigen Kreis zweier Körper, die sich unter Stromstössen
    zuckend bewegen, damit die kleine Energie den Minuten im Bett gehört, und ich kann es nicht
    und er versteht es nicht, nicht warum... vesteht nicht...,


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    ...
    Geändert von Farbkreis (06.04.2011 um 14:01 Uhr)

  4. #4
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    Es ist zu lange her
    gewartet habe ich
    Du kommst zu spät
    Die Rosen sind verwelkt
    Das Feuer ist erloschen
    nie hast du sie gepflanzt
    nie hast du es entzündet

    Du kommst zu spät
    Gewelkt bin ich
    zu Asche verbrannt
    Und jetzt sagst du
    Hier bin ich
    Aber ich, wo bin ich

    Schon rennst du fort
    und siehst es nicht
    wie ich mich erhebe
    aus welkem Laub, aus
    schwarzer Asche

    Doch bist du
    und ich brauche Wasser
    Hinweg mit Dir
    möchte ich schreien
    Ich kann es nicht
    und beuge mich erneut

    Renn ganz weit fort
    so weit du kannst
    weit weg von der Zerstörung
    So kann ich dann
    geschützt vom Schmerz
    mich ganz allein
    erheben


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  5. #5
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    ..., daß ich geben will und nicht geben kann, daß ich nehme, obwohl ich nicht
    nehmen will, daß ich Angst habe Mauern einzureißen, mich dem Sturm zu
    überlassen, Angst habe geknickt und entwurzelt zu sein, mich verstecke und
    verstelle; antue, was ich nicht tun will. Flucht, Schutz, Betrug. Und doch war
    schon so oft der erste Stein gefallen, waren Risse in der Mauer, strömten leise
    Winde hinaus und ließen den Sturm durch Ritzen dringen, war die Mauer nahe
    daran, einzustürzen.

    Das Zimmer hatte nicht er eingerichtet. Auf dem Boden lag ein abgetretener dünner Teppich,
    der die Mitte des kleinen Raumes ausfüllte und verschwommenen rot war. Rechts neben der
    Tür stand bis zur Zimmerecke das schwere breite Holzbett mit dem kleinen Federbett, das,
    wie alles Bettzeug hier im Hause, blaukariert überzogen war. Rechts daneben schmollte ein
    klappriges Nachttischchen, dessen Schubladen klemmten, verziert mit einem Häkeldeckchen,
    das unwillkürlich das Bild einer molligen gutmütigen Oma mit grauem Dutt aufkommen ließ.
    Die gegenüberliegende Wand verdeckte ein wuchtiger dunkelbrauner Kleiderschrank mit
    abgerundeten Kanten. Links davon vermutete man einen Tisch unter der bis zum Fußboden
    reichenden Decke, der abgesessene, klobige Sessel dazu war schäbig, aber wirklich gemütlich.
    Kam man zur Tür herein, hätte man gern wenigstens einen freien Blick auf das Fenster und
    die Balkontür gehabt, trotzdem stand davor ein runder hoher Tisch. Es kann sogar sein, daß
    irgendwo ein Bild hing...

    Der ganze Raum machte einen verstaubten Eindruck, obwohl er sauber gewesen sein könnte.
    Irgendwie kam man sich hier abgestellt vor, wie auch die Möbelstücke abgestellt gewesen sein
    mögen. Weil das Zimmer verstaubt aussah, erschien es schließlich nicht kalt und beeindruckte
    mich in irgendeiner Weise. Vielleicht war es der seltsame Kontrast, den die bunten Spielsachen
    zu den alten Möbeln gaben, auf denen sie herumlagen. Die beiden großen Spielautos auf dem
    kleinen Tisch mit dem langen Überwurf, der Stoffbär, oder ein Schlafteddy, und der kleine
    Stoffhund vor dem Fenster; ein riesiger blauer mit einer karierten Mütze und lustigen Augen
    auf dem Holzbett, an den er sehr hing...

