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Thema: Soma

  1. #1
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    Soma

    Es sprechen:

    Soma / Verzweiflung – Körper
    Animot / Ungläubiger – Widersacher
    Kenio / Zweifel – Gedanke
    Syra / Vertrauen – Geist

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Luft / Feuer / Wasser...

    Tief unter der Erde liegt, begraben
    bewachsen von Gras, bedeckt von Schnee,
    Leben und Tod, umhüllt von Erde,
    wo noch die Sonne hindringt...

    SOMA
    "Ich lebe mit dem Tod an meiner Seite.
    Welchen Weg ich auch wähle,
    er begleitet mich."

    KENIO
    "Ich kann nicht an meine Träume glauben,
    auch wenn ein Stern vom Himmel fällt,
    er fällt ja nicht zur Erde."

    SYRA
    "Leuchtete je ein Stern anderswo als am Himmel?
    Dorthin will ich schauen.
    Ein Stern führt mich auf den Weg,
    den ich betreten will..."

    ANIMOT
    "Aber es gibt viele Sterne
    und ebenso viele Wege?"

    SOMA
    "Ich habe Angst mich zu verirren.
    Ich habe Angst allein zu laufen.
    Ich stehe an der Kreuzung
    und warte auf ein Zeichen."

    SYRA
    "Ich vertraue meinem Stern."


    SOMA
    "Irgendwo stehst du. Irgendwohin gehst
    du. Zurück kommst du und siehst,
    daß dort, wo du gestanden hast alles,
    was du mit deinen Händen erbaut
    hast, eingefallen ist und das Loch,
    das du mit deinen Händen grubst
    ist zugeschüttet und die Wurzel,
    die du gepflanzt hast, erstickte darin.
    Warst du je hier?"

    ANIMOT
    "Es muß wohl so sein, die Jahre sagen es."

    KENIO
    "Wohin ging das Wort? Wozu sprachen wir?
    Ging es ein in die Stille, dort, wo unsere
    Seelen schweigen, oder behielt es die Zeit,
    und es schreit, lautlos, gefangen in der
    Vergangenheit während wir, jetzt,
    nach einem neuen Wort suchen?"

    SYRA
    "Worte, Geräusche, lenken ab von dem, das
    wirklich ist.
    In der Stille rauscht die Wahrheit
    und im Schweigen spricht die Liebe
    ihre Worte,
    die der Mund nicht findet,
    die das Ohr nicht hört,
    die aus weitester Ferne
    und in der Stille
    nur die Seele erreichen."

    .....


    _______________________________________________________________________________
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 14:56 Uhr) Grund: Link gelöscht

  2. #2
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    II.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Wasser...

    Am schönsten ist es in den Lüften.

    SOMA
    "Wie könnt ich durch den Schnee laufen? Wie
    könnt ich zum Himmel schauen?
    Bin ich bei den Toten? Die Bäume sind
    kahl, die Erde ist weiß, kein Stern
    scheint durch die dicke Wolkendecke."

    KENIO
    "Du läßt dich in den Himmel heben, die Erde wird
    zur Landkarte für deine Augen. Du überfliegst
    Wolken, unter dir ist nichts mehr.
    Einen Moment, frei und lößgelöst, schwebst
    du mit deinen Gedanken.
    Dann sinkst du in den Wolkennebel. Das
    Flugzeug setzt dich sanft zu Boden."

    ANIMOT
    "Nun sind die Wolken über dir und du
    wagst nicht zum Himmel zu schauen.
    Den Horizont verdecken mächtige Berge.
    Du läufst über vereisten Boden und
    hast das Gefühl, als sei während deiner
    Abwesenheit alles gestorben, und du
    willst sofort umkehren. Ich versuche es.
    Ich laufe durch den Schnee."

    SYRA
    "Ende. Frost. Tod. Jahresende.
    Ich laufe darüber mit dem gleichen Gefühl, das
    ich hatte, als ich im Flugzeug über Wolken
    schwebte. Mein Wunsch wurde erhört. In
    mir ist Sommer. Blüten im Winter.
    Dem Tod begegnen. Den Tod überwinden.
    Welch Lebensgefühl."

    ANIMOT
    "Das Gefühl einer vergangenen Geborgenheit.
    Keine Erinnerung daran. Wohl war es kalt,
    doch der Wunsch nach Wärme noch stärker.
    Und dieser Wunsch gibt heute das Gefühl,
    ohne Erinnerung.
    In dieser stillen Nacht, zu still für leise Träume
    und bange Fragen.
    Auch die Zukunft schweigt und Gestern
    verstummt
    Ein Gefühl des Heimkehrens, so ruhig und warm
    und doch so traurig."

    KENIO
    "Man kann nicht einfach wünschen, man
    muß es tun, selbst tun, aber was es ist,
    daß ist schwer zu erkennen.
    Niemand wird Wünsche erraten und
    Wünsche erfüllen. Nur durch sich selbst,
    nur aus sich selbst kann man leben."

    SOMA
    "Wie dunkel ist der Nachthimmel ohne dich,
    Stern, mein Stern.
    Vergeblich schreie ich meinen Schmerz
    gegen die schwarze Wand,
    meinen dunklen Schmerz, denn
    ich habe nichts anderes um dich zu erreichen
    und kann dich doch nie erreichen.
    Stern, mein Stern.
    Laß mich nicht im Dunkel irren."

    SYRA
    "Welche Entfernung, welche Zeit kann
    das Sternenlicht löschen, kann das
    Sonnenlicht vertilgen. Es scheint an
    jedem Ort, zu jeder Zeit; und
    das Licht dringt in Augen, die
    zum Sternenhimmel schauen, die
    am Tage sehen und es ist das
    gleiche Licht für alle Augen, und
    sie sind am gleichen Ort, zur
    gleichen Zeit; vereint vom Licht
    durchdrungen."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 14:57 Uhr) Grund: Link gelöscht

  3. #3
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    III.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Luft / Wasser...

    Das Jahr beginnt in der stillen Schwärze
    einer Winternacht.
    Feuerwerk knallt in der Ferne,
    fällt als bunter Regen auf den starren
    Boden.
    Nichts wird erwachen in dieser Nacht.

    SOMA
    "Riesige weiche Watteflocken, leicht und luftig
    weiß, schweben, erfüllen die Luft. Nur einen
    Moment, und dann laufe ich durch den Matsch
    und dann verschlingt dichter grauer Nebel
    die Landschaft. Ich werde unsichtbar und
    sehe nichts,..."

    ANIMOT
    "Fühle nur, wie er dich umarmt und kuschle
    dich in seine weißen weichen Wolkenarme,
    und lasse dich verschlingen."

    SOMA
    "Ich seh keinen Weg mehr."

    SYRA
    "Es leuchtet ein Stern und nur eine Finsternis
    für blinde Augen."

    KENIO
    "Lang ist der Weg."

    SOMA
    "Dunkel ist der Weg."

    KENIO
    "So lang wie ich wartete."

    SOMA
    "So dunkel wie meine Verzweiflung."

    KENIO
    "So lang wie ich mich entfernte."

    SOMA
    "So dunkel wie meine Einsamkeit."

    KENIO
    "Zünde die Lichter an. Laufe schnell,
    umarme mich."

