1. #1
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    Kommentarfaden: Wie soll ich es erzählen? / Hundert Treppen

    #1
    Hundert Treppen bin ich gestiegen. Hier oben
    ertönte ein schaurig schönes Lied. Durch die
    Ohren drang es bis in meinen Bauch. Und
    plötzlich war ich der Vogel, der seine Beute
    greift und ich stärkte mich an ihr.

    *

    #2
    Körper, gebraucht, benutzt, geschändet.
    Schreie und Tränen und dann Stille.
    Keine Reue. Ungewißheit.
    Soll ich in Zorn ergehen oder in Mitleid?
    Keins von beiden erlöst mich.

    *

    #3
    Ich bin nur auf meiner Seite,
    wenn ich mich entscheiden muß.
    Ich suche nicht, ich bleibe und warte auf das,
    was da kommt und mir gehört.

    ...
    und er versteht es nicht, nicht warum... versteht nicht, ...

    *

    #4
    Es ist zu lange her
    gewartet habe ich
    Du kommst zu spät
    Die Rosen sind verwelkt
    Das Feuer ist erloschen
    nie hast du sie gepflanzt
    nie hast du es entzündet

    ...

    *

    #5
    ..., daß ich geben will und nicht geben kann, daß ich nehme, obwohl ich nicht
    ...

    *

    #6
    Weit strahlt die Sonne, aber mich kann sie nicht erreichen.
    In Stürmen gerissen, verfangen, wie Speere schneiden mich
    eiskalte Winde. Meine Schreie verhallen, ich sehe nichts und
    mein Körper bäumt sich auf. Die Erde ist hart wie die Luft
    und das Wasser Eis. Weit strahlt die Sonne. Wohin?

    *

    #7
    Ich sitze im Dunkeln und laufe doch durch die glitzernde Lichterflut.
    Ich denke an niemanden. Wohin also laufe ich?
    Es ist so schön hohl in meinem Kopf.
    Ich schaue mir die Dunkelheit an.
    Ich weiß nicht wo ich war.
    Ich sitze immer noch
    im Dunkeln.

    ...

    Du konntest mir nicht anders als ein trotziges Kind in die Augen schauen. Der Körper ist ver-
    schmutzt, der Geist verleugnet. Zerstörungslust,...

    *

    #8
    Der Vogel baut sein Nest
    auf meinem Haus
    Jedes Jahr
    baut er für einen Sommer
    für eine Brut
    Ich baute für immer
    ...

    *

    #9
    Zerbrach mit dem Spiegel mein Gesicht?
    Warf ich mein Gesicht zu Boden,
    um nicht im Spiegel zu sehen,
    was ich nicht sehe.
    Jetzt steh ich an der Tür und will zurück.
    Ich werde sie wieder aufstoßen müssen,
    denn hinter der Tür ist Zerstörung.

    ..., Verurteilung, weil dir der Glaube fehlt, weil du aber glaubst, mich zu erkennen.
    ...
    *

    #10
    In der Straße erlöschten die Laternen
    und ich fand keinen Weg zurück.
    Durch das Fenster sah ich, wie damals
    als Kind, aber im Raum stand ich
    allein und blickte nach draußen
    denen nach, die mich nicht mehr
    erkannten.

    *

    #11
    Der Horizont liegt in den Augen
    die sich dem Himmel öffnen
    Der Mond wandert in ihnen
    Die Sonne geht dort auf
    Meine Welt lege ich in dieses All
    Wie könnt ich sterben
    da mich das All umgibt
    die Sonne mich am Leben hält
    der Mond mir die Nacht erhellt
    Für immer soll es sein
    mein Leben in den Augen
    in denen es geboren ist

    *

    #12
    Die Sonne durchströmt meinen Körper.
    Ich schließe die Augen. Gelbe und rote
    Tupfer tanzen hinter meinen Lidern,
    strömen zusammen. Ein orangenroter
    Tropfen zerfließt, zersprenkelt sich, wird
    wieder eins. Ich zerspringe in unendliche Teile,
    die sich langsam wieder zusammenfügen,
    zu einem orangenroten Tropfen, der
    in der Sonne vibriert.