    Höchstwahrscheinlich nahm er seinen Teddybären zum Schlafen mit ins Bett. Wenn er lachte,
    und er lachte oft, so war dies ein ansteckendes freies Kinderlachen. Er lachte, wie nur Kinder
    lachen können. Wenn er trank, und er trank jeden Tag, so trank er so lange, bis er ganz hilflos
    war.

    Nun ist eine neue Zeichnung auf der Mauerwand erschienen, von innen nicht
    sichtbar, gezeichnet. Aber der Wind gleitet an der Mauer vorbei. Der Sturm
    ist nicht stark genug. Diesmal müßte ein Erdbeben die Mauer stürzen, oder
    ein Vulkan bricht aus, im Innern. Rote Glut, bereit zu vernichten, gnadenlos,
    brodelnd. So laufe denn, die Mauer schützt auch dich, der den Wind nicht
    gefühlt, den Hauch nicht gespürt hat, der Wände verschmiert, keine Mauern
    einreißen kann. Flüchte vor der brodelnden Glut, die dich sonst verbrennen
    wird, gierig, erbarmungslos, heiß und verschlingend.


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  6. #6
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    Weit strahlt die Sonne, aber mich kann sie nicht erreichen.
    In Stürmen gerissen, verfangen, wie Speere schneiden mich
    eiskalte Winde. Meine Schreie verhallen, ich sehe nichts und
    mein Körper bäumt sich auf. Die Erde ist hart wie die Luft
    und das Wasser Eis. Weit strahlt die Sonne. Wohin?

    Was kann der Mensch alles aushalten. Wie weit kann er gehen. Wo
    sind seine Grenzen. Wohin, wie weit, wozu? Was ist, wenn man kein
    Ziel hat? Wenn man keinen Halt hat? Wenn man nicht bleiben, aber
    auch nicht gehen möchte.
    Wenn drinnen und draußen Leere und Lichtlosigkeit keinen Ausweg
    zeigen aus dem Nichts, in dem man ziellos und sinnlos nirgendwo und
    überhaupt nicht ist, und doch wohl ist, ein Nichts im Nichts.
    Wohin bin ich, wozu? Ich bin ins Nichts um ein Nichts zu werden,
    anstatt aus der Tiefe das göttliche Licht zu schöpfen, das die Leere
    erfüllt und das trügerische Licht des Tages überstrahlt. Keines von
    beiden kann ich sehen, nicht wählen, nicht gehen oder bleiben.

    Ich bin erfüllt von meinem Leben, doch ist eine Sehnsucht in mir. Die Sehnsucht nach der frem-
    den Welt. Ich habe keine Angst mehr, denn ich bin stark genug allein zu leben. Ich suche nichts
    in der Fremde. Ich suche mich. Es ist sehr ruhig, aber es ist in mir ein Wissensdurst, den ich
    noch nicht stillen kann... Can you kill the wind? Can you kill the power?..., denn ich muß mich
    wiederfinden.

    Ich möchte schreien, hilflos wie ein Kind. Barfuß über nasse Wiesen laufen, mich drehen, mit
    nacktem Oberkörper unter dem Rasensprenger. Spüren – ich lebe. Ich möchte in starken
    Armen liegen und weinen, umklammert, geborgen, mich wiegen auf den Knien. Spüren – Liebe.
    Ich möchte im Wasser versinken; wieder hochtreiben, mit blinzelnden Augen zur Sonne schauen,
    und langsam zum Ufer treiben. Spüren – die Wärme. Ich möchte zulaufen auf Arme, aufgefan-
    gen, hochgeworfen, aufgefangen werden, lachen und sprechen, Worte hören, leise, nur für mich.
    Spüren – nicht die Einsamkeit. Unter meinen Füßen ist kein Boden. Meine Augen haben keine
    Tränen. Ich falle, es ist so still. Leben? Kälte, Einsamkeit. Ich kann nicht schreien. Ich hasse nicht.