    ANIMOT
    "Wenn ich sagen könnte: Komm, setz dich
    neben mich, und nicht sagen brauchte..."

    KENIO
    "Wenn Augen versinken würden, in Gedanken
    tauchen, so daß Seelen sich berühren und
    verschmelzen."

    ANIMOT
    "Wenn ich nicht sagen brauchte... könnt ich
    sagen..."

    KENIO
    "komm, setz dich zu mir, vor das warme Feuer.
    Schau in die Flammen."

    ANIMOT
    "Sieh, wie die rotglühende Asche schließlich
    erschwärzt... Welches Problem gäbe es dann
    noch? Ach, du siehst nichts."

    KENIO
    "Wie gern hätte ich, du schaust mich an."

    SYRA
    "Kein Feuerwerk leuchtet heller als das Licht,
    das für die Lebendigen leuchtet."

    ...
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  4. #4
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    IV.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Luft...

    Der erste Winter, der zu mild ist.
    Der Himmel leuchtet gelb und orange, grün und violett.
    Der Schnee fällt um zu tauen.

    SYRA
    "Was will der Nebel verhüllen? Gerade jetzt
    sprießt das Leben, öffnen sich Knospen,
    während der Himmel sich ergießt. Alles ist, wie
    es sein muß. Die Sonne, die nun sicher bald
    scheinen wird, brennen wird, soll nur erhellen,
    was schon ist. Leben bricht im Wasser auf,
    leuchten tut’s im Nebel."

    ANIMOT
    "Während die, die stumm und ohne Licht,
    vom Schnee bedeckt, nun endgültig
    erstarren und kein eisiger Wind kann sie
    zum Leben erwecken, und kein Schneesturm
    sie erwärmen."

    KENIO
    "Wasserspiel. Wie weit springt der Stein
    übers Wasser. Wie oft schlug er aufs Wasser,
    bis er in die schwarze Tiefe versank."

    SOMA
    "Die schwarze Tiefe macht mir Angst.
    Ich schaue nicht hinunter, weil ich dann
    springen muß. Vielleicht hätte ich es wagen
    sollen. Hinunterschauen, versinken. Nun
    aber brennt die Sonne ohne Licht, schmerzt,
    und ich warte auf die Nacht."

    ANIMOT
    "Erlösende Finsternis, gleich der Tiefe des
    Wassers. Versinken darf ich in ihr ohne Angst."

    SOMA
    "Nichts mehr hat einen Wert für mich auf dieser
    Welt. Nichts. Welche Angst, welch Schauer
    überkommt mich bei dem Gedanken, in Einsamkeit,
    in Lieblosigkeit, ohne Seele zu sterben."

    KENIO
    "Die Gedanken legen die Karten
    und nicht umgekehrt.
    Die Gedanken zeichnen das Schicksal
    und formen das Leben,
    und nicht umgekehrt.
    Keine Karten, kein Schicksal, kein Leben
    beeinflussen das Gedachte,
    weil zuerst der Gedanke war,
    den die Karte zeigt, das Schicksal
    ermöglicht und das Leben bewahrheitet."

    SOMA
    "Weg ohne Ausweg, umzingelt von Bäumen,
    lockendes Licht, glänzendes Ziel, führt
    in abgrundtiefe Wasser, schwarz und
    undurchschaubar."

    ANIMOT
    "Lauft in den Tod, ihr Toten. Lauft im Dunkeln,
    ihr Blinden. Sterbt im Winter, denn der Frühling
    wird euch nicht wecken. Es ist der erste Winter,
    zu mild um die Toten in den Frühling zu tragen."

    SYRA
    "Und verstummt auch der letzte Vogelgesang,
    und dringt der Nebel auch bis vor mein Fenster...

    KENIO
    "Trübe Wasser sind undurchsichtig. Beschlagene
    Scheiben sind Spiegel. Fliegende Augen fliehen
    über das Wasser zum verzerrten Spiegelbild.
    An dem Wasser, wo meine Augen ruhen, gibt
    es keine Fenster. Sie fliegen, sie fliehen und
    suchen zu ruhen dort, und gleiten auf
    ihrem Weg über undurchsichtige Flächen,
    selbst trübe und beschlagen, bis zu dem
    Wasser, das seinen Grund auf der klaren
    Fläche trägt und sie werden selber klar,
    holen aus der Tiefe Leuchten und ruhen
    auf dem Wasser, ruht Tiefe auf dem
    Grund."

    ANIMOT
    "Das Wasser ist blau und seicht. Es ist still,
    Trümmer und keine Schreie, es ist still.
    Warum habe ich überlebt?"

    SYRA
    "... so leuchtet doch ein Stern so hell,
    so gibt es doch eine Melodie so lieblich,
    daß selbst in der langen Todesnacht des Winters
    Leben quillt und Leben wächst, Leben
    weitergeht oder beginnt,..."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 14:59 Uhr) Grund: Link gelöscht

  5. #5
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    V.

    Ort: Körper / drinnen / Wasser / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Luft / ...

    Draußen: Lichterflecken, das Nachtblau erhellend, fahlgelber Mond.

    SYRA
    "Die Straße führt in das Lichtermeer und
    dahinter erheben sich die Berge wie riesige
    Schatten,... "

    KENIO
    "Welche ist die Form des Lichtes, das am
    Abend rötlich am Horizont aus dem
    brennenden Sonnenball quillt, um
    sogleich sich auszubreiten, leicht und
    dünn wie farbiges Gas, sich vermischend,
    orange, violett, rosa, färbend erbleichend,
    strömend entschwindend?"

    SOMA
    "Lief ich doch durch die Nacht
    und die ganze Nacht
    ohne dich zu finden,
    doch warst du irgendwo
    dort im Dunkel,
    doch bist du irgendwo
    dort im Dunkel.
    Nacht für Nacht."

    SYRA
    "Am Himmel war ein Licht,
    ein unbekanntes."

    SOMA
    "So aggressiv es schien mir,
    daß ich die Flucht ergriff."

    KENIO
    "In deinen Augen sah ich ein wohlbekanntes
    Licht."

    SOMA
    "So wehe tat es scheinen, daß ich
    die Flucht ergriff."

    ANIMOT
    "Und es verlor sich in der Tiefe, im Nichts."

    SOMA
    "Welches ist das Wort des Lichtes,
    des Strömens veränderlicher Farben,
    der Lichtermischung, die gerade und
    so leicht wie Gas nun sich verflüchtigt
    und mich ohne Antwort läßt, ohne
    Wort?"

    ANIMOT
    "Die Sonne geht auf
    und ich schlafe ein,
    und möchte doch
    neben dir erwachen."

    SOMA
    "Erwachen mit der Sonne, wenn Wolken
    den Himmel verdecken?"

    ANIMOT
    "Die Sonne gibt dir Leben.
    Ich brauche nur die Sonne.
    Oh dieses Glück, zu erwachen."

    SYRA
    "Heute morgen vermischt sich rötliches
    Abendlicht zu allen erdenklichen
    Farben. Welche Form und welches
    Wort kann dieses Bild begreifen,
    benennen und es bleibt ohne
    Form, ohne Namen."

    SOMA
    "Und ich will es behalten, und ich will es vergeht."

    ANIMOT
    "Ich finde keine Form für die Farbe."

    KENIO
    "Alles ist Mischung und alles ist
    Frage, und alles fließt und alles
    vergeht."