    *


    Frei auf der Erde
    Vogelflug
    Schwimmender Fisch
    Über Berge, unter Brücken
    und dazwischen
    meine Schritte


    ***

    #1

    ... Das schlimme daran, es tut mir nicht leid, ich habe Hundert
    Treppen für Aldo geschrieben.

    Hundert Treppen bin ich gestiegen. Hier oben
    ertönte ein schaurig schönes Lied. Durch die
    Ohren drang es bis in meinen Bauch. Und
    plötzlich war ich der Vogel, der seine Beute
    greift und ich stärkte mich an ihr.

    *


    Kommentarfaden zu: Hundert Treppen
    ...
    Geändert von Farbkreis (10.04.2011 um 15:30 Uhr) Grund: Link

  2. #2
    Registriert seit
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    Hi, Farbkreis -

    ich rätsle immer noch, nachdem ich fast alles gründlich gelesen habe:
    Sind nun Stufen oder Treppen gemeint?
    Denn eine Treppe kann vierstufig, sie kann auch dreizehnstufig sein, je nach Bedarf und Höhe.
    Die Treppe zu meiner Wohnung hat z.B. (von der Haustüre aus gerechnet) 18 Stufen, die zu meinem Keller 7 Stufen.


    Barbarossa

  3. #3
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    1.357
    Hi, Barbarossa -

    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Hi, Farbkreis -

    ich rätsle immer noch, nachdem ich fast alles gründlich gelesen habe:
    Das ist verständlich, nachdem ich noch fast gar nichts geschrieben habe:

    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Die Treppe zu meiner Wohnung hat z.B. (von der Haustüre aus gerechnet) 18 Stufen, die zu meinem Keller 7 Stufen.
    Es ist noch nicht klar, wohin die Treppen führen. Bis jetzt handelt es sich eher um Treppen ausserhalb des Wohnhauses. Vielleicht kennst du Paris? Da trainieren sich auch die Schüler schweizer Tanzschulen... Ich habe noch nie beim Treppensteigen die Stufen gezählt, meist fährt man ja auch mit dem Fahrstuhl in den Keller... Die Treppe kann auch eine Etage bedeuten, ich werde die Stufen nicht zählen, eine Geschichte dazu hätte ich schon. Als ich "hundert Treppen stieg", habe ich die Stufen nicht gezählt, denn sie strengten mich nicht an, aber es kann schon sein, dass, wenn man Schwierigkeiten hat, Stufen zu steigen, denkt: noch zehn... noch neun...

    Im Augenblick kann ich nicht dazu antworten... hundert steht eventuell für viele, für die Höhe... ich komme später noch darauf zurück.

    LG Farbkreis

  4. #4
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    797
    Hallo Farbkreis,

    ich umkreise seit einigen Tagen immer wieder diesen Faden; neulich kam mein Liebster in den Raum, setzte sich zu mir und las über meine Schulter ein wenig mit; ich merkte, der Text fasste ihn an und es ist nicht so, dass er so leicht zu berühren wäre – ist es so, dass die meisten großartigen Dichter zu selbstbezogen sind, als dass sie ganz in fremde Texte tauchen könnten? Jedenfalls frag ich mich selbst: Ist es, weil ich manchmal auftauche, wie träumend erwachen und nicke und manchmal schaue, als habe es denn doch nichts zu tun mit mir?

    Die Erzählerin hier ringt teilweise um ihre Stimme; an anderen Stellen sprudelt sie über und beschreibt Detail für Detail Kleinigkeiten, die nicht wichtig aber doch eben ganz und gar nicht nichtig sind. Sie stellt eingangs selbst die Frage: „Wie soll ich es erzählen“ und dann versucht sie es einfach, nimmt mal diese, mal jene Abzweigung, kennt den Weg nicht, aber genau doch ihr Ziel; es erzählt zu haben. Der erste Teil endet: „ … ich habe Hundert Treppen für Aldo geschrieben.“ Ich glaube ihr nicht, denn die Geschichte ist noch lange nicht erzählt, auch wenn sich der eigentliche Umfang in den fünf Gedichtzeilen widerspiegeln mag, der die hundert Treppen erwähnt.