    Damals, als wir uns oben glaubten, über Gräser ragend, und ineinander verbunden wie ein Pilz-
    geflecht, erzitterten wir mit der Natur. Hinter jedem Baum das Geheimnis des Lebens. In jedem
    Grashalm die Größe der Natur. Auf jedem Weg die Möglichkeit des Todes und der Glaube an
    Unsterblichkeit. Weitab vom Glauben an unsere Einzigartigkeit, von dieser wunderbaren Illusion,
    stehen wir nun mitten drin und kämpfen. Schreien, nur des Echos wegen. Schlagen gegen
    Mauern, um in der Faust den Schmerz zu spüren; müssen beweisen, unsere Existenz. Ohnmacht
    überfällt den Körper, lähmt alle Sinne, schützt vor Schmerzen, die im Augenblick unerträglich er-
    scheinen.

    Zitternde Körper. Vergeblich versuchen verkrampfte Bewegungen der
    Seele die Tür zu öffnen. Verzweifelte Augen hinter lächelnden Masken,
    Neid und Stolz, Verletzlichkeit, Selbsttäuschung.
    Bedauernswerte Geschöpfe, leere Augen ängstigen euch. Angst in das
    Nichts zu schauen, zu fallen. Ja, ich blicke in die Leere. Meine Seele hat
    mich im Nichts gelassen, wo zuckende Leiber ihr Sein beweisen wollen,
    während die Seele, die sie verbergen, vergeblich versucht zu entfliehen.


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  7. #7
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    Ich sitze im Dunkeln und laufe doch durch die glitzernde Lichterflut.
    Ich denke an niemanden. Wohin also laufe ich?
    Es ist so schön hohl in meinem Kopf.
    Ich schaue mir die Dunkelheit an.
    Ich weiß nicht wo ich war.
    Ich sitze immer noch
    im Dunkeln.

    Mensch sein.
    Der Körper hat seine eigene Sprache, aber er sagt nichts. Ich bin kein Körper,
    ich besitze einen Körper. Wenn ich schreie, schweigt mein Körper. Wenn er weint,
    kann ich ruhig sein. Ich schreie lautlos. Ich will hinaus. Zwei Mauern, ich bin unsichtbar.
    Niemand hat mich gesehen und ich sah niemanden.

    Meine Gegenwart.
    Vielleicht bin ich auch gestorben,
    damals, als dein Schrei mir die Seele entriß und in die Ewigkeit schleuderte,
    in Tod und Unendlichkeit, in das Reich der Träume. Dort habe ich dich getroffen.
    Bin ich gestorben?
    Hast du meine Seele gesehen?
    Habe ich deine berührt, gerade jetzt?
    Ich habe Angst, daß du meine Seele in meinen Körper zurückschleuderst,
    daß ich meine Einsamkeit wieder spüre. Seele, im Gefängnis, gefangen, im Körper...
    der Körper...

    Lust einer Sommernacht.
    Sich auflösen, in der Unendlichkeit des Sternenhimmels.
    Zurückfallen, in Arme aufgefangen Leben fühlen,
    einfach sein; sterben und geboren werden.
    Illusion, Licht der Nacht.
    Ich liebe dich und ich flüchte vor dir,
    weil du mich hast gehen lassen,
    hinausgeschickt in das Sonnenlicht, in den grellen Tag.
    Ich sehne mich nach dir und ich fürchte dich,
    ich lebe und sterbe jeden Tag.
    Ich verstecke mich vor dir und ich rufe
    deinen Namen
    Ich laufe durch Sonnenschein und ich friere.
    Bin ich wohl gestorben in jener Nacht,
    irrt meine Seele irgendwo und schreit nach den Sternen,
    bäumt sich auf mit der Welle und trinkt das Salz des Meeres,
    während mein Körper im Sonnenlicht zittert?
    Illusion, schick mir meine Seele zurück,
    damit ich wieder das Sonnenlicht spüre.
    Halte sie nicht, locke sie nicht,
    vielleicht versinkt sie im Meer
    und wie soll ich leben ohne sie,
    ich werde erfrieren.