    SOMA
    "Lös mich auf, laß mich formlos
    mit dir fließen, mit dir vergehen.
    Nimm mich mit, ohne Form,
    ohne Wort."

    SYRA
    "... und ich fahre weiter und weiter,
    der Abendstern trinkt meinen Schmerz,
    meine traurige Sehnsucht, erhebt sie
    über Lichter und Schattenberge."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 14:59 Uhr) Grund: ß.

  6. #6
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    VI.

    Ort: Körper / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Luft / Wasser...

    Drinnen: Gefangen, eingemauert.

    SYRA
    "Du leitest mich, Unendlichkeit.
    Göttlich ist mein Vertrauen.
    Du hast mich losgelöst vom irdischen Boden,
    auf dem ich einst ein Haus gebaut,
    das die Leere ummauerte."

    SOMA
    "Laue Finsternis, Gefängnis
    der Schutzsuchenden, du isolierst, schützt
    vor Berührung, Verbrennung, Erfrierung,
    vor Sonne, Wasser, Wind und Schnee;
    vor spitzen Steinen und rieselndem Sand,
    vor drohenden Wellen und seichtem Rauschen,
    vor betäubendem Blütenduft und verlockenden
    Farben."

    ANIMOT
    "Vor dem Licht. Ich selbst habe deine Mauer
    errichtet."

    KENIO
    "Was gibt die Form, was färbt sie ? Welche
    Farbe für welche Form, oder welche Form für
    welche Farbe ? Was, wenn es nur Formen gäbe?
    Was, wenn es nur Farben gäbe? Wer bestimmt
    die Form des Menschen, was färbt ihn?"

    SYRA
    "Unsichtbar und fühlbar ist die Wahrheit,
    ist der Name. Der kleinste Moment der Erkenntnis
    kostbarer als der größte Reichtum der Erde.
    Ich bin wiedergeboren und habe doch die
    Erde verlassen."

    ANIMOT
    "Für die Erkenntnis der Wahrheit will ich
    hungern, kein Gold kann mich locken,
    kein Körper verzaubern."

    SOMA
    "Bin ich Gefangene meines Körpers, der
    altert, zerfällt, schneller als die Zeit? Mein
    Körper sagt nichts, und doch meinst du zu
    wissen, was mein Körper sagt; was ich sage,
    warum ich weine, dafür sind die Ohren
    taub, das Herz verschlossen."

    SYRA
    "Mein Geist hat gewonnen, nach grausamen
    Kriegen meinen Körper bezwungen.
    Er soll gehorchen und schweigen
    und niemals klagen, denn ich werde
    ihn verlassen, lassen auf der Erde."

    SOMA
    "Er schreit, bis ich wieder ruhig bin und eine
    kleine Zeit dieses Leben ertragen kann. Doch
    bin ich nur ruhig, nicht tot und bald kommt es
    wieder, dieses Brodeln in meinem Innern, das
    versucht, die Wand zu durchbrechen."

    ANIMOT
    "Weit schreien gedachte Worte.
    Alle habe ich geschrien.
    Fort sind sie."

    SOMA
    "Bin ich verurteilt wegen meines Körpers,
    der nichts sagt, nur altert, zerfällt?"

    ANIMOT
    "Ist er einmal zu Staub, mußt du sehen,
    daß ich weine; mußt du hören, warum."

    KENIO
    "Die Erde ist gefüllt mit Einsamkeit,
    die Einsamkeit mit Nähe."

    SOMA
    "Ich möchte dich nie wiedersehen, immer
    bei dir sein. Ich möchte dich lieben, körperlos,
    leicht. Ich möchte du erdrückst mich, schwerelos.
    Ich möchte du erzählst mir, ohne Worte.
    Ich möchte schreien, geräuschlos. Ich weiß
    nicht, wo ich bin. Meine Seele ist fort, auf
    der Suche, ohne mich, die ich nichts bin, ohne
    Seele, körperlos. Auch du schwebst irgendwo.
    Ich weiß nicht. Soll ich sterben oder leben?
    Ohne Seele, ohne Körper irgendwo schweben."

    SYRA
    "Die Unendlichkeit will ich ummauern,
    einen Raum des Vertrauens schaffen,
    inmitten der Raumlosigkeit Räume
    füllen, mit göttlichem Gesang."

    ...
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  7. #7
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    VII.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Hölle / Erde / Feuer / Luft / Wasser...

    Jetzt ist der Schnee gefallen. Weiß glänzt er, verdeckt so manches Geheimnis. Grün und
    aufrecht standen die Gräser, benetzt von zarten Regentropfen. Das Laub der Bäume rauschte,
    wo nun still der Schnee, glitzernd, vom Mond beschienen, die kahlen Äste bedeckt. Weiß und
    still, so muß es sein.

    SYRA
    "Feuer glimmt, von Schnee verdeckt. Wie tief
    es ist gesunken, so hoch wird es entflammen.
    Wenn die Sommersonne brennt, wird es aus
    der Erde brechen, hoch bis in den Himmel lodern,
    in die Sonnenarme hinein."

    SOMA
    "Wo stehe ich? Laufen möchte ich durch den
    Schnee und schreien, bis mir die Stimme versagt.
    Kälte spüren, bis die Glieder schmerzen."

    ANIMOT
    "Was hast du verloren? Ich kann es nicht finden.
    Eingeschneit muß es sein. Unter dieser warmen
    Decke ist es nicht verloren, nur bedeckt. Weiß
    und still liegt der Schnee darüber. Du läufst über
    den Schnee. Die Sonne wärmt."

    KENIO
    "Die Sonne geht am Morgen auf. Sonnenaufgang.
    Von dort kam ich und schaue nun nach Osten.
    Rückwärts laufend, komme ich nach Westen,
    zur roten Sonne. Sonnenuntergang."

    ANIMOT
    "Deine Spuren werden bleiben, darüber neuer
    Schnee, still, weiß und warm. Du mußt stehen
    bleiben, bis der Schnee schmilzt."

    SOMA
    "Send mir wieder erste Strahlen. Mit der
    Mittagssonne. Ruf mich zurück, und ich werde
    vorwärts laufen, in den Sonnenaufgang."

    ANIMOT
    "Die Zeit als Gefängnis läßt warten. Zerbreche
    die Fesseln der Zeit. Befreie dich."

    SYRA
    "Leben, ich liebe dich. Du bist stärker als
    die Zeit, denn es gibt dich, auch unabhängig
    von ihr. Die Zeit macht sichtbar. Alles, was
    sie zeigt, vergeht. Du bist um zu zerstören,
    Vergänglichkeit. Wie könnte ich leben, ohne
    Glauben an eine Ewigkeit?"

    ANIMOT
    "Nimm was du willst. Ich habe viel zu geben.
    Das, was ich behalten will, verstehst du nicht,
    ist nicht sichtbar, nicht in der Zeit. Gehört der
    Ewigkeit."

    SOMA
    "Sieh mich hier, unter dieser Lampe. Ansonsten
    mache mich unsichtbar. Nur für dich möchte ich
    sein. So, wie in diesem Licht, so ganz ohne
    Schmerz. Schmücke mich durch deinen Blick,
    Unsichtbarer, lasse mich leben, in deinen Augen,
    Unendlichkeit, Unendlichkeit, Unendlichkeit!"