    Manches Mal bleibt der Text kryptisch, als verschlösse er sich vor Lesern, die mit ihm nichts zu tun haben, nicht um die hundert Treppen wissen sollen, als wären sie es nicht wert. Mich fragte neulich jemand, warum man „in kryptischen Bildern“ schreibt – ich schulde noch eine Antwort, habe lange darüber nachgesonnen. Ich glaube, manche Dinge haben einfache Namen und kann man benennen; anderes ist aber, als wär es nur Duft, nur Geruch. Wer wäre schon in der Lage, wirklich zu beschreiben, wie genau dieser eine Waldboden duftet und was ihn so anders macht, als andere Waldböden, so dass man ihn mit geschlossenen Augen wiedererkennen könnte. Seewind mag Holz, Sand und Tang in sich tragen, oder Salz, aber da gibt es auch immer noch anderes, was viel schwerer zu beschreiben ist. Manches hier scheint mir darum ein schichten von Bilder gehüllt, weil das Malen eines einzigen nur einen Bruchteil dessen wiedergeben könnte, was erzählt werden soll.

    „Angst in das Nichts zu schauen, zu fallen. Ja, ich blicke in die Leere.“ Das erinnerte mich an etwas, das ich mal so versuchte zu sagen: „keinen Boden zum Schreiten und kein Nichtboden, zu stürzen.“ Man schwebt zwischen den Zuständen, wie Wattedenken im Hirn und nicht spüren? Gleichzeitig ist mir an wenigen Stellen der Text zu reduziert – schau die letzten zwei Zeilen von heute; da zuck ich dann Schultern und bin nicht dabei. Deine Gedichte dazu, die hingegen sind teils großartig; an dem vom 05. hänge ich immer wieder und wieder und wieder.

    Manchmal möchte ich etwas verbessern, ausbessern, aber das wäre nicht authentisch, fast wie lügen; Du liest es nicht, ehe Du es abgeschlossen hast, oder? Vielleicht sind sogar hundert Treppen zu wenig, dachte ich vorhin, bis alles durchlebt sei; oder aufgeschrieben?

    Gruß
    Nina
    .
    .

    "gesammelte Empfehlungen" von linespur
    Du vermisst einen Kommentar zu Deinem Gedicht?

    Genie ist weniger eine Gabe denn aus blanker Not geborener Erfindungsreichtum.
    Jean Paul Sartre

  5. #5
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    1.357
    Hallo linespur,

    vielen Dank für das Interesse an diesem unfertigen Text, der wirklich ein Versuch ist.

    „ … ich habe Hundert Treppen für Aldo geschrieben.“ Ich glaube ihr nicht, denn die Geschichte ist noch lange nicht erzählt, auch wenn sich der eigentliche Umfang in den fünf Gedichtzeilen widerspiegeln mag, der die hundert Treppen erwähnt.
    Der Anfang besteht aus fünf Zeilen, das Ende steht auch schon da (in meinen Notizen), die Geschichte ist somit schon geschrieben, aber der Umfang unbestimmt, auch kann sich der Schluß noch verändern.

    Mich fragte neulich jemand, warum man „in kryptischen Bildern“ schreibt – ich schulde noch eine Antwort, habe lange darüber nachgesonnen.
    Darauf könnte ich klar und deutlich in Bezug zur Geschichte antworten, aber es ist zu persönlich und kein extra gesuchter "Stil". Ich probiere allerdings immer wieder den Boden zu berühren, habe aber schon vieles gestrichen, damit es nicht anstößig wird.

    Gleichzeitig ist mir an wenigen Stellen der Text zu reduziert – schau die letzten zwei Zeilen von heute; da zuck ich dann Schultern und bin nicht dabei.
    Die letzten beiden Zeilen sind die ersten vom ursprünglichen Text #7, da hab ich auch mit dem Kopf geschüttelt. Wie das Ende von # 3 der Anfang von # 5 ist, sind auch hier die beiden Endzeilen der Anfang von # 9, so als nähme man zwei Treppen auf einmal, im Sprung. Es hat sich so ergeben, ich weiß jedoch noch nicht, wie ich es schreiben werde. Der Text war zu lang, zu... es könnte ja auch sein, daß ich gerade die Stellen streiche, die dem Leser gefallen hätten, ich reduziere sehr viel, die Geschichte soll so kurz wie möglich werden.

    Vielen Dank für deinen Kommentar, auf den ich später gerne noch näher eingehen möchte.

    Lieben Gruß
    Farbkreis

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