    Ich möchte einen Menschen finden, der Augen hat.
    Ich möchte einen Menschen finden, der Unsichtbares sieht.
    Ich möchte einen Menschen finden, der sieht, was erst erschaffen werden muß.
    Ich möchte einen Menschen sehen.
    Ich wünsche mir Augen, mit denen ich lieben kann.

    Du konntest mir nicht anders als ein trotziges Kind in die Augen schauen. Der Körper ist ver-
    schmutzt, der Geist verleugnet. Zerstörungslust,...


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  8. #8
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    Der Vogel baut sein Nest
    auf meinem Haus
    Jedes Jahr
    baut er für einen Sommer
    für eine Brut
    Ich baute für immer
    Wie der Vogel soll ich fliegen?
    Und im Herzen trag ich dich
    und meine Brut
    ein Leben lang
    Wohin, wohin mit meiner Last?
    Wohin mit meinem Herzen?
    Mit leeren Händen stehst du da
    die Luft läßt sich nicht fangen
    auch will sie mich nicht tragen
    auch hab ich Angst zu ruhen
    allein mit Sehnsucht
    allein im Herzen

    Sommersturm.
    Wie Herbststurm. Bäume und Sträucher
    peitscht er hin und her, zwingt sie zu
    wilden Tänzen, zu Verbeugungen. Doch
    sie richten sich wieder auf, mit all ihren
    Blättern, unversehrt. Es ist wie das Prasseln
    des Frühlingsregens, die Gräser
    schwimmen in den Pfützen und
    keines ertrinkt und jedes richtet
    sich wieder auf, viel höher und
    viel höher als zuvor.
    Der Sturm kann die Blätter nicht
    abreißen, der Regen die Gräser
    nicht ertränken, eine ganze Kraft
    scheint in jedem Wesen zu stecken.
    Es ist Sommer. Kein Sehnen, kein
    Warten, kein Nachtrauern, alles
    erscheint für immer. Alles wird
    sich verändern.
    Mein Herz ist dort draußen und
    beugt sich im Sturm und liegt
    ganz aufgeweicht in der Pfütze,
    und an seinem Platz brennt
    eine Sonne.
    Sich aufrichten gegen alles Äußere,
    selbst strahlen, auch wenn
    ich weiß, es ist so ein kurzes
    und vergängliches Glück, ein
    herrlich sonniges, ach so vergängliches.
    Brauch ich es doch zum Überleben, wie
    die Pflanzen dort in Sturm und Regen.
    Es ist Nacht. Es ist Morgen. Es ist
    Abend. Man kann nichts bewahren,
    nichts für später aufheben.
    Hier und jetzt fällt der Regen und
    färbt die Berge marineblau, und
    wer es nicht gesehen hat, wird es
    nie erleben.
    Hier und jetzt möchte ich der
    Illusion verfallen, hier und jetzt
    meinen Traum der Ewigkeit über-
    geben.



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    Geändert von Farbkreis (10.04.2011 um 04:19 Uhr)

  9. #9
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    Zerbrach mit dem Spiegel mein Gesicht?
    Warf ich mein Gesicht zu Boden,
    um nicht im Spiegel zu sehen,
    was ich nicht sehe.
    Jetzt steh ich an der Tür und will zurück.
    Ich werde sie wieder aufstoßen müssen,
    denn hinter der Tür ist Zerstörung.