    ANIMOT
    "Wie könnte ich dich verstehen? "

    SOMA
    "Hier ist mein Teller mit meinen letzten Früchten.
    Nichts werde ich nehmen, gehe ich durch die
    Pforte. Geschmückt werde ich sein, durch deinen
    Blick. Leben werde ich, durch deine Augen."

    ANIMOT
    "So öffne mir die Tür."

    SOMA
    "Was kannst du mir nehmen, außer das Nichts,
    das du mir gabst? Das Vergängliche. Ich will es
    nicht. Was könnte mich berühren? "

    ANIMOT
    "Sich aufgeben, um zu empfangen. Was ist das
    Nichts?"

    KENIO
    "Das, wo schon existiert, was nur gedacht war.
    Aufgehen im Nichts, um Gedanken einzuholen
    und in eine Realität zu führen, ins Sichtbare.
    Wann habe ich das erstemal gedacht? Sich
    einen Moment der Ewigkeit überlassen, sich
    verlieren um zu finden und sich vom Gedachten
    erfüllen lassen. "

    ANIMOT
    "Oh! Himmel! Es hat mich gedürstet nach deinem
    köstlichen Wein, und du hast mich verschlungen."

    SYRA
    "Feuer und Sonne werden sich küssen.
    Ein ewiger Brand, ein unendlich Leuchten;
    und Licht wird sein, solang die Erde sich dreht,
    und die Sonne glühen will."

    ...
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  8. #8
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    VIII.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Erde / Feuer / Luft / Wasser...

    Über einer einzigen Nacht sind Bäume erblüht, die Wiesen ergrünt.

    SYRA
    "Jetzt Leben erwecken, in einer Nacht, oder
    wenigsten selbst, wie die Natur, erwachen,
    wachsen, duften, schweben, blühen, leben."

    ANIMOT
    "Noch einmal sterben... "

    SOMA
    "Noch hatte ich keine Zeit zu trauern.
    Herr, hilf mir zu sterben, zu lieben, zu leben.
    Herr, gib mir Augen, Hände, laß mich Mensch
    sein. Gib mir einfach einfaches Leben."

    ANIMOT
    "Warum bin ich schon tot?
    Warum bin ich nicht tot?"

    SOMA
    "Laß mich sehen, fühlen, einfach, mit den
    Augen eines Menschen, mit den Händen
    der Lebenden. Laß mich bitte lieben.
    Laß mich doch lieben!"

    ANIMOT
    "Wie nicht schreien? Wie nicht diesen leblosen
    Körper beerdigen?"

    SOMA
    "Müssen wir dieses unwirkliche Leben führen,
    um das wirkliche zu erkennen?"

    KENIO
    "Doch wie das wirkliche erahnen? Von welcher
    Sicht, wenn ich nicht Mensch sein kann?"

    SOMA
    "Sag mir wer ich bin, sag mir, daß ich bin!
    Laß mich sein!"

    ANIMOT
    "Vergebens schreie ich. Was ich frage,
    ich frag es nicht mehr."

    SOMA
    "Meine Augen, meine Hände, leite sie, gib
    ihnen Licht, Leben! Leben durch dich.
    Wie könnt ich fragen?"

    KENIO
    "Mach mich taub gegen Worte, blind und
    gelähmt für die Taten des Menschen."

    SYRA
    "Gib mir Kraft zum wahren Leben. Du gabst
    mir die schönste Kraft von dir durch meinen
    Leib. Wie könnt ich zweifeln, wie unter den
    Menschen Hilfe suchen."

    ANIMOT
    "Menschen zerstören. Wie könnt ich den
    Wunsch haben, Mensch zu sein?"

    SOMA
    "Laß mich sehen, laß mich fühlen,
    mit deiner Liebe."

    SYRA
    "Führe mich zusammen mit denen, die nur
    durch dein Licht sehen und durch dich fühlen."

    SOMA
    "Gib mir Kraft, Geduld."

    ANIMOT
    "Lehre mich mein Leid zu ertragen,
    zu verachten."

    SYRA
    "Gib mir Licht, Tag und Nacht. Beschütze
    meine Demut. Halte meinen Kopf."

    ANIMOT
    "Wenn andere mich niederschlagen.
    Wie könnt ich mich sonst erheben?"

    SOMA
    "Wie könnt ich mich sonst erheben? Wie?"

    ANIMOT
    "Vergib mir."

    SOMA
    "Halte meinen Kopf.
    Halte meinen gebeugten Kopf."

    ANIMOT
    "Vergib mir."

    SYRA
    "Es gibt kein Warten mehr und kein Hoffen,
    nur die Sicherheit, daß alles blühen wird, was
    sich noch versteckt, daß die Kälte umsonst
    sich zeigt, daß es nichts zu vernichten gibt."

    KENIO
    "Was ist unsere Zeit zur Ewigkeit?
    Was ist unsere Entfernung zur Unendlichkeit?"

    SYRA
    "Sicherheit gibt es jetzt, Ruhe ohne Warten.
    Geduld. Wir brauchen keine Hast und keine
    Nähe, wenn Ewigkeit und Unendlichkeit sind."

    ...
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  9. #9
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    IX.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Luft / Feuer / Wasser...

    Der Schnee liegt auf den höchsten Bergkuppen. Taunaß ist das frischgeschnittene Gras.

    SYRA
    "Schön wie entfernte Berge, erdrückend wie
    die Wolken, stolz wie der Baum, wie die
    Gräser, stark wie der Wind, der sie bewegt,
    erfrischend wie die Luft, warm wie die Sonne,
    versteckt, wie diese, hinter Wolken… Ich
    liebe den Duft der Natur."

    SOMA
    "Nirgendwo siehst du die Umarmung von Himmel
    und Erde, wenn du aus dem Fenster schaust."

    ANIMOT
    "Mein Herz schlägt dafür."

    SOMA
    "Meine Beine sind schwer, zu müde bald um
    zu springen nach jeder kleinen Hoffnung, die
    neu sich zeigt und zu warten vor schwarzen
    Fenstern."

    KENIO
    "Dann springen die Gedanken, wenn die Beine
    ruhen und die Fenster leuchten, aber ich bin
    nicht dabei."

    ANIMOT
    "Lauf! Lauf!"

    SOMA
    "Wohin? Wohin?"

    SYRA
    "Ins Leben laufen, lebendig werden."

    KENIO
    "Mut zu leben. Sich den Weg eingestehen,
    wählen. Aus den Sumpf auf einen
    beschwerlichen steinigen steilen Weg. Mut ihn
    zu betreten. Mit blutigen Füßen weiterlaufen
    ist besser als lebendig sich zu vergraben."

    ANIMOT
    "Noch weiter gehen, um näher zu kommen. Leiden,
    Liebe spüren. Die Zeit ist unerbittlich."

    SOMA
    "Sie trennt, vergrößert Entfernungen, quält
    tief aus der Vergangenheit, weil sie nie vergißt."

    KENIO
    "Du kannst ihr nicht davonlaufen, sie fängt
    dich ein, umgibt dich, läuft dir voraus, holt
    dich ein, zieht dich mit."

    ANIMOT
    "Lockt dich. Sie erinnert, erinnert, erinnert...."

    SYRA
    "Ich vertraue, ich glaube, auch der Zeit."