    ..., Verurteilung, weil dir der Glaube fehlt, weil du aber glaubst, mich zu erkennen.
    Ich fühle deine Unsicherheit, wie du mir beweisen willst, daß du der bist, der du eben nicht bist.
    Deine Angst, deine Verletzbarkeit sind die eines Kindes. Ich aber bin zu jung um deine Mutter
    zu sein. Du willst verbergen, was ich in deinen Augen sehe, deine Angst vor mir, vor meiner
    Stärke, gleich dem Vogel aus meinem Traum, der meint, die Schlange zu verschlingen, während
    sie ihn aushöhlt, seine Innereien frißt.

    Du willst das ganze Tier verdauen, ich fresse dein Inneres, dein verstecktes Ich.
    Die Schlange wird größer, der Vogel schwach, das Haus stürzt über sie ein,
    die Sterbenden begrabend... Löwen werden befreit...

    Ich verstehe deine Angst, aber nicht deine Wahrheit, die doch Unehrlichkeit ist. Du willst mir
    also offenbaren, mir zeigen, was Wahrheit ist.

    Du bist ein außergewöhnlicher Mensch, außergewöhnlich schön, aber wirklich schön war es
    nur einmal mit dir, nur ein einziges Mal, als wir nicht versuchten, uns gegenseitig zu fressen,
    zu zerstören.

    Du willst wissen, wer du bist und glaubst, aus deinem Körper flüchten zu müssen, um dich
    zu erkennen. Von oben schaust du dich an und siehst nur deinen Körper, bist überall, liegst
    da, schreist, wirfst trotzige Blicke um dich, bist feindselig...

    Du fragst wer du bist. Schau mich einmal an, atme mich, ergreife mich, wie du es einmal tatest.
    Vielleicht würdest du eine Antwort finden, erfahren wer du bist. Ich habe es gehofft, in dem
    Moment, wo wir schon so dicht beieinander waren, daß die Luft wund war, und Berührungen
    taten beinahe weh.

    Vielleicht wäre dann alles leicht geworden, und du hättest nicht bis zum Mars fliehen müssen,
    um dein Leben zu spüren...
    Du hängst an der Wand, zusammen mit deiner Dummheit. Ich auch, ich habe neben mir meine
    Gegenseite, meine Dummheit, um nicht zerstört zu werden.

    Kein Recht zu zerstören.
    Sich selbst nicht, den anderen nicht.
    Kann man sich entfalten, ohne etwas zu zertreten?
    Wird nicht einiges in die Ecke gedrängt,
    wenn man sich im Raum ausbreitet?
    Und wenn man versucht,
    so wenig Platz wie möglich in Anspruch zu nehmen,
    wird man dann nicht selbst eingeengt und so mancher Keim erstickt?


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  10. #10
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    In der Straße erlöschten die Laternen
    und ich fand keinen Weg zurück.
    Durch das Fenster sah ich, wie damals
    als Kind, aber im Raum stand ich
    allein und blickte nach draußen
    denen nach, die mich nicht mehr
    erkannten.

    Die Vögel. Sie fliegen übers Papier, formen sich aus Farbe; seit der eine verschwand, der,
    der auf dem Fenster saß. Ich holte ihn aus dem Wasser, er wuchs in meiner Hand.
    Er setzte sich aufs Fenster und flog davon, Monate – kam nicht zurück
    Jemand sah ihn an seinem Fenster, er sang herrlich, einmal, seitdem warten wir beide...
    weil du gar kein Fenster hast.

    Er flog den langen Weg umsonst. Irgendwo wird er ein Fenster finden und singen.
    Jemand wird ihn hören und suchen, ihn an meinem Fenster finden, denn er kommt zurück.
    Ich sandte ihn zu einem Haus ohne Fenster. Jetzt irrt er. Du ließest ihn nicht hinein.
    Wie kannst du hoffen, daß er noch einmal für dich singt?