    ANIMOT
    "Und ich liebe, liebe, liebe, auch die Zeit."

    SOMA
    "Sie kam, als ich wünschte, sie möge still
    stehen. Sie stand still, als ich ihr entkommen
    wollte. Ich habe versucht anzuhalten, wollte
    stehen bleiben in einem Hier und Jetzt, und
    da nimmt sie alles fort von mir."

    ANIMOT
    "Und gibt mir die Wahl: Sterben oder leben,
    stehen bleiben oder weiterlaufen. Sie hat
    die Entfernung geschaffen."

    KENIO
    "Der Gedanke ist so wahr wie die Entfernung,
    aus meinem Herzen sende ich ihn dorthin,
    er kommt zurück zu mir und bringt die Ferne
    ganz nah; wäre ich in der Ferne, wohin sollte
    ich meinen Gedanken senden, ohne mich zu
    entfernen?"

    SOMA
    "Aber indem ich weiterlief, kam ich auch näher,
    näher an die Zeit, näher zu mir selbst, näher,
    näher, näher..."

    ANIMOT
    "Such! Such!"

    SOMA
    "Wonach? Wonach?"

    ANIMOT
    "Alles kommt, wonach du suchst.
    Bleib stehen und schau!"

    SYRA
    "So klar wird mit geöffneten Augen, was immer
    war, unerkannt, daß ich nicht dort bleiben kann,
    wo Menschen vor mir flüchten; daß, wenn ich
    zögernd stehen bleib, mein Schuh entflammt;
    daß, wenn ich rufe den, der mich erhören will,
    der ist, der meinen Weg begleitet; daß ich nur
    diesen Weg beschreiten kann, der meine Haut
    mir reißt bei jedem Schritt, wo jede Spur mein
    Blut markiert, das ich erhielt um dort zu laufen
    und meinen Leib zu verlieren, wenn ich am Ziele
    angelangt und bloß, mit der Seele dort stehen
    werd, wo ich die Gnad erbitten will, die Gnade
    um mein Leben."

    SOMA
    "Die dünne Wolkendecke ist dick genug,
    um die Sonne zu verbergen."

    SYRA
    "Die Erde wartet auf den Regen."

    ...




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  10. #10
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    X.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Wasser...

    Die Luft ist gefüllt vom satten Duft der grünenden Natur, Insekten schwirren ziellos umher...

    SOMA
    "Die Natur erscheint traurig in ihrer Pracht.
    Sie blüht ohne Freude."

    ANIMOT
    "Eine herrenlose Katze bettelt,
    schreit klagend."

    SYRA
    "Die Vögel aber, in den Nestern, kreischen
    nach Futter, wachsen jeden Tag. Bald
    werden sie fliegen. Höher als die Insekten
    werden sie ein Ziel anfliegen, werden über
    Bäumen schweben,... "

    ANIMOT
    "... die blätterlos blühen, über abgemähtes
    Gras, über den undurchsichtigen Wald, über
    eisbedeckte Bergkuppen werden sie fliegen."

    KENIO
    "Sie verlassen das Nest. So einfach ist das.
    Jeder Vogel kommt aus einem Nest und wird
    ein Nest bauen."

    SOMA
    "Wir aber, wir sind ziellos umherirrende Insekten,
    herrenlose Katzen und die Bergkuppen erreichen
    wir nie. Nestbau haben wir verlernt."

    ANIMOT
    "Und wenn ich mich in das Nest setze und
    warte, bis meine Flügel kräftig sind...?"

    SOMA
    "Fliegen möchte ich. Irgendwohin."

    ANIMOT
    "Warum?"

    SOMA
    "Regen prasselt an mein Fenster. Fliegen
    möchte ich. Zurück."

    ANIMOT
    "Wohin?"

    SOMA
    "Hier kann ich nicht bleiben. Regen trommelt
    an mein Fenster."

    ANIMOT
    "Flieg doch, flieg!"

    SOMA
    "Ich muß noch, ich meine... Etwas vergaß
    ich, muß doch zurück, und kann doch nicht."

    ANIMOT
    "Ich schreie gegen das geschlossene Fenster."

    SOMA
    "Der Regen schreit lauter, übertönt mein
    Gejammer. Meine Seele klammert an den
    Fetzen meiner Liebe, die doch, zerrissen,
    dem Tod entgegenflattert. Sie ist in
    meinen Augen und trommelt mit meinen
    Tränen gegen das geschlossene Fenster."

    KENIO
    "Der Tod ist hier. Laß ihm die Fetzen und
    den Regen."

    ANIMOT
    "Wie könnt ich mich zerreißen? Zurückfliegen.
    Hier bleiben. Weiterlaufen, wo doch mein
    Körper hier vibriert, meine Seele nach hinten
    flieht, meine Augen nach Weite suchen."

    SOMA
    "Mein Körper wird erfrieren. Meine Seele
    verirren. Meine Augen erblinden."

    ANIMOT
    "Flieg doch, flieg!"

    SOMA
    "Könnt ich doch frei sein wie ein Vogel.
    Ziehen wohin ich will. Wenn es schwer
    wird auf der Erde geht man in die Lüfte,
    so frei schwebt man dahin, vergißt man
    für einen Moment die Erde,..."

    ANIMOT
    "... die herrlich ist, vom Menschen jedoch
    vergewaltigt und verdreckt."

    KENIO
    "Auch die Vögel fliegen erst aus ihren Nestern,
    wenn sie stark genug sind. Die Wärme des
    Nestes gibt ihnen Stärke. Warum verachtet
    der Mensch dermaßen die Natur, daß er es ihr
    nicht abguckt?"

    SOMA
    "Die Folge ist ein Sturz, gebrochene Flügel."

    ANIMOT
    "So kriecht er weiter, sich sehnend nach dem
    Nest. Doch kann er nicht mehr fliegen und das
    Nest liegt oben."

    SYRA
    "Der Wind wird wiederkommen. Er trug
    mich einmal und ich blieb dort wo er mich
    absetzte, und in seinen Lüften. Wenn er
    gegen meine Mauern schlägt, bin ich es
    doch, die draußen heult."

    KENIO
    "Wer kann den Wind in Mauern fangen?"

    SYRA
    "Rauschender Wind, meine Gedanken hast du
    erhört und getragen. Sonne, du hast deine
    Strahlen für mich gesendet. Überwältigende
    Natur, wie ich dich liebe, und du liebst mich,
    wie ein Stück von dir."

    ...
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  11. #11
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    XI.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Luft / Wasser...

    Die Sonne trocknet den Morgentau. Weinte die Nacht, weinte der Morgen?

    SOMA
    "Wenn die Sonne untergeht, ist der Mond
    so bleich und kaltes Blau verwandelt sich
    in die Tiefe der Nacht."

    KENIO
    "In der Finsternis trüben sich Blicke."

    SYRA
    "Berühren sich Seelen."

    KENIO
    "Verschwimmen klare Gedanken."

    ANIMOT
    "Ertönen Laute."

    SYRA
    "Öffnen sich Pforten tiefer Geheimnisse."

    ANIMOT
    "Und ich entschwebe mit den Vögeln,
    erblühe wie die Blume."

    SOMA
    "Ohne Sonne seh ich keine Farben."