    Als ich diesen Menschen vor mir sah, als ich ihm zuhörte und die Grimassen beobachtete, die
    er dabei schnitt, da spürte ich, daß ich die Welt, in der er sich befand, selbst noch nicht ganz
    verlassen hatte. Es war kein Kampf in mir, kein Mitleid. Es erbitterte mich jedoch etwas, daß
    ich das, was er mir erzählte, und das ich in ähnlicher Art einmal erlebt hatte, nur noch aus
    weiter Ferne verstand. Vor dem stand meine Liebe zum Leben, die beinahe vollkommen war,
    und sie kam mir nun als ein zu großes Geschenk vor. Ich hätte diesem Menschen gern etwas
    von meinem inneren Frieden gegeben, aber ich konnte es nicht. Was sollte ich ihm sagen von
    einer Welt, von der er nur zu recht so sprach, wenn ich sah, was sie mit ihm angerichtet hatte.

    Gedanken an den Tod erschrecken mich nicht. Meine Träne in fremden Augen. Meine
    Leidenschaft im fremden Körper, für mich. Schauen und nehmen, und meine Flamme erlischt.

    Was sollte ich ihm denn sagen, wo ich doch selbst nicht wußte, woher meine plötzliche Ruhe
    und die Liebe kam. Ich fühlte mich nicht wohl in meinem Glück, als ich diesen Menschen sah.

    Aber obwohl ich so gar nichts für ihn tun konnte, außer ihm zuzuhören, so faßte er doch ein
    Vertrauen zu mir, das ihm für einen Moment ein Gefühl der nicht völligen Einsamkeit gab.
    Hätte er gehungert, ich hätte ihn sättigen können. Aber eine Seele, die so schreit, Augen, die
    nicht mehr klagen, sondern tief und scharf und etwas wahnsinnig blicken, das alles ist stärker
    und wahrhaftiger als mein Glück, in das ich getaucht war...

    Muß ich traurig sein oder hoffen? Glauben. Wie kann ich sonst leben mit dem Gedanken an den
    Tod. Ich bin nicht so stark, nicht so verzweifelt. Angst ist gering. Ich glaube, es ist Glück, das
    du nicht gefunden, hättest gefunden, zu irgendeiner Zeit, oder jetzt?


    ... im weisen System des Universums gibt es kein Glück.


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    Geändert von Farbkreis (10.04.2011 um 12:16 Uhr)

  11. #11
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    Der Horizont liegt in den Augen
    die sich dem Himmel öffnen
    Der Mond wandert in ihnen
    Die Sonne geht dort auf
    Meine Welt lege ich in dieses All
    Wie könnt ich sterben
    da mich das All umgibt
    die Sonne mich am Leben hält
    der Mond mir die Nacht erhellt
    Für immer soll es sein
    mein Leben in den Augen
    in denen es geboren ist

    Ich sah die Sonne aufgehen.
    Die Sonne ging unter,
    und ich hatte keine Augen mehr.

    Wie oft muß man sterben, um geboren zu werden ? Leben ist ständiger Kampf mit dem Tod.
    Was ist dann der Tod? Wahres Leben, Frieden, oder das Erlöschen der Seele? Oder das
    Erwachen der Seele? Wie sinnvoll ist überhaupt das Denken, der Gedanke an den Tod und an
    was sonst soll man denken? Wie könnt ich lieben, ohne an den Tod zu denken, und wie könnt
    ich sterben ohne Liebe? Lust zu lieben, Lust zu sterben. Sehnsucht, Leidenschaft, was lohnt
    sich? Braucht das Leben einen Sinn?

    Ich warte auf die Sonne. Wo ich auch geh, in
    der Nacht durch tausend Lichter, vermisse
    ich die Sonne. Gelbe Sonne, rote Sonne, erwärme
    mich, verbrenne mich, ich will nach dir schauen
    bis mir die Augen schmerzen. In deinen
    glühenden Strahlen will ich baden bis mein
    Körper, erschöpft von unendlicher Wonne,
    mit dir im Wasser untergeht. Ich warte auf
    die Sonne.