    ANIMOT
    "Im Dunkeln begegneten sich zwei Schatten,
    verdeckten sich mit Finsternis, lösten sich
    auf, in Dunkelheit."

    SYRA
    "Ein Lichtstrahl drang bis hier."

    ANIMOT
    "Um zu sterben."

    KENIO
    "In der Finsternis verwandeln sich Gestalten,
    verschwinden Konturen. Laß der Natur ihre
    Geister."

    SYRA
    "Jemand entfachte ein Feuer, vor
    Sonnenuntergang."

    ANIMOT
    "Und es flackerte, reckte sich vergeblich
    nach Nahrung, wollte erlöschen."

    SYRA
    "Wind wärmte sich an der Glut, streichelte
    einen Körper, drang durch einen Leib, öffnete
    ein Auge."

    KENIO
    "Der Geist des Menschen ist ein Unruhestifter.
    Der Körper wird weder von Hunger noch von
    Schmerz, weder von Kälte noch von Hitze
    geplagt. Die Kräfte des Geistes müssen sich
    Bestätigungen suchen, daß seine körperliche
    Wohnung sie nicht benötigt."

    SYRA
    "Scheu tritt er dem ersten schüchternen
    Sonnenstrahl entgegen und sie berühren
    sich sanft und selbstverständlich."

    SOMA
    "Heute hörte ich mein Herz schlagen wie
    einst, so wunderlich, und es durchströmt
    die Sonne meinen Körper, so wohlig.“

    SYRA
    Eine Gestalt lief bis hier, um das Feuer zu
    nähren."

    SOMA
    “Wie ein Sonnenstrahl könnt ich jetzt
    scheinen, erwärmen, was meiner Wärme
    bedarf und in ein Herz dringen, damit es
    schlage wie einst, so wunderlich."

    KENIO
    Der Geist, angestrengt damit beschäftigt,
    seinen Körper, und damit sich selbst, am
    irdischen Leben zu erhalten, sucht eine
    neue Beschäftigung. Welchen Sinn könnte
    die haben? Welcher Sinn ist so sinnvoll
    wie dieser: der Sinn des Lebens, Geist und
    Körper im Kampf ums Überleben, aus Liebe
    am Leben. Ist nicht jeder andere Sinn ein
    künstlicher, ein Selbstbetrug?

    SOMA
    "Es sind die leeren Worte, die mein Herz
    aushöhlen, bis die freigelegte Quelle es mit
    Tränen füllt und sie fließen in die kalte
    Abwesenheit, bis auch meine Sonne dort
    versinkt und der letzte warme Strom verlöscht."

    SYRA
    "Eine Berührung wird Umarmung, wird zum Tag,
    der sich nun entflammt."

    ANIMOT
    "Und Flammen schossen gen Himmel, als die
    Sonne aufging."

    SYRA
    "Jeder Lufthauch eine Flamme, die zur Sonne
    züngelt, mit den Lichtstrahlen tanzt, und sie
    wiegen sich dort mittendrin, im warmen
    Feuerspiel des Lichtes, vor der kühlblauen
    Himmelsleinwand."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 15:05 Uhr) Grund: Link gelöscht

  12. #12
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    XII.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Feuer / Luft...

    Nebel verhüllte die Ufer, gab den Anschein der unendlichen Weite des Meeres,
    unbegreiflicher Tiefe. Geheimnis des Lebens, unsichtbar auf dem Meeresgrund.

    SOMA
    "Am rauschenden Wasser möchte ich stehen,
    auf einer Klippe sitzend auf Wellen schauen,
    vom Abhang übers Meer zum Horizont sehen."

    ANIMOT
    "Gegen den Fels schlägt das Meer seine
    Wellen, schäumend vor Kraft, meine Beine
    laß ich baumeln, frei über das Meer, über
    nasse, spitze Steine."

    SOMA
    "Ganz nah am Abhang sitze ich, schaue in
    die Tiefe."

    ANIMOT
    "Jetzt bin ich dort und noch nie und nirgendwo
    fühlte ich mich so sicher, als hier am Abgrund."

    SYRA
    "Auf dem reingewaschenen Fels sitze ich,
    reingewaschen von meiner Angst, und schaue
    vom höchsten Platz in die Tiefe."

    ANIMOT
    "Ich habe keine Angst mehr."

    SYRA
    "Rauschen tut mein Ohr. Duft steigt bis ins
    Herz. Unvergeßlicher Geruch, nie vergängliche
    Laute des Moments. Endlich frei von quälenden
    Gedanken. Geöffnet für Neues, jungfräulich."

    ANIMOT
    "Meine Illusion hat mich wieder,
    und ich verliere mich in ihr."

    SYRA
    "Es ist die alte Melodie, die doch so neu aufs
    neue erklingt."

    KENIO
    "Die gleiche Musik spielten sie gestern an
    einem anderen Ort. Gestern war ich dort,
    heute bin ich hier. Die Musik ist die gleiche."

    SOMA
    "Ich bin wie gestern, glaube ich, nur die
    Menschen von gestern sind verschwunden."

    ANIMOT
    "Andere sind da, aber niemand hört die Musik."

    SYRA
    "Eine Welle nach der anderen schickt das
    Meer zum Strand. Ein gleichmäßiger Rhythmus,
    eine beruhigende Musik."

    KENIO
    "Farblos und geräuschlos bewegt sich ein
    Schiff am Horizont. Ein weißes Segel vor
    dem Felsen auf dem Meer, weiß der Schaum
    der Wellen. Gelbes Sonnenlicht legt grüne
    Streifen auf das Wasser."

    ANIMOT
    "Hier fallen keine Blätter."

    SOMA
    "Heute sah ich die Ufer und den Grund
    des Wassers."

    ANIMOT
    "Was ich liebte, enttäuschte mich,
    da ich es sah."

    SOMA
    "Wenn der Nebel fällt, werde ich stehen
    und träumen, am uferlosen Wasser und
    mich versenken, im Meer."

    KENIO
    "So nimm als Geschenk, einsames Schiff, das,
    was du zurückläßt und auf den unbekannten
    Gewässern, auf denen du segeln wirst, wird
    dich auf nicht vorhandenen Stränden niemand
    erwarten."

    ANIMOT
    "Alles, was ich ersehnte rauscht an meinem Ohr."

    SOMA
    "Herr, mein Gott, nimm mein Leben nun oder
    zeige mir einen Weg, denn allein kann ich nicht
    weiter."

    ANIMOT
    "Willst du ich gebe, so gebe ich."

    SOMA
    "Jeder Schmerz macht mich glücklich, aber
    ich sehe keinen Weg, nur das Meer."

    ANIMOT
    "Das Rauschen der Wellen."

    SOMA
    "Verlaß mich nicht, ich hab nur dich und mein
    Leben. Ich bin bereit. Zeig mir einen Weg und
    ich folge, auch mit blutigen Füßen. Versperr
    mir den Weg, und ich gehe ins Meer, glücklich
    dich gefunden zu haben."

    ANIMOT
    "Ich danke dir, ich danke dir. Vergib mir.
    Ich bitte dich. Send mir einen Stern."

    SYRA
    "Ob ich im Wasser bin, oder in den Lüften,
    ich habe das Festland verlassen."

    KENIO
    "Ich bin kein Vogel und kein Fisch, muß an
    Land gehen oder landen, meinen Fuß auf
    einen Weg setzen."

    SYRA
    "Ob das Wasser mich gelockt, oder die
    Lüfte mich gehoben haben, mein Herz hat
    sich geöffnet, meine Seele ist befreit."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 15:06 Uhr) Grund: Link gelöscht

  13. #13
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    XIII.

    Ort: Körper / drinnen / Himmel / Hölle / Erde / Luft / Feuer / Wasser...

    Sonnengelb leuchten Blumen, ein Bussard schwebt darüber. Gelbe Blumen
    blühen überall zwischen dem hochgewachsenen Gras.

    ANIMOT
    "Gelbe Blüten an Mauern, an Sträuchern,
    und die Bäume tragen ihre weißen Blüten."

    KENIO
    "Sonnengelb. Sonnenblumen. Durchbruch,
    Ausbruch, Erneuerung. Bausteine. Der
    Grundstein des Glücks, unter freiem Himmel.
    Befreiung aus der Sklaverei."

    ANIMOT
    "Jetzt, da auch hier die Natur ohne Angst vor
    kalten Tagen hervorbrechen kann, da alles
    ruhig wächst, vom Regen begossen worden ist
    und nun sicher in der Sonne sich wiegt, jetzt
    frage ich mich, ob die Pflanze, die unsichtbare,
    sich hervorwagen wird. Wann und wo sie
    blühen will, wo der Wind sie hingeweht hat,
    ob sie überhaupt Wurzeln hat, welche Farbe
    die Blütenblätter haben werden, welchen Duft
    sie ausbreiten wird."

    KENIO
    "Was die Gedanken pflanzten, können die
    Gedanken auch wieder auslöschen. Nur ein
    Gedanke, oder auch zwei, und ich kenne nur
    einen."

    ANIMOT
    "Pflanze, du hattest Durst. Wie konntest du
    wachsen, deine Blätter entfalten, dich in
    deiner bescheidenen Schönheit zeigen. Du
    weißt, jetzt bekommst du Wasser."

    SOMA
    "Wohin wachsen...?"

    SYRA
    "Der Sonne entgegen, als gäbe es nur noch
    einen Sommer, als gäbe es nur noch Sommer,
    Wachstum, Blühen und Leuchten."

    ANIMOT
    "Da die Natur den Winter verschlafen hat,
    in ruhiger Umwandlung, und den Herbst
    noch nicht kennt, darum laß uns, die wir
    unsere Wurzeln in uns tragen, die Blätter
    nicht verlieren. Laß uns vergessen, daß es
    Winter gibt und laß uns wachsen; denn es
    ist ein anderes Licht, das uns blühen läßt.
    Laß uns wachsen, als gäbe es nur Sommer."

    SYRA
    "Es ist wahr. Das Licht ist heller, wärmer,
    weiter, höher, tiefer; es reicht bis dort.
    Deshalb will ich in ihm wandeln, mit Freude,
    mit all meiner Liebe so weit, so hoch, so tief."

    ANIMOT
    "Bis dort."

    Gewundene Wege. Irrfahrt in die Dunkelheit, bis der Mond hindurchquillt,
    fast rund und leuchtend, transparent gelb, golden.

    SOMA
    "Als die Sonne unterging, erwachte ich.
    Der Himmel war rot, ich hörte ihren Schrei
    und folgte ihm. Als ich das Meer erreichte,
    umhüllte mich das Schweigen der Nacht."

    KENIO
    "Ich habe mich verirrt, im Dschungel meiner
    Gedanken. Eine Stimme erreichte mich bis hier.
    Jemand hörte meinen Schrei und gab mir Antwort."

    SYRA
    "Die Dunkelheit der Nacht soll meine Finsternis
    sein, das Sonnenlicht des Tages meine Augen
    öffnen; aber mein Herz will lieben und meine
    Seele im Licht sein, jeden Tag und jede Nacht."

    ANIMOT
    "Die letzte Welle umspülte die untergehende
    Sonne. Ihr Rauschen durchdrang die Dunkelheit,
    noch warm von den letzten Sonnenstrahlen,
    und es gab nichts mehr, daß ich suchen wollte."

    SOMA
    "Ich warte auf die erste Welle, entferne mich,
    bei Sonnenaufgang, entferne mich."

    SYRA
    "Meinen Körper will ich lassen, meine Seele
    will ich geben, und mein Herz schreit Liebe,
    und ich bitte für meinen Weg, und ich bitte
    darum, einen Weg zu haben."

    SOMA
    "Ich möchte an Land gehen und laufen, der
    aufgehenden Sonne entgegen."

    ANIMOT
    "Die letzte Welle ertränkte die letzte
    Sonnenglut und ich entferne mich, beginne
    zu suchen."

    SYRA
    "Das Haus, das es nicht gibt, die Suche nach
    etwas, wohin? und das Ahnen, die Ahnung
    nach dem Erscheinen einer Eigenheit, nicht
    hier zu finden. Vergeblich suchend, geleitet
    vom Mond, gebettet noch in Finsternis, ein
    Weg hier nicht zu finden."

    ANIMOT
    "Wer baut für die Toten?"

    SOMA
    "Wie hatte ich glauben können, am Ziel zu sein?"

    KENIO
    "Laufe weiter, denn dort, wo nichts wächst
    ist der Tod und die Menschen, die auf diesem
    Boden graben sind so tot wie dieser Boden.
    Wie könnte ich mit denen kämpfen, die nichts
    zu verteidigen haben?"

    ANIMOT
    "Wie mit denen reden, die mir mein Leben
    neiden? Fliehe vor den Toten."

    SYRA
    "Die Wellen steigen ergeben, erheben sich und
    sinken bis in den Raum, von eigener Zeit und
    eigenen Wegen und einem eigenen Licht, das
    langsam erleuchtet, bewegt, bis zur Explosion."

    ...
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  14. #14
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    XIV.

    Ort: Körper / draußen / Himmel / Hölle / Erde / Luft / Feuer / Wasser...

    SYRA
    "Hatte ich vergessen, wie tief die Melodien
    durch zugemauerte Kammern dringen und den
    Tod erwecken, aus längst vergangenen Zeiten
    begrabene Sehnsüchte wieder erwecken?"

    SOMA
    "Rein und unschuldig ist meine Liebe,
    unbekannt und fremd."

    ANIMOT
    "Fremd doch warm, unheimlich, beängstigend,
    unverständlich."

    SOMA
    "Zehrt an meinem Körper. Meine Seele zittert."

    ANIMOT
    "Beruhig sie mit deiner Wärme."

    SOMA
    "Noch einmal, wie für immer."

    ANIMOT
    "Lasse nicht einzig sein und schmutzig, was
    ehrlich ist und für immer."

    SOMA
    "Ich erwarte nichts."

    ANIMOT
    "Nur meine Liebe, was immer das ist, möchte
    ich geben."

    SOMA
    "Ist das nichts wert, bin ich nichts wert."

    ANIMOT
    "Ich verlange nichts, ich will nur leben."

    KENIO
    "Wahre Liebe ist ein sehr persönliches Gefühl.
    Ich habe meinen Egoismus besiegt. Weil du bist,
    bin ich glücklich. Ich besitze dich nicht, erwarte
    nichts von dir."