    Vor dir liegt die Gegenwart unter jedem Schritt, den du tust. Hinter dir geht die Sonne unter,
    taucht in Dunkelheit, wovon du dich entfernst.
    Drehst du dich um, siehst du die Nacht, schlafende Welt, aus Schatten erbaut.
    Schaust du nach vorn, wo die Sonne aufgeht, siehst du den Morgen und wo du stehst,
    dort ist der Tag, Welt der Lebendigen, aus Lichtern erbaut.
    Wirst du dich umschauen?
    Sehnst du dich nach der Nacht und danach, in deinen Schatten zu sinken?
    Brennt die Sonne auf deiner Stirn, so daß du vergißt die Beine zu heben?
    Laufe in den Morgen, suche das Licht. Laß die Nacht schlafen, verlasse deinen Schatten,
    entfliehe der Dunkelheit, bleibe nicht stehen.
    Laufe in den Morgen.

    Heute brannte die Sonne auf den Stein
    und entflammte die Liebe, die
    die Luft erwärmt.


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  12. #12
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    Die Sonne durchströmt meinen Körper.
    Ich schließe die Augen. Gelbe und rote
    Tupfer tanzen hinter meinen Lidern,
    strömen zusammen. Ein orangenroter
    Tropfen zerfließt, zersprenkelt sich, wird
    wieder eins. Ich zerspringe in unendliche Teile,
    die sich langsam wieder zusammenfügen,
    zu einem orangenroten Tropfen, der
    in der Sonne vibriert.

    Die Sonne scheint, es ist ein lebhafter warmer Tag. Ich nehme nicht teil heute am Leben
    draußen. Ich sitze hier, schreibe und warte, warte nicht darauf, daß die Zeit vergeht.
    Es ist eine große Hoffnung, eine Hoffnung auf etwas Glück, die wir an das Leben stellen
    und die uns warten läßt; aber hoffen und warten kann schöner sein als etwas zu erleben,
    um enttäuscht zu werden.

    Werde Künstler, in allen Lebenslagen, bei Tag und bei Nacht.
    Werde das Kunstwerk der Schöpfung, dazu bestimmt, als Künstler zu schaffen,
    deine eigenen Schöpfungen aus Ehrfurcht und Dank, daß du geschaffen bist.
    Es fließt der Strom der Schöpfung aus dir, aus der sprudelnden Quelle, und du öffnest dich
    wie die Erde sich öffnet, aus der das Wasser springt.
    Dein Mund lächelt und spricht Lob, deine Augen funkeln und senden Licht,
    deine Hände schaffen Werte, die du aus der Quelle läßt und der Fluß wird strömen.

    Es lohnt sich zu kämpfen, selbst wenn der Gegner ein Stück Papier ist.
    Ich habe ausgespuckt, wiedergekaut, bis eine klare Flüssigkeit entstand. Eine Farbmischung,
    die aufs Papier floß und sich verteilen ließ. Totes Material ist lebendig geworden, das Papier
    atmet. Ich habe mich geöffnet, bin ausgeflossen, habe mich ausgebreitet, das Papier gefärbt,
    mich geformt, in eine Gestalt verwandelt, Farben sind Gestalten geworden. Ich habe meine
    Ströme wieder aufgesogen, bin zu mir zurückgekehrt und spüre wie das Papier atmet, die
    lebenden Gestalten, die nun mich beleben und kräftigen. Ich fühle wie ich mich aufs neue fülle,
    wie der Strom so stark wird, daß er einen Ausgang sucht, über die Ufer treten möchte. Ich
    muß ihn fließen lassen, mein Leben ausspülen, mich ausbreiten, überfließen, überschwemmen.
    Flut. Wie ein Meer mit Ebbe und Flut, das alles, was nicht fest steht mit sich reißt, verdaut
    und irgendwann wieder ausspeit. Verwandelte Objekte, Strandgut.


    *


    Frei auf der Erde
    Vogelflug
    Schwimmender Fisch
    Über Berge, unter Brücken
    und dazwischen
    meine Schritte

    ...

    ***


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