    ANIMOT
    "Aber sterben könnt ich unter deinen Händen
    ohne Anklage, wie ich unter meinen Händen
    sterben könnt."

    SOMA
    "Akzeptiere meine Liebe, mache mich nicht
    wertlos."

    ANIMOT
    "Du hörst mir nicht zu. Willst du nicht hören?
    Oder hast du einen Schmerz, den ich nicht
    fühlen kann? Ich möchte auch leiden."

    SOMA
    "Ich frage nicht. Ich habe auch Angst vor
    meiner Liebe, die du zurückweisen kannst und
    ich, am Boden zerschmettert, möchte leben."

    ANIMOT
    "Ich weiche zurück, mein Herz wird kalt. Ich
    kann nicht anders."

    SOMA
    "Wenn ich nicht lieben darf, wie soll ich dann
    leben?"

    ANIMOT
    "Flucht in den Traum, Tag und Nacht. Realität
    wird zum Traum, Traum wird wirklich."

    KENIO
    "Traumlos schlafen, das möchte ich jetzt und
    alle Freundlichkeit kann mich nicht zum träumen
    verlocken."

    ANIMOT
    "Traumgestalten tanzen vor müden Augen.
    Stimmen aus der Ferne."

    KENIO
    "Wie ein Marionettenspieler erhebst du die
    Stimme und wartest, erwartest, und die
    Reaktion vieler Stimmen befriedigt deinen Geist.
    Über deine Puppen spielst du mit den Menschen
    und bleibst unerkannt im Hintergrund."

    SYRA
    "Ich bin sehr weit entfernt."

    KENIO
    "Ich muß sehr weit mich entfernen, um wie ein
    Stern in deinen Augen ein Licht zu sein."

    ANIMOT
    "So sehr ich versuche, ich bleibe am Fleck. Ich
    leide nicht."

    KENIO
    "Was ist wahr? Schwer ist es zu verstehen,
    leicht ist es zu verletzen."

    SOMA
    "Ich will leiden."

    ANIMOT
    "Leblos leben. Traumlos träumen."

    SOMA
    "Tausche meine leichte Lebenslast, gegen
    deine schwere Leichtigkeit."

    ANIMOT
    "Tausche Leben ohne Wert, gegen Last des
    Lebens."

    KENIO
    "Was war und was ist und was nicht ist,
    was wird und was nicht wird, Beweis und
    Bestimmung, laßt mich zeitlos."

    SYRA
    "Bis in die Fingerspitzen nun fühlt der Mensch
    sein Sein in aller Unendlichkeit. Schweben im
    zeitlosen Raum, der Geburt und Tod verbindet,
    zur Unsterblichkeit."

    ...
    Geändert von Farbkreis (22.01.2012 um 15:07 Uhr) Grund: Link gelöscht

  15. #15
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    La Croisée
    Beiträge
    1.357
    XV.

    Ort: Körper / drinnen / draußen / Hölle / Erde / Feuer / Luft / Wasser...

    Die Sonne steht hoch am Himmel. Warm umspült die Luft die Haut.

    SYRA
    "Alles wird so klar und einfach, leicht wie
    klares, seichtes, warmes Wasser und darüber,
    der Himmel, weit und blau, geöffnet."

    SOMA
    "Das Wasser fließt und umspült meine Beine.
    Wohin und woher will ich nicht wissen."

    ANIMOT
    "Ob ich ihm nachschaue, oder ob ich
    zurückschaue, warum weine ich?"

    SOMA
    "Ich schaue nicht."

    ANIMOT
    "Ist das Wasser kalt oder lau?"

    SOMA
    "Es umspült meine Beine. Ein sanftes
    Streicheln, und schon fließt es fort und
    das Wasser, was mich umspült ist in jedem
    Moment ein neues."

    ANIMOT
    "Ist es kalt oder warm?"

    SOMA
    "Ich fühle nicht, ich will nicht wissen, nicht
    weinen."

    KENIO
    "Seit ich mich befreit habe, aus der Sklaverei
    meiner Gefühle, gehöre ich zur Masse, zu
    einer bestimmten. Individuelles Leben kann
    nicht gedeihen. Ein bestimmter Rhythmus
    beherrscht die Abläufe, und der Mensch
    bewegt sich nach diesem Rhythmus."

    ANIMOT
    "Die Sonne brennt am Tag jede Träne aus
    dem Herzen."

    SYRA
    "Ja, sie weint am Abend, und ich liebe ihre
    rotglühende Trauer, die sie hinter die Berge
    trägt, fortträgt."

    ANIMOT
    "Ich weiß was kommen muß. Der Tag, den
    man nehmen muß wie alle Tage."

    SYRA
    "Und er ist schön wie jeder Tag, wenn man
    ihn lebt."

    SOMA
    "Ich warte nicht mehr. In der Kälte stand ich
    vergeblich wartend. Nur der Frost umarmte
    mich. Im Regen stand ich den ganzen Frühling.
    Nur das Wasser umspülte mich. Jetzt umarmt
    mich die Sonne, umspült mich mit ihrem Licht.
    Soll ich jetzt daran denken, daß der Sommer
    vorbeigeht?"

    ANIMOT
    "Jeden Moment kannst du sagen jetzt, und
    wartest auf diesen Moment."

    KENIO
    "Er steht vor dir, genau dort in der nächsten
    Zukunft, und eigentlich könnte er immer dort
    bleiben."

    SOMA
    "Ich weiß, ich muß es bald sagen, und wer
    weiß, wohin dann meine Hoffnung eilt."

    KENIO
    "Die größte Hoffnung der Zukunft, das Jetzt,
    einmal wird sie sich erfüllen, und so schnell
    in die Zeit der Erinnerungen fallen."

    ANIMOT
    "Deshalb ist das Warten darauf so wunderbar,
    das Kurzdavorstehen."

    SOMA
    "Wie anders ist es doch jetzt."

    KENIO
    "Nur anders, oder falsch, oder einfach
    ahnungslos?"

    ANIMOT
    "Aber das Warten ist schön, so wunderschön."

    SOMA
    "Jetzt liegt der Schnee auf den höchsten
    Bergkuppen, alle Wege blühen und führen zum
    Meeresstrand."

    SYRA
    "Heute ist mein Leben, und heute leuchtet in
    ihm die Sonne."

    SOMA
    "Ich wünsche mir ein Leben, in dem diese
    Sonne scheint."

    ANIMOT
    "Ich warte nicht mehr."

    SOMA
    "Soll ich jetzt an morgen denken?"

    ANIMOT
    "Jetzt gibt es nur noch ein Morgen.
    Selbstverständlich auch die Gegenwart. Die ist
    ja immer, immer jetzt"

    SOMA
    "Ich wünsche mir ewigen Sommer."

    ANIMOT
    "Ich möchte noch länger warten, ewig warten,
    auf diesen nächsten Moment, auf dieses Jetzt."

    KENIO
    "Jetzt und hier sind Minuten, ist Ewigkeit."

    ANIMOT
    "Völlige Leere."

    SYRA
    "Es ist die Zeit Ewigkeit, die im Meer auf Wellen
    schaukelt. Hier geben wir uns die Hände."

    ANIMOT
    "Ich werde nie deine Augen vergessen. Wie
    das blasse Blau des Himmels, weit, unerreichbar,
    so still."

    ...
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